Samstag, 28. Mai 2016

Verluste (II): Martin Stranzl

Die Saison ist vorbei, erneut verlassen einige Spieler die Borussia. Einen Verlust stellen sie alle dar, auch wenn man persönlich an dem einen mehr hängen mag als an dem anderen. In einer losen Folge zeichne ich nach, was dem Team mit den Abgängen verloren geht und wie man Xhaka, Stranzl, Brouwers, Nordtveit, Hrgota und Hinteregger ersetzen sollte. Heute geht es um Martin Stranzl.
 
Borussia hat - unfreiwillig - schon eine fast komplette Saison geübt, wie es ist, wenn der unumstrittene Leitwolf Martin Stranzl mal die Fußballschuhe an den Nagel hängt. Dass er das bald tut, hatte er ja von Jahr zu Jahr immer wieder in Aussicht gestellt.
Doch obwohl der Österreicher in der abgelaufenen Runde seiner Statistik nur noch vier Saisonspiele hinzufügen konnte, ist es für das Team ein großer Verlust, wenn er ab Juli nicht mehr mit auf dem Trainingsplatz steht.
In der Vorsaison noch bester Zweikämpfer der Liga, kopfballstark, genial in der Tacklinggenauigkeit, dazu einer, der sagt, wo es lang geht: Das hat Borussia allerdings in der verrückten Saison 2015/16 auch nur zu Beginn so richtig gefehlt.
Im Laufe der Spielzeit hat sich das Team damit arrangiert, dass hinten nicht mehr Martin Stranzl abräumt, sondern Andreas Christensen. Der zudem noch die deutlich bessere Spieleröffnung bietet. Mit dem Wechsel von Favre zu Schubert hielt auch eine andere Art von Abwehrarbeit Einzug. Möglich, dass ein einsatzfähiger Martin Stranzl damit mehr gefremdelt hätte als es dem Spiel gutgetan hätte. Aber das ist Spekulation.
In der kommenden Saison wird der 35-Jährige aus heutiger Sicht deshalb weniger sportlich fehlen, sondern als Mensch, als Typ und als erfahrener Spieler, von dem junge Profis lernen können. Christensen hat das ganz offensichtlich nicht so gebraucht, aber an Stranzls Seite sind seit dessen Wechsel zu Borussia schon einige Spieler gewachsen - ein Julian Korb und ein Tony Jantschke gehören genauso dazu wie Havard Nordtveit oder Granit Xhaka.
Also muss demnächst jemand aus der Mannschaft - oder ein Neuzugang - die Anführerrolle annehmen, die Stranzl innehatte, und die an seiner Statt dann Granit Xhaka an den Tag legte und nun mit nach London nimmt. 
Das ist nicht so einfach, wie es klingt, aber auch nicht unmöglich. Denn offensichtlich scouten die Experten im Verein ja auch ganz gezielt mit Blick auf wichtige Charaktereigenschaften der Spieler. Und: Borussia hat in den vergangenen Jahren immer wieder Spieler abgegeben, von denen man gedacht hatte, sie seien "unersetzlich" - zumindest ein bisschen. Bei Hanke, Arango, auch bei Filip Daems war es nicht so, der VfL steht heute auch ohne diese verdienstvollen Spieler insgesamt stärker da. Hoffen wir, dass es auch bei Martin Stranzl nicht anders ist. Der Verlauf der Saison hat angedeutet, dass es so sein wird.

Dienstag, 24. Mai 2016

Verluste (I): Granit Xhaka

Die Saison ist vorbei, erneut verlassen einige Spieler die Borussia. Einen Verlust stellen sie alle dar, auch wenn man persönlich an dem einen mehr hängen mag als an dem anderen. In einer losen Folge zeichne ich nach, was dem Team mit den Abgängen verloren geht und wie man Xhaka, Stranzl, Brouwers, Nordtveit, Hrgota und Hinteregger ersetzen sollte.

Da geht er nun hin, nach England. Auch wenn es noch nicht offiziell bestätigt ist: Der Wechsel von Granit Xhaka ins Mutterland des Fußballs konnte eigentlich niemanden überraschen. Ich hatte seinen Abgang in meinem Ausblick auf die neue Saison vor einiger Zeit schon als absehbar bezeichnet. Das Schmerzensgeld ist in Ordnung, und wirtschaftlich wie menschlich ist es vernünftig, dem Schweizer den Schritt jetzt zu ermöglichen. Sportlich ist es für Borussia nicht ohne Risiko, aber eben auch unausweichlich, weil man nicht Bayern München ist.

Granit Xhaka, das steht für mich schon länger fest, ist im englischen Fußball an der richtigen Stelle. Dort wird er nicht so schnell als Rauhbein oder Platzverweis-König abgestempelt - weil auf der Insel seine Art der Zweikampfführung als normale Härte verstanden wird (was sie in der Regel auch ist). In Deutschland hatte er schnell seinen Ruf weg: Das hat ihm auch immer wieder unangemessene Karten und Sperren eingetragen - und viele unsägliche Berichte von angeblichen Experten unter den Sportjournalisten über den vermeintlich unbeherrschten Gelb- und Rotsünder.
Das alles, da bin ich mir ziemlich sicher, wird ihm bei Arsenal nicht passieren. Ich denke, er wird die Gunners-Fans und die Fachleute mit seinem Fußball begeistern - und mit seiner körperbetonten Spielweise, die er in den vergangenen Monaten auch aufgrund der öffentlichen Wahrnehmung deutlich zurückgenommen hatte.
Ich wünsche ihm von Herzen viel Erfolg, nicht zuletzt, weil Granit bewiesen hat, dass er nicht einfach nur ein Vereins-Hopper ist, sondern ein Spieler, der sich mit seinem Verein identifiziert und bis zum letzten Tag alles für diesen Verein gibt. In dieser Hinsicht ist Granit ein großes Vorbild und hat sich unseren Dank und einen Platz in unseren Herzen verdient. Für die vier Jahre im Verein, in denen er aus Fehlern gelernt und an sich gearbeitet hat, für seine Leistungen, sein respektvolles Verhalten gegenüber anderen, aber auch für das Geld, das er nun einspielt und das Gladbach die Möglichkeit gibt, die in den vergangenen Jahren erarbeitete Position in der vorderen Tabellenhälfte mit intelligenten Neuverpflichtungen zu sichern.

Die Londoner hingegen bekommen einen noch immer sehr jungen, aber inzwischen gereiften und abgeklärt spielenden Mittelfeldstrategen, der in den vergangenen Jahren und Monaten gelernt hat, dass es nicht nur drauf ankommt, ungestüm nach vorne zu arbeiten, sondern dass es viel effektiver sein kann, wenn man aus der defensiveren Position des zentralen Mittelfelds ein Spiel lenkt. Xhaka setzt heute seine Fähigkeiten viel besser und gewinnbringender ein als in den Vorjahren, das war vor allem in der Rückrunde sehr gut zu beobachten: die Übersicht und seine zentimetergenauen 60-Meter-Pässe, dazu das gute Stellungsspiel und das Vorausahnen der Situationen, das ihn nicht mehr so oft in foulträchtige Zweikämpfe gezwungen hat. Das war unauffälliger als in seiner Anfangszeit bei Borussia, aber nicht unbedingt schlechter - in jedem Fall war es ein wichtiger Grund, warum der VfL sich letztlich doch noch Platz vier sichern konnte.
Xhaka nahm sich im richtigen Moment zurück, akzeptierte, dass Mo Dahoud der bessere und trickreichere Antreiber in der Offensive ist und bügelte die zum Ende der Saison häufigeren Fehler seines Nebenmanns unaufgeregt aus, wo er konnte. Wer sich noch an die Anfangszeit der Nummer 34 bei Borussia erinnert, weiß auch noch, dass die gerade geschilderte Rolle genau das war, was Lucien Favre in Xhaka gesehen hat. Er hat das größere Potenzial des damals offensiv ausgerichteten "8ers" auf der "Sechser"-Position gesehen. Und Monsieur hatte auch darin am Ende recht.

Dass die richtige Einstellung, sein Auftreten als Kapitän und seine selbstbewusste Art auch auf die Mannschaft abfärbte, ist offensichtlich. Denn er war in Abwesenheit von Martin Stranzl schnell der Leader im Team, der, der auch mal verbal voranging. Der - das Hannover-Spiel hat das sehr deutlich gezeigt - kaum zu ersetzen ist, wenn die Mannschaft auf dem Rasen an sich zu zweifeln beginnt und einen Tritt in den Hintern bräuchte.

Es war diese positive Entwicklung des Baslers am Niederrhein, die Arsenals Trainerikone Arsene Wenger nun eine solche Summe bieten lässt, wie sie derzeit als Ablösesumme kursiert. Und da sind wir beim Knackpunkt für den VfL. Xhaka ist für unser Team diese 40 plus x Millionen wert, eigentlich sogar noch mehr. Denn sein Weggang verursacht ein spielerisches, kämpferisches und mannschaftsführerisches Loch, das auch bei der Re-Investition dieser Summe wohl nicht zu schließen ist - zumindest nicht sofort wirksam für die neue Saison. Borussia verliert einmal mehr ein Kernstück seiner Erfolgself und muss neu aufbauen. Zum Glück trifft den Verein das nicht mehr so stark, weil der Kader insgesamt schon auf einem ganz anderen Niveau ist wie beim Aderlass vor ein paar Jahren mit Reus, Dante und Neustädter. Doch eine Garantie, dass jemand sofort in Granits Rolle schlüpfen könnte, gibt es nicht. Und auch nicht, dass ein Dahoud genausogut mit Xhakas Nachfolger harmoniert wie dies in dieser Saison der Fall war. Die bisher als mögliche Nachfolger genannten Kramer, Rode oder Tielemanns sind unabhängig von ihrer "Machbarbarkeit" andere Spielertypen, die bislang eher auf der Dahoud-Position zuhause waren. Insofern ist es in diesem Jahr wohl die spannendste Personalie, wie der Verein Xhakas Position neu besetzen wird.

Samstag, 14. Mai 2016

Geschafft

Geschafft. Vierter Platz nach einem katastrophalen Saisonstart, dem Verlust des außergewöhnlichen Trainers, der die Mannschaft geformt hatte und trotz immer wieder langen Verletzungsphasen von mehreren Leistungsträgern. Dennoch die Champions League-Qualifikation erreicht, den Hinrundenplatz gehalten. Als einziges Team vier Punkte gegen die Meister-Bayern geholt. So viele Tore geschossen wie seit 28 Jahren nicht mehr. Eine hervorragende Heimbilanz im Borussia Park erzielt und dabei teilweise verzaubernden Offensivfußball gezeigt. Und im letzten Spiel dann auch noch der ersehnte erste Rückrundensieg auswärts.
Da kann man sich heute doch einfach nur mal freuen - über die gute Bilanz und darüber, dass diese merkwürdige Saison vorbei ist, die alle, die es mit Borussia halten, ziemlich viel Substanz gekostet haben dürfte.

Zum heutigen Spiel braucht man nicht viel schreiben, dafür war es sportlich zu bedeutungslos. Der VfL siegte letztlich ungefährdet, weil auch Darmstadt den Wettkampfmodus merklich abgeschaltet hatte - wenngleich den Borussen ein paar überflüssig harte Fouls und die übliche Show von Schauspieler Marcel Heller nicht vorenthalten blieben. So war für die Lilien allerdings selbst gegen eine Gladbacher B-Elf kein Blumentopf zu gewinnen. Auf Borussenseite zeigten immerhin Tobi Sippel, Marvin Schulz und auch der von manchen schon als Fehleinkauf abgestempelte Jonas Hofmann, dass sie jederzeit ins Spiel gebracht werden können. Besonders letzterer spulte eine engagierte Partie ab und zeigte, diesmal in zentralerer Rolle als bei seinen ersten Einsätzen, dass er für Gladbach mehr sein kann als ein Bankdrücker. Doch um das zu bestätigen, braucht es mehr als ein solches Spiel, in dem es für beide Teams um nichts mehr ging.

An anderen Tagen hätte es wohl auch nur Kopfschütteln für den Trainer gegeben, wenn er drei Abwehrspieler eingewechselt hätte. Heute war es kein Problem, auf diese Weise nochmal Danke zu sagen an Roel Brouwers, aber auch an Julian Korb, der in den vergangenen Monaten kaum noch berücksichtigt wurde und an Tony Jantschke, der sich mehrfach von Verletzungen gebeutelt wieder herangekämpft hatte. Ich fand es nur schade, dass auch im letzten Spiel kein Einsatz für Branimir Hrgota mehr drin war, aber vielleicht wollte er selbst nach den vergangenen Monaten nicht mehr. Zu verdenken wäre es ihm nicht. Nachdem er stets geduldig seine Rolle in der Mannschaft erfüllt hatte, durfte er in der Winterpause nicht wechseln, nur um danach nicht einmal mehr im Kader zu stehen. Das ist ein Abschied, den der Schwede nicht verdient hat, und das ist für mich ein kleiner Wermutstropfen, nicht erst am heutigen Tag. Es ist ihm zu wünschen, dass er bei seinem neuen Verein häufiger zeigen darf, was er kann.

Bundesliga 2015/16, 34. Spieltag: SV Darmstadt 98 - Borussia Mönchengladbach 0:2 (14.5.16)
(Tore für Borussia: 0:1 Hazard, 0:2 Hahn)

Dienstag, 10. Mai 2016

Bloß nicht kirre machen lassen

Ich habe dieses Blog vor einiger Zeit - nicht vorrangig -, aber unter anderem auch deswegen gestartet, um dem einen oder anderen dümmlichen Berichten rund um Borussia etwas aus (journalistisch vorgebildeter) Fansicht entgegenzusetzen. Denn weil ich mich für Borussia interessiere, lese ich natürlich auch sehr viel von und über den VfL. Und was von (Regenbogen-)Schreibern und Möchtegern-Journalisten im Netz täglich so abgesondert wird, ist manchmal schwer erträglich.

Ein Paradebeispiel ist die seit Monaten immer wieder aufgewärmte Debatte um den Trainer. Ich weiß nicht, ob es zu einem bestimmten Zeitpunkt Kontakt mit Markus Weinzierl gegeben hat, ob sich André Schubert in manchen Situationen vereinsintern fragwürdig verhalten hat oder ob man mit seiner Trainingsarbeit oder Taktik im Vorstand oder an sonst einer maßgeblichen Stelle des Vereins unzufrieden ist oder nicht. Ich glaube aber nicht, dass dies, wenn es das gegeben haben sollte, über alltägliche Konflikte hinausgegangen wäre.

Was ich weiß, ist, dass es völlig irrsinnig und unlogisch wäre, einen Trainer zu entlassen, der eine solche Bilanz vorzuweisen hat, nachdem er eine sieglose und vom Favre-Rücktritt überraschte Mannschaft vorgefunden hat. Es wäre umso unlogischer, ihn durch einen Trainer zu ersetzen, der höchstens eine gleichwertige Erfahrung aufzuweisen hat, und dabei keine nachweislichen Erfolge mit einem qualitativ so hochwertigen Kader wie ihn Gladbach bietet. Das Risiko, dass das nach hinten losgeht, ist bei aller behaupteten Freundschaft von Eberl und Weinzierl (die ich ebenfalls nur aus medialen Behauptungen kenne) zu hoch. Und das weiß zu allererst Max Eberl, dem man sicher eins nicht vorwerfen kann: dass er unbequeme Entscheidungen nicht trifft, weil sie ihm persönlich vielleicht anders besser gefallen würden (Entlassung von Frontzeck, keine Verträge mehr für Hanke, Arango, Brouwers).
Es ist für mich darüber hinaus auch eigentlich undenkbar, dass eine Mannschaft, deren Verhältnis zum Trainer gestört wäre, eine solche Saison spielt und auf den letzten Metern noch bis ins Letzte motiviert scheint.

Mag sein, dass Eberl Weinzierl als Favre-Nachfolger geholt hätte, wenn er damals sofort verfügbar gewesen wäre. War er aber nicht. Und damit hat sich das Thema für einen verantwortungsbewussten Manager auch schon erledigt. Man kann auch nicht jedem geplatzten Transfer ewig nachtrauern. Und mit der Vorgeschichte der kolportierten früheren Favre-Rücktrittsdrohungen ist es geradezu logisch, dass Eberl in Schubert einen möglichen, im Ernstfall schnell verfügbaren Ersatztrainer und excellenten Fachmann durchaus im Sinn gehabt hat. Dass die Zeit bis zu dem Ernstfall dann so kurz war, dass man sich bis dahin noch nicht endgültig Schuberts Fähigkeiten versichert hatte, macht auch das Zögern bis zur Beförderung verständlich. Seitdem aber hat im Verein niemand öffentlich je Schubert irgendetwas vorgeworfen geschweige denn seine Ablösung betrieben.

Es wäre auch schlimm, wenn sich ein Hans Meyer oder Rainer Bonhof (als erfahrene Ex-Trainer) sich für so etwas hergeben würden. Ich glaube, auch von den Fans schätzt Eberl niemand so ein, dass er persönliche Vorlieben vor die sportliche Vernunft setzen würde. Das eweist seine Arbeit in den vergangenen Jahren eindrucksvoll - und deshalb ist seine Frage, warum man ihm medial in der Trainerfrage immer wieder von neuem seine Glaubwürdigkeit abspricht, auch gerechtfertigt.
 Vor diesem Hintegrund ist der Versuch der Bild-Zeitung, erneut das Thema Weinzierl anzufeuern, ziemlich plump. Weil sich bei den Bekloppten in Gelsenkirchen auf diese Weise stets prima zündeln lässt, wollte man das jetzt wohl auch mal bei den so skandalarmen Gladbachern probieren, so scheint es.
Und als reichte es nicht aus, dass man eine solche Falschmeldung in die Welt setzt und immer wieder befeuert: Nachdem Eberl sein Dementi dann beim dritten oder vierten Mal so klar formulierte, dass es selbst der Geißbockfreundliche "Express" als unmissverständlich bezeichnete, blieb der Blöd-Redakteur unbelehrbar.
Deshalb heißt es bei Bild heute dann in unfassbarer Hartleibigkeit: "Überraschende Wende" und "Borussia Mönchengladbach wird doch mit Trainer André Schubert (44) in die neue Saison gehen!" (bild.de). Das ist ein Punkt, wo mir als Berufskollege vor Wut dann wirklich der Hals anschwillt. Denn das ist der schlechte Journalismus, der in anderem Zusammenhang durch Verallgemeinerungen dann allen Medien vorgeworfen wird.
Leider ist es dann auch oft so, dass andere Medien den Mist einer Quelle gerade dann ungeprüft weiterblasen, wenn es um Fußball-Spekulationen geht. So wird bei der WAZ, die Eberls klares Statement ebenfalls wiedergibt, das bewertende Schlagwort von der "Trainer-Posse bei Borussia" geprägt, basierend offenbar auf der dünnen Faktenlage der Bild, auf die die WAZ dann noch ebenso blumig "Informationen ihrer Redaktion" draufpackt, dass Weinzierl und Eberl ja Freunde seien und "es regen telefonischen Kontakt gegeben" habe - zwischen wem auch immer, das geht aus dem Satz nämlich nicht hervor. Weiter fabuliert der WAZ-Autor davon, dass das "emotionale" 2:1 gegen Leverkusen, die fast sichere CL-Quali, "vermutlich aber auch ein mahnendes Wort aus dem Vorstand" Eberl bewogen hätten, das Bekenntnis zu Schubert abzugeben. Au weia.

Und als wäre das noch nicht genug der journalistischen Fragwürdigkeit, findet sich jedes Gerücht, sei es dieses oder eins über wechselwillige Spieler auf diversen Seiten wie 90min oder Borlife nochmal in meist schlechterer Darstellung widergekäut und auf die nächste Runde durchs Netz gehustet. Gruselig. Musste ich einfach mal loswerden. Man darf sich davon nur nicht kirre machen lassen.
 auch noch im Internet auf Warum Schubert kommende Saison Gladbach-Trainer bleibt | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/sport/fussball/gladbach/warum-andre-schubert-kommende-saison-gladbach-trainer-bleibt-id11812159.html#plx579113522
vermutlich aber auch ein mahnendes Wort aus dem Vorstand bewogen Eberl nun zum Bekenntnis zu Schubert.

Warum Schubert kommende Saison Gladbach-Trainer bleibt | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/sport/fussball/gladbach/warum-andre-schubert-kommende-saison-gladbach-trainer-bleibt-id11812159.html#plx579113522
vermutlich aber auch ein mahnendes Wort aus dem Vorstand bewogen Eberl nun zum Bekenntnis zu Schubert.

Warum Schubert kommende Saison Gladbach-Trainer bleibt | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/sport/fussball/gladbach/warum-andre-schubert-kommende-saison-gladbach-trainer-bleibt-id11812159.html#plx579113522

Samstag, 7. Mai 2016

Mit roher Gewalt ins Glück

Drei Spiele ohne Niederlage, davon zwei gegen den Meister und den Dritten der Tabelle - die Mannschaft hat sich im Endspurt der Saison tatsächlich  noch - verdient - auf den bestmöglichen Platz geschoben, der nach den beiden Niederlagen gegen Hannover und Ingolstadt noch zu vergeben war. Der vierte Platz, die Qualifikation für die Champions League, ist dem VfL nicht mehr zu nehmen, dazu gehören angesichts der Tordifferenz keine besonderen hellseherischen Fähigkeiten mehr.  Und das ist ein fantastisches Ergebnis für Borussia. Wer fragt, warum, sollte auf diese Zahlen schauen:

12 - 12 - 11 - 15 - 10 - 18 - xx - 15 - 12 - 16 - 4 - 8 - 6 - 3 - 4

Richtig, das sind die Mönchengladbacher Endplatzierungen in der Bundesliga seit dem Wiederaufstieg 2001 (das xx steht für die Zweitligasaison nach dem zweiten Abstieg). Natürlich, es gab in dieser Saison genug Gelegenheiten, so viele Punkte zu sammeln, damit es Platz drei wird. Mehr aber auch nicht. Dafür waren Bayern und Dortmund zu konstant in den Leistungen. Im vergangenen Jahr holte Borussia als Dritter 66 Punkte, Leverkusen als Vierter hatte 61. Diesmal reichen wahrscheinlich sogar 52 Punkte für den 4. Platz und 57 für Platz drei. So what? Jeder Saison ist eben anders, und diese war durchweg schwächer (oder sagen wir zwischen Platz drei und 18 ausgeglichener) als andere. Wir sind europäisch dabei, mit der erneuten Chance auf den Topf mit den ganz großen Mannschaften. Wer damit nicht gut leben kann, sollte sich besser einen Abonnements-Meister zum Zujubeln suchen.


Das Spiel heute hat mich, so erfreulich es auch endete, nervlich allerdings wieder einmal ziemlich mitgenommen. Ein toller Start mit versemmelten Großchancen und nicht gegebenen Elfmeter(n) und die kalte Dusche zum 0:1 durch ein ganz schwaches Abwehrverhalten. Danach mutig gegen den unverdienten Rückstand anspielende, aber dabei sehr fehlerbehaftete Borussen - stets in Gefahr, dass der Willen zum risikoreichen Spiel nach hinten losgeht. Zum Glück stand im VfL-Team heute wieder einer, der in all der Spielkunst und der oft zu komplizierten "Ich-trage-den-Ball-ins-Tor"-Mentalität zur richtigen Zeit einfach zweifach den Hammer rausholte: André Hahn war heute, aber eigentlich auch schon in den Spielen zuvor, der Mann für die wichtigen Tore. Heute aber habe ich die beiden Vollspannschüsse noch inbrünstiger mit ins Tor geschrien - weil die Bälle anders wohl nicht ins Tor gegangen wären als mit roher Gewalt.
Mit den Partien seit der Rückkehr aus der langen Verletzungspause hat André Hahn bewiesen, dass er tatsächlich der Torjäger/Mittelstürmer sein kann, nach dem sich Gladbach-Fans seit so vielen Jahren sehnen. Und als der ihn einer sah, der dem VfL heute wieder - wenn auch von weitem - sicher mit viel Freude zugesehen hat. Lucien Favre war es, der Hahn diese Rolle zutraute. Und er hat Recht behalten.

Abschied nehmen hieß es heute auch noch, zumindest im Borussia Park: Von den verdienten Roel Brouwers, Martin Stranzl, Havard Nordtveit und Branimir Hrgota sowie von Martin Hinteregger, der vielleicht dann doch nur zur falschen Zeit bei Borussia vorgespielt hat. Alle fünf werden mir in der neuen Saison fehlen, wie all die Helden zuvor auch, die erstaunlicherweise auf dem Spielfeld aber nach kurzer Zeit kaum noch vermisst wurden. Einer wird mir dagegen ganz sicher nicht fehlen: Marcel Reif machte mir gegen Leverkusen den Abschied mit einer gewohnt unterirdischen Schwätzerleistung sehr leicht. So viel dummes Zeug wie heute habe ich in 90 Minuten selbst von ihm selten gehört. Schönen Ruhestand, Herr Reif. Es wird höchste Zeit.

Bundesliga 2015/16, 33. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 2:1 (7.5.16)
(Tore für Borussia: 1:1 Hahn, 2:1 Hahn)

Mittwoch, 4. Mai 2016

Ein Trio bleibt übrig

Vergessen wir nicht, wo wir vor ein paar Jahren noch standen. Der Satz ist abgenudelt, und wer angesichts der jüngsten "fetten Jahre" schon auf die ständige Champions-League-Qualifikation schielt, will ihn auch gar nicht mehr hören. Doch bei Borussia endet - auch dank der Erfolge in der jüngeren Zeit - zur neuen Saison ganz leise eine Ära. 

Nach Mike Hanke, Juan Arango und Filip Daems verlassen diesen Sommer Havard Nordtveit und Martin Stranzl die Borussia. Und nun also auch noch Kultborusse Roooooooel Brouwers. Und wer auf den Kader der Relegationssaison 2010/11 schaut, als Lucien Favre seine Mission startete, dem wird spätestens da klar, dass im Sommer eine völlig andere Mannschaft die Raute trägt als vor fünf Jahren. Der Kader ist im wahrsten Sinne des Wortes runderneuert: Nur noch Christopher Heimeroth, Tony Jantschke und Patrick Herrmann werden von den Relegationsteilnehmern übrig sein, wenn André Schubert sein Team zum Aufgalopp zur neuen Saison bittet.
Das ist einerseits toll, weil Gladbach inzwischen eine Adresse ist, die gute Spieler anzieht und wo man nicht mehr wie früher viel Geld für Mittelmaß in die Hand nehmen muss. Andererseits könnten uns zunehmend jene Typen fehlen, die sich mit dem Verein so identifizieren, dass sie ihm auch über viele Jahre treu bleiben. Das ist dann die Kehrseite des Erfolgs. Die Spieler, die Borussia inzwischen verpflichten kann, spielen in einer Klasse, in der man sich "Gefühlsduselei" nicht leisten kann. Wenn der nächste Schritt auf der Karriereleiter lockt, heißt es zuzugreifen.Das war schon bei Dante und Reus so, es galt für Kruse und es wird irgendwann auch für Granit Xhaka und Mo Dahoud gelten. Hoffen wir, dass wir auch immer wieder Platz für Spieler wie Roooooooel, Tony Jantschke oder Raffael haben.