Sonntag, 20. Dezember 2015

Sinnlos-sinnvolles Rot und ein Happyend

Es lag heute nicht viel zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Hätte Borussia das Spiel nicht umgebogen, wären die Negativtendenz zum Schluss der Vorrunde und die Gegentorflut beständige Begleiter in der Winterpause geworden. Mit dem 3:2-Sieg und dem moralischen Triumph in Unterzahl gegen einen zudem noch unfairen Gegner nimmt das Fußballjahr für Borussia aber letztlich doch noch die versöhnliche Wende, die sich die Mannschaft verdient hat.

29 Punkte, 4. Platz nach 17 Spielen: Das hätte nach dem Derby in Köln wohl kaum einer geglaubt und wohl auch nicht mehr zu hoffen gewagt. Doch es ist eine Tatsache, genauso wie der dritte Platz in der Vorsaison und Platz drei in der Tabelle, die die beiden Halbserien dieses Jahres zusammenzählt. Dort liegen nur Bayern und Dortmund vor dem VfL - das zeigt, dass 2015 ein außerordentlich gutes Jahr für den Verein war.
Die Mannschaft hat Lehrgeld gezahlt, hat sich unter widrigen Umständen in drei Wettbewerben behauptet, ist in den Pokalwettbewerben tragisch gescheitert und hat sich zurückgekämpft in die Spitzengruppe der Bundesliga und dort behauptet. So etwas geht nur, wenn es innerhalb der Mannschaft stimmt und jeder für jeden kämpft. Und dass das so ist, haben die Spieler heute einmal mehr gegen Darmstadt bewiesen. Dafür kann man als Fan nur ein inbrünstiges "Die Seele brennt" zurückgeben und ehrlichen Applaus spenden.
Ich freue mich darauf, die Jungs in der Rückrunde wieder erholt und frisch durchstarten zu sehen. Borussia 2015 - Ihr wart Spitze!

So, das waren die notwendigen Worte, um die heutige Leistung, aber auch die Niederlagen in der vorigen Woche, richtig in den Gesamtzusammenhang einzuordnen. Auch heute gab es viel zu kritisieren, aber auch vieles, was richtig gut war. Fangen wir mit dem irren Abnutzungskampf an, dem Borussia am Ende für sich entschieden hat. Diese Mannschaft brennt und sie ist auch durch Rückschläge nicht zu brechen - sie gibt nicht auf. Deshalb hat sich sich auch den aufmunternden Applaus vergangene Woche verdient.

Dass die Gäste mit ähnlich dreckigen Mitteln vorgehen würden wie vor ein paar Wochen Ingolstadt, war abzusehen. Bei jedem Zweikampf ging es in die Knochen. Wenn die Lilien gefoult wurden oder nur einen Kontakt spürten, wälzten sie sich theatralisch auf der Erde, forderten Karten. Ansonsten viel verbales Scharmützel mit einem Ziel: den Gegner zu provozieren. Der junge Schiedsrichter Brand hätte gegen eine solch eklige Spielweise von Beginn an vielleicht etwas besser durchgreifen können. Er tat es nicht, fuhr eine Linie, im Spiel viel laufen zu lassen und so nahm das Unheil seinen Lauf. Denn dafür war das Spiel zu giftig geführt. Dass Granit Xhaka wieder einmal die Nerven verlor und gegen Niemeyer herzhaft nachtrat, hatte einen ebenso berechtigten Platzverweis zur Folge wie es (sorry für die Häme) dem Gefoulten Recht geschah, der sich zuvor schon mit einigen fiesen Aktionen hervorgetan hatte.
Doch im Ergebnis war es eine erneute Disziplinlosigkeit von Xhaka, die vor allem die eigene Mannschaft traf. Und er selbst schafft es auf diese Weise ganz sicher nicht aus dem "besonderen Beobachtungsfokus" der Schiedsrichter heraus. Dieser Ruf wiederum führt auch immer wieder mal zu Strafen, die nicht gerechtfertigt sind. Bei dieser hier gab es nun wirklich aber keinen Ermessensspielraum und sie wird noch im Januar und Februar weh tun, wenn der Schweizer seine absehbare Sperre von mindestens drei Spielen abbrummen muss.
Doch nicht nur Granit Xhaka muss in dieser Hinsicht an sich arbeiten. Auch Lars Stindl stand am Ende nach einigen heftigen Aktionen kurz vor einem Platzverweis - zu viele Spieler ließen sich gegen die 98er und gegen Ingolstadt provozieren und aus dem Tritt bringen. Natürlich ist es schwer, immer ruhig zu bleiben. Aber auch das muss eine Spitzenmannschaft hinbekommen - sonst verliert in solchen Duellen zu oft der (gute) Fußball.

Für diesen Tag nehmen wir die Disziplin als verbesserungswürdig zur Kenntnis und freuen uns, dass Borussia im Anschluss in Unterzahl deutlich besser mit dem im Spielaufbau doch sehr limitierten Gegner zurechtkam als im Elf-gegen-Elf. Insofern hatte der Platzverweis heute eine vielleicht sogar positive Wirkung - es war demnach die sinnvollste sinnloseste Rote Karte in der jüngeren VfL-Geschichte. Denn während Borussia unbeirrt weiter kämpfte und spielte, bewiesen die Südhessen, dass sie in Überzahl kaum in der Lage sind, ein intelligentes Passspiel aufzuziehen oder den Gegner so unter Druck zu setzen, damit sie das Spiel frühzeitig entscheiden können.
Darmstadt lebt in der Offensive allein von Kontern, Standards oder Flankenbällen. Mit letzteren machte der VfL es ihnen heute allerdings bisweilen wieder zu einfach. Denn was die Anfälligkeit für Gegentore angeht, bleibt es dabei, dass Yann Sommer derzeit seinen Kasten nicht sauber halten kann. Heute waren es wieder zwei gruselig schlecht verteidigte Szenen, die zu den Toren von Heller und Wagner führten. Und wenn man beim entscheidenden Kopfball zu spät kommt, wie Nico Elvedi gegen Wagner vor dem 0:1 oder, wie Hazard vor dem 2:2, Heller unbedrängt flanken lässt, dann bekommen auch die guten Leistungen über die gesamte Spielzeit eine hässliche Schramme.
Aber auch hier darf man nicht vergessen, wie jung Elvedi, Christensen oder Dahoud sind und dass sie unter dem Strich richtig gute Leistungen bringen, für die sie in diesem  Jahr noch gar nicht vorgesehen waren,  zumindest, was die Häufigkeit der Einsätze betrifft.
Gut hat mir gefallen, dass André Schubert erneut taktisch das Spiel positiv beeinflusst hat. Durch den Wechsel Brouwers für Hazard und der Umstellung auf drei Innenverteidiger hatten Oscar Wendt und Julian Korb nach vorne noch mehr Freiraum. Und den nutzten sie. Imponierend fand ich zudem, wie vor allem Nordtveit, Wendt und Stindl, aber auch Raffael, nach Xhakas Ausscheiden die Mannschaft geführt und mit Kampfkraft und der richtigen Aggressivität den Ton vorgegeben haben. Dass Nordtveit sich dann mit einem so feinen Freistoßtor belohnt und der vergangene Woche noch so unglückliche "Oscar, Oscar Wendt" den befreienden Schlusspunkt setzt, freut mich besonders.
So bleibt als Fazit eine kämpferisch hervorragende, aber auch sonst insgesamt gute Partie des VfL, mit schnellen, guten Kombinationen, mit guten Chancen und letztlich auch genügend Toren für drei wichtige Punkte. Ein Happyend, über das man sich noch mal so richtig lautstark freuen konnte - eine Befreiung nach der deprimierenden Woche zuvor.

Nun ist es endlich auch mal Zeit, durchzuatmen, die irren Aufs und Abs der Vorrunde zu verdauen und im Januar frisch und fit wieder ans Werk zu gehen. Ich schließe mich dem an und wünsche allen Lesern meines Blogs - es sind inzwischen erfreulich viele (auch dafür heißen Dank!) - ein geruhsames Weihnachtsfest und alles Gute für 2016.

Aber eins kann ich als guten Vorsatz schon jetzt versprechen: Ich werde nie wieder schreiben, dass ich "so entspannt in eine Saison gehe wie noch nie", wie ich es im Sommer tat - nicht wissend, was da alles vor uns lag.

Bundesliga 2015/16, 17. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - SV Darmstadt 98 3:2 (20.12.15)
(Tore für Borussia: 1:1 Stindl, 2:1 Nordtveit, 3:2 Wendt)



Mittwoch, 16. Dezember 2015

Rien ne va plus

Mann, Mann, Mann! Das war die dämlichste Niederlage seit langer, langer Zeit. Verdient und unverdient zugleich, unglücklich und selbst verschuldet, aber vor allem eins: ärgerlich und unnötig. Borussia ist auf dem besten Weg, wie früher zum beliebten Aufbaugegner für alle Teams zu werden, die gerade mal ein Erfolgserlebnis brauchen. Erst die strauchelnden Leverkusener wieder in die Spur gebracht, jetzt die torkelnden Grün-Weißen vom Weserstrand, die nun wirklich kein Über-Gegner waren. Zum Heulen ist das.
13 Gegentore in drei Spielen, davon in der Entstehung, in den Fehlerketten eins schlimmer als das andere. So kann es definitiv defensiv nicht weitergehen. Und dafür kann man die enge Personallage und die Müdigkeit nur zum Teil als Erklärung gelten lassen. Auch das Pech, dass die Bälle nun mal gerade durch Yann Sommers Beine oder vom Pfosten zum Gegner springen, kann nur ein kleiner Teil der Wahrheit sein.

Dabei war vieles gar nicht so schlecht. Eine halbe Stunde lang war Borussia die Verunsicherung nach den beiden Klatschen der Vorwoche deutlich anzumerken und es war etwas glücklich, dass die Bremer daraus kein Kapital zu schlagen verstanden. Dann folgte ein gelungener Spielzug zum 1:1 und das Gefühl für das elegante und effiziente Spiel nach vorne war wieder da, wozu auch Thorgan Hazard seinen Teil beitrug. Gladbach schien wieder in der Spur zu sein, hätte vor der Pause oder kurz danach das 2:0 machen müssen, kassierte stattdessen aus dem Nichts, ausgehend von einer zu lässig-schlampig Verteidigungsaktion von Wendt und dem folgenden Ballverlust den Ausgleich. Und wie schon gegen Manchester und Bayer 04 schluckt das Team dann nicht nur ein Tor, sondern gleich mehrere in kurzen Abständen. Vom 1:0 bis zum 1:2 dauerte es sechs Minuten, nach dem umjubelten Ausgleich brauchte Bremen nur drei Minuten, um uneinholbar auf 2:4 davonzuziehen. Dass davor und danach noch genug Chancen vorhanden waren, gegen die aus unerfindlichen Gründen auch bei eigener Führung hinten weiter völlig offenen Gäste fünf bis sechs Tore zu schießen, macht das Ganze noch ärgerlicher. Bei allen Unzulänglichkeiten wäre ein Sieg bis zum Schluss drin gewesen. Stattdessen versaut sich die Mannschaft gerade einen Teil dessen, was sich sich in den vergangenen Wochen trotz aller Widrigkeiten so bravourös erkämpft hatte.

Allerdings muss man auch die Gesamtsituation berücksichtigen. Und die sagt aus, dass der VfL in dieser Hinrunde die meiste Zeit auf Martin Stranzl, Alvaro Dominguez und Tony Jantschke in der Innenverteidigung verzichten musste. Letzterer fällt offenbar nach der dritten Verletzung in dieser Saison jetzt für weitere Monate aus. Daneben fehlen in André Hahn und Patrick Herrmann weiterhin zwei äußerst torgefährliche Flügelstürmer und in Nico Schulz ein fähiger Backup für die überspielten Oscar Wendt und Fabian Johnson. Insofern hätte es alles auch noch schlimmer kommen können.
Und ich denke, wir sollten uns nicht von dem zwischenzeitlichen Siegeszug und dem vorübergehenden Sprung auf Platz drei oder vier blenden lassen. In dieser an Widrigkeiten so reichen Saison kann und muss unter Umständen eine knappe Qualifikation für die Euro League am Ende als Erfolg verbucht werden. So fair muss man auch gegenüber der Mannschaft sein, bei der man angesichts der aktuellen Lage konstatieren kann: Rien ne va plus - nichts geht mehr.
Wichtig für den Kopf und eine ruhige Arbeit in der Winterpause wäre wenigstens noch ein guter Abschluss der Hinrunde gegen Darmstadt - auch das ist alles andere als ein Selbstläufer. Dann aber hat André Schubert erstmals Zeit, ein paar Tage am Stück gezielt an den Schwächen der Mannschaft zu arbeiten und sie für die zweite Saisonhälfte stabiler aufzustellen. Das ist die erste große Bewährungsprobe, über die in seiner Interimszeit so häufig geunkt wurde. Ich habe keinen Zweifel das ihm das gelingt.


DFB-Pokal, Achtelfinale: Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 3:4 (15.12.2105)
(Tore für Borussia: 1:0 Stindl, 2:2 Hrgota, 3:4 Hrgota)

P.S. Als bekennender Branimir-Hrgota-Fan hatte der Abend für mich ja wenigstens noch eine Spur Positives. Ich habe es dem Jungen gegönnt, dass er bei seinem ersten längeren Einsatz gleich wieder zweimal im Stile eines ausgebufften Torjägers zugeschlagen hat. Ich befürchte dennoch, dass das möglicherweise seine letzten Tore für uns gewesen sein könnten. Zu selten hat er die Chance bekommen, sein großes Können zu zeigen. Im Sommer läuft sein Vertrag aus, den Rest kann man sich wohl denken. Wünschen würde ich mir natürlich, dass er bleibt.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Das süße Gift des Bayern-Sieges

Endlich hat Gladbach mal wieder verloren. Endlich hat das Geschwätz der Boulevard-Sportreporter vom Zauberer "Schubidu" und seinem grünen Glückspulli ein Ende. Endlich sind die Bayern-Bezwinger wieder auf Normalmaß zurückgestutzt. Ganz ehrlich: Ich habe durchaus damit gerechnet, dass Borussias Unbesiegt-Serie noch vor der Winterpause reißen würde. Dass das in Leverkusen passieren würde, war auch eine nicht ganz weltfremde Annahme. Aber so? Das war in unangenehmer Hinsicht ein denkwürdiger Abend. Eine Klatsche, wie wir sie nicht mehr gewohnt sind. Verdient schon, aber mit 0:5 am Ende doch zu hoch. Aber so läuft es eben, wenn ab einem bestimmten Zeitpunkt mal gar nichts mehr zu klappen scheint. Das kann auch heilsam sein. Wenn man die richtigen Schlüsse daraus zieht.

Damit man mich nicht falsch versteht: Natürlich wollte ich nicht, dass der VfL verliert. Schon gar nicht gegen einen direkten Konkurrenten um einen möglichen Europacup-Platz. Und obendrauf nicht, wenn man die Chance hatte, sich mit einem Sieg von anderen Konkurrenten ein wenig abzusetzen. Wenn man es genau betrachtet, war Borussia in der ersten Hälfte auch gar nicht so schlecht. Yann Sommers Vorderleute hatten zur Halbzeit deutlich weniger Chancen des Gegners zugelassen als gegen die Bayern in der Woche zuvor und das Team lag trotz des 0:1 in Schlagdistanz zum Gegner. Zu Beginn der zweiten Hälfte schien es, als könnte das Spiel kippen, Borussia war kurzzeitig deutlich besser im Spiel, kam auch zu guten Möglichkeiten.
Doch dann passierte fast das Gleiche wie am Dienstag gegen Manchester und das, was den Bayern eine Woche zuvor im Borussia Park widerfahren war: Die Mannschaft wurde mit dem Treffer zum 0:2 angezählt, brach nach dem dritten Gegentor auseinander und war dann nur noch ein wehrloses Opfer für den Gegner. In Manchester kam der Ausgleichstreffer erst sehr spät, diesmal das 0:2 ausreichend früh, um noch reagieren zu können.
Doch ein weiterer Kraftakt wie gegen Hoffenheim gelang nicht, ein Pfostenschuss beim Stand von 0:1 war das einzige, was in der zweiten Halbzeit offensiv notierenswert war. Dafür waren die Schwächen in der Defensive umso frappierender. Dass Borussia zu viele Chancen des Gegners zulässt, ist nicht erst seit dieser Woche so. Bislang konnte das durch Yann Sommers glänzende Form und eine gehörige Portion Glück weitgehend kaschiert werden. Heute nicht mehr. Und die Entstehung der Gegentore (in Manchester wie in Leverkusen) macht nicht unbedingt Mut für die beiden wichtigen letzten Partien vor der Winterpause.

Was sind die Gründe dafür?
Der Schubert-Stil: Zum einen spielt die Mannschaft seit zwei Wochen noch ein Stück mutiger und offensiver als zuvor, vor allem durch die extrem vorgeschobenen Außenverteidiger. Das macht Borussias Spiel so attraktiv. Es hat gegen Hoffenheim in der Schlussphase gut funktioniert, unter dem Strich auch gegen die Bayern (man denke aber an die vielen Chancen des Gegners in der erste Hälfte) und sogar in der ersten Halbzeit gegen City. Das risikoreichere Spiel geht aber nur dann auf, wenn man den Gegner ständig unter Druck hält und zu Fehlern zwingt. In der ersten Halbzeit ging das auch bei Bayer noch halbwegs auf, doch mit zunehmender Spielzeit nicht mehr. Laut Sky lief die Mannschaft insgesamt nur 106 Kilometer, gegen die Bayern waren es 122. Der Gegner spulte jeweils 115 Kilometer ab.
Das süße Gift des Bayern-Sieges: Der unbewusste innere Schweinehund - oder die "Einstellung" - hat vielleicht auch eine Rolle gespielt. Wer glaubt, als Bayern-Besieger im nächsten Spiel auch nur einen Schritt weniger machen zu können, hat es gegen jeden Gegner in der Bundesliga schwer. Wenn einem das dann gegen eine so aggressive, lauf- und pressfreudige Mannschaft passiert, kommt leicht das raus, was heute am Ende auf der Anzeigetafel stand.
Der Substanzverlust: Die Mannschaft hat das Limit überschritten. Über Monate fallen jetzt schon eine Reihe von Leistungsträgern aus, nun fehlte auch noch "Mister Überall" Fabian Johnson. Schon als er gegen Man City vom Feld ging, nahm das Unheil seinen Lauf. Nicht allein deswegen, aber auch seinetwegen. Heute fehlten seine Staubsaugerqualitäten schmerzlich. Dass ein Mo Dahoud, ein Howie Nordtveit, ein Julian Korb und ein Oscar Wendt auch mal schwächere Tage haben, muss man angesichts der Dauerbelastung einfach hinnehmen. Dass Tony Jantschke noch nicht wieder der Alte ist und sich einen Lapsus leistet wie beim 0:1, wohl auch. Es ist deshalb ehrlich gesagt auch weniger verwunderlich, dass die Mannschaft heute so unter die Räder gekommen ist als dass das Team trotz der ganzen Ausfälle und Umstellungen überhaupt eine solche Siegesserie hingelegt hat.

Egal wie, jetzt muss vor allen Dingen die Stabilität und das Gleichgewicht in der Abwehr wiedergefunden werden, und zwar schnell: Neun Gegentore in zwei Spielen, das erinnert an schlimme Zeiten, vor allem aber an den verpatzten Saisonstart, den wir uns ja gerade erst aus den Kleidern geschüttelt hatten. Wieder einmal muss Borussia also blitzschnell an einer großen Herausforderung wachsen. Damit das Pokalspiel gegen Bremen und der Vorrundenabschluss gegen die unangenehmen Darmstädter uns nicht mit einem schlechten Gefühl in die Winterpause entlassen. Denn dann geht auch das Selbstbewusstsein, dass sich die Spieler bis hierhin so eindrucksvoll erspielt haben, schnell wieder stiften.
Die Fans bewiesen auch in Leverkusen wieder ein gutes Gespür für die Situation. So seltsam es für die Spieler sein muss, wenn sie auch beim Stand von 0:5 noch mit Gesängen bedacht werden. Es zeigt zugleich, dass jeder bei Borussia nach wie vor weiß, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen - nicht mal, wenn der Gärtner einen grünen Pulli trägt.

Bundesliga 2015/16, 16. Spieltag: Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach 5:0 (12.12.15)

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Die geilsten Verlierer der Welt

Als in den letzten zehn Minuten im Etihad-Stadium das Unheil seinen Lauf nahm, war das zwar ärgerlich, aber nicht so, dass man sich noch groß darüber aufregen mochte. Im Gegenteil. Es überwog der Stolz auf das Erreichte - auf eine Mannschaft, die Europa gezeigt hat, zu welchen Leistungen Borussia Mönchengladbach inzwischen wieder in der Lage ist. Und auf die Fans, die bewiesen haben, dass der VfL ein ganz besonderer Verein ist. Der Auftritt und Support der Fans hat überall tiefen Eindruck hinterlassen, ob durch die herrlichen Choreos oder den Gänsehaut fördernden Support im Borussia Park oder bei den Touren nach Rom, Sevilla, Turin oder Manchester. Wenn es auch sportlich nicht gereicht hat: Borussias Fans haben sich den Gruppensieg mit Abstand gesichert.

Was allerdings zum Abschluss unserer Champions-League-Saison im Tempel der City-Scheichs abging, war einfach nur Wahnsinn - 90 Minuten Heimspielatmosphäre im Mutterland des Fußballs, dem an diesem Abend noch einmal deutlich (und beschämend) aufgezeigt wurde, dass der englische Fußball seine Fan-Seele längst verloren und verkauft hat.
Danke deshalb an erster Stelle an alle Fans, vor allem an Sottocultura und alle anderen Gruppierungen, an die Allesfahrer und Gelegenheitsfans, die sich dermaßen reingehängt haben und die für diese tolle Visitenkarte verantwortlich sind - und das alles ohne Skandale, Randale und auch ohne Pyrotechnik und überflüssige Strafen. Wie die Mannschaft ist auch die Fanszene des VfL an den Herausforderungen gewachsen. Dass auch die Normalo-Fans wie ich voll hinter denen stehen, die die Arbeit machen, zeigt unter anderem die enorme Spendensumme, mit denen die Borussia-Familie den Choreo-Macher Dank und Vertrauen ausgesprochen hat. Es sind für jeden einzelnen nur ein paar Euros, aber man sollte die motivierende Wirkung dahinter nicht unterschätzen. Also: Weiter so!

Und das Sportliche? Es kam so, wie es nach der Auslosung als realistisch eingeschätzt werden musste. Vorrunden-Aus in der Hammer-Gruppe, auch ohne das erhoffte und mögliche Bonbon Euro-League-Achtelfinale. Doch dass Gladbach zu schlecht gewesen wäre, um Deutschland angemessen in der Königsklasse zu repräsentieren, wie es so mancher selbstherrliche Fan einer anderen dominierenden, wenngleich nicht unschlagbaren deutschen Mannschaft (oder welche der am letzten Saisonende hinter Gladbach platzierten Teams) schon vorher prophezeite - davon konnte keine Rede sein.
Ja, Borussia ist nach der Winterpause nicht mehr auf europäischem Parkett unterwegs und hat mit 5 Punkten letztlich einfach zu wenige Punkte auf der Habenseite verbuchen können. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der VfL hatte es bis zur 80. Minute des letzten Gruppenspiels in der eigenen Hand, weiterzukommen. Es hat mehrfach nur ein einziges Tor gefehlt, um die Gruppen-Rangliste zugunsten der Borussen zu verändern: Man denke nur an die knappen Spiele gegen Juve, der Last-Minute-Elfmeter von Manchester im Hinspiel oder auch das eine Tor zum 1:1, mit dem Juve gegen Sevilla am Ende auch die Borussen frohgemacht hätte.
Manchmal fehlen nur ein paar Zentimeter, um das Pendel für oder gegen Gladbach ausschlagen zu lassen. Leider haben wir uns an letzteres schon gewöhnt. Das alles können wir nicht mehr ändern. Umso wichtiger ist, das herauszustreichen, was die Mannschaft auch in Manchester wieder geleistet hat.

Die erste Halbzeit am Dienstag im Etihad Stadium - nun ja, das war wohl nicht weniger als das Reifste und Beste, was Xhaka und Co. in dieser Saison abgeliefert haben. In jedem Fall gilt das für die Champions League. 63 Prozent Ballbesitz im fremden Stadion, klasse Passquote, souveräner, sicherer Auftritt, dazu noch das eher zufällige 0:1 unbeeindruckt weggesteckt, die wenigen Chancen eiskalt genutzt und das Spiel gedreht (zudem noch mit einem Tor von Julian Korb!)  - das war die von Favre aufgebaute und von Schubert stark gemachte Borussia, die nur drei Tage zuvor dem FC Bayern die Grenzen aufgezeigt hatte. In der zweiten Halbzeit fehlte "nur" noch der Todesstoß zum 3:1, vielleicht durch einen Konter. Dann wäre in diesem, von einem übrigens erstklassigen Schiedsrichter Makkeli, geleiteten Spiel mit Sicherheit nichts mehr angebrannt und in Manchester wäre es eine lange Borussennacht geworden.

Hätte, wäre wenn... Stattdessen passierte eine zweite Halbzeit, wie sie schlechter nicht hätte sein können. Es war, als hätte man den Jungs um den hervorragenden Yann Sommer in der Halbzeit Blei an die Füße geschnallt oder irgendetwas Lähmendes in den Pausentee getröpfelt. Da spielte nicht mehr die gleiche Mannschaft wie in den 45 Minuten zuvor. Für so etwas gibt es keine einfache Erklärung, außer der, dass der Gegner plötzlich stärker war und der VfL schlechter. Der naheliegendste Grund dafür ist der Kräfteverschleiß nach den vergangenen Wochen mit vielen Verletzten und entsprechend wenig Regenerationsphasen. Zuletzt die Energieleistungen gegen Hannover und Hoffenheim, die aufwändigen Fußballfeste gegen Sevilla und Bayern, die ihren Tribut ausgerechnet im entscheidenden Spiel, und einfach eine Halbzeit zu früh forderten.

Dass zum Spielende drei Tore in fünf Minuten die Schubert-Elf auseinanderbrechen ließen, war besonders bitter, weil sich die Mannschaft trotz fehlerhaftem Aufbauspiel so lange mit Erfolg gegen die anrennenden Gastgeber behaupten konnte und mit viel Einsatz den Ausgleich verhinderte. Dass die Tore so spät fielen, mag auch damit zusammenhängen, dass da die wichtigen Löcherstopfer Fabian Johnson und Mo Dahoud den Platz verlassen hatten und in der Defensive nicht adäquat ersetzt werden konnten. Aber verdient war da die Führung schon nicht mehr. Da keinerlei Entlastung nach vorne gelang, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Gladbacher Abwehrmauer fiel.

Es ist nicht zum ersten Mal so: Der VfL kratzt an der Sensation, er begeistert und am Ende bleibt doch die Enttäuschung, weil es noch nicht ganz reicht. Das haben wir in der Europa League durchlebt und  - zum ersten Mal  - jetzt eine Stufe höher auf Königsklassen-Niveau. Die Entwicklung der vergangenen Jahre spricht also für sich. Wer Borussia an seinen Möglichkeiten misst, weiß aber auch um die Grenzen. Deshalb wird auch das zu Beginn zu erwartende und am Ende so bittere Ausscheiden den guten Eindruck unserer ersten CL-Saison ganz sicher nicht trüben können. Ein Titel ist uns ohnehin sicher - den des geilsten (Verlierer-)Clubs der Welt.

Champions League, Gruppenphase, 6. Spieltag: Manchester City - Borussia Mönchengladbach 4:2 (8.12.2015)
(Tore für Borussia: 1:1 Korb, 1:2 Raffael) 

Endstand
1. Manchester City (12:8 Tore, 12 Punkte)
2. Juventus Turin (6:3 Tore, 11 Punkte)
3. FC Sevilla (8:11 Tore, 6 Punkte)
4. Borussia (8:12 Tore, 5 Punkte)
 

Montag, 7. Dezember 2015

King for one day


"Wenn man mit dieser Einstellung, mit dem Vertrauen in die eigenen Stärke und dem Wissen um die vorhandenen Schwächen, das nächste Spiel angeht, mit einem ausverkauften Borussia-Park im Rücken - warum sollte da nicht auch gegen die Bayern etwas drin sein?"

Das schrieb ich in der vergangenen Woche als Schlusswort nach dem Kraftakt gegen Hoffenheim. Gehofft hatte ich da schon, dass Gladbach die Mannschaft sein könnte, die den Bayern als erste das Bein stellt. Weil Borussia im Spiel nach vorne auch schon gegen Juve, Sevilla und Man City grandiose Angriffe gezeigt und dabei einige Weltstars ins Schwitzen gebracht hatte. Und dass die Bayern in ihrer auf Angriff gebürsteten Abwehrreihe ihre Achillesferse haben, konnte man auch als gelegentlicher Beobachter wissen - auch wenn die wenigsten Mannschaften es in dieser Saison geschafft haben, diese Schwäche offenzulegen, weil sie vorwiegend mit verzweifeltem Verteidigen beschäftigt waren.

Wirklich geglaubt habe ich an einen Erfolg allerdings nicht, da bin ich ehrlich. Zu viele Großchancen hatte der VfL in den jüngsten Spielen gegen Teams aus den unteren Tabellenrängen zugelassen. Dass das gegen Müller, Coman und Lewandowski gutgehen würde, war nicht unbedingt zu erwarten, auch wenn die Gäste (vor allem ohne Costa, Robben und Alaba) natürlich deutlich geschwächt anreisten.
Und doch stand am Ende auf der Anzeigetafel dieses unglaubliche Ergebnis: 3:1, drei Tore gegen die Bayern in 14 Minuten. Eine rauschhafte zweite Halbzeit, die für die Gäste auch durchaus noch bitterer hätte enden können, wenn man die Chancen durchzählt.
Auf der anderen Seite stand nur ein letztlich wertloser Treffer von Ribery und die Erkenntnis, dass die über Jahre von Lucien Favre im engen taktischen Korsett perfektionierte Mannschaft plötzlich auch fast fliegende Wechsel in der Taktik hervorragend umzusetzen weiß. Mit seiner Dreierketten-Taktik und dem brutal-lauffreudigen Mittelfeld, verstärkt um die eigentlichen Außenverteidiger Korb und Wendt, hat André Schubert nicht nur mich überrascht, was kein so großes Wunder ist, sondern auch den Übertrainer Pep Guardiola. Und er hat zumindest für diesmal den richtigen Schlüssel gefunden, um die Münchner Überflieger auszubremsen.

Nach einer starken Anfangsphase des VfL, in der sich der Gegner offenbar erst orientieren musste, schien es allerdings für 20 Minuten so, als sei alles vergebens gegen ein solch sicheres Pass-und Kombinationsmonster wie den FC Bayern. Immer enger zog sich die Schlinge um den Strafraum der Borussen, immer klarer wurden die Möglichkeiten für die Bayern, in Führung zu gehen. Startelf-Debütant Nico Elvedi hatte merklich Schwierigkeiten, im Sprint nicht nur die Sohlen von Kingsley Coman zu sehen. Doch der Schweizer rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers, indem er schon in der ersten Halbzeit ganz stark verteidigte, wo immer er den blitzschnellen Franzosen stellen konnte. In den zweiten 45 Minuten wirkten die drei Innenverteidiger Elvedi, Christensen und Nordtveit immer sicherer, fingen auch viele Pässe in die Spitze frühzeitig ab und leiteten Gegenangriffe ein. Die teilweise in Manndeckung bearbeiteten Müller und Lewandowski verloren schnell den Spaß an dem Spiel, das merkte man ihnen auch deutlich an.
Dennoch: Man muss kein Prophet sein, um zu wissen: Wäre der amtierende Meister in der ersten Hälfte im Borussia Park in Führung gegangen, hätte man am Wochenende sicher nicht so viele Lobeshymnen auf Schubert und seine Elf zu hören bekommen. Doch seine Taktik passte, Yann Sommer stand da, wo er stehen musste, Bayerns Angreifer waren nicht so effizient wie sonst und einmal rettete auch der Pfosten.
Somit ist für alle Anhänger des selbsternannten Sterns des Südens zumindest eine tröstliche Erklärung für die doch schmerzhafte Klatsche gegen den Angstgegner gefunden: Neben den fehlenden Spielern hatte Gladbach in der ersten Hälfte ziemlich Glück. Das stimmt.
Es ändert aber nichts daran, dass Borussia über die gesamte Spielzeit gesehen die bessere Mannschaft war. Nicht nur, weil sie ihre Torchancen besser genutzt hat, sondern auch, weil sie den Gegner so intelligent bearbeitet und angelaufen hat, dass der nicht wie gewohnt zur Geltung kam. Und mit zunehmender Spielzeit bespielten Xhaka und Co. gerade die Räume, in denen die Bayern verwundbar sind - die hinter den aufgerückten Verteidigern und die im Strafraum, den andere Gegner in dieser Saison in der Regel nur selten aufgesucht haben.

Es gibt also nichts, weswegen man sich für diesen Sieg entschuldigen müsste. Bis auf den Ballbesitz (40:60 Prozent), die Passgenauigkeit und Torschusshäufigkeit war der VfL an diesem Nachmittag über die gesamte Spielzeit gesehen besser. Die Schubert-Schützlinge (mit drei 19-Jährigen in der Startelf, die zusammen eine lächerliche Bundesligaerfahrung von 28 Spielen in das Spiel einbrachten) lief erheblich mehr als der Gegner (laut Kicker 122,08 zu 115,92 Kilometer). Lars Stindl (12,56 km) und Mo Dahoud (12,27 in 85 Minuten) lagen weit vor dem besten Münchner Vidal. Der lief 11,67 Kilometer und hätte damit im Gladbacher Team noch Xhaka (11,97), Johnson (11,79) vor sich und Korb und Wendt (11,64 und 11,63) neben sich gehabt. Na klar, Laufleistung allein gewinnt keine Spiele. Aber sie zeigt, mit welcher Intensität die Borussen den Gegner bearbeitet haben. Die Münchner mussten nämlich auch in diesem Spiel zusammen ganze fünf Kilometer mehr laufen als im Durchschnitt dieser Saison (110,99) und verzeichneten sowohl eine unterdurchschnittliche Ballbesitzquote von 60 Prozent (Schnitt der 15 Spiele: 71) als auch eine schwächere Passquote (82 statt 89 Prozent). Dass der Torschnitt pro Spiel (2,87) diesmal deutlich verfehlt wurde, war für jeden an der Anzeigetafel leicht ersichtlich. Das alles war zum großen Teil Verdienst unserer Borussen, die man dafür kaum genug loben kann. Nicht zuletzt, weil ja auch der VfL personell aus dem letzten Loch pfeift und doch Woche für Woche staunenswerte Leistungen abliefert.


3:1 gegen die Über-Bayern, das gab's doch vor zwei Jahren schon mal. Ja, aber damals hielt der Vorsprung nicht sehr lange.
Beim letzten Spiel von Jupp Heynckes als Bayern-Trainer endete die Partie gegen den schon feststehenden Meister 3:4.


Da wir Borussen-Fans aber auch nicht zu Größenwahn neigen, können wir diese Momentaufnahme auch richtig einordnen. Es ist immer möglich, so einen Gegner an einem Tag zu schlagen. Das hat der VfL nun schon über einige Jahre immer mal wieder bewiesen. Das heißt nicht, dass man schon auf Augenhöhe mit ihm ist oder ihm den Kampf ansagen könnte. Beim FC Bayern München stehen schon noch andere Kaliber auf dem Platz als bei Borussia, das wird sich auch in der Endabrechnung entsprechend deutlich bemerkbar machen. Allerdings ist die Entwicklung der vergangenen drei, vier Jahre schon sehr gut zu sehen. Gegen Bayern waren die beiden Spiele in der vergangenen Saison zwar auch überdurchschnittlich erfolgreich - allerdings auch da mit deutlich mehr Glückmomenten in der Defensive durchzogen als am Samstag.
Auch international sieht man die Reife der Mannschaft: Wo wir in der ersten Euro-League-Saison doch sehr schnell Lehrgeld zahlen mussten, war der VfL schon vergangene Saison ganz nah an der Überraschung gegen den Champion Sevilla. In dieser Saison wurde der gleiche Gegner im Rückspiel zeitweise ähnlich auseinandergenommen wie die Bayern gestern. Und es ist nicht utopisch, dass Sevilla letztlich in der CL-Gruppenphase an der Borussia scheitert. Dazu die erstklassigen Partien gegen Manchester und Juve.

Aus Borussia ist also eine deutsche Spitzenmannschaft geworden (gegen die ersten sieben Teams in der Tabelle gab es fünf Siege und nur die Niederlage gegen Dortmund). Und Borussia kann auf europäischem Parkett gut mitspielen, wenngleich die Spitze noch weit entfernt scheint. Den nächsten Schritt dazu kann das Team von André Schubert schon am Dienstag machen. Die Chancen stehen auf der derzeitigen Euphoriewelle nicht schlecht.
Allerdings muss auch jedem klar sein, dass das Pendel auch mal wieder gegen die Elf vom Niederrhein ausschlagen kann. Dass Spiele wie Dahoud oder Christensen in ein Leistungsloch fallen können und es mal ein paar Spiele nichts zu feiern gibt. Dann kommt es auf den Zusammenhalt in der Mannschaft und natürlich auf die Geduld der Fans an. Auch wenn die derzeitigen Ergebnisse uns insgeheim schon wieder von einer weiteren Champions-League-Saison träumen lassen - bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der nicht ohne Rückschläge bleiben wird. Dann ist es wichtig, sich daran zu erinnern, womit wir nach dem Katastrophen-Auftakt noch Ende September zufrieden gewesen wären: "Hauptsache die Saison ordentlich zu Ende bringen und nicht wieder im Abstiegssumpf verschwinden". Auch das gehört an einem Feiertag wie diesem, an dem man sich wie der König der Bundesliga fühlt, zur Wahrheit dazu. Es gibt auch jetzt keinen Grund, übermütig zu werden.

Bundesliga 2015/16, 15. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Bayern München 3:1 (5.12.15)
(Tore für Borussia: 1:0 Wendt, 2:0 Stindl, 3:0 Johnson)