Montag, 25. Mai 2015

Borussias Transfer-Orakel (2)

Im Moment wird ja so ziemlich jeder Bundesligaspieler, der geradeaus laufen kann, ein bisschen Entwicklungspotenzial hat und auch noch teuer ist, als Neuzugang bei Borussia ins Gespräch gebracht. Zeit, das Transfer-Orakel zu bemühen und schon mal einen Blick darauf zu werfen, was davon überhaupt sinnvoll sein kann.

Im ersten Teil habe ich geschrieben, auf welchen Positionen der Verein wohl handeln wird, ohne besonders auf Namen von möglichen Neuzugängen einzugehen. Da war der Abgang von Max Kruse auch noch nicht fix.

Da ich über keinerlei Kanäle in die Entscheidungsebene verfüge, kann ich über Namen natürlich nur spekulieren und versuchen, einzuordnen, ob sie zur Gladbacher Philosophie passen.

Handlungsbedarf gibt es:

auf der Torwartposition 2, wenn Blaswich geht (bei Heimeroth sehe ich nicht den Grund, warum er nochmal wechseln sollte). Hier wird in den vergangenen Tagen auch aus seriösen Quellen Tobias Sippel aus Kaiserslautern gehandelt (Kicker), das klingt auch schon recht konkret. Ich rechne damit, dass nach dem Saisonende in der 2. Liga hier schnell Klarheit besteht. Das bedeutet wohl, dass Blaswich geht, was ich für beide Seiten nachvollziehbar finde.

in der Abwehr: Filip Daems muss ersetzt werden, hier gibt es aus meiner Sicht aber derzeit wenig Ergiebiges in der Gerüchteküche. Der immer wieder gehandelte Fabian Schär (Basel) ist noch immer recht teuer (durch die Option der Baseler bis 2017), irgendwie scheint mir das Interesse bei der Borussia auch nicht (mehr) so richtig da zu sein. Der junge Willi Orban vom FCK wird genannt, sein Teamkollege Dominik Heintz oder der Düsseldorfer Jonathan Tah (der eigentlich dem HSV gehört), aber ich rechne eher mit einem schon gestandenen Spieler, den man jederzeit ins kalte Wasser werfen kann, auch in der CL. So ein Chaos wie damals in der Saison 2010/11 mit dem bedauernswerten Bamba Anderson möchte ich nicht noch mal erleben. Aus der zweiten Liga geholt, spülten ihn die Verletzungen und Sperren unvorbereitet ins Team und er war damals damit völlig überfordert.
Als Eigengewächs sollte aus meiner Sicht Marvin Schulz den Platz des Nachwuchsmannes auf der Innenverteidigerposition einnehmen, zumal er auch auf der Sechs agieren kann.

im Mittelfeld: Torben Marx und Christoph Kramer machen zwei Plätze im Kader frei. Nehmen wir  Lars Stindl von Hannover 96 als Kramer-Ersatz, bleibt hier noch eine Stelle offen. Dass hierfür große Summen ausgegeben werden, denke ich nicht. Vielleicht kommt auch einer, der als Sechser und als Abwehrspieler eingesetzt werden kann. Oder ein Nachwuchsmann, der schon erste internationale Erfahrung gesammelt hat. Da wurden ja zuletzt zwei junge Spieler aus der polnischen Liga (der Slowake Ondrej Duda und Karol Linetty) in die Gerüchteküche gebracht. Besonders Duda scheint ein großes Talent zu sein, möglich, dass er schon in Hinblick auf den bald zu befürchtenden Abgang von Xhaka verpflichtet werden könnte. Ein Spieler, der sofort in die Stammelf drängt, scheint er nicht zu sein. Aber: Wer hat das denn schon vorher von Christoph Kramer erwartet?

im Sturm: Dort ändert sich aus meiner Sicht nicht viel, es gibt aber traditionell umso mehr Gerüchte über mögliche Neuzugänge. Ersetzt werden muss im Prinzip nur Max Kruse. Das wird aber kaum nur mit nur einem Spieler gelingen - zumindest wäre der für Borussia nicht bezahlbar.
Lars Stindl bringt sicher mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld heraus, er könnte zudem auch eine der Stürmerrollen übernehmen. Zweistellig in einer Saison treffen kann er, vor dem Tor ist er ziemlich kalt. Sollte Gladbach noch einen Top-Sechser an Land ziehen, vom Format eines Johannes Geis etwa, dann könnte ich mir sogar vorstellen, dass Stindl dauerhaft vorne spielen könnte. Es wäre sicher eine gelungene Finte, wenn Eberl öffentlich sagt, dass er einen Stürmer sucht und dann einen Sechser einkauft.
Daneben bleiben als Kandidaten im Angriff Raffael, Hrgota, beide mit recht guten Torinstinkten ausgerüstet, sowie (mit Abstrichen) der junge Marlon Ritter und vor allem André Hahn. Auch wenn es bislang nicht von Toren gekrönt wurde, spielte Hahn in vorderster Position eine gute Rolle, auch zuletzt gegen Augsburg. Da verhinderte die Unterzahl eine effektivere Leistung, gegen die Bayern hingegen lieferte er ein bärenstarkes Spiel in vorderster Reihe ab.

Ich denke, wir Fans sollten uns davon frei machen, dass Borussia einen reinen Knipser verpflichten will. Aus diesem Grund denke ich nicht, dass es Mitrovic aus Anderlecht wird, auch nicht di Santo aus Bremen oder Drmic aus Leverkusen. Frankfurts Seferovic würde schon eher ins Raster passen, doch seine Spielweise ist durchaus foulträchtig, es kommt immer sehr auf die Linie des Schiedsrichters an, ob ihm jeder Luftzweikampf abgepfiffen wird oder nicht.
Okazaki aus Mainz ist sicher ein Kandidat - ein wuseliger Spielertyp, der Borussia noch fehlt. Freiburgs Mehmedi spielt bislang nicht konstant genug und er ist keiner, der im Strafraum den Unterschied macht. Kevin Volland ist durch seine Verlängerung in Hoffenheim vom Markt, bei Poulsen (Leipzig) und Embolo (Basel) sind es eher die derzeitigen Vereine, die kein großes Interesse haben dürften, den Spieler abzugeben - es sei denn, Borussia böte so viel Geld, dass sie weich werden. Das wiederum ist eher unwahrscheinlich.
Was sonst bisher an Namen gehandelt wurde, ist aus meiner Position nicht zu bewerten. Natürlich hoffe auch ich, dass Max Eberl noch ein Transfer-Coup gelingt. Allerdings bin ich grundsätzlich der Meinung, dass wir auch im derzeitigen Kader alle Spielertypen haben, um nächste Saison erfolgreich zu sein.
Denn eins darf man nicht vergessen: Die voraussichtlich sechs Champions-League-Spiele nächste Saison sind ein Bonus, die Hauptaufgabe ist die Bundesliga. Für die sind wir gerüstet, nur für eine größere Verletzungsserie (im Umfang wie am letzten Spieltag) nicht.

Sonntag, 24. Mai 2015

Vorübergehende Feierstörung

Danke Borussia! Das war ein tolles Saisonabschlussfest im und vor allem nach Spielschluss an der Bühne vor dem Borussia-Park. Ich bin froh und stolz, dabeigewesen zu sein. Aber ein bisschen nagt es doch an mir, dass das letzte i-Tüpfelchen auf diese Saison an diesem Tag gefehlt hat.

Dass das letzte Spiel der fantastischen Saison sportlich nicht mehr das halten würde, was es von Tabellenstand beider Teams versprach, war schon vorher an den Ausfällen auf beiden Seiten abzulesen gewesen. Zudem waren die tabellarischen Fronten längst geklärt. Klar, in ein paar Tagen interessiert es keinen mehr, dass am Ende die zweite blöde Heimniederlage der Saison stand (die genauso ärgerlich war wie die gegen Frankfurt) und dadurch ein oder zwei weitere Bestmarken nicht erreicht wurden. Und doch fielen ein paar leicht bittere Tropfen in den Feierwein.
Da war einerseits eine überschaubare Leistung der Mannschaft, die sich aufgrund der Umstände (einige Ausfälle, gesicherter Champions-League-Platz und am Ende auch fehlende personelle Möglichkeiten in Unterzahl) sicher erklären und verschmerzen lässt.
Borussia traf andererseits auf einen Gegner, der nach der (auch spielerisch) wohl besten Saison seiner Bundesligageschichte gerade gegen uns wieder seinen aus den vergangenen Jahren bekannten Abstiegskampf-Modus zeigte, inklusive giftigem, überhartem und provozierendem Zweikampfverhalten.
Dazu gesellte sich ein wenig konsequenter Schiedsrichter Weiner mit teils seltsamen Entscheidungen, die zumindest im Fall des Platzverweises gegen Nordtveit den Spielausgang aber merklich beeinflussten.
Dann gab es eine zwischenzeitliche "Stimmungsauszeit" in der Nordkurve (offenbar wegen einer Postbank-Fähnchenaktion), just in der Zeit, als die Mannschaft ein wenig mehr Unterstützung durchaus hätte gebrauchen können. Vielleicht hätten wir da lieber die "Augschburg"-Sprechchöre aus dem Gästeblock übertönen müssen, statt nach fünf Spielminuten (und der Kölner Führung gegen Wolfsburg) schon unangebrachte Vizemeister-Gesänge anzustimmen. Dazu passte, dass die Gästefans schon vor dem Anpfiff die Verabschiedung von Daems, Marx, Kruse und Christoph Kramer gestört hatten.
Und dann gab es noch einen eher unlustigen Trainer, der sich ziemlich lange von den Fans bitten ließ und sichtbar wenig Enthusiasmus vor der Nordkurve zeigte. Dass er Filip Daems und Thorben Marx den letzten Auftritt auf dem Feld versagte, war schade, aber vor allem der Eigendynamik im Spiel geschuldet.

Das alles verdirbt mir natürlich nicht den Gesamteindruck dieser Saison und es tat auch der Feierstimmung in der Borussia-Fangemeinde am Samstag keinen Abbruch - aber es sollte auch nicht unerwähnt bleiben. Denn die Harmonie in der Mannschaft und im Verein ist ein kostbares Gut. Das steht schnell auf dem Spiel, wenn nicht alle Parteien immer 100 Prozent geben. Wie es dann läuft, haben wir vor 2011 sehr lange studieren und erleiden dürfen. Und dahin zurück will keiner.

Bundesliga, 34. Spieltag 2014/15: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 1:3 (23.5.15)


Sonntag, 17. Mai 2015

Zaubermeistermärchenhaft

Es ist wirklich wahr geworden! Meine Borussia spielt nächste Saison in der Champions League.
Das ist einerseits so hochverdient, andererseits aber auch immer noch nicht so richtig zu begreifen. Vielleicht brauche ich für diese Zeilen deshalb auch diesmal deutlich länger als sonst.

Vor ein paar Jahren, als der letzte große Freudentaumel durch das Lager der VfL-Fans ging - der Wiederaufstieg stand an - da überlegte ich noch ernsthaft, ob ich es nicht besser fände, Borussia bliebe noch etwas länger im Unterhaus - um dort von Sieg zu Sieg zu eilen statt immer gegen den Abstieg zu spielen und mit meist wenig Spielwitz und Rafinesse, dafür viel Krampf ums Überleben in Liga eins zu kämpfen. Selbst die Überraschungssaison nach der Rettung in der Relegation hatte ja früh seine Schattenseiten: der Abgang von Reus, Dante und Neustädter, das bittere Aus im Pokal-Halbfinale...

Seither hat sich Borussia vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan gewandelt, zurück zu dem Juwel des deutschen Fußballs, das die Fohlen in meiner Kindheit schon einmal waren. Das alles brauche ich hier niemandem mehr zu erzählen. Bis auf Jogi Löw hat das in Fußball-Deutschland wohl inzwischen jeder begriffen, Borussen-Fans sowieso.

Doch der Schlüssel des Erfolgs liegt auch darin, dass Verein, Mannschaft um das Umfeld diese Momentaufnahme zwar genießen, sie aber richtig einordnen und nicht durchdrehen. Deshalb nehmen wir und die Mannschaft das Glücksgefühl jetzt so auf, wie es zu werten ist. Dieser dritte Platz ist für uns so viel wert wie eine deutsche Meisterschaft. Denn wenn wir ehrlich sind, wissen wir auch, dass eine Meisterschaft unserer Borussia immer voraussetzen würde, dass die Bayern eine schwache Saison erwischen und kein anderer dies auszunutzen versteht. Insofern ist mir dieser ehrliche dritte Platz - so wie er ist - auch so wertvoll.  

Und während die Bayern nächste Woche nach Spielschluss bemüht ausgelassen über den Rasen hüpfen müssen, damit sie sich weiter einreden können, sie hätten eine zufriedenstellende Saison gespielt, (wo sie doch "nur" die Bundesliga-Konkurrenz nach Belieben beherrscht haben), strahlt den Borussen schon in dieser Woche das Glück aus den Augen, alle Erwartungen übertroffen zu haben.
Ich bin zum Abschluss gegen Augsburg nochmal live dabei und freue mich darauf, den Jungs danke zu sagen für eine grandiose Saison. Das Märchen geht weiter.

Gruselserienkiller

Ein herrlicher Tag im Weser-Stadion. Wieder ein Auswärtssieg, wieder wurde eine dieser Negativserien gegen einen Angstgegner eliminiert, dazu ist Borussia Rückrundenmeister und sicherer Champions-League-Teilnehmer: Der VfL ist ohne Zweifel die Mannschaft der Stunde - und das jetzt schon seit vielen Wochen.

Auch den Bremern, die beherzt versuchten, das wieder sehr dominante Spiel der Borussia zu unterbinden, gelang es trotz hohen läuferischen Einsatzes nicht, unseren Jungs in die Suppe zu spucken. Der VfL hatte die Partie jederzeit unter Kontrolle und ließ nur drei gute Chancen des Gegners zu. Zugegeben, wären Sommer und einmal Jantschke nicht in höchster Not zur Stelle gewesen, dann hätte die Feier des Champions-League-Einzugs vielleicht noch vertagt werden müssen. So aber lief es wie in den vergangenen Wochen, der Sieg wurde geduldig herausgespielt und letztlich, wie André Hahns toller Einsatz vor dem 2:0 zeigt, auch erzwungen. Hervorragend, wie vor allem die Einwechselspieler zum Erfolg beitragen, und das, egal wer kommt. Zuletzt trumpfte Traoré mit schönen Toren auf, jetzt war es Hahn mit dem wichtigen Assist, auch Hazard zeigte noch eine schöne Einzelleistung. Wenn Favre wechselt, wird Borussia in dieser Saison nicht schwächer. Das ist der Unterschied zu manch anderem Team.
Einen Unterschied zu anderen Teams macht auch der Torwart aus. Dass Yann Sommer prozentual die meisten Schüsse hält, ist ja schon länger bekannt. Doch einen herausragenden Rückhalt zeichnet aus, dass er im Spiel die ganz wichtigen Bälle hält. Und dazu zählte seine sensationelle Parade gegen Davie Selke in der zweiten Halbzeit auf jeden Fall.

Tüpfelchen auf dem i war die Löschung der nächsten Schmachserie, nämlich der, dass Borussia zuvor seit 28 Jahren nicht mehr an der Weser gewonnen hatte. Davor fiel ja schon die ebenso unerklärliche 27-Jahre-Serie in Heimspielen gegen Leverkusen und es gelang einer der seltenen Erfolge in München sowie der erste Sieg in Hoppelheim. Das hat außer den jeweils drei wichtigen Punkten einen erfreulichen Nebeneffekt. Wir müssen uns vor diesen Spielen nicht mehr jedes Jahr die ewig gleichen unvermeidlichen Vorberichte anhören, wonach die Statistik gegen einen Sieg Borussias spricht. Verschärften Dank auch dafür, Jungs!  

Bundesliga, 33. Spieltag 2014/15: Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 0:2 (16.5.15)

Sonntag, 10. Mai 2015

Tödlicher Pass in die Champions League

Das war bärenstark! Welch ein Sieg! Was für ein Riesenschritt zum Ziel! Die Champions League darf sich in der nächsten Saison auf Borussia und seine Fans freuen. Den Fünf-Punkte-Vorsprung lässt sich das Team ganz sicher nicht mehr nehmen. Und wenn die Mannschaft trotz der Abgänge von Kramer und Kruse halbwegs die Linie beibehält, muss sich Lucien Favres Team auch in der Königsklasse nicht verstecken.

Den besten Beweis dafür lieferte der VfL gegen den direkten Konkurrenten aus Leverkusen ab.
Dieses Spiel war nach den Siegen gegen die Bayern und Wolfsburg ein weiteres Reifezeugnis, das wir in kleinen wie großen Enttäuschungen gestählten Rautenfans wohl kaum so deutlich erwartet hätten. Eiskalt und ohne in Panik zu verfallen ließ die Mannschaft in den ersten 25 Minuten die brutale Bayer-Pressingmaschine über sich ergehen. Und obwohl die Borussen kaum aus der eigenen Hälfte kamen, musste man selten Angst um die Defensive und das Tor von Yann Sommer haben. Und als Bayer zunehmend frustriert wurde, weil das aufwändige Spiel keinerlei Wirkung zeigte und fortan den Würgegriff lockerte, schlug Borussia schulbuchmäßig zurück.

Gut, ein wenig Glück war dabei, wenn man die knappen Abseitsentscheidungen gegen Kießling (beim Kopfball gegen Sommer) und zugunsten von Patrick Herrmann beim 2:0 vergleicht.
Und doch war der Sieg folgerichtig, weil der VfL nicht nur nach hinten hochkonzentriert arbeitete, sondern auch nach vorne frischer im Kopf war. Das zeigte sich vor allem vor dem Führungstreffer an Xhakas überraschendem und fein getimten Freistoßpass auf Herrmann, der den Bayer-Kickern eigentlich schon den K.o. versetzte. Denn auch danach kamen die Gäste kaum durch die gut geordneten Abwehrketten, die Abschlüsse waren meist ungefährliche Schüsse von außen. Nur die Chance vor dem 2:0, als Julian Korb in letzter Sekunde den Ball vor dem heranrauschenden Reinarz wegspitzelte, hätte dem Spiel noch mal eine andere Wendung geben können. Doch das wäre an diesem Tag nicht verdient gewesen.

Keine Frage, in dieser Saison passt fast alles. Dass es nächste Saison nicht genauso weitergehen wird, dürfte jedem klar sein. Das liegt unter anderem daran, dass uns mit Christoph Kramer und Max Kruse nicht nur zwei erstklassige Spieler verlassen, sondern auch untadelige Charaktere, die im Bundesligaendspurt mit ihrem Einsatz und Professionalität den Unterschied ausmachen. Nicht immer waren beider Auftritte kritiklos zu ertragen, aber was sie in der Rückrunde für Borussia geleistet haben, ist enorm. Deshalb wäre jede Kritik an ihnen fehl am Platz, bei aller verständlichen Enttäuschung, dass sie uns verlassen.

Es gilt also die beiden für die nächste Saison nicht nur fußballerisch zu ersetzen, sondern auch menschlich. Bei Neuzugang Lars Stindl scheint diese Einstellung zu stimmen, so wie er sich als Kapitän in Hannover präsentiert. Mit Blick auf die Verpflichtungen der vergangenen Jahre wird Max Eberl und Lucien Favre dies aber wohl auch bei einem Kruse-Nachfolger gelingen. Ich freue mich drauf.

Bundesliga, 32. Spieltag 2014/15: Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 3:0 (9.5.15)



Sonntag, 3. Mai 2015

Nervenzerreißend nervenstark

Heute lassen sich die 90 Minuten gut zusammenfassen: Meine Nerven! Stolz auf mein Team! Und danke an Ibo Traoré für die späte Erlösung!

Betrachtet man es nüchtern, war es ein richtig gutes Spiel des VfL - trotz erschreckend vieler Konzentrationsschwächen. Fehlpässe im Spielaufbau, leichte Ballverluste und verzogene Torschüsse aus guten Positionen: Normalerweise reicht das einem Gegner, um uns richtig wehzutun. Zum Glück blieb es bei dem einen Gegentor, das nun wirklich eins der vermeidbarsten in der ganzen Saison war.

Aber wenn es ein Happy End gibt, lohnt es sich ja wenigstens, sich während des Spiels die Haare zu raufen über Borussias schlampige Chancenverwertung. Denn natürlich hätte der Sieg am Ende um ein, zwei Tore höher ausfallen müssen. Ihn wegen des späten Zeitpunkts als glücklich zu bezeichnen, wäre deshalb nichts anderes als ein Witz.
Aber wichtiger ist die Einstellung, mit der Borussia den Gegner im Moment über 90 Minuten unnachgiebig bearbeitet. Die Spieler strahlen ein positives Selbstbewusstsein aus, das offenbar unerschütterlich ist. Es ist der feste Glaube daran, das Spiel im Griff zu haben und einfach nur immer weiter spielen zu müssen, bis die Belohnung kommt. Nicht arrogant in der Körpersprache, nicht überheblich, sondern voller selbstverständlicher Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten. Das ist das Erfolgsgeheimnis im Kampf um Platz 3, und es ist eine Eigenschaft, die man nicht antrainieren kann. Diese Selbstverständlichkeit im Spiel haben sich die Borussen über den gesamten Saisonverlauf hinweg erarbeitet - und sie sind fest entschlossen, sich von nichts und niemandem mehr davon abbringen zu lassen.
Diese Mannschaft ist eine gefestigte Einheit, und ich sage, es ist vielleicht die beste Borussia-Mannschaft seit den siebziger Jahren. Ja, auch mit Reus hatte Gladbach eine tolle Saison, mit Heiko Herrlich und Martin Dahlin, mit Effenberg und Matthäus gab es Erfolge. Doch es war meist die Euphorie, die Borussia getragen hat. Borussia 2015 spielt abgeklärter, schon fast wie ein Meister (von dem sie gleichwohl unglücklicherweise noch immer weit entfernt ist).
Und weil man das heute ganz besonders deutlich spüren konnte, trotz aller beschriebenen Unzulänglichkeiten, war das heute in Berlin für mich einer der wichtigsten und schönsten Siege der Saison. Nicht zuletzt auch angesichts des ärgerlichen Bayerngeschenks an den Konkurrenten Leverkusen, das den Druck auf Borussia noch erhöht hatte. Und ich glaube, so wie die Fans im Olympiastadion drauf waren, stehe ich mit dieser Einschätzung nicht alleine.

Bundesliga, 31. Spieltag 2014/15: Hertha BSC - Borussia Mönchengladbach 1:2 (3.5.15)