Donnerstag, 25. August 2016

Sternstunde mit kleiner Einschränkung

Hervorragend herausgespielt, souverän verteidigt, Aufgabe ganz toll gelöst: Der ungefährdete Rückspiel-Sieg gegen Bern war nicht nur historisch und hochverdient. Er zeigte all das, weswegen Borussia zurecht gefürchtet wird: Konsequente Balleroberung, überfallartige Konter und spielerisch hochwertige Passstaffetten bis zum Torerfolg. Diese Leistung zu diesem frühen Saisonzeitpunkt abrufen zu können, beweist, dass das Trainerteam in der Vorbereitung einiges richtig gemacht hat. Und das1 hochverdiente 6:1 lässt ahnen, was in dieser Saison ein großer Vorteil des VfL sein könnte - dass viele in der Mannschaft perfekt aufeinander eingespielt sind und sich auf dem Rasen fast blind verstehen. Das ließ sich gegen Bern an dem magischen Dreieck Raffael, Hazard, Stil beobachten, die wiederum sehenswert mit Patrick Hermann und Fabian Johnson harmonierten. So wie sie zuvor mit Hahn, Traoré oder Wendt kombiniert hatten - wenngleich wohl noch nie so perfekt wie an diesem Abend gegen die bedauernswerten Gäste aus der schweizerischen Hauptstadt, die nur ihr hervorragender Torwart Mvogo vor einer zweistelligen Klatsche bewahrte.

Eine ganz starke Leistung also im Borussia Park, die nur einen Schönheitsfehler hatte: Die Gala gelang gegen einen schon geschlagenen Gegner. Bern war, anders als im Hinspiel, zu keiner Phase des Spiels in der Lage, der Schubert-Elf etwas ernstzunehmendes entgegenzusetzen. Der frühe Rückstand gab ihnen dann den Rest. Der in Bern äußerst unangenehme kopfballstarke und ballsichere Sturmtank Hoarau war nicht zu ersetzen, sein Vertreter Frey fiel ausschließlich durch plumpe Fouls auf. Die ebenfalls ersatzgeschwächte Abwehr war völlig überfordert und kam stets einen Schritt zu spät. Das bewies einmal mehr, dass in der Bundesliga und in der Schweizer Liga nicht im gleichen Tempo gespielt wird, eine Erfahrung, die auch Granit Xhaka in seiner ersten Bundesligasaison machen musste.

Mit dem Hinweis auf die Berner Schwäche will ich keineswegs das tolle 6:1 kleinreden. Auch einen angeschlagenen Gegner muss man erstmal so konzentriert beherrschen und ein ums andre Mal ausspielen. Doch weder Leverkusen noch einer der folgenden Gegner worden Borussia nochmal so leicht machen. Jetzt kommen die Mannschaften, die auch die Gladbacher Hintermannschaft ganz anders fordern werden. In Bern war deutlich zu sehen, dass die junge VfL-Defensive auch schnell mal in Unordnung zu bringen ist. Und unterschätzen wird Raffael und Co. keiner mehr. Nach diesem Auftritt schon gar nicht.

Champions League, Qualifikation, Rückspiel: Borussia Mönchengladbach - Young Boys Bern 6:1
(Tore: 1:0 Hazard, 2:0 Raffael, 3:0 Raffael, 4:0 Hazard, 5:0 Raffael, 6:1 Hazard)

Montag, 22. August 2016

Kontrollierte Grausamkeit

Wenn ein Champions-League-Anwärter bei einem Viertligisten mit Mühe 1:0 gewinnt, über 90 Minuten gerade einmal drei nennenswerte Torchancen herausspielt, ist das relativ mager. Wenn auch der Gegner nicht mehr zustandebringt, kann man getrost davon ausgehen, dass das Spiel kein Brüller gewesen ist.

In einer trägen ersten Halbzeit schien das einzige Ziel des VfL eine möglichst hohe Ballbesitzquote zu sein. Viel zu langsames, quer statt steil ausgerichtetes Passspiel, oft aber auch das noch fehlerbehaftet: Borussia war im Vergleich zum Dienstag in Bern nicht wieder zu erkennen. Statt Fußballfeuerwerk gab es vonseiten der Fohlen diesmal eher kontrollierte Grausamkeit zu sehen. Das wurde in der zweiten Halbzeit zwar etwas besser, aber längst nicht gut. Und allein die Tatsache, dass die Amateure in der Nachspielzeit noch eine große Chance zum Ausgleich bekamen, spricht Bände. Letztlich zählt der Sieg, auch wenn er knapp war. Doch er offenbarte auch, dass die Saison trotz aller Vorschusslorbeeren kein Selbstläufer werden wird.

In den vergangenen Tagen rund um das Spiel in Bern war viel die Rede von der Ausgeglichenheit des Kaders. Die ist ohne Zweifel vorhanden. Doch in dem kleinen Ort an der Elbe konnte sich - außer Tobias Sippel, der im Borussendress weiter ohne Gegentor ist - keiner von denen auszeichnen, die ins Team rotiert wurden. Gut, Julian Korb schoss ein Tor, was an sich schon außergewöhnlich ist. Doch ansonsten gelang es ihm nicht, sich im Flügelspiel besonders auszuzeichnen. Technisch beschlagene Spieler wie Jonas Hofmann und Mo Dahoud enttäuschten über weite Strecken des Spiels, offenbarten vor allem in der ersten Halbzeit zudem erschreckende technische Schwächen. Patrick Hermann fand in Drochtersen überhaupt nicht statt, Abwehrhüne Jannik Vestergaard war nicht so souverän, wie man es gegen Regionalliga-Gegenspieler erwarten könnte.

Auch Stammkraft Oscar Wendt kam in beiden Spielen nur selten zur Geltung.

Insgesamt gefiel sich die Mannschaft zu sehr darin, den Ballbesitz zu maximieren, zugleich mit der Geduld im Quer- und Rückwärts-Spiel das Risiko zu minimieren, um sich nicht vom unterklassigen, aber gut organisierten Gegner überrumpeln zu lassen. Das führte unweigerlich dazu, dass im Spiel nach vorn rein gar nichts zusammenlief. Das Tor in der 55. Minute war bezeichnenderweise Produkt der ersten wirklich gelungenen und für den Gegner überraschenden Kombination des VfL im ganzen Spiel.

Nun sollte man die Kirche im Dorf lassen und nicht alles zu dramatisch sehen, was am Samstag nicht funktionierte. Gegen Bern und Leverkusen wird der VfL ganz sicher ein anderes Gesicht zeigen als gegen den tapferen und gut eingestellten Pokalgegner. Klar ist aber auch: Es gibt für André Schubert keinen Grund, am Mittwoch im Vergleich zum Playoff-Hinspiel personell viel zu verändern. Dazu hätte in Drochtersen mehr passieren müssen.

DFB-Pokal, 1. Runde: SG Drochtersen/Assel - Borussia Mönchengladbach 0:1

(Tor: 0:1 Korb)