Montag, 22. Dezember 2014

Der Lauf der Dinge

Nun ist es endlich raus.
Die Spielchen der Manager, Berater und Medien sind zu Ende, die Fronten geklärt: Christoph Kramer spielt noch ein halbes Jahr für Borussia und setzt dann seine Karriere in Leverkusen fort.

Alles ganz normal, weil vertraglich von Anfang an so vereinbart. Und wer realistisch war, konnte nicht ernsthaft damit rechnen, dass Leverkusen oder ein noch zahlungskräftigerer Verein einen solchen Spieler für kleines Geld überlässt. 

Nach Kramers heutigem ausgeschlafenen Statement über Instagram geht alles also wieder seinen gewohnten Gang. Und damit sollte auch das Murren unter Borussias Fans aufhören, das in den vergangenen Wochen mit jeder Äußerung und jeder Pirouette auf dem Spielfeld vernehmbarer geworden war. Ich jedenfalls bin mit dem Leihgeschäft und dem Verlust des Spielers längst versöhnt.
Und ich gönne ihm, dass er nun, befreit von dem ganzen Hickhack um seine Person, in der Rückrunde noch mal richtig auf-, aber nicht mehr überdreht.

Grund zum Ärgern gibt es nicht. Kramer hat durch seine Leistung Borussia geholfen, sogar Geld für Nationalmannschaftseinsätze brachte er ein, kostete dabei aber fast nichts. Wer dagegen rechnet, was ein fester Transfer eines anderen Spielers über die zwei Jahre gekostet hätte, kann ja wohl kaum sagen, dass das kein gutes Geschäft war. Dass Borussia nicht Bayern und auch nicht Chelsea oder PSG ist, dass wissen wir alle. Und so wird es weiterhin der Lauf der Dinge sein, dass wir sehr gute Spieler zu früh abgeben müssen.

Jetzt kann sich also jeder wieder auf seine Aufgabe konzentrieren: Max Eberl forciert die Suche nach einem Nachfolger, Chris Kramer bringt sich wieder in Topform und Rudi Völler freut sich ein Loch in den Bauch, dass ihm Lucien Favre in der Zwischenzeit einen Topspieler gebacken hat. Und Favre macht, was er immer macht - den nächsten Spieler, der kommt, auf ein besseres Niveau bringen.


Hier ist Christoph Kramers Statement auf Instagram nachzulesen


Samstag, 20. Dezember 2014

Keine Scherben unterm Baum

Nun ja, am Ende der Hinrunde war offensichtlich ein kleines bisschen zu viel Luft raus.

Heißt im Ergebnis ja nicht mehr als das gewohnt schlechte Ergebnis gegen den FC Augsburg, natürlich gekrönt durch einen Ex-Gladbacher.
Dennoch gönne ich es Callsen-Bracker, Bobadilla und Co. diesmal deutlich mehr, weil sie sich den heutigen Sieg mit spielerischer Klasse und guter Taktik verdient haben. Bisher verlor Borussia wichtige Punkte in diesen Duellen ja stets gegen einen unangenehm-agressiv-zweikämpfenden Gegner, der sich in der eigenen Hälfte einigelte und entweder durch einen fiesen Konter oder per Zufall erfolgreich war - zum Beispiel, indem er mit einem Gewaltschuss einen Gladbacher anschoss, von dem der Ball unhaltbar abgefälscht zum entscheidenden Treffer ins Tor trudelt. So hatte ich in den letzten Jahren immer ein mulmiges Gefühl vor Spielen gegen den FCA. Nicht ohne Grund, wie sich auch diesmal wieder zeigte.


Klar, auch die Niederlage gegen Augsburg war vermeidbar, wie die gegen Frankfurt und auch die gegen Dortmund und Wolfsburg. Nichtsdestotrotz war sie heute verdient. Augsburg war abgesehen von der Anfangsphase die bessere Mannschaft, und wären sie nicht ähnlich fahrlässig mit ihren Chancen umgegangen wie wir, wäre das heute ein ganz bitterer Tag für die Hintermannschaft um den auch heute wieder exzellenten Yann Sommer geworden. 
 
Wer ehrlich Bilanz zieht, muss die kleine Enttäuschung von heute aber ausblenden. Man kann und darf der Mannschaft angesichts dieser Hinrunde überhaupt keinen Vorwurf machen. Vierter Platz in der Bundesliga, Gruppensieg in der Euro League und die dritte Runde im Pokal erreicht - das ist es, was es zu bewerten gilt. Nicht so sehr die zuletzt phasenweise etwas bröseligen Auftritte, mit denen sich das ausgepowerte Team in die Winterpause gerettet hat. Und diese Bilanz ist für alle, die die bitteren Zeiten noch gut in Erinnerung haben, nach wie vor eine Sensation. Und sie sollte uns alle mit dem Weihnachtsbaum um die Wette strahlen lassen, auch wenn die letzte Christbaumkugel beim Schmücken hingefallen und zerbrochen ist.

Das einzig Blöde daran ist, dass man mit der Ausbeute der Hinrunde trotz Platz vier noch immer im Niemandsland steht, und keinen der Mitkonkurrenten um ein paar Punkte auf Distanz halten konnte. Je nachdem, wie Borussia im Februar aus den Startlöchern kommt, bedeutet das, man rennt im Rudel weiter vorne mit in Richtung der großen Fleischtöpfe, oder man rennt erstmal hinterher und hofft, die großen Hunde wieder einzuholen. Wenn einen die Ergebnisgrippe erwischt, kann es sogar nach unten noch mal brenzlig werden. Das ist, nach allem, was ich in dieser Saison vom VfL gesehen habe, nicht zu erwarten. Aber es gibt ja warnende Beispiele...
 Insgesamt gesehen ist es ist zwar ärgerlich, weil man manchem liegengelassenen Punkt nachweinen darf, denn letztlich war die Mannschaft stets selbst daran schuld, wenn ein Gegner trotz überlegenen Spiels der Borussia nochmal gefährlich wurde. Favres Jungs scheinen mit einer Führung im Rücken zu ruhig und abgeklärt weiterspielen, nicht einen Deut mehr ins Risiko gehen zu wollen, als es unbedingt sein muss. Wer es kritischer sieht, sagt, sie schalten einen Gang zurück und geben sich mit der knappen Führung zufrieden. Sie warten dann auf die geniale Idee, den schneidenden Pass durch die Abwehr in die Tiefe oder den schnellen Konter, der das Spiel entscheidet. Das alles wäre kein Problem - und Gladbach stände gar nicht so weit weg von den Über-Bayern -, wenn sie die in jedem Spiel vorhandenen erstklassigen Torchancen auch besser nutzen würden.


Andererseits war das Gück ja auch nicht immer gegen uns. Und darauf hoffe ich auch wieder in der Rückrunde.

Bundesliga, 17. Spieltag 2014/15: FC Augsburg - Borussia Mönchengladbach 2:1 (20.12.14)

Freitag, 19. Dezember 2014

Heimspiel im Sportstudio

Geheimtipp, Transfermeister, Bayern-Jäger, Rekordserien- und Krisen-Fohlen: In den diversen Medien, die sich auf unterschiedlichem Niveau mit Borussia beschäftigen, hat Lucien Favres Team in diesem Jahr schon eine bewegte Schlagzeilen-Karriere hinter sich.

Ein Sender aber scheint uns in diesem Jahr besonders lieb zu haben: Das ZDF.
Vor einem einem Monat erst war Yann Sommer im Aktuellen Sportstudio zu Gast, am morgigen Samstag kommt Manager Max Eberl ab 23 Uhr zu Wort.
Doch damit noch nicht genug: Am 28. September machte Jochen Breyer dem damaligen "Fußballgott" und Noch-immer-Weltmeister Christoph Kramer seine Aufwartung. Und am 10. Mai durfte Marc André ter Stegen noch als Borusse mit den Mainzelmännchen über seine Ziele in Barcelona plaudern.

Das hat es seit den 70er Jahren nicht mehr gegeben - wenn überhaupt jemals zuvor. Jahrelang schaffte es die ZDF-Redaktion nämlich, gänzlich ohne Gladbacher Studiogäste auszukommen. Das war so auffällig ärgerlich, dass ich vor einigen Jahren sogar eine ausgiebig recherchierte Mail an das ZDF schrieb, in der ich aufzählte wieviele Bayern-Lümmel und andere halbbegabte Balltreter in der Zwischenzeit ihr Gesicht in die Kamera halten durften, während man die tapfer kämpfenden Borussen Woche für Woche von der Mattscheibe und der Torwand fernhielt.
Mein kühner Vorstoß wurde - wie zu erwarten - mit einer nichtssagenden Standard-Bla-Bla-Mail beantwortet. Aber seit diesem Jahr weiß ich: Die Botschaft ist angekommen!

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Süße Bescherung im Park

Letztes Heimspiel im Jahr, ein ungefährdeter 4:1-Sieg, vorerst Platz drei in der Tabelle und dann auch noch eine tadellose Schiedsrichterleistung von Robert Hartmann - man sollte meinen, es war ein perfekter Abend im Borussia-Park.

Und doch hallten während des Spiels zeitweise durchaus vernehmbar Pfiffe durch das Stadion. Auch wenn ich das überhaupt nicht leiden kann, weil man der Mannschaft damit nie hilft: Es war nicht völlig unverständlich. Denn nach der Halbzeit leistete Borussia kurzzeitig mal wieder unnötige Aufbauhilfe für einen schwachen Gegner. Ein dummes Gegentor, ein paar schlampige Abspiele und Fehler im Aufbauspiel und schon geriet Borussias gepflegtes Passspiel aus dem Gleichgewicht. Gegen Eintracht Frankfurt ging das schief, gegen Hertha wurde es dank der kollektiven Schonhaltung zum Spielende noch mal enger als nötig. Gegen Bremen zum Glück nicht, wozu natürlich in erster Linie der hochverdiente Platzverweis gegen Bremens Caldirola beitrug.

Allerdings muss man schon bemäkeln, dass die Borussen in solchen Situationen nicht vehement nachsetzen und den Deckel auf ein Spiel draufmachen - viele Spiele in den Knochen hin oder her.
In einer Saison, in der man mit einem nicht gewonnenen Spiel gleich mal drei, vier Plätze nach unten rutschen kann, spielt am Ende sicher auch die Tordifferenz eine wichtige Rolle. Gegen Hertha wurde ein klarerer Sieg verdaddelt, weil in den letzten zehn Minuten der Ball nur noch in der eigenen Hälfte zirkulierte. Gegen Bremen stellte das Team schon ab der 70. Minute das Spiel nach vorne weitgehend ein. Da täuscht auch Hrgotas 4:1 kurz vor Schluss nicht darüber hinweg.

Das alles ist natürlich wieder ein Jammern auf hohem Niveau. Das weiß ich. Und ich bin so froh, dass ich das derzeit Woche für Woche machen und dabei trotzdem ganz entspannt bleiben kann.

Bundesliga, 16. Spieltag 2014/15: Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 4:1 (17.12.14)

Montag, 15. Dezember 2014

Ein verloren gewonnener Punkt

Sich jede Woche über Schiedsrichter aufzuregen, macht keinen Spaß. Auch wenn sich der Sportskamerad Gagelmann heute alle Mühe gab, mich zur Weißglut zu bringen. Und wenn dann auch noch Marcel Reif kommentiert, muss man von einem Spiel nicht mehr wirklich viel Vergnügen erwarten. Und doch war das Sonntagspiel in Leverkusen für mich am Fernseher heute ein schönes Erlebnis. Denn es war eins der besten Spiele der Borussia in dieser Saison.

Am Ende kann man beweinen, dass die Jungs die klareren Torchancen hatten, diese aber nicht zum Sieg nutzten. Man kann sich genausogut freuen, dass am Ende nicht die vierte Niederlage im fünften Bundesligaspiel stand. Denn in der ersten Hälfte ließ Bayer dem VfL zeitweise kaum Luft zum Atmen. Und auch in der zweiten Hälfte wurde es in einigen Szenen äußerst heikel.

Aber im Gegensatz zum Spiel gegen die Bayern und den knappen Niederlagen gegen Wolfsburg und Dortmund (das man zumindest in diesem Spiel als Spitzenmannschaft ansehen musste) war die Elf von Lucien Favre diesmal deutlich stärker in der Defensive und ließ nur wenige erstklassige Torchancen zu (das Tor fiel noch nicht mal aus einer besonders guten Position). Die kämpferische und läuferische Leistung verdient wie schon in den jüngsten Spielen ein Sonderlob. Und auch im Spiel nach vorn lief es wieder viel geradliniger. Einige der Konter waren sogar richtig klasse.

So war es am Ende ein bisschen mehr ein gewonnener Punkt als zwei verlorene. Und damit beantwortet sich auch die Frage, ob Borussia die ihr angedichtete Krise überwunden hat. Ich denke, die Siege gegen Hertha und Zürich und der Punkt in Leverkusen sind eine unmissverständliche Antwort darauf. Der VfL ist wieder da! Jetzt noch mal gegen Bremen und Augsburg alles geben und auf der Höhe sein und ein fantastisches Jahr geht zu Ende.

Bundesliga, 15. Spieltag 2014/15: Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach 1:1 (14.12.14)

Freitag, 12. Dezember 2014

Abgeklärt und ungefährdet

Seit langem konnte ich mich mal wieder relativ entspannt zurücklehnen und genießen, was unsere Jungs sich gegen einen defensiven Gegner einfallen lassen. Was dabei herauskam, war wirklich eine sehr reife Leistung des VfL, auch wenn der Gegner durch die passive Spielweise seinen Teil dazu beigetragen hat.
So kann ich mich diesmal auf Kleinigkeiten konzentrieren, die mir beim Gruppensieg-Sieg gegen Zürich nicht gefallen haben. Zum Einen ist mir Christoph Kramer immer noch zu behäbig in der Ballweiterleitung. Die guten, gefährlichen zentimetergenau und knackig scharf in die Spitze gespielten Pässe kommen fast alle von Granit Xhaka, der auf der Sechserposition derzeit ohne Konkurrenz ist.
Das zweite, und das ist ebenfalls Jammern auf hohem Niveau, war das Ballgeschiebe in der Schlussviertelstunde. Kräfte sparen gut und schön, das ist verständlich. Ballbesitzfußball auch, weil natürlich der Gegner kein Tor schießen kann, wenn er den Ball nicht hat. Aber für die Zuschauer ist das nicht schön, gerade an so einem schönen Europapokal-Abend.
Pfiffe, wie ich sie vereinzelt wahrgenommen habe, sind deswegen aber noch lange nicht gerechtfertigt. Dafür ist die Zwischenbilanz der Mannschaft viel zu gut.

Euro League 2014/15: Borussia Mönchengladbach - FC Zürich 3:0 (11.12.14)

Sonntag, 7. Dezember 2014

Der Bruder von Eden Hazard

Ein Spieler hat mich im Spiel gegen die Hertha heute besonders beeindruckt: Thorgan Hazard. Na klar, Tony Jantschke hat das Tor getroffen, Traoré und Hermann waren fleißig, Granit Xhaka hat bis auf wenige schwache Pässe und manche Risikogrätsche gut die Fäden gezogen.
Aber der junge Belgier zeigt seit Wochen, dass er in der Bundesliga immer besser ins Rollen kommt. Heute war wohl sein bestes Spiel für Borussia. Nicht nur, weil er sein erstes Bundesligator geschossen hat und an den beiden anderen maßgeblich beteiligt war. Nein, er zeigt inzwischen eine erstaunliche Reife in den Zweikämpfen, arbeitet viel und durchaus effektiv nach hinten mit und bringt mehr Spielwitz mit als die immer sehr geradlinig nach vorne stürmenden Flügel Herrmann und Hahn.
Das braucht das Spiel der Borussia, vor allem dann, wenn diese einfachen Laufwege vom Gegner zugestellt sind, was zuletzt immer häufiger der Fall war. Davon profitierte zum Beispiel auch Alvaro Dominguez beim 2:1, als ihn Xhaka toll bediente, zuvor aber Hazard den Angriff einleitete und dem Spanier den Weg über außen erst frei machte - eine Variante, die über rechts bisher noch nie so richtig funktioniert hat; weder mit Korb noch mit Jantschke.

Es riecht ein wenig danach, dass Thorgan, den seit Beginn der Saison jeder Fußballreporter nur als den "kleinen Bruder von Chelseas Eden Hazard" vorstellte, ab jetzt mehr Spielzeit bekommen wird. Und darauf freue ich mich. 
 
Bundesliga, 14. Spieltag 2014/15: Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC Berlin 3:2 (6.12.14) 

Auf dem Weg der Besserung

Puh, das war wichtig!
Ob der hochverdiente Sieg gegen die Hertha nun schon das Ende der "Mini-Krise" war, werden wir erst am Ende der vor uns liegenden Woche sehen - nach dem Endspiel in der Europa League und dem Spiel in Leverkusen.

Allerdings hat mich das Spiel trotz zäher Phasen insgesamt positiv gestimmt. Darauf kann man aufbauen und dafür danke ich heute vor allem dem Gegner, der freundlicherweise nicht so aggressiv und früh angegriffen hat wie unsere Gegner zuvor. Danke, Jos. Denn das hat der Mannschaft von Lucien Favre die Sicherheit gegeben, die zuletzt doch manchmal gefehlt hat. Und trotz einiger fürchterlich unpräziser "Pass-Vergehen" im Angriff war es letztlich ein zu knapper Sieg, was natürlich auch an dem lächerlichen (will heißen: einmal mehr unberechtigten) Elfmeter zum Schluss lag.

Aber auch heute hat mich die Borussia ungewollt wieder ganz schön Nerven gekostet, weil es im Moment ohne Spannung bis zum Schluss offenbar nicht zu machen ist.

Nehmen wir es am besten so, wie es ist. Ein guter Schritt, um sich Selbstvertrauen und Sicherheit zurückzuholen, gegen einen Gegner, der defensiv sehr ordentlich stand, aber Borussia Defensive nur ganz selten fordern konnte oder wollte. Wenn die Berliner ehrlich sind, werden sie immer noch rätseln, wieso am Ende zwei Tore auf ihrer Habenseite standen. Denn ganz anders als in den vergangenen drei Wochen hatte Yann Sommer heute fast nichts zu halten und auch längst nicht so viele Ballkontakte wie gewohnt.

Bundesliga, 14. Spieltag 2014/15: Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC Berlin 3:2 (6.12.14) 

Montag, 1. Dezember 2014

Hände weg

Was hat die doch ziemlich idiotische Handspiel-Regel in der Bundesliga mit Borussias 0:1 in Wolfsburg zu tun? Eine Menge.
Denn das entscheidende Tor für die Wölfe fiel nach einer Fehlerkette in der Abwehr mit einer zu kurzen Abwehr von Dominguez, die Marcel Schäfer auf der linken Seite erst die Möglichkeit eröffnete, den Angriff fortzusetzen. Sein Gegenspieler Tony Jantschke zog, in Erwartung einer Flanke, dabei die Arme so weit hinter den Körper, dass er bei Schäfers Antritt in Richtung Grundlinie nicht mehr rechtzeitig zurück in eine vernünftige Zweikampfstuation kommen konnte und dieser letztlich unbedrängt flanken konnte.


Genau auf dieses Problem hatte Lucien Favre in seinem legendären Interview nach dem Handelfmeter gegen Julian Korb (1:1 gegen Mainz) schon einmal sehr anschaulich hinzuweisen versucht:

Lucien Favre über eine absurde Regel 

Und es ist seitdem immer wieder zu beobachten, wie sich Abwehrspieler verrenken, um nicht versehentlich ein Handspiel zu verursachen (extrem oft bei Korb, Wendt und Dominguez zu sehen). Hoffentlich schaut man beim DFB und den Regelwächtern bei dieser Szene vom Sonntag endlich mal genau hin. Deutlicher kann man den Irrsinn dieser Regel kaum demonstrieren.

Bundesliga, 13. Spieltag 2014/15: VfL Wolfsburg - Borussia Mönchengladbach 1:0 (30.11.14) 

Sonntag, 30. November 2014

Angekratzt

Und wieder ein Ergebnis zum Wegwerfen. Wie immer in Wolfsburg die unnötige Niederlage abgeholt. Dass ich mich während des Spiels aufs Unflätigste aufgeregt habe, lag diesmal weniger am lahmen Auftritt in der ersten Halbzeit. Es ist diese Ungerechtigkeit, die sich durch die ganze Saison zieht, und mich manchmal rasend macht. Die Unparteiischen messen einfach zu oft mit zweierlei Maß.
Auf Gladbacher Seite gibt es Gelb, in der Regel geht das auch in Ordnung, auf der anderen Seite zu häufig nicht. Heute hätten es allein 5 bis 6 gelbe Karten für Wolfsburg sein müssen, doch am Ende steht die Bilanz Gladbach 2 Verwarnungen, Wolfsburg keine. Trotz klarster taktischer Fouls, trotz teilweise ruppiger Angriffe, ließ Schiri Stark immer wieder die Karte in der Tasche. Dass er noch in drei heiklen Szenen im Wolfsburger Strafraum gegen Borussia entschied, passt dazu.

Sehr häufig zu beobachten ist in dieser Saison, dass die Vorteilregel bei Gladbacher Kontern zwar gut ausgelegt wird (letzte Saison wurden noch einige vielversprechende Angriffe unterbrochen), doch die fällige Gelbe Karte für ein taktisches Foul vom Schiri dann "vergessen" wird. Heute gab es in einer Szene gleich drei Fouls an konternden Gladbachern, davon zwei, die gelbwürdig waren. Doch es folgte: nichts.

Aber gut, auch heute lässt sich sagen: Der Schiri war nicht Schuld an der Niederlage. Chancen waren da, die nicht sehr eingespielte Defensivformation stand ordentlich, aber es fehlt im Spiel der Borussen einfach derzeit der Esprit, der zündende Gedanke, die Schnelligkeit im Spiel. Dass sich die Gegner auf die Spielweise mit den schnellen Außen im Laufe der Saison einstellen würden, war klar. Doch jetzt ist es soweit, das haben zuletzt Dortmund, Frankfurt, Wolfsburg und sogar Limassol gezeigt. Und Favres Team hat, wie es scheint, keine Antwort, außer den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen und lieber einmal mehr zurückzuspielen als den überraschenden Pass nach vorne zu riskieren. In der Vorsaison gab es das auch schon mal, allerdings machten die Gegner damals die Zentrale dicht, weil beim VfL über Außen nicht viel lief. Das derzeitige Ballgeschiebe mag einer gewissen Verunsicherung geschuldet sein, doch es gewinnt keine Spiele.

Woran liegt das? Vermutlich an vielen Details. Spieler, die ihrer Bestform hinterherlaufen (Kruse, Raffael, Kramer, Hahn, Wendt, Korb...), und die doch nicht immer so gleichwertig ersetzt werden können wie es zu Beginn der Saison schien. Die Belastung durch viele Spiele und die Euroleague-Reisen, ein paar Verletzungen mehr als zu Beginn und so weiter.

Und dennoch darf man das nicht zu kritisch sehen. Dass junge Spieler Durchhänger haben, ist normal. Wenn zu viele gleichzeitig durchhängen, führt es zu vielen kleinen Fehlern, die dann zu solchen vermeidbaren Niederlagen führen können. Daran zeigt sich, dass der Bayern-Jäger-Hype eben nur ein medialer Traum ist. Wer realistisch ist, weiß: Die Mannschaft ist noch nicht so weit.Und sie braucht umso mehr jede Unterstützung, kein genervtes und von der 18-Spiele-Serie geblendetes Publikum.

Bundesliga, 13. Spieltag 2014/15: VfL Wolfsburg - Borussia Mönchengladbach 1:0 (30.11.14)

Freitag, 28. November 2014

Halbvoll

Das Remis beim FC Villareal, was war das nun: Punktgewinn oder Punktverlust?
Ich gebe zu, ich hätte ein Endspiel gegen Zürich nicht gebraucht. Aber letztlich musste man nach dem Spielverlauf am Ende zufrieden sein. Und neben dem wichtigen Punkt in der Tabelle war es doch auch ganz wichtig für die Torschützen. Endlich ein Erfolgserlebnis für den zuletzt so flügellahm wirkenden Raffael, und ein Knaller für das Selbstvertrauen von Granit Xhaka. Letzteres ist nicht nur wichtig für ihn selbst, sondern auch für all die, die ihn bei jedem Fehler gleich wieder in Frage stellen wollen. Der Aufschwung in dieser Saison hat maßgeblich mit dem jungen Schweizer zu tun. Und das hat am wenigsten damit zu tun, dass er in dieser Saison auch ab und an mal das Tor trifft, statt auf die Oberränge zu zielen.

Euro League 2014/15: FC Villareal - Borussia Mönchengladbach 2:2 (27.11.14)

Sonntag, 23. November 2014

Normale Härte

Wow, wie schnell das geht. Erst himmelhoch jauchzend, jetzt wieder zu Tode betrübt. Borussia Mönchengladbach hat nach dem ersten gleich auch das zweite Spiel hintereinander verloren. Ein Skandal, wenn man so manchen Fan-Kommentar im Netz oder manche Zeitungsschlagzeile liest.

Ich sage: Nö, das ist ganz normal.
Gegen Dortmund darf man verlieren, gegen Frankfurt musste man nun wirklich nicht verlieren. Tat es dann aber doch, und das am Ende völlig verdient. Das macht aus einem angeblichen Bayernjäger noch lange keine Grottenkicker. Sowenig wie das übertriebene Lob in den vergangenen Wochen ist nun übertriebene Kritik an der Leistung in den letzten beiden Spielen angebracht.

Klar - hätte, wenn und aber. Nach 15 Minuten musste die Eintracht eigentlich schon drei Tore geschluckt haben, dann wäre an diesem Tag auch nichts mehr angebrannt. Im Laufe des Spiels ließ die Spannkraft in Borussias sonst so laufstarker und geschickt verteidigender Einheit aber immer mehr nach. Und nach dem Ausgleich passierte das, was in den Jahren zuvor immer verlässlich so viele Punkte gekostet hatte. Statt in der kritischen Phase ruhig weiterzuspielen, wie schon so oft in dieser außergewöhnlichen Saison, ging es kopflos ins Verderben.
Dazu hat natürlich auch die Eintracht mit ihrem gut aufgezogenen Offensivspiel einiges beigetragen. Nicht zum ersten Mal übrigens. Im Aufeinandertreffen im Pokal fiel das nicht so ins Gewicht, weil es Borussia gelang, die Frankfurter über weite Strecken in der eigenen Hälfte festzunageln und da, wie gestern in der Anfangsphase, von einer Verlegenheit in die nächste zu stürzen.
Wer sich erinnert: Trotz des kreativen Feuerwerks, wurde es am Ende im Pokal auch nochmal ganz schön eng.Damals wäre ein Sieg der Eintracht allerdings natürlich nicht verdient gewesen. Gestern war er es ohne Zweifel. Und da gilt es für Favre und die Spieler anzusetzen: die bisher gezeigte Dominanz auch in schwächeren Phasen des Spiels nicht preiszugeben, weil man sonst dem Gegner hinterherläuft.

Dumm gelaufen, aber letztlich doch alles im Rahmen. Und nach dem nur durch ein unglückliches Tor verlorene Dortmundspiel auch gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner hoffentlich der richtige Dämpfer.
Auch für uns Fans, die heimlich ja doch schon ein ganz kleines bisschen von ganz oben geträumt haben. Das ist aber doch noch weiter weg, als auch ich es vor dem Spiel wahrhaben wollte.

In jedem Fall stützt es die immer wieder wiederholte Aussage von Favre und Eberl, dass man in dieser Liga immer an die Grenze gehen muss. Lässt man nur etwas nach, und das war gestern der Fall, kann jeder gegen jeden verlieren. An den fehlenden Spielern (Kramer, Stranzl) würde ich die Niederlage auf keinen Fall festmachen, auch wenn speziell Dominguez und Wendt keinen guten Tag erwischt hatten. Es fehlte insgesamt zuviel, auch bei Kruse, Hahn und Raffael. Daher war es für mich etwas unverständlich, dass Hazard und Traoré erst so spät kamen.

P.S. Natürlich  ein saudummes Verhalten von Granit Xhaka in der Schlussphase, aber auch hier muss man die Kirche im Dorf lassen. Denn der Junge hat in den vergangenen Monaten schon viel cleverer gelertn zu spielen und auch erheblich weniger gefoult (und gelbe Karten kassiert) als in den ersten beiden Saisons. Natürlich muss er sich vor allem das rüde Foul verkneifen, das ist nicht zu entschuldigen. Aber seinen Frust nach zwei - aus meiner Sicht falsch - zurückgepfiffenen Toren und dem Spielverlauf, das kann ich auch nachvollziehen. Wenngleich ich gestern das Gefühl hatte, selbst die beiden Abseitstore hätten diesmal nicht für einen Punkt gereicht.

Bundesliga, 12. Spieltag 2014/15: Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 1:3 (22.11.14)

Dienstag, 11. November 2014

Fußballgott

Nun hat er ins eigene Tor getroffen, unser Weltmeister. Und das entscheidend, auch noch gegen die falsche Borussia. Eigentlich Gründe genug, sich aufzuregen. War aber nicht nötig. Denn erstens war die Niederlage verdient, zweitens kann so was mal passieren und drittens wurde es Zeit für einen Dämpfer. Die Fach- und auch die Weniger-Fachmedien überschlugen sich in den Lobhudeleien über die neuen alten Fohlen und die Unbesiegt-Rekordserie, sodass es schon fast peinlich wurde. Und der Effekt zeigte sich bisweilen auch schon mal in der Spielweise. Vor allem bei Christoph Kramer, der schon in den Partien zuvor zu oft den abgeklärten Regisseur gab, der erstmal eine Pirouette dreht und dann meist doch einen verzögerten Kurzpass zum nächsten Mann spielte, der das Spiel nicht entscheidend weiterbrachte - zulasten seiner ungestümen Laufstärke, mit der er sich vergangene Saison so eindrucksvoll und verdient in die Nationalmannschaft katapultiert hatte.

Na gut, doof war Kramers Eigentor natürlich trotzdem. Denn die Schwarz-Gelben hätten an diesem Tag wohl selbst das Tor nicht mehr erzielt. Es fiel ausgerechnet in der Phase, in der der VfL sich gerade etwas aus der Umklammerung zu befreien begann. Als die Dortmunder Spieler erste leise Verzweiflung durchscheinen ließen, weil kein Ball reinging. Und dumm war es vor allem, weil die Clubs hinter uns keine Anstalten machen, zu schwächeln.

Denn der Blick in der Tabelle sollte bei aller Euphorie immer noch über die Schulter gehen, auf die, die hinter uns stehen. Denn da kommen wir her.

Bundesliga, 11. Spieltag 2014/15: Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 1:0 (9.11.14)

Sonntag, 9. November 2014

Hals nicht voll

18 Pflichtspiele ohne Niederlage, einsame Spitze, Vereinsrekord: Ich bin ganz berauscht von dem, was Borussia seit Saisonbeginn gezeigt hat. Und nun ist die Serie gerissen. Ein bisschen erleichtert einen das ja auch.
Wer aber jetzt anfängt zu jammern und zu schimpfen, wie das 0:1 in Dortmund zustandekam, hat sie nicht alle an der Waffel.

Denn es ist immer noch ein weiter Weg, um auf gleichem Niveau zu spielen wie die Bayern und Dortmund. Das hat, wer Augen hat, auch in diesen beiden Spielen gesehen. Gegen jede andere Mannschaft in der Liga kann der VfL Dominanz im Spiel zeigen. Gegen den BVB und die Bayern (noch) nicht. Das muss man akzeptieren, auch wenn es schwer fällt.

Bundesliga, 11. Spieltag 2014/15: Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 1:0 (9.11.14)

Sonntag, 21. September 2014

Nicht verloren, nicht gewonnen

Ein 0:0 im Derby. Das fühlt sich irgendwie an wie nicht gespielt.

Bundesliga, 4. Spieltag 2014/15: 1. FC K*** - Borussia Mönchengladbach 0:0 (21.9.14)