Mittwoch, 18. Oktober 2017

Einen schwachen Gegner stark beherrscht

Es gibt Tage, da geht alles auf, was du dir vorgenommen hast. Und es gibt Tage, da funktioniert nichts. Das Spiel in Dortmund gehört zur zweiten Kategorie, das in Bremen zum erstgenannten. Da zwischen diesen beiden Auftritten nicht allzuviel Zeit liegt, lässt sich aus meiner Sicht im Moment vorsichtig nur eins konstatieren: Der VfL ist auf einem guten Weg, aber längst noch nicht so stabil, wie es der jüngste Auftritt im Weserstadion vermuten lassen könnte.

Fraglos hat die Mannschaft in Bremen eins der souveränsten Auswärtsspiele der vergangenen Jahre gezeigt, und - das ist in diesem Zusammenhang nicht selbstverständlich - es auch noch sicher und zu Null gewonnen. Die Chancenverwertung war im Vergleich zu den Spielen zuvor annehmbar - in der ersten Halbzeit sogar vorzüglich, weil die Tore von Stindl (Weltklasse!!!) und Vestergaard (wunderschön) gegen einen ohnehin verunsicherten Gegner frühzeitig die Weichen auf Sieg stellten. Das phasenweise eher unattraktive quer- und zurücklastige Kombinationsspiel war ebenfalls wieder da. Es erfüllte diesmal aber seinen Zweck. Die Hecking-Elf spielte den Gegner effektiv wund - Borussia fand immer wieder mit einem überraschenden Tempowechsel oder dem Pass in die Spitze Wege, die Bremer Defensive in Schwierigkeiten zu bringen.

Das große Aber in der Bewertung dieses Sieges ist für mich allerdings der Gegner. Bremen war schwach - schwächer als zu erwarten war. Der Versuch, mit Pressing Druck auf die Gladbacher Abwehrspieler auszuüben, wurde nur halbherzig umgesetzt, sodass Vestergaard und Co nicht, wie in den anderen Spielen zuvor, regelmäßig in die Bredouille gerieten. Dazu kamen bei den Norddeutschen viele individuelle Schwächen, die Borussia gute Chancen und ein relativ entspanntes Spiel ermöglichten. Gegenspieler Belfodil ließ zum Beispiel beim 2:0 Vestergaard allein hochspringen, Thorgan Hazard war an diesem Tag von keinem Bremer in den Griff zu bekommen. Wäre der Werder-Keeper nicht so gut in Form gewesen, hätte es wohl ein Debakel für Bremen gegeben.
Andererseits waren die Bremer auch nicht in der Lage, ihre eigenen Chancen konsequent zu nutzen. Wäre der Fußballgott an diesem Tag ein wenig ungerechter gewesen, hätte er dem SVW durchaus einen Punkt bescheren können.

Was also nimmt man aus diesem Spiel mit? Selbstvertrauen, sicher. Den Eindruck, dass sich auch die zuletzt eher schwächelnden Spieler wie Raffael und besonders Oscar Wendt verbessert zeigten. Die begründete Hoffnung, dass Thorgan Hazard, in diesem Spiel klar der beste Gladbacher, auf dem Weg zu alter Stärke ist. Ihm fehlt vielleicht nur noch, dass mal einer dieser Bälle reingeht, die er sich super erarbeitet und mit denen er am Sonntag immer nur zentimeterweit am Torerfolg vorbeischrammte.

Am nächsten Samstag gegen die im Vergleich mit Bremen und Hannover deutlich stärker einzuschätzenden Leverkusener wird sich zeigen, ob der glatte Sieg an der Weser eher am eigenen dominanten Auftritt oder an der Schwäche des Gegners lag. Darauf bin ich sehr gespannt. Denn natürlich möchte ich gern glauben, dass die Mannschaft nun ihren Rhythmus und ihre Balance gefunden hat. Aber das leistungsmäßige Auf und Ab im Jahr 2017 lässt mich doch eher mit Vorsicht an diese Hoffnung herangehen. 
Immerhin hat die Mannschaft jetzt mit Grifo, Traoré, Cuisance und (hoffentlich) Hofmann und Bobadilla auch wieder Alternativen auf der Bank, die einem festgefahrenen Spiel noch eine andere Wendung geben können. Leider scheint darüber Patrick Herrmann derzeit ein wenig abgehängt zu sein. Es würde mich freuen, wenn auch er zu alter Stärke zurückfinden würde - und zwar bei uns, nicht bei einem anderen Verein. Dass die Situation für ihn im Moment alles andere als befriedigend ist, kann sich jeder ausmalen.
 
Bundesliga, Saison 2017/18, 8. Spieltag: Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 0:2 (Tore für Borussia: 0:1 Stindl, 0:2 Vestergaard)

Samstag, 30. September 2017

Balsam für die Seele

Es wäre vermessen, wenn ich heute die Leistung der Borussen über das gesamte Spiel hinweg bewerten würde. Denn ich habe - das erste Mal seit einer sehr langen Zeit - nicht das ganze Spiel gesehen, sondern nur die letzten 25 Minuten. 
Nach allem, was ich bis jetzt an zusätzlichen Infos dazu bekommen habe, habe ich aber nichts Wesentliches verpasst und sogar vielleicht ein paar Nerven geschont, die ich zum Spielende hin gut gebrauchen konnte. 
Die Mannschaft tat sich heute - erneut gegen einen sehr massiert in der eigenen Hälfte stehenden Gegner, genauso schwer wie in den Wochen zuvor. Immerhin ließ man nicht so viele hochkarätige Chancen des Gegners zu - es waren aber immer noch genug, um das Spiel auch verlieren zu können. 
Dass das nicht geschah, war das Befreiendste heute. Ein weiterer hart erkämpfter Dreier, der auch eine gehörige Portion Glück vorne benötigte (nicht nur beim späten Elfmeterpfiff) - genauso wie Pech beziehungsweise Unvermögen des Gegners vor Yann Sommers Tor. Natürlich hätte Harnik drei Minuten vor Schluss statt der Latte das leere Tor treffen müssen, was wohl der Todesstoß für die Hecking-Elf in dieser Partie gewesen wäre. Und Glück war es auch, dass der Ball nach Juli Korbs Flanke Minuten zuvor so passgenau zwischen Fabian Johnsons Körper und der Armbeuge durchflutschte, dass man eben nicht auf Handelfmeter gegen den VfL entscheiden musste.

Der am Ende glückliche, aber aufgrund des deutlich stärkeren Bemühens der Gastgeber verdiente Sieg war vor einer erneuten Saisonstörung namens Länderspielpause immens wichtig: für die vom BVB durchgeschüttelte Mannschaft und für die Fans, die auch etwas Balsam auf die geschundene Seele verdient haben. Ein spät erzwungener Sieg wie der gegen die bis dahin ungeschlagenen 96er stärkt den Glauben an die eigene Stärken. Das kann nie schaden. Und mit 11 Punkten ist der VfL wieder im Soll, die Krise, auf die manches Boulevardblatt schon leise zuschreiben wollte, ist vertagt.
Dennoch gibt es nichts zu beschönigen. Es fehlt Stindl und Co. bis auf wenige Phasen an Mitteln, den Defensivkünstlern unter den Gegnern ihre Ordnung mal gehörig durcheinanderzubringen. Auch in der Schlussphase heute ging meist ein Pass im Mittelfeld nach vorne und dann wieder zwei zurück oder quer. Das änderte sich in der Zeit, die ich live gesehen habe, erst, als Zakaria und Grifo im Spiel waren, die etwas unkonventioneller zu Werke gingen. Ja klar, auch der junge Cuisance zeigt das schon ganz eindrucksvoll. Hut ab auch für seinen feinen Freistoß vor dem 1:0. Aber Spielern wie Raffael und zum Teil auch den emsigen Christoph Kramer und Thorgan Hazard geht diese Raffinesse derzeit etwas ab. Die Scheu vor Risiko, die da mitunter durchscheint, macht Spiele aber schnell auch zäh und das Publikum ungeduldig.
Es fehlt dem VfL außerdem an probaten Mitteln, sich druckvollem Angriffssspiel spielstarker Gegner zu erwehren. Das fällt zugegebenermaßen gegen eher passive Gegner wie Hannover oder Stuttgart nicht ganz so auf. Aber außer Dortmund können auch noch eine Reihe anderer Teams richtig fies dominant spielen. Und die kommen alle erst noch.

Randbemerkungen: Froh bin ich, dass mit Grifo und Jantschke endlich wieder zwei gestandene Alternativen mehr zur Verfügung stehen. Schade fand ich, dass Tobias Sippel nach seinem Alptraumabend in Dortmund heute nicht noch eine Chance auf eine Rehabilitation bekommen hat. Denn auch wenn Yann Sommer wieder fit war: Es hätte dem verlässlichen Ersatzmann sicher gut getan, wenn er nicht mit sechs Gegentoren im Rucksack, für die er noch nicht einmal etwas konnte, auf seinen nächsten Einsatz hätte warten müssen. Sehr schön war, dass auch Julian Korb heute nochmal die Möglichkeit hatte, sich von den Fans zu verabschieden. Ich habe ihn immer für eine Bereicherung unseres Kaders gehalten, er war loyal und hat immer ehrliche Arbeit abgeliefert. Deshalb freut es mich für ihn auch, dass er in Hannover auf Anhieb Stammspieler geworden ist. Alles Gute, Juli!


Bundesliga, Saison 2017/18, 7. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Hannover 96 2:1 (Tore für Borussia: 1:0 Ginter, 2:1 Hazard FEM)