Samstag, 31. Oktober 2015

Da sind wir wieder!

Sechstes Spiel in Folge gewonnen - es ist unfassbar! Und Borussia ist nur ein paar Wochen nach dem Tiefpunkt in Köln wieder da, wo man sie vor der Saison erwarten konnte: auf Platz 5.

Und nein, ich werde heute keine lange Analyse schreiben, denn das Spiel wurde zu souverän gewonnen, zu klar dominiert, als dass man viele Worte darüber verlieren muss. Natürlich ist uns das Glück derzeit hold, wie beim erneut sehr wohlwollenden Elfmeterpfiff für Traoré oder bei Raffaels Tor, wo ihm der eigentlich schon verlorene Ball wieder vor die Füße fiel und der Schuss dann auch noch unhaltbar abgefälscht wurde. Hertha war auch nicht der Gegner, der dem selbstbewussten VfL heute gefährlich werden konnte. Das lag nicht nur an der sehrt passiven Spielweise, sondern sicher auch am Ausfall des einzig verbliebenen gefährlichen Stürmers Kalou. Davor musste Yann Sommer noch einige Male seine gute Form unter Beweis stellen. Danach ging nach bei Hertha bis auf das Elfmetergeschenk durch Thorgan Hazard vorn nichts mehr.
Uns kann es recht sein, denn durch den erneuten Sieg ist die Mannschaft wieder in sicherem Fahrwasser und hat ein ganz gutes Polster auf die Abstiegsplätze herausgearbeitet. Denn das sollte man bei allem Jubel über die vergangenen Wochen nicht vergessen - da kommen wir gerade her und es ist die erste Aufgabe, nicht wieder dorthin zurückzurutschen.
Auch wenn der Blick nach oben inzwischen wieder verlockend ist und man laut ausrufen möchte: "Hallo BVB, Wolfsburg, Schalke, Leverkusen - guckt mal, da sind wir wieder!" Erstmal gilt es für Borussia jetzt, den erreichten Rang - unter den ersten Zehn - zu festigen und wenn es geht, den Abstand nach vorne nicht größer werden zu lassen. Ja, die nächsten Spiele gegen die eher als mittlere bis untere Bundesligaklasse einzustufenden Teams aus Ingolstadt, Hannover und Hoffenheim bieten eine gute Möglichkeit, sich weiter oben festzusetzen. Aber nur, wenn man diese Spiele genauso ernstnimmt wie eine Partie gegen Juve oder Man City.

Bundesliga 2015/16, 11. Spieltag: Hertha BSC - Borussia Mönchengladbach 1:4 (31.10.15)
(Tore für Borussia: 0:1 Wendt, 0:2 Raffael, 0:3 Xhaka (FEM), 1:4 Nordtveit)

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Mit Glück zur guten Leistung

Puh. Wie sagt man so schön? Nur Spitzenmannschaften gewinnen solche Spiele. Ist Borussia demnach - dem Fehlstart zum Trotz - (wieder) eine Spitzenmannschaft? Ja. Vielleicht. Mal sehen.

So wie der VfL unter Schubert erfolgreich durch die letzten Spiele gegangen ist, auch mit Rückschlägen im Spiel und durch Verletzungen fertig wurde, das zeigt eine Qualität, die außer dem VfL derzeit wohl nur Bayern, Dortmund, Leverkusen und Wolfsburg haben. Dass Schalke da - wie in der vergangenen Saison - einen Schritt zurück ist, hat sich gerade an diesem "Doppelspieltag" gegen Gladbach gezeigt.
Allerdings, und das muss man einwenden, gehörte zu diesem Siegeslauf bisweilen schon eine gehörige Portion Glück (wie am Mittwoch) und die Tatsache, dass die Verletzungen bisher gleichwertig durch nachrückende Spieler aufgefangen werden konnten.

Doch wie es aussieht, hört diese Seuche noch immer nicht auf. Jetzt hat es Tony Jantschke erwischt. Grund zu Jammern haben wir deshalb nicht, schließlich blieben wir über Jahre weitgehend verschont von schweren Verletzungen. Entsprechend muss man auch hinnehmen, wenn es jetzt so gegen uns läuft. Dessen ungeachtet stellt sich allerdings die Frage, wie lange der dezimierte Kader unter der Belastung von drei Spielen in der Woche auf diesem Niveau durchhalten kann. Gestern war es schon schwierig, die Ersatzbank ausgewogen für alle Positionen zu bestücken. Wenn in der Abwehr Jantschke und Stranzl fehlen, gibt es keinen Backup für die rechte Abwehrseite mehr und nur zwei Youngster (Marvin Schulz und Elvedi) und gegebenfalls Nordtveit für innen. Auf den offensiven Außenpositionen liegt die Last  allein auf Traoré und Johnson. Hazard, Drmic und Hrgota sind auf außen keine gleichwertigen Nachrücker, die letzten beiden im Moment wohl auch kein 1:1-Ersatz für Stindl oder Raffael. In der defensiven Zentrale spielen ein noch immer verletzter oder zumindest angeschlagener Granit Xhaka und ein Mo Dahoud, der als junger Spieler auch ab und zu eine kleine Pause brauchen wird. Am Mittwoch wirkte er nach seiner Einwechslung jedenfalls deutlich frischer als im Spiel am Sonntag. Auch hier wird also Nordtveit immer wieder gebraucht werden. Nur gut, dass Keeper Yann Sommer auch mit Gesichtsmaske in Topform ist.

Zwei der langfristigen Ausfälle von Borussia hat Schalke 04 zu verantworten, und da muss ich dann doch auch mal ein Wort zur Härte der Königsblauen in diesen beiden Spielen sagen. Dass ein Foul wie das von Geis mal passieren kann - geschenkt. Doch allen voran Caicara (in beiden Spielen), aber auch Kolasinac und später Höjbjerg gingen dermaßen rücksichtslos in die Zweikämpfe, dass ein kritisches Wort erlaubt sein muss. Caicara kassierte für rüde Fouls jeweils eine Gelbe Karte, am Sonntag leistete er sich aber darüber hinaus vier weitere verwarnungswürdige Fouls. In die gleiche Kategorie fällt das Frustfoul von Höjbjerg, das Jantschke nun wohl länger aus dem Spiel nimmt. Kolasinac ging aus unerklärlichen Gründen ganz ohne Gelbe Karte vom Platz. Wenn man sich seine Blutgrätsche vor dem 1:0 von Stindl anschaut, wo er den Torschützen zum Glück minimal verfehlt, muss man sich schon fragen, warum ein Schiedsrichter da nicht (wie beim ähnlichen Einsatz von Caicara) noch nachträglich in die Hemdtasche greift. Dagegen, und das ärgert mich, waren die beiden Verwarnungen für Oscar Wendt am Sonntag und gestern, die der Schwede jeweils für sein erstes (Allerwelts-)foul kassierte, völlig unangemessen. Da wünsche ich mir von einem Schiedsrichter dann doch ein wenig mehr Ausgewogenheit in den Entscheidungen.

Bleibt noch der Blick auf den eher unglücklichen 45-Minuten-Auftritt von Josip Drmic. Ich weiß, dass viele das als weiteren Beleg nehmen werden, der Ex-Leverkusener sei ein Fehleinkauf. Allerdings ist das ungerecht. In der ersten Halbzeit war Gladbach nach vorne so wenig im Spiel wie gegen Juve. Es gab also (wie für Raffael und Stindl in Turin) kaum eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Er lief aus meiner Sicht viel, fremdelt natürlich mit dieser Rolle noch etwas. Aber besonders in den Ein-gegen-Eins-Situationen zeigte er auch, wie gut er den Ball und sich behaupten kann. Dass er ohne Spielpraxis nicht sofort wie eine Rakete zündet, sollte jedem klar sein. Ich wünsche ihm jedenfalls einfach mal ein bisschen Glück. Ich bin mir sicher: Wäre er statt Stindl bei Matips Fehler zur Stelle gewesen, hätte er das 1:0 gemacht. Und vielleicht ist es nur eine solche Szene, die er braucht, um bei Borussia endgültig anzukommen.

DFB-Pokal, 2. Runde: FC Schalke 04 - Borussia Mönchengladbach 0:2 (28.10.2105)
(Tore für Borussia: 0:1 Stindl, 0:2 Hazard (FEM))

Montag, 26. Oktober 2015

"Juli"-Wochen im Herbst

"Schalke, die erste" ist im Kasten, der "Ausgleich" nach dem Null-Punkte-Fehlstart geschafft. Mit einem guten und einem üblen Gefühl lässt sich das erste Zusammentreffen mit den Königsblauen in vier Tagen abhaken.
Ein gutes Gefühl, weil auch dieser Sieg trotz einer Schwächephase nach der Halbzeit hochverdient war. Ein übles Gefühl, weil in André Hahn nach dem Horrortritt von Johannes Geis ein weiterer wichtiger Flügelspieler sehr lange ausfallen wird. Ich will mich an dem Foul gar nicht abarbeiten. Ich denke, so etwas kann im Fußball passieren. Geis ist mir bisher nicht als Treter aufgefallen, der andere Spieler verletzen will. Natürlich hat er sich in der Szene verschätzt, vielleicht war er auch schon müde und nicht mehr voll konzentriert, vielleicht war auch etwas Frust im Spiel. Aber aus meiner Sicht ging er wie Hahn in Richtung Ball. Und wer selbst mal Fußball gespielt hat, weiß, dass man bei diesem Tempo einen derartigen Zweikampf nicht mehr beliebig abbrechen kann, zumal wenn zwei Spieler aufeinander zu laufen. Bewerten kann man eine solche Szene immer nur in Echtzeit, das Sezieren von Zeitlupenbildern ist völliger Schwachsinn. Geis hat seine Strafe bekommen, er fehlt gegen uns auch im Pokal, was ich für eine gute Entscheidung des Sportgerichts halte, und hoffentlich wird er daraus lernen. Unter aller Sau waren dagegen die Schalke-Fans im Gästeblock, die Hahn auf der Trage noch höhnische Gesänge hinterherschickten. Wenn ein Fußball-Verband schon immer das Respekt- und Fairness-Banner vor sich herträgt, müsste es eigentlich auch hier Konsequenzen geben, welcher Art auch immer. 

Was das Spiel angeht, fand ich es nicht so überragend, wie es von vielen gemacht wurde. Es war ein verdienter Erfolg, keine Frage, aber die Schnelligkeit im Spiel nach vorn fehlte mir, wie schon gegen Juve, gerade in der ersten Hälfte schon ein wenig. Für schwache Schalker reichte das in Halbzeit eins dennoch, wenngleich der unnötige Ausgleich ärgerlich war. Zu Beginn der zweiten Hälfte hatte der VfL gegen viel bessere Knappen aus meiner Sicht gehörig Glück (und Yann Sommer), sonst wäre das Spiel gekippt. Dass Raffael ausgerechnet in dieser schwierigen Phase dann mal so einen Arango-Freistoß auspacken würde und die Gäste damit sichtbar demoralisierte, war auch nicht unbedingt zu erwarten.

Natürlich stand uns auch Schiedsrichter Stark diesmal nicht gerade im Wege. Und vor allem von Schalker Seite war in ihm ein Buhmann schnell gefunden. Für mich waren aber sowohl der Elfmeter als auch der Freistoß vor Raffaels feinem Tor zum 2:1 in Ordnung. Natürlich kann man grundsätzlich darüber streiten, ob auch vermeintlich leichte Angriffe auf den Ballführenden unbedingt geahndet werden müssen. Die Realität ist, dass auch leichte Berührungen einen Spieler in der Bewegung entscheidend beeinträchtigen können und, dass ständig solche Freistöße - auch am Strafraumrand - gepfiffen werden. Also warum sollte man es nicht auch in dieser Szene tun? Beim Elfmeter kann ich die Diskussionen ehrlich gesagt gar nicht verstehen. Für mich war es ein klares Foul von Aogo, der das Bein eindeutig reinstellt, ohne den Ball zu spielen. Es war natürlich selten dämlich, weil Korb in der Szene eigentlich kopflos allein in fünf Gegner reinrannte. Eine Torgefahr hätte es also nie und nimmer gegeben, selbst wenn Aogo Korb einfach hätte passieren lassen.

Man kann trefflich spekulieren, ob diese in der Entstehung durchaus etwas glücklich zustande gekommenen Tore von Stindl und Raffael nun durch Gladbachs engagiertes Spiel erzwungen wurden oder ob man einfach im Moment in den engen Szenen das Glück auf seiner Seite hat (anders als zu Beginn der Saison). Ganz klar ist jedoch, dass Borussia in Führung liegend endlich auch in der Lage ist, ein Spiel auch frühzeitig zu entscheiden und den Gegner dann auch nicht mehr ins Spiel zurückkommen lässt. Dass ausgerechnet der unter Schubert von allen taktischen Fesseln befreite Julian Korb das vorentscheidende 3:1 erzielte, nachdem er schon den Elfmeter herausgeholt hatte, zeigt, dass der VfL derzeit unberechenbarer ist als je zuvor. Und aus dem in diesem Herbst aufblühenden "Juli", so scheint es, könnte tatsächlich noch ein kompletter Außenverteidiger werden, der wie Wendt links entscheidende Akzente nach vorne setzen kann. Dass er das kann, hat er in den vergangenen Spielen eindrucksvoll bewiesen. Und das ist auch weiter wichtig, weil in Herrmann und Hahn nun schon zwei Tempomacher auf der rechten Seite fehlen. Auch das hat vielleicht auch ein klein bisschen "Gutes". Denn auch wenn die jetzige Stammelf perfekt harmoniert: Irgendwann wird Schubert dann neben Hazard auch Drmic und Hrgota mal wieder bringen müssen. Die haben eine Chance längst verdient. Das könnte bedeuten, dass Stindl zum Beispiel auf rechts gehen könnte und einer der beiden Stürmer neben Raffael vorne zum Einsatz käme. Bei den vielen Positionswechseln im Spiel des VfL, die derzeit die Gegner reihenweise verwirren, würde das aus meiner Sicht schon passen. Vielleicht ja schon am Mittwoch. Ich bin gespannt.

Bundesliga 2015/16, 10. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Schalke 04 3:1 (25.10.15)
(Tore für Borussia: 1:0 Stindl, 2:1 Raffael, 3:1 Korb)

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Ein 0:0 zum Freuen

Ich gebe zu, ich kann einem Remis selten etwas abgewinnen, noch weniger, wenn es ein torloses Spiel war. Doch das 0:0 am Mittwochabend in Turin war ein Unentschieden, über das ich mich auch heute noch richtig freuen kann.

Nicht nur, dass es den historischen ersten Punkt in der Gladbacher Champions-League-Geschichte markierte, der angesichts der bärenstarken Defensivleistung auch noch verdient war. Mangels eigener Chancen vor Buffons Tor war es an diesem Abend ja auch das Maximum, was für den VfL drin war. Wer lange genug Borussia-Fan ist, weiß, wie ein solches Spiel sonst normalerweise verläuft - mit einem unglücklichen, am besten noch abgefälschten Gegentor in den letzten Minuten oder, neuerdings ja in Mode, durch einen Elfmeter. Nichts von dem passierte, und so war es trotz fehlender Torszenen auf beiden Seiten doch ein packendes Spiel, bei dem sich zudem die 4000 Gladbacher Fans stimmlich hervorragend behaupten konnten - diesmal auch ohne Pyrotechnik. Ein rundherum gelungener und sympathischer Auftritt für unsere Borussia also. 

Dass es auf dem Feld für den VfL so gut lief, lag auch an einem wirklich guten Schiedsrichter. Borussia musste ja gerade auf europäischer Bühne schon mit manch schlechtem Referee zurechtkommen. Diesmal nicht. Craig Thomson ließ zwar für meine Begriffe manchmal zu viel laufen, vor allem bei Angriffen von hinten, die dann zu Ballverlusten führten. Das machte er aber auf beiden Seiten, sodass kein Team benachteiligt wurde. In den entscheidenden Szenen war der Schotte jedoch sehr souverän und lag goldrichtig: Zum einen, als er die Fallsucht des schwachen Mario Mandzukic im Strafraum korrekt bewertete. Noch viel wichtiger aber war seine Wahrnehmung (oder die seiner Assistenten) bei der Schrecksekunde in der ersten Halbzeit, als Dominguez seinen unerklärlichen Fehlpass in die Beine von Morata fast mit einem Platzverweis bezahlt hätte.
Es war völlig richtig, hier nur Gelb zu geben, da Morata den Ball zur Seite und nicht steil Richtung Tor spielte. Damit wäre er nicht uneinholbar gewesen, Korb auf der anderen Abwehrseite hätte zum Beispiel noch eine gute Chance gehabt, einzugreifen. Doch was hätte das alles genutzt, wenn ein Schiedsrichter doch die Rote Karte gezogen hätte, zumal bei einem Foul gegen die Heimmannschaft. Der Punktgewinn hat also auch einiges mit den guten Entscheidungen des umsichtigen schottischen Unparteiischen zu tun. Weil ich hier sonst ja oft über Schiri-Leistungen klage, will ich das nochmal betonen.

Zu den stärksten Spielern gehörten in einer Abwehrschlacht wie dieser naturgemäß die Abwehrspieler, allen voran Andreas Christensen, der von Spiel zu Spiel sicherer agiert. Sehr stabil sind gleichwohl die Außenverteidiger Korb und Wendt, wobei sich beide gegen Weltstars wie Cuadrado und Pogba hervorragend aus der Affäre zogen.
Dass Alvaro Dominguez bis auf seinen Aussetzer eine richtig gute Partie ablieferte, soll auch nicht unterschlagen werden. Auffällig ist allerdings, dass ihm in den letzten beiden Spielen unbedrängt grobe Fehler unterlaufen sind, die zum Elfmeter (in Frankfurt) und fast zur Roten Karte geführt hätten. Möglicherweise zollt er jetzt dem Kräfteverschleiß der vergangenen Wochen etwas Tribut, schließlich kam er nach Favres Abgang fast ohne Training in die Startelf und spielte seitdem (auf hohem Niveau) durch. Das soll die Leistung der übrigen Spieler aber nicht schmälern, der VfL zeigte auf allen Positionen eine laufstarke Leistung und enormen kämpferischen Einsatz. Hut ab!

Was der Punkt von Turin am Ende in der Tabelle wert sein könnte, interessiert mich jetzt noch gar nicht. Wichtig war er vor allem für die Moral, als Zeichen, dass die Mannschaft auf diesem Niveau eben nicht nur "mithalten" und am Ende doch mit leeren Händen dastehen kann (wie gegen Kiew, Lazio, Sevilla und Manchester). Die Schubert-Elf ist noch keine europäische Topmannschaft, aber sie kann gegen eine solche mehr als nur Punktelieferant sein. Und das fühlt sich geil an.

Champions League, Gruppenphase, 3. Spieltag: Juventus Turin - Borussia Mönchengladbach 0:0 (21.10.2015)

Sonntag, 18. Oktober 2015

Elegant, schnell, effektiv

Bravo Borussia! Das war das beste Spiel in dieser Saison und das wunderbar herausgespielte 5:1 in Frankfurt war letztlich auch in der Höhe verdient. Natürlich lag das auch am Gegner, der in der Defensive zunehmend mit der Schnelligkeit und Effektivität des eleganten Gladbacher Spiels überfordert war und den VfL in der zweiten Hälfte zum Toreschießen förmlich einlud. Der vorne seine Konterchancen teils schlampig verdaddelte oder in der glänzend eingestellten Abwehr hängenblieb.

Über die teilweise überharte Gangart der Frankfurter (zum Beispiel "Mister Ellenbogen Sehrfairovic" oder "Fußabtreter" Ignjovski), die ständige Reklamierei der Eintrachtler und die wenig konsequente Linie von Schiedsrichter Meyer muss man angesichts des Ergebnisses kein weiteres Wort mehr verlieren, vor allem angesichts der wirklich eklatanten spielentscheidenden Fehlentscheidungen auf anderen Plätzen an diesem Spieltag (Köln, Stuttgart). 
Es fiel auch nicht ins Gewicht, dass allen Beteuerungen zum Trotz Yann Sommers Sicht durch die Schutzmaske doch ab und an beeinträchtigt schien. Denn neben seinem Luftloch beim Elfmeter waren doch einige lange Bälle zu verzeichnen, die gut drei, vier Meter neben den Mitspielern ins Aus flogen. Untypisch für den beidfüßig so starken Keeper.

Wie dem auch sei: Es läuft wieder. Borussia hat die richtige Balance wiedergefunden, die das Team in der vergangenen Saison so stark gemacht hat. Der Unterschied ist, dass die damalige Sicherheit, das Abwarten, herumpassen und im richtigen Moment zuschlagen, heute einem zwingenderen Spiel gewichen ist. Das Pressing, die hohe Laufleistung, die schnellen Angriffe nach vorne, im Moment ist das die Erfolgsformel. Das liegt aber auch daran, dass die Defensive wieder bombenfest steht und auch die Fehler in der Vorwärtsbewegung, die durch das mutigere Spiel zwangsläufig auftreten, bisher nicht zu Konter-Gegentoren geführt haben - wie noch in den ersten Saisonspielen. Großen Anteil daran haben die wieder sehr starken Andreas Christensen und Alvaro Dominguez,  an deren Seite auch Julian Korb und Oscar Wendt von Woche zu Woche bessere Leistungen zeigen.

   
Das heißt jedoch nicht, dass das so bleibt. Auch das Spiel gegen die Eintracht hätte kippen können, das darf man nie aus den Augen verlieren. Nach dem für die Eintracht doch recht glücklich zustandegekommenen Ausgleich (per Elfmeter, was auch sonst) war Borussia kurzzeitig aus dem Tritt, und mit einem einzigen erfolgreichen Angriff der Hessen hätte das Spiel möglicherweise eine andere Wendung genommen.

So aber sah das Spiel wieder viele Gewinner auf Seiten der Raute. André Schubert natürlich, dessen Erfolgsserie ja möglicherweise doch noch zu einem Dauerjob führen wird. Mo Dahoud, der an der Seite von "Kampfschwein" Xhaka groß aufspielte und nach und nach das einzulösen scheint, was wir uns - zumindest ich - seit seinem ersten Auftritt als 17-Jähriger vor zwei Jahren beim Telekom-Cup gegen die Bayern versprochen haben. Lars Stindl und Raffael, die sich offensichtlich gefunden haben und zusammen mit den Außenspielern Johnson und Traoré bestens harmonieren.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Das heißt, dass die Erfolgsserie und Schubert auch einige Verlierer kennt, nämlich die, die derzeit ganz außen vor sind. Josip Drmic, Branimir Hrgota, Thorgan Hazard, Roel Brouwers - sie müssen bei Laune gehalten werden, obwohl sie gerade keine Einsatzchance bekommen. Mit einem wieder fitten Tony Jantschke und spätestens mit der Rückkehr von Martin Stranzl droht in der Abwehr ein großes Gedränge, zumal auch Marvin Schulz seine Qualitäten schon angedeutet hat. Wie reagiert Andre Schubert also jetzt, wo eine Menge Spiele in kurzer Zeit anstehen? Wagt er Wechsel oder lässt er das Team durchspielen? Für eine Rotation spricht neben der Belastungssteuerung wohl auch die Tatsache, dass es jetzt jeweils zweimal gegen Juve und Schalke (Liga und Pokal) geht. Da wäre ein personeller Überraschungseffekt sicher nicht das Schlechteste. Ob die Fohlen in einer anderen Zusammensetzung allerdings genauso elegant galoppieren wie auf der Eintracht-Wiese, steht auf einem anderen Blatt.

Bundesliga 2015/16, 9. Spieltag: Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 1:5 (17.10.15)
(Tore für Borussia: 0:1 Raffael, 1:2 Dahoud, 1:3 Raffael, 1:4 Hahn (FEM), 1:5 Hahn)

Sonntag, 4. Oktober 2015

Die Trainierbaren

Drei Spiele unter André Schubert, drei Siege: Borussia ist wieder da! Wer mir das vor zwei Wochen gesagt hätte, hätte von mir nur ein ungläubiges Kopfschütteln geernet.
Eigentlich ist die Sache nach dieser Zwischenbilanz damit ja klar: Macht den Mann einfach zum Cheftrainer! Die ersten Facebookgruppen mit dieser Forderung gibt es ja bereits, Bild, Express und viele andere Medien werden in den nächsten Wochen über nichts anderes so vehement berichten wie über den märchenhaften  Erwecker unseres Team aus dem Favre-Schlaf und die - für Außenstehende - logische Konsequenz daraus.
Aber ich bin da vorsichtig, ich bin in dieser Hinsicht ein gebranntes Kind. So sehr ich die Arbeit von Lucien Favre über die Jahre schätzen gelernt habe, so wenig war ich im Winter 2011 bei seiner Verpflichtung davon überzeugt, dass er der richtige Mann für den Abstiegskampf sein würde. Ich war überzeugt, Max Eberl hatte die Saison abgehakt und plante schon für die zweite Liga.


Aber es kam anders, und die Konstante im Verein ist eben jener Max Eberl, der in den vergangenen Jahren ziemlich viele richtige Entscheidungen getroffen hat. Diese Entscheidungen, das haben wir gelernt, sind auch meist lange vorher eingefädelt oder vorbereitet worden. Man denke an den schon legendären Besuch Eberls bei Lucien Favre, als sich niemand für den bei Hertha gescheiterten Schweizer interessierte und er noch lange keinen neuen Trainer brauchte. Viele gelungene Spielertransfers der vergangenen Jahre wurden offensichtlich ebenso frühzeitig "angebahnt".

Und das hat durchaus etwas damit zu tun, was nun in Sachen Trainerverpflichtung passiert. Dass Borussia einen solch unaufgeregten, erfahrenen Interimstrainer einfach nur aus einer anderen Abteilung hochziehen muss, spricht für sich. Man sieht, da wird langfristig gearbeitet und nicht nur an der ersten Mannschaft gefeilt. In Borussias Unterbau gibt es mit Schubert und Arie van Lent gleich zwei bundesligaerfahrene Trainer. Das ist, wenn man mich fragt, kein Zufall.
Ob das nun in weiser Voraussicht passiert ist, für den Fall. dass der bisweilen zaudernde Favre irgendwann wirklich zurücktreten würde. Oder ob es einfach der Versuch ist, den stets betonten Weg, eigene Talente zu entwickeln, konsequent und mit dem besten Personal fortzusetzen, weiß ich natürlich nicht.
Das Vertrauen, was Schubert aber von der ersten Minute an vom Verein ausgesprochen wurde, zeigt, dass man dort wusste, was man tut. Es ist ja einfach, jetzt Schubert auch als Cheftrainer zu fordern. Ob er aber auf Dauer funktionieren würde, ist unklar. Das gilt auch für die Frage, ob er sich selbst den Stress der Bundesliga wirklich dauerhaft antun will.  Möglicherweise ist er ja gerade aus diesem Grund vor der Saison als U23-Trainer ins zweite Glied gerückt. Anders als vor einigen Jahren bei Jupp Heynckes. Da wurde im Winter der aufstrebende Zweitligattrainer Jos Luhukay als Co-Trainer installiert. Spätestens da konnte sich jeder ausrechnen, wie das enden würde.
Die derzeitige Situation eröffnet Max Eberl alle Optionen: Er kann in Ruhe einen neuen Trainer suchen, ohne dass er auf die derzeit verfügbaren "Feuerwehrmänner" festgelegt ist. Der Interimstrainer kann seinerseits frei von allem Erfolgsdruck arbeiten. Und am Ende bleibt Eberl auch noch die dritte Option, zu sagen: André Schubert hat uns überzeugt, er soll bleiben. Bis jetzt gibt es jedenfalls keinen Grund zur Eile bei der Trainerentscheidung.  

Ach ja, da war ja auch noch ein Spiel gestern. Dazu muss gar nicht so viel gesagt werden. Es war einfach eine überzeugende Leistung, diesmal über die gesamte Spielzeit. Das war der Favre-Fußball, den wir kennen, nur deutlich mutiger und mit grandiosem Einsatz. Das scheint genau das Puzzleteil zu sein, was der Mannschaft zuvor gefehlt hat. Denn die Gegner hatten die Passverschiebemaschine des VfL inzwischen gut im Griff, vor allem wenn sie so mühevoll und langsam daher kam wie in den letzten Spielen unter Lucien Favre.
Auffällig war zu sehen, wie Lars Stindl sich auf der offensiveren Position aus der Krise gespielt hat, dass neben ihm auch Raffael wieder zu alter Form findet und wie abgezockt Mo Dahoud seine ersten Spiele absolviert hat (auch wenn er gestern etwas müde wirkte).
Natürlich war uns gestern auch das Glück hold. Bei Nordtveits mutigem und optimistischen, aber doch etwas verunglückten Schuss zum 1:0. Und in einigen Szenen zuvor auch. Hätte es bei Schürrles Auftritt im Strafraum den fast schon obligatorischen Elfmeter gegen uns gegeben, wäre das Spiel wohl anders verlaufen. Auch Xhaka hatte in der einen oder anderen Szene (auch einmal im Strafraum gegen Schürrle) Glück - dass er immer wieder das Bein stehenließ, wenn er im Zweikampf zu spät kam, hatte diesmal für ihn keine dramatischeren Folgen.

Und um die 60. Minute herum hätte das Spiel durchaus kippen können, als die sichtbar müder werdenden Borussen doch einige Schludrigkeiten im Spiel zeigten. Ein besserer Gegner als Wolfsburg es gestern war, hätte das vermutlich ausgenutzt. Insofern waren auch die Auswechslungen goldrichtig, denn Johnson und Dahoud hatten in den Spielen zuvor doch ein ziemliches Pensum abgespult. Und sie brachten die Borussen wieder zurück in den Modus "aufopferungsvoller Kampf", der schließlich belohnt wurde. In die Karten spielte uns auch, dass Dieter Hecking sein Team in der Offensive sicherlich mit Schürrle und dem unauffälligen Kruse nicht optimal aufgestellt hatte.

Es bleibt das gute Gefühl, dass nicht nur Mannschaften aus der unteren Tabellenregion wie Stuttgart und Augsburg geschlagen wurden, sondern mit Wolfsburg auch ein nominelles Topteam. Und das auch ohne Stammkräfte wie Sommer (Sippel war ein prima Ersatz), Jantschke und Stranzl. Zusammen mit der Leistung gegen Manchester lässt das wieder optimistisch nach vorne blicken, wenngleich es zu früh wäre, schon wieder nach oben zu schielen. So schnell lassen sich fünf Niederlagen dann auch nicht reparieren. Dennoch ist es fast schade, dass jetzt schon wieder Länderspielpause ist. Vor der letzten hofften wir, dass sich die Mannschaft über die Trainingseinheiten ein bisschen stabilisiert. Jetzt gilt es, den gewonnenen Schwung nicht zu verlieren.

Bundesliga 2015/16, 8. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 2:0 (3.10.15)
(Tore für Borussia: 1:0 Nordtveit, 2:0 Traoré)

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Oh, what a night!

Champions-League-reif: Die Choreo gegen Manchester City von Block 6A (Südkurve) aus gesehen
Eigentlich alles passte beim eindrucksvollen ersten Champions-League-Heimspiel gegen Manchester City - nur das Ergebnis mal wieder nicht. Wie gegen Lazio 2013, wie schon gegen Sevilla in diesem Jahr. Einmal mehr zeigte sich: Borussia kann europäische Spitzenteams ins Wanken bringen, aber (noch) nicht zum Fallen. Dennoch war es für mich und 46215 andere ein unbeschreiblicher Abend im Borussia-Park, einer, an dem man wieder einmal sehr stolz sein konnte auf die Mannschaft, den Verein und vor allem auf die Fans des VfL.

Da bleibt natürlich allen voran die sensationelle stadionumspannende Choreo im Gedächtnis, für deren Planung, Vorbereitung und Umsetzung ich allerhöchste Hochachtung habe (man beachte den doppelten Superlativ ;-)). Was wäre ein solcher Abend ohne Gruppierungen wie Sottocultura und die vielen Helfer, die das auf die Beine stellen? Was bliebe dann von der Faszination Europapokal? Man müsste nur noch so ödes, immer wieder wiederholtes Kommerzgeplärre zwischen "Gazprom" und "No racism" (man beachte den Widerspruch) über Stadionlautsprecher ertragen. Uninspiriertes Geseiere vom Band - das eben, was die Uefa unter Rahmenprogramm versteht. Die Uefa, die in alle Abläufe reindirigiert und die es auch diesmal wieder schaffte, dass der gewohnte Ablauf der Borussia-Fans empfindlich gestört wurde. Vom Zeitplan gehetzt, ratterte Stadionsprecher Knippi das sonst bewusst zelebrierte "Bist du bereit..." an die Kurven noch rasch herunter, der "Elf vom Niederrhein" fehlte nach hinten heraus der Schlusspunkt, und all das nur, damit diese hässliche CL-Jodelhymne auf die Sekunde genau erklingen konnte.

Umso besser, dass das Spiel hielt, was es versprach. Das unfassbar teure Starensemble von der Insel zeigte sich 60 Minuten lang ziemlich beeindruckt von dem, was ihnen André Schuberts Schützlinge auf dem Feld abverlangten. Unglaubliche Laufbereitschaft, geschicktes Verschieben in den Räumen, gutes Zweikampfverhalten mit aufopferungsvollem Einsatz, schnelle, gute Kombinationen nach vorne, die allerdings zu oft mit einem fehlerhaften Zuspiel wieder zunichte gemacht wurden. Dennoch sprang ein gutes halbes Dutzend erstklassiger Torchancen heraus. Hätte nicht Joe Hart so einen guten Tag erwischt, wer weiß, ob City auf einen höheren Rückstand bis zur Pause noch eine Antwort gefunde hätte.
Aber gut, es kam anders. Und wenn man einen Elfmeter nicht nutzt, darf man sich am Ende nicht beschweren, dass das auf der anderen Seite in der Schlussminute dann den Unterschied macht. Wo Raffael patzte, blieb Aguero eiskalt und traf zum insgesamt nicht ganz unverdienten Sieg der Citizens, die ihrerseits eine Reihe von guten Chancen ausgelassen hatten. Ungerecht war es trotzdem, denn der VfL hatte sich erst den Führungstreffer und dann mit der Abwehrschlacht bis zum Schluss zumindest einen Zähler redlich verdient.

Stattdessen gab es eine Fortsetzung der unseligen Strafstoß-Serie gegen uns - es war wohl der neunte Elfmeter im zehnten Spiel, diesmal dann auch unstrittig. Es blieb festzuhalten, dass auch dieser Schiedsrichter Lichtjahre davon entfernt war, Borussia zu bevorteilen und dass es kaum je etwas überflüssigeres gegeben hat als Torschiedsrichter. Schon in der vergangenen Saison hat einer dieser Clowns zum Nachteil von Borussia Schicksal gespielt, auch diesmal kann man die Leistung des Herrn vor der Südkurve nur mit Kopfschütteln quittieren. Einem Eher-nicht-Elfmeter zugestimmt, einen viel klareren direkt vor sich keine Regung gezeigt, und bei der einzigen Szene, für die er eigentlich da war, lag er auch daneben, weil Julian Korbs Rettungsversuch vor dem 1:1 wohl schon hinter der Linie stattfand. Daran aber, das muss man betonen, kann man die zweite Niederlage im zweiten Gruppenspiel nicht festmachen. Obwohl viele Spieler (Sommer, Christensen, Dominguez, Korb, Wendt, Dahoud, Xhaka, Johnson, auch der im Abschluss unglückliche Raffael) wirklich gute Leistungen gezeigt haben, waren die Stars von der Insel am Ende etwas zwingender und ließen einen Angriff nach dem anderen gegen das müder werdende Gladbacher Abwehrbollwerk rollen - so lange, bis ein verlorener Zweikampf im Strafraum die Partie entschied.

Das alles muss nun schnell abgehakt werden - denn jetzt heißt es wieder "Auf, auf, auf in die Bundes League". Hoffen wir, dass der zum Schluss so unglücklich verletzte Yann Sommer schnell wieder fit wird. Mit einer Leistung wie am Mittwoch muss man sich jedenfalls auch gegen Golfsburg nicht verstecken. Die Frage ist nur, ob die Kraft-Akkus dafür schnell genug wieder geladen sind. 


Champions League, Gruppenphase, 2. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Manchester City 1:2 (30.9.2015)

(Tor für Borussia: 1:0 Stindl)




Farbrausch rund um den Borussia-Park