Samstag, 12. August 2017

Der richtige Gegner

Tolle Atmosphäre an der Hafenstraße, "Feuer" auf dem Spielfeld, ein typisches Pokal-Nervenspiel und ein gutes Ende für den VfL: Der Auftakt der neuen Saison ist gelungen. Aber der Weg zum ersten Pflichtsieg der Saison war hart. Für Spieler und Fans.

Rot-Weiß Essen war der richtige Gegner zur richtigen Zeit. Denn er simulierte das, womit auch die Gegner in der Bundesliga dem VfL das Leben schwer machen werden. Die meiste Zeit ließ die Elf von Ex-Gladbach-II-Trainer Sven Demandt die Borussen gewähren, ließ sie ihr schier endloses geduldiges Passspiel aufziehen und gegen eine massierte Deckung ihre Spielkünste ausprobieren - einmal mehr mit mäßigem Erfolg. 
Das sah zwar ganz ansehnlich aus, was sich die Gladbacher Edelfüße zuspielten, Chancen schlugen in der ersten Halbzeit dabei kaum zu Buche. Immerhin sah das oft schon viel flüssiger, schneller und auch überraschender aus als in den Testspielen. Allein, die Präzision ließ in der ersten Halbzeit zu wünschen übrig.

Gegner RWE war aber auch in der Lage, die Gäste mal aggressiver anzugehen, gegen zu passive Gladbacher selbst Bälle zu erobern und schnell und schnörkellos nach vorne zu spielen. Damit legten sie die Schwächen der VfL-Defensive schonungslos offen - zumindest wenn diese ihre Gegner so sorglos begleitet wie beim 0:1. 
Dieses Gegentor war eines Bundesligisten unwürdig. Dass Traoré am gegnerischen Strafraum den Ball verliert, ist noch nicht weiter schlimm. Er läuft schließlich auch konsequent mit zurück. Dass aber außen wie innen so lasch verteidigt wird; dass völlig unbedrängt von Wendt und Hazard geflankt werden kann; und dass sechs (!) weitere Borussen im Strafraum so schlecht gestaffelt stehen, dass sie tatenlos zusehen müssen, wie ein Angreifer einläuft und einköpft, ist einfach nur schwach. Der einzige, der überhaupt noch in Reichweite des Torschützen stand, war der zurückgeeilte Traoré - ein insgesamt gruseliges Abwehrverhalten!

Aber gut, mit einer verbesserten Einstellung, viel Kampf und einer guten Einwechslung (Hofmann für den zunehmend fahrig werdenden Zakaria) rissen die Hecking-Schützlinge das Ruder ja noch spät, aber natürlich hochverdient rum. Und das mit zwei wirklich sehenswert herausgespielten Toren - ganz ohne Standards (die heute wieder überwiegend Vor-Bremsersche Minder-Qualität aufwiesen).

Was nehmen wir aus diesem Spiel mit zum ersten Liga-Höhepunkt nächste Woche gegen die Böcke aus K***?
Dass die Mannschaft geduldig genug ist, ihr Spiel auch gegen einen Rückstand durchzuziehen. Wie gegen Malaga setzte sich heute kurz vor Schluss die Qualität der VfL-Offensive durch. 
Gut war, dass die Mannschaft der Atmosphäre standgehalten und sich auch nicht hat provozieren lassen - nicht von Mätzchen der Gegner noch von einigen diskutablen Etnscheidungen des Schiedrichtergespanns. 
Positiv war auch, dass die Mannschaft nach dem einem kollektiven Schwächeanfall im Anschluss an den verweigerten Elfmeter in der zweiten Halbzeit den Schalter fand, um ins Spiel zurückzufinden und den Sieg zu erzwingen. 
Und ermutigend war heute die spielerische Variabilität, die vielen Positionswechsel. Das war letztlich auch ausschlaggebend für den Ausgleich, als der eingewechselte Hofmann, der nominell als zentraler Mittelfeldspieler agierte, pötzlich in Mittelstürmerposition auftauchte.

Bedenklich war dagegen wie schon gesagt zeitweise das Abwehrverhalten. Enttäuscht hat mich da vor allem Oscar Wendt, der bei jeder Gelegenheit betont, dass er sich als erfahrener Spieler auch verantwortlich einbringen will. Bei engen Spielen taucht er dann aber regelmäßig ab und fällt eher noch durch nachlässige Zweikampfführung auf. Das passt nicht zusammen. 
Auffällig war auch, dass Denis Zakaria trotz guter Ansätze und ein paar richtig guter Szenen heute auch Lehrgeld bezahlt hat. Er merkt sicher, dass das Tempo in Deutschland noch ein anderes ist als in der Schweiz - eine Erfahrung, die auch Granit Xhaka einst machen musste. Zakaria muss vor allem an seiner Ballannahme arbeiten, denn wegspringende Bälle sind auf seiner Position gefährlich - für die Mannschaft und für ihn, denn sie zwingen in risikoreiche Zweikämpfe, die Folgen haben können, sei es als Gegenangriff, Foul oder gar eine eigene Verletzung.

Erstaunlich war zudem, dass das Team sich trotz einer sehr souveränen Vorstellung in den ersten knapp 25 Minuten relativ schnell aus dem Konzept bringen lässt. Da war der ausbleibende Elfmeterpfiff und direkt im Anschluss ein klarer Eckball, der nicht gegeben wurde. Ein wenig damit gehadert, und schon wurde die Mannschaft hektisch und lud den Gegner zum Führungstreffer ein, von dem sie sich in der ersten Hälfte nicht mehr so recht erholte und damit zugleich die Rot-Weißen ungewollt von Minute zu Minute aufbaute.

Nun gut, es war das erste Pflichtspiel der Saison und es ist sehr wichtig, mit der doch erheblichen Leistungssteigerung am Ende die erste Aufgabe im DFB-Pokal gelöst zu haben. Borussia ist auf dem Weg. Aber es ist noch einiges zu tun, um in der Bundesliga den erhofften Weg nach oben einschlagen zu können. Eine Hürde liegt immerhin nun hinter uns.

DFB-Pokal 2017/18, 1. Runde: Rot-Weiß Essen - Borussia Mönchengladbach 1:2 (Tore für Borussia: 1:1 Hofmann, 1:2 Raffael)

Donnerstag, 10. August 2017

Der Kodex

Ausnahmsweise mal nichts aus meiner Feder. Ich stelle den Borussenkodex hier aber, um meine Zustimmung zu zeigen und alle VfL-Fans zu ermuntern, ihn ebenfalls zu leben.

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Der Borussen-Kodex 2.0

"Von Fans für Fans!

Sei willkommen im Herzen von Borussia Mönchengladbach.
Hier in der Nordkurve gilt: "Einer für alle, alle für einen!"

Wir alle sind ein Teil der Nordkurve.
Die Nordkurve ist eine Überzeugung und das Herz von Borussia Mönchengladbach.

Bedenke bei der Wahl deiner Eintrittskarte für die Nordkurve:
Hier ist der ultimative Fanbereich, der ausschließlich Borussen vorbehalten ist.
 

Unsere Farben sind schwarz-weiß-grün. Gästefans haben hier nichts verloren, ihre Farben sind in der Nordkurve tabu.
Vor allem die Blöcke 15, 16 und 17 sind für Borussia-Fans reserviert, die aktiv Stimmung machen wollen. Hier ist der Ursprung für ein stimmgewaltiges Stadion. Stehst du hier, dann gib alles für Borussia! Aber auch außerhalb dieses Zentrums hat sich jeder Borusse bis zum Schlusspfiff unserer Borussia zu widmen!

Du bist hier um Borussia zu unterstützen.
 

Zeige deine Leidenschaft für unseren Verein und für den Fußball, den wir kennen und lieben! Aber mach das ohne Ausgrenzung, Gewalt und Diskriminierung in jeglicher Form!
Nur gemeinsam sind wir stark! Wir lassen uns nicht spalten. Probleme untereinander werden intern gelöst. Die Selbstregulierung ist unsere Stärke. Diese basiert auf den traditionell gewachsenen Strukturen unserer Fanszene und dem gegenseitigen Respekt aller - egal, in welcher Form die Leidenschaft für Borussia ausgelebt wird.

Die Nordkurve gehört niemandem. Keiner hat das Recht sich an der Fanszene privat zu bereichern. Geld, das in und mit der Nordkurve verdient wird, hat auch wieder in jene zurückzufließen.

Unsere jahrzehntealte Fankultur gilt es zu erhalten. Wir lassen sie uns von keinem Außenstehenden zerstören. Hierzu gehört auch die Gestaltungsfreiheit bei der optischen Unterstützung. Dabei ist uns stets bewusst, dass wir mit den Aussagen und Motiven Verantwortung für die gesamte Nordkurve übernehmen.

Borussias ruhmreiche Vergangenheit verpflichtet den Verein, die Spieler und uns Fans, alles zu geben. Der sportliche Erfolg ist unser aller Ziel - jedoch nicht um jeden Preis.
Der Fußball lebt durch seine Fans. Er bedeutet für uns leidenschaftlichen Sport und ist kein Event. In unserer Kurve hat Kommerz keinen Platz! Wir lassen uns nicht in Werbeaktionen einbinden!
Wir haben unsere eigene Meinung! Diese vertreten wir mit Überzeugung. Wir lassen uns nicht vor den Karren der Verbände, Medien und Politik spannen!

Einmal Borussia - immer Borussia!"

Samstag, 5. August 2017

Fragezeichen aus Mittelengland

Eine Woche noch, dann muss im DFB-Pokal in Essen der erste Härtetest der neuen Saison überstanden werden. Ich hatte gehofft, dass ich nach der Generalprobe in Leicester besser einschätzen könnte, wo Borussia zum Auftakt in das Spieljahr steht. Aber das mit 1:2 verlorene Gastspiel beim englischen Überraschungsmeister von 2016 hat für mich mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Und das nach dem doch sehr anständigen Auftritt gegen Malaga eine Woche zuvor, der nur durch das unmögliche Auftreten der unfairen Spanier getrübt wurde.
Natürlich, die Startelf hat sich herauskristallisiert. Vor Yann Sommer, der heute wieder eine tadellose Partie abgeliefert hat, werden Wendt, Vestergaard, Ginter und Elvedi stehen. Tony Jantschke hätte letzteren noch verdrängen können, doch seine Verletzung hat ihn entscheidenden Tage vor dem ersten Spiel gekostet.
Im defensiven Mittelfeld hat Kramer seinen Platz sicher, und nach den heutigen Eindrücken hat Denis Zakaria die Nase vor Benes, der sich heute wohl um den möglichen Startelfeinsatz gebracht hat - mit nervösem Spiel und mehreren schlimmen Ballverlusten, die unter anderem ein Tor nach sich zogen. Da machte der Schweizer den deutlich agileren und sichereren Eindruck.
Die Außenpositionen gehen aus meiner Sicht an Hazard (sicher) und Patrick Herrmann. Der spielte heute zwar gar nicht, doch das war angekündigt, weil diejenigen Spielzeit bekommen sollten, die zuletzt weniger gespielt hatten. Ibo Traoré drängte sich dabei (nicht nur heute) nicht sonderlich auf, er blieb viel hängen, lief unglücklich und haderte zu oft mit sich und den Mitspielern. Vincenzo Grifo ließ sich von der Körperlichkeit der Engländer sichtlich beeindrucken und shcloss zweimal überhastet ab -die Bälle flogen in die Wolken.
Da Rot-Weiß Essen den VfL vermutlich genau mit diesen physischen Mitteln bespielen wird, spricht einiges dafür, dass Dieter Hecking eher auf Herrmann setzen wird. Denkbar ist aber auch Jonas Hofmann, der zwar als Ersatz-Sechser nach Strobls Verletzung anfangs mit Benes unterzugehen drohte, sich aber nach und nach freispielte, den Engländern Paroli bot (wie damals gegen Celtic auch) und an jeder halbwegs gefährlichen Aktion beteiligt war. Seine mangelnde Effizienz spricht gegen ihn, doch da stehen ihm die anderen Borussen in der Offensive derzeit kaum nach.
Der stark verbesserte Raffael und Kapitän Stindl sind - da wird niemand widersprechen - für den Auftritt an der Essener Hafenstraße ebenfalls gesetzt.

Doch genau ab da fangen die Fragezeichen für mich an. In Leicester stand heute die mutmaßliche Startelf in der ersten Halbzeit auf dem Platz und zeigte einen sicheren Auftritt mit viel Ballbesitz und Spielkontrolle. Richtige Einschussmöglichkeiten erlaubte man Jamie Cardy und Co in den ersten 45 Minuten nicht. So weit, so gut. Bis auf zwei, drei eigene gute Chancen, die nicht genutzt wurden, war es dennoch ein Auftritt, der für die Bundesliga - und vielleicht auch für RW Essen - zu wenig ist. Zu wenig Risiko, selbst wenn sich mal gute Passwege öffnen, immer wieder abgebrochene Angriffe, verschlepptes Spiel, zu verspieltes Klein-klein, wenn es in die entscheidende Zone rund um den Strafraum geht - das offenbarte sich nicht zum ersten Mal in der Vorbereitung. Und es ist ein Teil der Erklärung, warum so wenig Tore aus dem Spiel heraus gefallen sind.

Leicester City tat den Stammelf-Borussen den Gefallen, den ganzen gepflegten Passstafetten geduldig zu folgen und auf starkes Pressing zu verzichten. Mit dem Ergebnis, dass die erste Elf vorne nichts riss und hinten nichts anbrennen ließ - obwohl sich auch heute einige bedenkliche Löcher in der Rückwärtsbewegung nach Ballverlusten auftaten. Die konnten da, vor allem von Vestergaard, Ginter und dem aufmerksamen Sommer, noch gestopft werden, sodass es nicht ganz brenzlig wurde.

Dadurch, dass die Gastgeber nach der Pause völlig verwandelt wie wütende Stiere aus der Kabine kamen und nach dem schnellen Traumtor von Thorgan Hazard noch eine Schippe Wut draufzulegen bereit waren, lässt sich der Auftritt der Elf der ersten Hälfte nicht wirklich mit der der zweiten Halbzeit vergleichen. Außer in einem: Die Streuung in den Pässen war enorm - zwischen hervorragend und gruselig - erstaunlicherweise bei allen Spielern, was teilweise auch vom zumindest in der zweiten Halbzeit aggressiven Gegner forciert wurde.
Letztlich bleibt festzuhalten, dass die Borussen in den zweiten 45 Minuten erheblich Lehrgeld zahlten, ihre Ordnung binnen weniger Minuten verloren und erst nach und nach wiederfanden. Da waren sie aber als Auswärtsteam schon mehrfach ausgekontert worden und auf der Verliererstraße. In der ersten Halbzeit zeigten sie dagegen risiko- und einfallslosen, letztlich ineffektiven Tu-mir-nicht-weh-Fußball, mit dem man in der Bundesliga und im DFB-Pokal nicht weit kommt.
Nun geht es wahrlich nicht um das Ergebnis dieses Spiels. Zumal der Ausgleich aus meiner Sicht deutlich abseits war. Doch die Art und Weise, wie die Gegentore fielen, erinnerte fatal an die Schubert-Endzeit. Wie gesagt, die Mannschaft fing sich - und Jannik Vestergaard verdient sich ein Extra-Lob dafür, dass er die Nerven behielt, obwohl er von dem ständig foulenden Vardy übel angegangen, offenbar auf dem Platz von den Engländern zu Freiwild erklärt und vom Publikum konsequent ausgepfiffen wurde.
Da zeigt sich, dass sich die Mannschaft auch wieder aufrichten kann.
Wie auch immer. Ein Gefühl der Sicherheit, dass der VfL für den Saisonstart gerüstet ist, wollte sich nach diesem Auftritt bei mir nicht einstellen. Vielleicht ist das gut, nachdem ich vor der letzten Saison ganz anderer Auffassung war und nach dem guten Start der bekannte Absturz folgte.
Wer weiß. Jetzt hoffe ich erstmal darauf, dass Tobi Strobl nichts Schlimmeres passiert ist. Denn auch wenn viele ihn nur als Lückenfüller sehen. Für mich ist er einer der Unterschätzten im Kader, der Stabilität ins defensive Mittelfeld bringen kann, wenn es notwendig ist. So wie es in der zweiten Halbzeit heute gut gewesen wäre.

So, genug in die Glaskugel geschaut und Vorbereitungsspiele seziert. Wichtig ist aufm Platz. Nächste Woche. Da gilt es. Und ich hoffe, dass die Jungs mich Lügen strafen.

Sonntag, 23. Juli 2017

Viel Luft nach oben

Aus Spielen in der Vorbereitung auf die neue Saison sollte und darf man nur eingeschränkt Schlüsse auf das wahre Leistungsvermögen der Mannschaft ziehen. Da treffen unterschiedlich trainingsbelastete Teams aufeinander, es geht noch nicht um die Wurst, Verletzungen will jeder auch nach Möglichkeit vermeiden. Es ist eben ein Testspiel und nicht der Ernstfall. Doch dass bei Borussia drei Wochen vor dem Pokalspiel gegen Rot-Weiß Essen noch viel Luft nach oben ist, ist unbestreitbar - und das macht zum jetzigen Zeitpunkt ja auch noch nichts.

Nun gut, dank der bescheidenen Übertragungsqualität von Fohlen TV in den Spielen gegen Wuppertal und Eupen und einer urlaubsbedingten "Fohlenpause" meinerseits im Anschluss kann ich vor allem das 1:2 im Testspiel in Nürnberg zum Abschluss des Trainingslagers bewerten. Denn angesichts dessen, was ich sonst über die Tests gegen Nizza und Leeds sowie über den Telekom-Cup gelesen und gesehen habe, habe ich es mir gespart, diese Spiele noch mal im Ganzen "nachzuarbeiten". Auffällig war auch da aber schon, dass Borussias (wenigen) Tore ausschließlich Standards oder Einzelaktionen entsprangen und die spielerische Bilanz bei herausgespielten Chancen eher bescheiden ausfiel.
Eine Beobachtung, die das Spiel gegen Nürnberg bestätigt hat. Die erste Halbzeit war nach dem frühen Tor durch Zakaria (nach Hazard-Freistoß) im Gegenteil ein Beispiel dafür, wie man dem VfL ziemlich effektiv begegnen kann.
Nürnberg gelang es immer wieder, durch aggressives Anlaufen der Ballverteiler im Mittelfeld den Gladbacher Spielfluss effektiv zu unterbinden und den Ball zurück zum Abwehrspieler oder Torwart zu provozieren. Die Startelf, die ja durchaus schon Stammelf-Qualität hatte, fand keine spielerischen Lösungen dagegen: kein schnelles Kombinationspiel, keine erfolgreichen Flankenläufe, kein direktes Spiel durch die Mitte, keine langen Bälle hinter die Abwehr. Offensiv fand der VfL gegen einen kurz vor dem Saisonstart stehenden Gegner nicht statt. Angriffsbemühungen wurden in der Regel früh abgebrochen und durch den kapitulierenden Pass zurück das gesamte Spiel entschärft.
Der Club hingegen zeigte nach vorn sehr deutlich, wie man es machen muss. Schnelle, kompromisslose Pässe in die Spitze, gute Konter - es war allein dem gut aufgelegten Yann Sommer und der Schludrigkeit der Nürnberger Stürmer zu verdanken, dass die Niederlage nicht höher ausfiel.

Nach der Pause schien sich das Spiel des VfL mit der Einwechslung der jungen Wilden Cuisance und Benes etwas zwingender zu gestalten, auch Grifo und Herrmann brachten mehr Belebung ins Spiel als es zuvor Hofmann und Traoré gelungen war. Doch das hielt auch nur eine Viertelstunde an.
Gerade bei den jungen Spielern (auch bei Zakaria und in der ersten Hälfte bei Reece Oxford) schlichen sich viele Fehler ein, die darauf zurückzuführen waren, dass sich die Spieler zu sehr auf ihre Fähigkeiten verließen und teilweise zu optimistisch in Zweikämpfe mit gestandenen Zweitligaspielern gingen, die bereits bei fast 100 Prozent in der Saisonvorbereitung stehen. Diese Ballverluste zeigten, dass es bei einigen Akteuren bei aller vorhandenen Klasse noch ein Stück ist bis zur Stammelf für den Ernstfall. Die zweite Halbzeit bot zwar einige Torabschlüsse des VfL, aber insgesamt zu wenig zwingendes; und das, obwohl Dieter Hecking schnell auf Dreierkette (Elvedi, Strobl, Jantschke) umstellte und Fabian Johnson, der nach der Pause auf der Wendt-Position begann, als zusätzliche Kraft ins Mittelfeld schob.
Natürlich merkte man allen Spielern an, dass sie im Gegensatz zu den Gastgebern ein forderndes Trainingslager in den Knochen hatten. Doch auch einige Routiniers blieben darüber blasser als erwartet - etwa Raffael, Johnson, Traoré und Hofmann. Insgesamt bot das Spiel also viele Ansatzpunkte für das, was in den kommenden Wochen noch verbessert werden muss. Denn so viele Chancen wie die Nürnberger an diesem Tag werden andere Teams in der Saison nicht auslassen.

Mein vorläufiger Eindruck der Neuen (und Nachrückenden) bezieht sich auf die bisherigen Testspieleindrücke, sollte also auch entsprechend vorsichtig gewichtet werden:

Vincenzo Grifo: Stammelfkandidat, aufgrund seiner Standards und der guten Einbindung ins Spiel nach vorn hat er aus meiner Sicht derzeit die Nase vorn, vor den bislang noch steigerungsfähigen Hofmann und Johnson.

Denis Zakaria: Drückt dem Spiel schon seinen Stempel auf, verlässt aber gerade mit dem Rücken zum angreifenden Gegner sehr stark auf seinen Körper, das kann gefährliche Ballverluste zur Folge haben. Nach vorne mit guten Ballschleppereigenschaften, die Pässe in die Spitze zeigen Übersicht, sind aber oft unsauber gespielt. In manchem ungeschickten Zweikampf (Foul) drohte ihm gegen Nürnberg (bei einem Pflichtspiel) eine Gelbe Karte. Er muss sich steigern, sonst könnte ihm ein risikobewussterer Spieler wie Strobl vorgezogen werden.

Laszlo Benes: Hat aus der vergangenen Saison einen Bonus, er könnte auch Zakaria auf der Sechserposition verdrängen. Dazu muss er aber cleverer spielen als in Nürnberg, wo er oft zu viel zeigen wollte, anstatt die einfache Lösung zu suchen.

Reece Oxford: Spielt mit viel Selbstbewusstsein, den Nachweis der zugehörigen Klasse bleibt er in manchen Situationen aber noch schuldig. Gegen Nürnberg verlor er bisweilen den Gegenspieler aus den Augen und spielte den einen oder anderen schwachen Pass im Aufbauspiel. Insgesamt aber ein ordentliches Auftreten, im direkten Zweikampf gute Lösungen. Dennoch: Oxford wird es schwer haben, an einem Matthias Ginter vorbeizukommen, wenn er nicht insgesamt fokussierte wird.  

Mickael Cuisance: Traut sich viel zu, hat eine hervorragende Ballbehandlung und schon einen guten Körpereinsatz. Allerdings geht auch vieles noch daneben - Dribblings werden gestoppt, Pässe gehen ins Leere. Derzeit für mich noch kein Kandidat für die Startelf, lernt aber offenbar sehr schnell dazu.

Kwame Yeboah: Alternative aus der U23. Hat wohl eine gute Vorbereitung gespielt, Hecking hat ihm bisher viel Spielzeit gegeben. Gute Bewegungen im Angriff, aber Torgefahr bzw Knipsermentalität konnte er nicht nachweisen.

Julio Villalba: Bisher mit wenig Spielzeit, kaum seriös zu bewerten. Da ihm bei den Einwechslungen Yeboah vorgezogen wurde, braucht er offenbar noch ein bisschen Anlaufzeit.

Und sonst? Matthias Ginter und Mamadou Doucouré haben noch nicht ins Spielgeschehen eingegriffen, Ba-Muaka Simakala spielt derzeit keine Rolle im Kader, er blieb auch in Nürnberg ohne Einsatz.

Das bedeutet, dass meine momentane Startelf für den Saisonauftakt derzeit noch stark der der vergangenen Saison ähnelt:

Sommer - Wendt, Vestergaard, Ginter, Elvedi (Jantschke) - Grifo, Zakaria, (Strobl, Benes), Kramer, Hazard (Herrmann, Traoré) - Stindl, Raffael.

Ich bin gespannt, wie sich der Kampf um die Positionen bis zum 11. August in Essen weiterentwickelt. Luft nach oben haben schließlich alle.

Mittwoch, 12. Juli 2017

Kommen und Gehen

Es tut sich doch noch einiges in Borussias Kader. Mit dem doch etwas überraschenden Abgang von Nico Schulz nach Hoffenheim wird allerdings nicht nur wie angekündigt der Kader noch etwas verschlankt. Auf der Kippe steht nun immer deutlicher auch der Verbleib von Timothee Kolodziejczak. 
So oder so wäre der VfL damit auf der linken Abwehrseite zu dünn besetzt. Also wäre dort auch wieder ein Zugang vonnöten sein, auch wenn Trainer Hecking auf Fabian Johnsons Vielseitigkeit verweist und darauf, dass auch er als Linksverteidiger auflaufen könnte. Sich darauf zu verlassen, wäre angesichts der vergangenen Verletzungssaison allerdings fahrlässig. 
Sollte Allrounder Johnson ausfallen, fällt er nämlich gleich als Alternative für mehrere Positionen aus: Rechts- und Linksverteidiger, linkes oder rechtes Mittelfeld bzw Flügelstürmer; denkbar ist er auch noch als eine von zwei Spitzen. Die besten Spiele zeigte der US-Amerikaner bei Borussia allerdings links offensiv. Allein deshalb ist es fraglich, ob Borussia wirklich mit Johnson als einzigem Wendt-Backup in die Saison gehen würde. 
Da man über die Leistungsstärke von Kolo derzeit nur spekulieren kann und diverse Aussagen für einen Wechsel sprechen, sehe ich in diesem Fall auf jeden Fall Handlungsbedarf auf der Wendt-Position. 

Ob der Liverpool-Reservist Alberto Moreno eine ernsthafte Alternative sein könnte, ist schwer zu sagen. Grundsätzlich ist er teuer, im Gehalt wie in der Ablösesumme, sodass eine Leihe am ehesten realistische wäre. Positionstechnisch deckt er genau das Spektrum von Nico Schulz ab, wäre also in dieser Hinsicht ein 1:1-Ersatz, der sich sicher nicht hinter Wendt anstellen möchte, der beim Trainerteam bislang unangefochten Nummer 1 auf der Position zu sein scheint - trotz der guten Leistungen von Nico Schulz, der zum Saisonende deutlich mehr Druck und Geschwindigkeit auf die Seite gebracht hatte. Aus diesem Grund nehme ich den Wechsel von Nico Schulz auch als Verlust wahr.

Der zahlenmäßigen Verkleinerung der Mannschaft fällt nach Korb, Hahn, Nico Schulz und Sow nun auch noch Marvin Schulz zum Opfer. Ob sein Wechsel in die Schweiz für Borussia ein Verlust ist, lässt sich kaum sagen, da der junge Verteidiger durch Verletzungen mehr als ein Jahr weg vom Fenster war.
Schade ist aber, dass Borussia ausländischen Talenten wie Doucouré oder Reece Oxford mehr zutraut als langjährig in Mönchengladbach ausgebildeten Eigengewächsen wie dem in der ersten Liga ebenso erfahrenen Marvin Schulz. Schade, dass diese Spieler dann auch nicht mehr verliehen werden können, sondern gleich ganz wechseln. Bitter ist das für den VfL in einem Fall wie Amin Younes, wenn der Spieler den Durchbruch woanders schafft. Dennoch drücke ich den Abgängen natürlich die Daumen, dass sich der Wechsel für sie lohnt. Denn bisher haben sie auch alles für unseren Verein gegeben. 
Und immerhin: Im Gegensatz zu früher werden die Spieler zu vernünftigen Preisen abgegeben. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, wo Borussia Schwierigkeiten hatte, für ausrangierte Spieler einen zahlenden Kunden zu finden und sogar Verträge teuer auflösen musste, um Spieler vom Kaliber Wesley Sonck und Bernd Thijs wieder loszuwerden. 
Heute sieht das etwas anders aus. Für die Spieler, die bis jetzt gegangen sind, kassiert Gladbach zumindest nicht weniger, als man ausgegeben hat - auch wenn man sich von dem einen oder anderen mehr erwartet hatte. Auch wenn Kolo noch geht, wird sich der mögliche Verlust in Grenzen halten. Ein großes Missverständnis wäre es dennoch gewesen. Auch ich hatte mir von dem Franzosen deutlich mehr erwartet, als er bisher zeigen konnte.

Mit den Abgangs-Nachrichten aus dieser Woche kommt der VfL der Soll-Größe des neuen Kaders auf jeden Fall schon recht nahe. Offen ist noch der Status von Ba-Muaka Simakala, dem in der Vorbereitung bisher andere U23-Spieler wie Kwame Yeboah vorgezogen werden. Tsy-William Ndenge soll verliehen werden, aber bislang ist noch kein Vollzug gemeldet worden.

Und dann ist da noch die ewige Stürmerfrage. Der vielgeforderte "Knipser" ist ein Phantom, das kontinuierlich und unausrottbar durch sämtliche Gladbach-Foren geistert. Mag sein, dass noch jemand verpflichtet wird - aber sicher keiner, der eine Torgarantie mitbringt. Die sind derzeit nicht zu bezahlen. Und wer weiß, vielleicht spielt sich ja einer aus den eigenen Reihen noch in den Vordergrund. Wenn nicht, ist Borussia offensiv trotzdem gut genug ausgerüstet, um gegnerische Abwehrreihen das Fürchten zu lehren. Aber noch ist das letzte Wort da ja nicht gesprochen. Und das hält die Spannung bis zum Saisonauftakt auch immer schön hoch.
 
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Der derzeitige Profikader:
Tor: Yann Sommer, Tobias Sippel, Moritz Nicolas, Christofer Heimeroth.
Abwehr: Mamadou Doucouré, Nico Elvedi, Tony Jantschke, Jannik Vestergaard, Oscar Wendt, Timothee Kolodziejczak, Reece Oxford, Matthias Ginter.
Mittelfeld: Lazlo Benes, Patrick Herrmann, Jonas Hofmann, Fabian Johnson, Christoph Kramer, Tobias Strobl, Ibrahima Traore, Denis Zakaria, Vincenzo Grifo.
Angriff: Josip Drmic, Thorgan Hazard, Raffael, Lars Stindl, Julio Villalba.


Dienstag, 4. Juli 2017

Der Wert des Rekordzugangs

Da ist er nun, der neue Rekordtransfer von Borussia Mönchengladbach: Matthias Ginter wechselt, so heißt es, für 17 Millionen Euro von Dortmund zur wahren Borussia, Bonuszahlungen könnten den Betrag demnach auf insgesamt 20 Millionen Euro steigen lassen.
Natürlich wird heiß diskutiert, ob das nun ein gutes Geschäft ist oder unser Max nun den Verstand verloren hat, so viel Geld für einen Spieler auszugeben, der auch beim BVB nicht unumstritten war.
Ja, 17 Millionen Euro sind viel Geld. Und Ginter ist auch mir in der vergangenen Saison  nicht als so herausragend in Erinnerung, dass ich ihn für die neue Saison unbedingt auf dem Zettel hätte haben müssen.

Was können wir also erwarten? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Ich bin mir noch nicht sicher, ob Matthias Ginter die hohen Erwartungen erfüllen kann, die mit dem Etikett Rekordtransfer verbunden sein werden. Ich traue es ihm aber zu. Und dafür gibt es eine Reihe von Gründen.

Fest steht, dass der VfL an kaum einem Spieler so oft dran war wie an dem vielseitigen Defensivakteur. Bei dessen Wechsel von Freiburg zog Gladbach schon einmal den kürzeren, seither gab es mindestens zwei vergebliche Versuche, ihn der Namenscousine abzukaufen oder ihn zumindest zu leihen. Wenn man der Scoutingabteilung und Max Eberl vertraut, spricht das für Ginters Entwicklungsfähigkeit.

Auch die nackten Zahlen sprechen für ihn. Mit 23 Jahren hat Ginter schon sechs Bundesligasaisons mit 137 Spielen hinter sich und dazu knapp 30 europäische Einsätze in CL und Euro League. Die meisten dieser Spiele hat er auch über die komplette Distanz bestritten, er ist kein Minutensammler von der Auswechselbank.
Die Liste seiner Erfolge klingt noch besser. Er ist Mitglied des Weltmeisterkaders von 2014 (wenn auch ohne Einsatz), als Stammspieler aber Confedcup-Sieger 2017, Olympiazweiter 2016 und Teilnehmer an einer (nicht so erfolgreichen) U21-EM 2013. Er ist aktueller DFB-Pokalsieger und stand mit Dortmund noch zwei weitere Male im Finale in Berlin.

Ein unschätzbarer Vorteil (auch im Vergleich mit Christensen) ist gerade in diesem Jahr (ohne EL-Teilnahme), dass der Neuzugang gleich drei Positionen auf gehobenem Bundesliganiveau beherrscht: Neben der Innenverteidigung ist das die Rechtsverteidigerposition (in der Hinserie 2015 gelangen ihm dort in 12 Spielen 2 Tore und 7 Assists) und das defensive Mittelfeld. Es wird - gerade nach der Verletzungsmisere in der vergangenen Saison - sicher eine Rolle gespielt haben, dass auch der Abwehrmann X genau dieses Profil des "polyvalenten Spielers" erfüllt.

Und der Preis? Normal für irre Zeiten.
Zum Vergleich: Für den weitaus unerfahreneren Andreas Christensen wären auf jeden Fall mehr als 20 Millionen Euro fällig geworden, für Janik Vestergaard, der in der Bundesligaerfahrung eine etwa gleichwertige Bilanz hat, aber weniger internationale Meriten sammeln konnte, überwies Borussia im vergangenen Jahr wohl 12,5 Millionen Euro. Dazwischen sortiert sich Ginters Transfersumme eigentlich ganz vernünftig ein, wie ich finde.
Denn man darf die allgemeine Entwicklung der Transfersummen auch nicht außer Acht lassen. So wie Ginter beim Wechsel von Freiburg nach Dortmund aufgrund des Interesses mehrerer Vereine mit 12 Millionen Euro schon recht teuer war, muss man für einen jungen, noch entwicklungsfähigen Spieler mit seinem Standing heute bereits die 20-Millionen-Grenze in Kauf nehmen.
Zumindest, sofern es keine Ausstiegsklausel zu nutzen gibt. Die gab es in diesem Fall wohl nicht, sodass Dortmund auch keine Not hatte, ihn verkaufen zu müssen. Dazu hatten offenbar auch englische Clubs ihr Interesse hinterlegt, was einen Spieler noch nie billiger gemacht hat.

Bei einem 23-Jährigen ist das Risiko auch in dieser Preisklasse noch überschaubar, wie ich finde. Entwickelt er sich wie erwartet, steigert er als Nationalspieler seinen Marktwert möglicherweise weiter und verhilft Borussia möglicherweise mit zu zusätzlichen Einnahmen in EL oder CL. Und in drei Jahren (ein Jahr vor Vertragsende) müsste im Fall einer guten Bilanz des Spielers ein marktgerechter Preis mit mindestens kleiner Steigerung auch noch realistisch sein.

Dass Ginters Stern bei Borussia verglühen könnte, ist jedenfalls nicht zu erwarten. Das Vertrauen in ihn ist seit Jahren sichtlich da, bei allen Trainern von Tuchel bis zu den diversen DFB-Auswahlen. Er scheint von der Art gut in die Mannschaft zu passen und sollte sich demnach auch so wohl fühlen, dass er bei uns gute Leistungen abrufen kann. Ich hoffe natürlich, dass ihm dies gleich gelingt. Und: Dass ihm auch von den Fans die nötige Zeit gegeben und Geduld geübt wird, falls am Anfang noch nicht alles glatt läuft. Auch Janik Vestergaard hat schließlich ein bisschen gebraucht, um im Gladbacher Spiel richtig anzukommen.

Sonntag, 2. Juli 2017

Fast komplett - wer wird das neue Mentalitätsmonster?

Es geht wieder los. Zum Trainingsauftakt sind bei Borussia wieder die meisten Personalien geklärt und es lohnt sich, mal einen genaueren Blick auf den neuen Kader zu werfen. 
Der sollte verkleinert werden, Top-Talente aus Europa nach und nach in den Kader eingebaut und weiterentwickelt werden. Bislang ist zumindest die Sollzahl von 24 Spielern noch nicht erreicht. Nach meiner Zählung steht der VfL bei 27, wenn man den avisierten erfahrenen Abwehrmann dazuzählt (und Heimeroth nicht mitzählt). Und je nach Gelegenheit könnte ja auch im Angriff später noch einer dazukommen, wie Max Eberl im Interview mit der Rheinischen Post andeutete. Hier sind also noch nicht alle Fragen beantwortet.

Wie sieht Borussia 2017/18 im Moment aus?
 
Tor: Yann Sommer, Tobias Sippel, Moritz Nicolas, Christofer Heimeroth.

Die Rangfolge bei den vier Goalies ist klar. Heimis Karriere klingt aus, er wird den jungen Nicolas noch anleiten können. Sommer ist klare Nummer 1, Sippel überzeugte stets bei seinen (wenigen) Einsätzen. Hier ist der VfL zukunftssicher und gut aufgestellt. 




Abwehr: Mamadou Doucouré, Nico Elvedi, Tony Jantschke, Nico Schulz, Jannik Vestergaard, Oscar Wendt, Thimothee Kolodziejczak, Reece Oxford und der bundesligaerfahrene "Mister X" (alias Matthias Ginter?).



Hier verliert Borussia die Qualität von Andreas Christensen und auch die von Julian Korb, der sich gleichwohl unter Hecking nie in die Nähe der Stammelf spielen konnte. Ich wünsche ihm, dass er sich in Hannover besser ins Szene setzen kann, ich mochte ihn als kombinationsstarken Verteidiger. Kolo war schon im Winter als positionsgetreuer Ersatz von Alvaro Dominguez geholt worden, er muss nun zeigen, dass er in Gladbach eine Rolle spielen kann. Vestergaard ist gesetzt, und wenn die Spekulationen um Ginter stimmen, wäre das eine solide Basis, zumal auch Strobl für die Innenverteidigerposition in Frage kommt. Für die Linksverteidigerposition gibt es drei Alternativen (Wendt, Nico Schulz, Kolo), genauso für rechts (Elvedi, Jantschke, Fabian Johnson), um die beiden Plätze innen konkurrieren (links) Vestergaard, Kolo, und Doucouré und (rechts) Jantschke, Strobl, Oxford sowie gegebenenfalls Elvedi, Strobl und im Fall des Falles Ginter, der auch als (Ersatz-)Rechtsverteidiger in Frage käme.
 





Mittelfeld: Lazlo Benes, Patrick Herrmann, Jonas Hofmann, Fabian Johnson, Christoph Kramer, Tobias Strobl, Ibrahima Traore, Denis Zakaria, Vincenzo Grifo.





Tsiy-William Ndenge und Marvin Schulz sollen noch verliehen werden, den Verkauf von Djibril Sow bedauere ich schon etwas, aber auch er hatte wenig Chancen, sich beweisen zu können. Ob das in dieser Saison besser geworden wäre, ist schwer zu sagen, aber vielleicht gibt es ja eine Rückkaufoption für den Fall der Fälle. 
Der Abgang von Mo Dahoud ist am Ende vielleicht sogar leichter zu verkraften als zunächst gedacht. Er hat keine überragende Saison gespielt und braucht wohl noch etwas, um den nächsten Schritt zu machen, denn auch bei der U21-EM hat mich Mo nicht vollends überzeugt. Er hat nicht ohne Grund am Ende nicht mehr gespielt. Also haken wir das schnell ab und schauen, wer ihn ersetzen kann. 
Für die Sechserposition neben Chris Kramer stehen in Denis Zakaria und Laszlo Benes zwei sehr talentierte Spieler bereit, die in ihrer Spielweise aber unterschiedlich sind. Benes ist eher der feine Fußballer, Zakaria der Balleroberer und -schlepper, der Dynamik ins Mittelfeld bringt. Dazu kommt der solide Tobias Strobl und eine Handvoll anderer, die wohl aber nur im (Verletzungs-)Notfall auf die Position des defensiven Mittelfeldspielers rücken werden: Jantschke, Elvedi, Oxford, Jonas Hofmann. Auch ein Ginter könnte dort eine Alternative sein. 



Auf den Flügelpositionen gibt es trotz des Abgangs von André Hahn weiterhin große Auswahl: Fast alle können beidseitig eingesetzt werden, doch können Herrmann, Traoré und Hazard ihre Stärken deutlich besser auf rechts einsetzen. In der vergangenen Saison wurde das ein wenig zum Problem, als der linke Flügelmann Johnson ausfiel und dieser Flügel mitunter etwas lahmte. In Neuzugang Grifo steht nun wieder ein zweiter Linksaußen zur Verfügung, denkbar wäre auch eine offensivere Rolle für Nico Schulz. Dazu kommen für beide Positionen auch noch Hofmann, der wie Hazard, Benes und Grifo auch zentral auf der Acht oder der Zehn spielen könnte, wenn taktisch so aufgestellt wird.
 

Angriff: Josip Drmic, Thorgan Hazard, Raffael, Ba-Muaka Simakala, Lars Stindl, Julio Villalba.

Auf den Angriffspositionen könnten natürlich nicht nur die hier aufgeführten Spieler um einen Platz konkurrieren, sondern auch zum Beispiel Herrmann oder Grifo. An Raffael und Kapitän Stindl führt da normalerweise noch kein Weg vorbei. Simakala hat im Jahr 2017 erstmal den Kontakt zur ersten Mannschaft verloren, wie es aussah. Die Unbekannten sind Josip Drmic, dessen Einsatzfähigkeit im Moment von außen kaum seriös beurteilt werden kann und Julio Villalba, von dem man sich erst jetzt nach und nach einen Eindruck verschaffen kann. Was man an Videos bislang im Internet sehen kann, zeigt einen wendigen Spieler mit guten Bewegungen und präzisem Abschluss, trotz der geringen Größe auch per Kopf. Die Art, wie er zum Ball geht und den Abschluss sucht, weist auch auf gehörigen Torriecher hin, doch ob das alles auch in der Bundesliga zum Tragen kommt, muss sich erst noch zeigen. Ob er regelmäßig Spielzeit bei den Profis bekommt, ist heute aus meiner Sicht noch nicht abzusehen.

Was zählt noch? Die Mentalitätsfrage: Die neue Borussia ist sehr jung. Sie hat in André Hahn einen Spieler abgegeben, der wie kaum ein anderer für unbändige Kampfkraft und "Mentalität" steht und der einigen Spielen damit fast allein seinen Stempel aufgedrückt hat. Sein Abgang ist verständlich, er wiegt aber umso schwerer, da schon in der vergangenen Saison das Fehlen von "Schweinhund" und "Einpeitscher" auf dem Feld erkannt wurde. 
Wer füllt die Anführer-Rolle aus, die Xhaka oder Stranzl früher innehatten? Das ist eine der interessantesten Fragen. Ich finde, dass Max Eberl auch diesmal hervorragende Neuzugänge an Land gezogen hat. Doch das neue mitreißende "Mentalitätsmonster" muss sich im Kader erst noch herauskristallisieren. 

Borussia 2018 ist im Werden, aber noch schwer einzuordnen, zumal ja auch viele andere Teams im großen Stil einkaufen. 
Offen ist auch, wo Dieter Hecking die Zukunft mancher vielseitigerer Spieler sieht, zum Beispiel Elvedi und Jantschke (rechts oder innen) oder Johnson (links außen oder hinten rechts). 
Welche Systeme werden künftig gespielt: 4-4-2 bzw. 4-3-2-1 oder auch mal ein klassisches 4-3-3 mit Flügelstürmern und zentralem Stoßstürmer? Wie flexibel wird die Mannschaft auf Spielsituationen und Gegner reagieren können?
Da warten noch einige Fragezeichen auf eine gute Auflösung. Ich bin gespannt und werde langsam ungeduldig, wie sich unsere Jungs in der neuen Saison verkaufen. Gut, dass es wieder losgeht.

Montag, 5. Juni 2017

Ein Ü40-Transfer mit Sinn


Sommerzeit ist Spekulationszeit - nicht nur bei Borussia Mönchengladbach. 
Mit dem Abgang von Mo Dahoud und Andreas Christensen und der etwas schwierigeren Ausgangssituation, ohne europäische Spiele in der kommenden Saison, stellt sich natürlich die Frage, wie Borussia den Kader ergänzen wird.
Die ersten Transfers, die abgesehen von Vincenczo Grifo und Mickael Cuisance zum Teil schon eine Weile zurückliegen (Doucouré kann verletzungsbedingt als Neuzugang gesehen werden, ebenso der vor eineinhalb Jahren verpflichtete Julio Villalba, der erst jetzt erst nach Gladbach kommt), geben klare Hinweise, wie der Verein sich künftig aufstellt, ja vermutlich sogar aufstellen muss. 

Dass gerade nach der verpassten Euro-League-Qualifikation jetzt nicht mit Geld geworfen wird, um möglichst namhafte (und teure) Spieler zu verpflichten und sich stattdessen viele U-20-Spieler auf der Fohlenwiese tummeln, ist Teil einer, wie ich finde, folgerichtigen Strategie, die bei Teilen der Anhängerschaft aber schon kritisch gesehen wird - weil sie natürlich wenig spektakulär wirkt. 

Natürlich, in der Transferzeit reifen Fanträume, wen man alles gern im VfL-Dress sehen möchte. In Vincenzo Grifo hat Max Eberl auch schon wieder einen Transfer-Coup gelandet, der der Mannschaft guttun wird, ohne dass das finanzielle Risiko zu hoch wäre. 
Doch vieles andere, was in der Gerüchteküche gehandelt wird, ist aus meiner Sicht nicht realistisch - gerade weil die vergangenen beiden Jahre den Spielermarkt erheblich verändert haben. Deshalb liegt der Schwerpunkt in diesem Text auf etwas anderem.


Warum sehe ich das so? 
Ganz einfach. Die Fußballwelt dreht sich nicht um den VfL Borussia, sie entwickelt sich weiter. Andere Vereine sehen, wie erfolgreich Max Eberl mit seinem Team in den vergangenen Jahren auf dem Spielermarkt war und kopieren die Arbeitsweise, richten das Scouting ähnlich aus und werden zunehmend zu ernstzunehmenden Konkurrenten. 
Andere Traditionsvereine wie Bremen, Frankfurt, Hertha und sogar K*** haben ihr Chaos- oder Missmanagement hinter sich gelassen und werden, auch durch Euro-League-Gelder zu Rivalen um entwicklungsfähige Spieler. Mit Hannover und Stuttgart kommen namhafte Teams zurück in die Liga, mit Wolfsburg und dem HSV bleiben zahlungswillige Clubs drin. 

Die großen Clubs in Europa wiederum saugen massenweise junge Talente an, nicht, um alle in die erste Mannschaft zu integrieren, sondern damit ein paar - die Besten - hängen bleiben und man mit den anderen gewinnbringend handeln kann - siehe Andreas Christensen oder Thorgan Hazard. 
Auch auf dem Leihmarkt ist Gladbach längst nicht alleine unterwegs. Es wird also zunehmend schwieriger (und teurer), hochkarätige Talente zu bekommen, die kurz vor dem Durchbruch stehen. Für Denis Zakaria (20) wird zum Beispiel schon ein zweistelliger Millionenbetrag aufgerufen, dabei war Nico Elvedi vor zwei Jahren mit vier Millionen Euro schon ein teurer 18-Jähriger. Zum Vergleich: 2009 hat mancher Max Eberl schon für verrückt erklären wollen, als er für einen jungen Zweitligaspieler namens Marco Reus eine Million Euro locker gemacht hat. Der war damals immerhin schon Stammspieler bei Ahlen.

Was also macht Borussia nun, notgedrungen, aber auch einer klaren Logik folgend? Der Verein verpflichtet noch jüngere Spieler, die sehr vielversprechend sind (wie Doucouré, Villalba, Cuisance), aber trotz guten Scoutings auch ein größeres Risiko beinhalten - nämlich, ob sie den Sprung aufs höchste Niveau auch schaffen; und wenn ja, in welchem Tempo. 
Wer sich daran erinnert, wie schlecht Andreas Christensen in seinen ersten Einsätzen unter Favre in der öffentlichen Meinung wegkam (obwohl nicht er schlecht war, sondern die Balance in der Mannschaft), der weiß, was ich meine. In der Bundesliga musst du als junger Spieler schnell funktionieren, sonst bist du wieder weg vom Fenster. 

Diese Entwicklung, immer jüngere Spieler in den Fokus zu nehmen, ist keine gute, weil sie kleinere Vereine kaputtmacht, die früher ganz gut mit der Ausbildung und dem Weiterverkauf von Talenten über die Runden kommen konnten. Und sie wird wohl auch dazu führen, dass viele Spieler auf der Strecke bleiben werden. Aber im Moment ist es aus Sicht des VfL ein Weg, auf dem Transfermarkt noch einen kleinen Vorsprung vor anderen zu haben.

Und an dieser Stelle kommt die zweite logische Komponente ins Spiel: Dass man die jungen Fohlen besonders fördern muss, damit sie den Sprung mit höherer Wahrscheinlichkeit schaffen. Das minimiert das ökonomische Risiko, wenn der Verein viel Geld in den jungen Spieler von außen investiert (und natürlich in die Ausbildung der anderen, die dem eigenen Talentschuppen entspringen). Der wichtigste Transfer bis jetzt ist aus diesem Grund für mich der des 41-jährigen Otto Addo, der sich speziell um die Entwicklung der "Rohdiamanten" Benes, Doucouré, Cuisance, Villalba, Simakala, Sow, Torwart Nicolas oder Ndenge kümmern soll. Addo hat als Trainer bereits Erfahrung in dieser Art Talentförderung und kann dem Verein auf diese Weise ein unbezahlbarer Helfer werden.

Denn ungeachtet der jüngsten internationalen U20-Verpflichtungen kann dem aufmerksamen Fan nicht entgangen sein, dass der Talentschuppen Borussias zuletzt nicht so effektiv war, wie man es angesichts des Potenzials der Talente erwarten konnte. Natürlich können nicht alle Spieler, die der VfL durch die Jugendabteilung und das Internat bringt, das Zeug dazu haben, in der ersten Liga zu spielen. 
Aber die wirklichen Eigengewächse, die es in den vergangenen zehn Jahren in die erste Mannschaft und dort zum Stammspieler geschafft haben, sind an einer Hand abzuzählen: es sind Jantschke, Herrmann, Korb, ter Stegen gewesen und seitdem nur noch Dahoud. Marvin Schulz konnte sich auch wegen Verletzungen noch nicht durchsetzen, ebensowenig wie Tsy William Ndenge, Nils Rütten oder Ba Muaka Simakala, die ebenfalls dem aktuellen Profikader angehören. 
Aus dem Ausland geholte Talente wie Mandela Egbo, Kwame Yeboah oder Joel Mero haben es ebensowenig nach oben geschafft wie die Eigengewächse Marlon Ritter, Kevin Holzweiler, Steffen Nkansah, Jannis Blaswich oder Nico Brandenburger. 
Dazu kommen Sonderfälle wie Sinan Kurt, der Gladbach verließ, weil er sich schon für zu gut hielt. Oder Amin Younes, der es zwar zwischen Jantschke und Dahoud in die Galerie "Aus der Jugend in die Bundesliga" geschafft hat, der aber seinen Durchbruch erst in Amsterdam erlebte, weil es bei Borussia für ihn zur fraglichen Zeit keine Einsatzgarantien geben konnte. Und vielleicht ja auch, weil in der entscheidenden Phase kein Coach an seiner Seite stand, der ihm dabei helfen konnte, die nötige Geduld und vielleicht das fehlende Quäntchen Einsatz und Können aufzubringen, was ihn in die erste Mannschaft spült. Diese zusätzliche Betreuung könnte sich nicht zuletzt auch deshalb auszahlen, weil die Konkurrenz natürlich auch bei Gladbacher Talenten vorstellig werden könnte, um sie frühzeitig abzuwerben (siehe Kurt). Wenn das in einer Phase geschieht, wo der Spieler seine Chancen bei Borussia für nicht so hoch hält, kann sich jeder ausrechnen, dass der ausbildende Verein schnell mal in die Röhre schaut. Was im übrigen auch nicht heißt, dass Borussia im Kampf um gute Talente nicht ganz genauso vorgeht.

So, das war viel Text - viele Namen, viele Spielerschicksale - und dass alles nur, um zu erklären, warum für mich der Ü40-Transfer Otto Addo bisher der wichtigste in dieser Sommerpause war. Ihr seht, es ist mir sehr wichtig, dies deutlich zu machen ;-)
Wie sich Borussia ansonsten kadertechnisch aufstellt, werde ich natürlich ebenfalls noch aus meiner Sicht bewerten. Auch an dieser Stelle - aber nicht heute.

Samstag, 20. Mai 2017

Gut, dass es vorbei ist

Endlich: Zeit zum Abschalten. Ich habe das Ende dieser komischen Saison schon seit einigen Wochen herbeigesehnt. Und es war fast logisch, dass in dieser Saison auch das letzte Spiel noch so laufen und so enden würde wie die gesamte Berg-und Talfahrt der Gefühle seit dem vergangenen August. 
Nur: Statt dass man erleichtert einen dicken Strich unter diese insgesamt 51 Spiele machen und einen versöhnlichen Abschluss feiern kann, bleibt jetzt ein schlechtes letztes Gefühl hängen.

Ich habe sie oft verteidigt - aber dafür muss heute vor allem die Mannschaft die Verantwortung übernehmen. Wenn man in einem Spiel, bei dem der Druck der vergangenen Wochen weg ist, so überlegen spielt. Wenn man gegen den wohl schlechtesten Gegner, der sich seit langem im Borussia Park vorgestellt hat, gut ein Dutzend Riesenchancen herauskombiniert und leichtfertig vergibt und damit am Ende doch nur ein lächerliches Unentschieden herausspringt, dann hat man viel falsch gemacht - obwohl man grundsätzlich kein schlechtes Spiel gezeigt hat.

Ich finde zwar die Pfiffe während und nach dem Spiel nach wie vor inakzeptabel. Aber die Enttäuschung auf den Rängen kann ich verstehen. Es ging mir vor dem Fernseher nicht anders. So gut die Mannschaft spielerisch ist, vor allem, wenn Raffael, Hazard und Johnson wieder mitmischen können - wenn man es dann auch gegen einen solchen Gegner nicht schafft, mehr als ein Tor vorzulegen, muss man sich Gedanken machen, woran das liegt. 
In Schönheit gestorben sind wir dieses Jahr schon viel zu oft, dieses letzte Spiel hat es nur einmal mehr gezeigt, dass es manchem Akteur an der Zielstrebigkeit fehlt, an dem auch nach außen erkennbaren Willen, das Tor zu machen und nicht noch dreimal im Strafraum Doppelpass zu spielen und den Ball ins Tor zu tragen. 

Wenn die Mannschaft das nicht ablegt, und nicht effektiver wird, wird sie immer wieder in Schwierigkeiten kommen - auch wenn dabei natürlich auf der anderen Seite auch spielerische Glanzpunkte herausspringen. 
Nur: Wenn man es immer verpasst, ein Spiel frühzeitig zu entscheiden und dadurch klar dominierte Partien noch aus der Hand gibt, setzt sich das in den Köpfen fest. Und das führt irgendwann dazu, dass man verkrampft. Die Hinrunde war ein Paradebeispiel für eine solche Entwicklung. Die Auswirkungen hat der VfL unter Dieter Hecking letztlich souverän reparieren können - mehr leider aber auch nicht.

Was die Gesamtbilanz angeht, ändert sich durch das letzte Unentschieden nichts - auch wenn es jetzt doch "nur" der 9. Platz geworden ist. Ein "Mehr" wurde über die gesamte Saison hinweg verspielt - und sicher auch nochmal in den letzten drei Spielen. Doch am Ende muss man bei allen ärgerlichen Punktverlusten sagen, dass die Teams vor dem VfL dort eben, über 34 Spiele gesehen, zurecht stehen.

Der Verein hat jetzt die Möglichkeit, sich zu sortieren, die sportlichen Baustellen durch die Abgänge von Dahoud und Christensen zu schließen und die Mannschaft für das kommende Spieljahr wieder gut aufzustellen. Dass das gelingt, daran habe ich wenig Zweifel.

Was mir Sorgen macht, ist die Lage in der Anhängerschaft. Die schlechte Stimmung, die unverschämten Pfiffe gegen einen Spieler wie Mo Dahoud, der für Borussia in den vergangenen Jahren alles gegeben hat, der Ton untereinander in Foren, sozialen Netzwerken und auf den Rängen - da gibt Borussia derzeit ein ungewohnt schwaches Bild ab. Und ich bin mir nicht sicher, wie man das wieder in den Griff bekommt. Wenn gegen die Mannschaft gepfiffen wird, weil der Ball dreimal hintenrum gespielt wird, dann zeigt das, dass die Erwartungen nicht realistisch sind. Und wenn einem der eigenen Frustabbau wichtiger ist als der Erfolg der Mannschaft, lässt es tief blicken. 

Auch weil das im Moment so ist, bin ich froh, dass die Saison endlich zu Ende ist. Ich werde auch für mich überlegen, ob ich den Takt meiner Texte so aufrecht halten werde. Ich habe jetzt gut zweieinhalb Jahre jedes Spiel in diesem Blog begleitet und auf meine Art "aufgearbeitet". Und ich spüre seit einiger Zeit, dass es mehr und mehr zu einer "Pflicht" wird, die auch einiges meiner Zeit auffrisst. Vielleicht werde ich daher künftig etwas weniger schreiben, Entwicklungen über mehrere Spiele hinweg analysieren. Wer weiß. Die Sommerpause bietet auch mir Zeit, darüber mal in Ruhe nachzudenken.  

Bundesliga 2016/17, 34. Spieltag (20.5.17): Borussia Mönchengladbach - SV Darmstadt 98 2:2 (Tore für Borussia: 1:0 Hazard, 2:1 Raffael)

Sonntag, 14. Mai 2017

Die Unvollendete

Nun haben wir also Gewissheit - aber nicht die, die wir uns gewünscht haben. Am Ende einer Saison, die für Borussia unter keinem guten Stern stand, werden wir uns diesmal nicht auf internationale Auftritte unserer Mannschaft in der kommenden Spielzeit freuen können.
Der VfL hat heute in Wolfsburg die letzte realistische Chance dazu vertan - so, wie zuvor schon viele Chancen dieser Saison liegengelassen wurden, weil man die vorhandenen (Tor-)Chancen nicht konsequenter nutzte. Das Lamento ist allzuoft das Gleiche gewesen: Bis zum Zeitpunkt, als Wolfsburg das überflüssige 1:1 nach einem individuellen Fehler erzielte, hätten Hofmann, Hahn und Co. das Spiel längst für Borussia entschieden haben müssen.
Aber so wurde die Partie zu einem Spiegelbild der gesamten Saison: Fast eine Stunde lang souverän und gut, aber zu ineffektiv, dann 20 Minuten nervös und mit der Situation zunehmend überfordert. Darauf folgte der Hagelschauer und damit eine unfreiwillige Spielunterbrechung, auch nicht das erste kuriose Vorkommnis für den VfL in dieser Saison. Und nach dem Wiederanpfiff dann erneut ein dominanter Restauftritt, der mit einem Sieg hätte belohnt werden können, der aber genauso mit der für die Gladbacher Fahrten nach Wolfsburg so typischen 0-Punkte-Ausbeute hätte enden können.

Über die verpassten Chancen, europäisch, im DFB-Pokal, in der Liga - und natürlich auch begrenzt auf das heutige Spiel - kann man sich jetzt die Köpfe heißreden, man kann bedauern, sich ärgern, schimpfen, ihnen nachweinen.
Aber das ändert nichts. Wenn man es objektiv betrachtet, hat Borussia die Euro-League-Teilnahme am Ende nicht verdient. Einfach weil dafür zu wenige Punkte geholt wurden (warum auch immer) und weil Borussia bei den harten Fakten letztlich einfach mau abschließt: mehr Niederlagen als Siege, negative Tordifferenz, mittelmäßige Tor- und Gegentorbilanz, maximal 47 von 102 möglichen Punkten erreicht. Mit viel Glück reicht das mal für einen europäischen Startplatz, diesmal wohl nicht. Und schlimmer noch: So wie es aussieht, werden wir die Saison sogar hinter den Ziegen beenden.

Eine verlorene Saison also? Mitnichten. Was einen nicht umbringt, 
macht einen nur stärker, heißt es ja. Und das Stahlbad, was die Spieler durch die Reifeprüfung in der Champions League (trotz der großen Krise im Herbst), das Erreichen des Halbfinales im DfB-Pokal und des Achtelfinales in der Euro League - begleitet von bisher beispiellosem Verletzungspech - durchschritten haben, hat die Mannschaft reifen lassen. Auch trotz oder wegen der Enttäuschungen, die diese Saison letztlich zu einer "Unvollendeten" werden lassen.

Schade ist, dass Borussia diese Erfahrungen kommende Saison nun nicht im Vergleich mit internationalen Gegnern einbringen kann. Deshalb verstehe ich auch nicht so recht die vielfach geäußerte Meinung, dass ein Jahr ohne Europa dem Verein vielleicht sogar gut tun könnte. Möglicherweise beruhigt sich der Fanzwist etwas, wenn es nicht mehr gegen Barcelona und Co. geht und der Alltag den einen oder anderen Glamour-Fan wegbleiben lässt.
Doch für die Entwicklung des Kaders ist die fehlende Herausforderung gleich aus mehreren Gründen schlecht. Zum einen, weil die Duelle auf internationalem Niveau jeden Spieler besser machen. Dann, weil der Kader zu ausgeglichen besetzt ist, als dass man ausschließlich mit Ligaspielen alle Spieler zufrieden stellen kann. Es wird Verlierer im Kader geben, weil es keiner so großen Rotation mehr bedarf.
Und zum anderen wird es ohne das Argument "Europa" deutlich schwieriger werden, Spieler nach Mönchengladbach zu locken, die die Mannschaft nochmal ein Stück besser machen würden. Andererseits bleibt die Hoffnung, dass sich die Mannschaft ohne Dreifachbelastung in der Bundesliga diesmal von vornherein besser verkaufen kann und nicht wieder (wie in den vergangenen beiden Saisons) aus der Defensive eines verpatzten Starts heraus eine Aufholjagd starten und den Konkurrenten bis zuletzt hinterherhecheln muss. Warten wir es ab, wir können es eh nicht beeinflussen.

Das alles ist aber Zukunftsmusik, zumal die letzte Partie noch nicht gespielt ist. Aber bevor man sich der Ernüchterung der letzten Wochen ergibt, sollte eins nicht unter den Tisch fallen: Der VfL hat auch viel erreicht in dieser Saison.
Die Pokalwettbewerbe waren Highlights, Halbfinale und Achtelfinale hat Borussia in den besagten Wettbewerben seit längerem nicht mehr erreicht. Die Partien in Glasgow und Florenz zählen zu den Gänsehautmomenten, zu den Spielen mit Legenden-Potenzial.
Das Scheitern in beiden Wettbewerben war borussia-tragisch, die Duelle mit Barcelona und Man City im Borussia Park waren besondere Erlebnisse. Und die Aufholjagd nach der Hinrunde mit einem vorderen Platz in der Rückrundentabelle einmal mehr beeindruckend, ganz abgesehen von der in vielen Jahren nicht mehr erreichten Bilanz in Auswärtsspielen unter Dieter Hecking.
Also, der VfL hat die Kurve gekriegt, ist trotz der schwachen Ausgangsposition zu Jahresbeginn nicht mehr in die Bredouille gekommen und beendet die Saison anständig, wenn auch nicht herausragend. Das alles sollte man über den Rückschlägen und dem Ärger in den vergangenen Wochen nicht vergessen. Und deshalb der Mannschaft zum Abschluss gegen Darmstadt nochmal die Unterstützung zukommen lassen, die sie sich redlich verdient hat. 

Bundesliga 2016/17, 33. Spieltag (14.5.17): VfL Wolfsburg - Borussia Mönchengladbach 1:1 (Tor für Borussia: 0:1 Vestergaard)

Montag, 8. Mai 2017

Vom Pfeifen

Die Saison ist noch nicht um, die sportliche Bilanz noch nicht endgültig zu ziehen, und doch wird unter Borussen kaum noch darüber diskutiert, ob wir den Europapokal noch erreichen oder wie die Mannschaft im nächsten Spieljahr verstärkt werden könnte.

Das "einig Volk von Brüdern" ist, nimmt man das überlieferte Verhalten im Stadion und diverse Diskussionen in den sozialen Medien zum Maßstab, zerstritten, wie ich es persönlich noch nicht erlebt habe. Das Publikum, dass sich sehr lange einiges auf seine Fankultur einbilden konnte, hat in dieser Saison mit vielen Höhen und Tiefen offenbar selbst die Orientierung verloren. Und weil der Zwist unter den VfL-Fans mit vielen Schuldzuweisungen untereinander geführt wird, ist er gefährlich für die Entwicklung als Fanbasis für die Mannschaft. Derzeit kämpft verbal der "Ultra-Kindergarten" gegen "Event-Fans", es schlagen sich engagierte Normalfans auf eine Seite oder es gibt Streit zwischen Fans, die akzeptieren wollen, dass dies keine normale Saison war und jenen mit höheren Zielen  - egal, wie realistisch dies unter den gegebenen Voraussetzungen ist. Erst wird geschimpft, dass die Stimmung durch die Ultras scheiße ist, jetzt, dass sie ohne Ultras scheiße ist. Verlierer sind wir alle in dieser Zerstrittenheit, und ich sehe schon, wie sich die Domziegen kringeln vor Lachen über das, was bei uns abgeht. Und sie haben wohl allen Grund dazu, auch wenn die Wirklichkeit doch noch ein Stück von dem entfernt ist, als sie die *ölner Boulevardzeitung Express sich so mit allerhand Halbwissen zusammenfantasiert.

Aber: Die Stimmung im Stadion ist nicht erst seit dem blamablen Auftritt der Fans gegen Augsburg so, wie sie ist. Pfiffe gegen die Mannschaft oder einzelne Spieler gab es schon mehrfach diese Saison, die stimmliche Macht, die der Borussia Park entfalten kann, wenn alle mitmachen, ist zunehmend fragiler geworden. Und immer häufiger bricht die Kulisse stimmlich in sich zusammen, wenn es auf dem Rasen nicht ganz nach Wunsch läuft. Auch ich habe das an dieser Stelle schon zum Thema gemacht.

Fakt ist: Die Mannschaft hat zuletzt, vor allem vor eigenem Publikum, einige enttäuschende oder phasenweise schlechte Spiele abgeliefert und zu wenig gepunktet, vor allem wenn man die gewohnte Heimstärke berücksichtigt. Auch die (ohnehin nicht garantierten) Titelchancen in den Pokalwettbewerben hat die Hecking-Elf vor eigenem Publikum hergegeben. Das ist schon ein Grund für Missmut unter den Anhängern des Vereins, vor allem wenn man als Fan mitunter selbst große Opfer bringen muss, um dabei sein zu können. Aber wie man diesen Unmut äußert, sagt auch etwas über einen selbst aus.

Dass ein Stadion kollektiv ins Raunen kommt, wenn ein Fehlpass um Konter führt oder eine Riesenchance versemmelt wird, das ist normal.
Pfeifen oder verbal gegen die eigenen Leute ausfällig werden, das ist bei aller Anteilnahme am Spielgeschehen etwas anderes. Wenn ich meinem Unmut nun unbedingt mit Pfiffen Ausdruck verleihen möchte, ist der Platz dafür aus meiner Sicht nach dem Spiel.
Natürlich: Mit dem Eintrittspreis kann ich auch für mich in Anspruch nehmen, mich über "fehlende Gegenleistung" zu beschweren, notfalls auch mit Pfiffen.
Doch frage ich mich, warum man dann eigentlich ins Stadion geht. Ich tue das, um meine Mannschaft anzufeuern und möglichst mit ihr zusammen am Ende einen Sieg zu feiern, zu dem ich auf meine Art und Weise dann auch ein kleines Stückchen beigetragen habe. Eine Garantie für dieses Erfolgserlebnis gibt es nicht, auch dann nicht, wenn die Konstellationen vor der Partie noch so klar zu sein scheinen. Und das ist doch auch das, was Fußball ausmacht. Der ungewisse Ausgang des Spiels ist das, was auch die Fans der größten Losertruppe immer wieder hoffen lässt, dass es am nächsten Wochenende aber bestimmt klappt mit dem Sieg. Wer wie ich schon länger an Gladbach hängt, weiß, welches Gefühl das ist.

Wenn ich während des Spiels pfeife, helfe ich nur dem Gegner. Es ist der gleiche Effekt wie bei der Kreisliga-Mannschaft, bei der irgendwann untereinander das großen Meckern anfängt, wenn es nicht läuft. Die Konzentration auf das eigentliche Ziel geht verloren.

Klar, jeder hat so seinen eigenen Anspruch, was die Aktiven können und auch zeigen sollen. Der gern bemühte Verweis auf die hohen Summen, die Fußballprofis schließlich verdienen, verbunden mit dem Satz "wenn ich so arbeiten würde, würde mein Chef..." führt dabei aber meist auf den Holzweg. Die beruhigenden Summen auf dem Bankkonto helfen niemandem, wenn er auf dem Platz, beobachtet von vielen Tausend Besserwissern, Entscheidungen treffen muss, die den Verein am Ende zum Erfolg oder um den Lohn einer langen Saison bringen können. Auch hochbezahlte Fußballer sind keine Maschinen, die man auf Erfolg programmieren kann.
Der eine kann Pfiffe der eigenen Fans besser ausblenden als der andere, mancher muss es auf diesem Spielniveau vielleicht auch erst noch lernen. Und wenn sehr junge Spieler ins kalte Wasser geworfen werden müssen und sich freischwimmen, heißt das nicht, dass sie nicht auch mal schlechtere Phasen haben dürfen wie Christensen und Dahoud gerade.
Wenn man eins dieser Mannschaft nicht vorwerfen kann, ist es fehlender Einsatz bis zum Schluss und: ehrliche Arbeit. Es sieht zwar nicht immer so aus, vor allem, wenn die Ratlosigkeit gegen dicht gestaffelte Gegner in Rück- und Querpässen sichtbar wird. Aber das Bemühen, die Lücke zu finden, ist immer da. Dass es nicht immer klappt, liegt eben auch am Gegner. Der eine lässt Räume, die die Mannschaft braucht - wie Mainz. Die andere weiß, wie sie unser Spiel ersticken kann - wie Augsburg oder auch Frankfurt.

Man muss solche Argumente nicht gelten lassen, und kann weiter auf einen "zu schwachen Kader", "lustlose Spieler" oder einen Manager schimpfen, der angeblich die Mannschaft nach dem Xhaka-Abgang nicht gut genug verstärkt hat. Ich werbe darum, dass man es sich bei der Bewertung der Leistungen nicht zu einfach macht. Dass man die Kritik von Christoph Kramer als das nimmt, was es war: eine Meinungsäußerung, wie sie auch jeder Fan als Recht für sich einfordern würde. Schließlich hat Kramer auch nicht die Leistung der Mannschaft damit zu erklären versucht, sondern eine Rückmeldung an die Fans gegeben, wie die Situation auf demn Rasen wahrzunehmen war. Und wie viele wissen ist Kramer einer der wenigen Profis, der selber weiß, wie es ist, in einer Fankurve zu stehen.
Nicht zuletzt werbe ich dafür, dass man diese Seuchensaison nicht mit normalen Maßstäben misst. Dazu ist einfach zu viel passiert in den bis jetzt 49 Spielen. Aber jeder, bis hin zum Manager und zum Präsidium, kann aus diesem Jahr lernen. Das ist das, was Borussia wieder einen Schritt besser machen kann - und auch wird, davon bin ich überzeugt. Nur eins kann der Verein kaum steuern: Wie sich die Fans verhalten. Dass wir da wieder in Topform kommen, dafür müssen wir selbst sorgen. Indem wir uns alle darauf konzentrieren, für wen und gegen wen wir sind.

Samstag, 6. Mai 2017

Nicht genug

War es das jetzt mit der europäischen Chance? Oder doch nicht? Möglich ist immer noch alles. Doch wenn man ehrlich ist, war das, was Borussia heute für das Ziel der erneuten Europapokalteilnahme eingesetzt hat, zu wenig. Der Punkt in der Nachspielzeit ist äußerst glücklich - ich gönne ihn umso mehr "ausgerechnet" dem André Hahn. Doch was der VfL nach gutem Beginn und einer - von der Konteranfälligkeit abgesehen - souveränen Leistung in den ersten 40 Minuten zeigte, war schwach, fahrig, ohne Mumm.

Schon in der ersten Hälfte verstand es die Mannschaft oft nicht, Tempo in die Pässe und ins Spiel nach vorn zu bekommen und die dichte Augsburger Deckung mit Schnelligkeit und Tiefe im Spiel in Probleme zu bringen. Das gelang nur ab und zu, etwa bei Hofmanns Riesenchance oder bei den Gelegenheiten von Patrick Herrmann und Mo Dahoud. Der Spielaufbau über Christensen und Vestergaard war aber in der Regel zu lasch, zu rück- und seitwärts gewandt. 

Laszlo Benes immerhin war Dreh- und Angelpunkt im Spiel, ständig anspielbar, mit mutigen Ideen, aber auch einigen leichten Fehlern, die man ihm angesichts der Gesamtleistung aber kaum ankreiden kann. Insofern konnte ich nicht nachvollziehen, warum er so früh vom Platz musste und nicht der deutlich wechselhaftere Mo Dahoud. Auch der machte viel richtig - aber auch einiges richtig falsch. Frappierend war, nicht zum ersten Mal, wie unpräzise gut gemeinte Anspiele und Pässe kommen. Ähnlich uneinheitlich das Bild bei Andreas Christensen. Der sonst so sichere Abwehrrecke bringt immer noch viele Zweikämpfe bemerkenswert nach Hause. Er sah aber heute (wie auch schon in Spielen vorher) bei Kontern der Gäste mehrfach nicht gut aus, auch beim Gegentor. Möglicherweise beschäftigt beide der nahende Abschied (und beim Dänen die noch unklare Konstellation für die neue Saison) doch mehr, als sie es selbst wahrhaben wollen.

Mehr ist über das Geschehen auf dem Rasen eigentlich nicht zu sagen, bei dem die Augsburger einmal mehr das Glück hatten, dass der angesetzte Unparteiische möglichst auf Gelbe Karten verzichten wollte. Immerhin artete diese Art der Spielleitung diesmal nicht in eine willenlose Treterei aus. Aber die Verwarnungsbilanz (2 für Augsburg, 2 für Gladbach, darunter eine unberechtigte wegen angeblicher Schwalbe), ist einmal mehr der Hohn.   

Verlierer des Tages waren heute allerdings andere: der Borussia Park und wir Fans. Gellende Pfiffe während eines Spiels, in dem es nicht um Schönspielerei geht, sondern um die Qualifikation für die Euro League, da verschlägt es mir die Sprache. 

Ich habe es schon mal gesagt, damals ging es noch gegen den Abstieg: Das eigene Team auszupfeifen ist für mich ein No-go! Inzwischen sind wir wieder soweit - pfui! Bei aller Kritik an der Spielweise und der Fehler, die auf dem Platz gemacht werden. Es hilft keinem, die Jungs da unten noch mehr zu verunsichern. Wer nicht sieht, dass da ein Gegner ist, der sein Geschäft versteht, nämlich guten Fußball zu verhindern, der soll doch besser zuhause bleiben. Wer nicht versteht, dass dieser Kader seit Monaten am Anschlag unterwegs ist und für diese ungünstigen Begleitumstände verdammt noch mal eine ganze Menge geleistet hat, der sollte sich fragen, ob er die richtigen Maßstäbe anlegt. 

Und wenn großmäulig im Internet zu lesen ist, dass man die schmollenden Ultras "für die Stimmung im Stadion ja nicht braucht", dann sollten sich diese Leute nochmal das Spiel von heute zu Gemüte führen, und zwar die akustische Begleitung. Die Wechselgesänge klappen vielleicht eine Weile, wenn es läuft, ist die Kulisse auch mal da und gibt kurzzeitig Gas. Wenn aber Unruhe im Stadion aufkommt, bricht der unorganisierte Support zusammen. 
Selbst die sonst sehr zurückhaltenden Spieler sind seit ein paar Spielen deutlich offener und kritischer bei Aussagen über die Stimmung im Borussia Park. Das sollte uns allen zu denken geben - es ist ein Alarmzeichen.
Wir haben uns zurecht einiges auf die Unterstützung der Fans eingebildet. Doch das ist im Moment nicht mehr gerechtfertigt. Vielleicht ist auch deshalb unser Stadion keine Festung mehr. 

Klar, die Gründe dafür sind vielschichtig. Der Knatsch von Sottocultura mit dem Verein, immer mehr "Event-Fans", gestiegene Erwartungen an die Leistung der Mannschaft usw. 
Auch wenn es noch viele tausende sind, die sich weiterhin die Seele aus dem Leib schreien für Borussia: Die Peinlichkeit, dass die Jungs im eigenen Stadion nicht bedingungslos unterstützt werden, fällt auf uns alle zurück, die wir uns sonst auch gern für die Stimmung im Park und das freundliche Image des Clubs auf die Schulter klopfen lassen. 

In dieser Saison ist hier im Zusammenspiel auf den Rängen nicht mehr viel zu erreichen. Für die neue Spielzeit sollte es aber unser aller Ziel sein, in jeder Situation wieder der zwölfte Mann auf dem Platz zu sein. Sonst, da bin ich ganz nüchtern in der Analyse, haben wir Fans die Euro League eben auch nicht verdient. Denn das heute war, auf wie abseits des Rasens, dafür einfach nicht genug. 

Bundesliga 2016/17, 32. Spieltag (7.5.17): Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 1:1 (Tor für Borussia: 1:1 Hahn)

Samstag, 29. April 2017

Den Frust abgeschüttelt

Vier Tage hatte die Mannschaft von Dieter Hecking, um sich die Enttäuschung und den Frust über das Scheitern im Pokalhalbfinale aus den Klamotten zu klopfen. Schließlich geht es auch nach diesem Elferdrama für den VfL noch um viel in dieser Saison. Und Hut ab - die Mannschaft hat einmal mehr Format und Charakter bewiesen und trotz der Personalnot ein hervorragendes Auswärtsspiel abgeliefert.

Ok, Mainz war nur in den letzten 20 Minuten der erwartet (abstiegs-)kampfbereite Gegner, und da wurde es prompt für die müder werdenden Fohlen auch noch einmal unnötig eng. Das war möglicherweise ein bisschen der unfreiwilligen Sonderschicht am Dienstagabend geschuldet, ganz sicher aber der Tatsache, dass es Stindl und Co. einmal mehr nicht gelang, mit einem einzigen schlau ausgespielten und erfolgreichen Konter den Deckel auf die Partie drauf zu machen. So fiel noch das unnötige Anschlusstor, dass sich gleichwohl irgendwie schon angekündigt hatte. Unter dem Strich aber gab es am verdienten Sieg der Borussia nichts zu rütteln. Gladbach hatte das Geschehen über weite Strecken der Partie im Griff, natürlich auch dank des 2:0 gleich nach zu Wiederbeginn. Das ließ die Gastgeber doch merklich geschockt zurück.

In Mainz zeigte sich wieder, dass der zweite bis dritte Anzug der Mannschaft passen kann, solange es nicht gegen übermächtige Gegner geht. Nico Schulz war natürlich der verdiente Held des Tages mit einem Tor und einem Assist. Aber es war sein ganzer souveräner Auftritt, defensiv wie offensiv, der richtig Freude machte. Mit diesem Backup kann Oscar Wendt beruhigt seine Verletzung auskurieren. Mit Blick auf die neue Saison wird es spannend, wer sich dort am Ende als Stammspieler durchsetzen wird - sofern dann beide gesund bleiben.

Hinter Schulz' Leistung - man gönnt es ihm nach der langen Anlaufzeit bei Borussia natürlich ganz besonders - mussten sich heute aber auch der frühere Mainzer Jonas Hofmann und Laszlo Benes nicht verstecken. Beide spielten stark und bis auf einzelne Szenen sehr überlegt. Bei Hofmann hat man ohnehin im Moment das Gefühl, dass er überall auf dem Platz auftaucht. Mit erneut deutlich über 12 Kilometern Laufleistung war er auch heute wieder der Fleißigste in dieser Disziplin.

Überhaupt funktionierten die Pärchen heute ziemlich gut, vor allem in der Defensive: Das gewagte Sechser-Doppel Dahoud/Benes harmonierte im Laufe des Spiels immer besser, manchmal nehmen die Jungs aber doch noch zu viel Risiko, wobei Mo Dahoud auch heute hier eher noch etwas gehemmter wirkte. Über außen harmonierten die Flügelpaare Hofmann/Schulz und Herrmann/Elvedi sehr gut, sie nahmen die Mainzer Gegenüber weitgehend aus dem Spiel. Nur de Blasis machte den Borussen auf der linken Abwehrseite am Ende des Spiels ziemlichen Ärger. Das hätte auch schief gehen können.

Was bleibt noch von einem gelungenen Auswärtsausflug? Die ersten Bundesligaminuten von Djibril Sow und die überraschende Nominierung von U23-Stürmer Mike Feigenspan. Und, so bleibt zu hoffen, keine weiteren Verletzten - auch wenn Lars Stindl und auch Yann Sommer während des Spiels angeschlagen wirkten. Hoffen wir, dass jetzt mal Schluss ist mit dieser Seuche.

Wie in einer verkehrten Welt müssen wir uns als VfL-Fans allerdings beim Blick auf die Auswärtstabelle unter Dieter Hecking vorkommen. Wettbewerbsübergreifend 8 Siege, 3 Unentschieden und 2 Niederlagen in der Fremde, das passt überhaupt nicht zum traditionellen Gladbacher Ruf als netter Gast und Punktelieferant. Zwei Auswärtssiege im DFB-Pokal gab es, einen Sieg und ein Remis in der Euro League und immerhin 5 Siege und 2 Punkteteilungen bei Niederlagen in Hamburg und Hoffenheim. Das ist bemerkenswert.
Leider genauso bemerkenswert wie die im gleichen Zeitraum eingeschleppte Heimschwäche. Nur 3 Siegen und einem Remis stehen 5 Pleiten im Borussia Park gegenüber. Da können wir fast froh sein, dass der VfL in diesem Jahr (inklusive des letzten Hinrundenspiels in Darmstadt) 13mal auswärts antreten musste und nur 9mal im eigenen Stadion. Zum Vergleich: André Schubert stand wettbewerbsübergreifend im eigenen Stadion bei 6 Siegen, 5 Unentschieden und 3 Niederlagen, auswärts gelangen mit ihm aber nur drei Siege und ein Remis bei 8 verlorenen Spielen.

Noch ein bisschen mehr Zahlenspielerei gefällig? Fest steht schon jetzt, dass Hecking in bisher 21 Spielen mit Gladbach in den drei Wettbewerben mit umgerechnet 36 Punkten mehr sammelte als sein Vorgänger. André Schubert musste nach 33 Punkten aus 26 Spielen gehen. Die Ausbeute der letzten drei Spiele zeigt dementsprechend, ob der neue Trainer in der Punktestatistik dieser Saison etwas besser oder erheblich besser abschneidet als sein Vorgänger. André Schubert blieb bei 1,27 Punkten pro Spiel stehen, Hecking steht derzeit bei einem Schnitt von 1,71. Kommt aus den letzten drei Spielen kein Punkt mehr dazu, fiele dieser Wert auf 1,5. Bei der vollen Punktausbeute kann der Trainer auf 1,87 Punkte pro Spiel kommen.

Dieser Wert wird ihm natürlich herzlich egal sein, ob Borussia nun am Ende noch einen der europäischen Plätze einfährt oder nicht. Seit heute sieht es dafür auch wieder besser aus. Deshalb geht der Blick natürlich auch nicht mehr so sehr nach hinten in der Tabelle wie noch vor ein paar Wochen. 
Dabei ist dieser Blick gerade heute lohnenswert. Denn seit heute kann Borussia nicht mehr direkt absteigen. Wenn Augsburg das ausstehende Spiel am Sonntag gegen Hamburg verliert, ist auch die Relegation nicht mehr möglich. Verliert der HSV, ist aber auch dieses Szenario - bei 9 Punkten Vorsprung auf Platz 16 - nurmehr theoretischer Natur.
Herzlichen Glückwunsch zum Klassenerhalt also! Klingt komisch, aber manchmal lohnt es sich, nochmal ein paar Monate zurückzuspulen. Da war uns diese Angst durchaus näher, als es uns lieb war. 
Mit dem Sieg heute hat der VfL gleichwohl wieder alle Chancen, die Saison doch noch mit einem internationalen Startplatz zu krönen. Und über diese Spannung zum Saisonende kann ich mich richtig freuen. Und wenn es nicht klappt, geht die Welt auch nicht unter - natürlich nur, solange wir die Ziegen aus K. am Schluss hinter uns lassen.

Bundesliga 2016/17, 31. Spieltag (29.4.17): FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 1:2 (Tore für Borussia: 0:1 Stindl, 0:2 Nico Schulz)


  




Mittwoch, 26. April 2017

Und wir stehen auch diesmal wieder auf

"Ich fühle nur Leere nach diesem Spiel. Nicht mal mehr Wut über die vielen kleinen Fehler des Schiedsrichtergespanns über die gesamte Spielzeit, die zu wenigen gelben Karten für Frankfurt, die strittigen (Elfmeter-)Szenen im Frankfurter Strafraum, die mitten im Gladbacher Angriff abgepfiffene Verlängerung, die Unsportlichkeiten eines Fabian und die Zeitschinderei der Gäste, die zu keiner Zeit adäquat nachgespielt wurde. Einfach nur Leere, weil der VfL es seit mittlerweile zwei Jahrzenten nicht schafft, ein solches Spiel zu seinen Gunsten zu gestalten, das Weiterkommen zu erzwingen. Gefangen in der Tragik des immer wieder scheiternden Helden."

Diese Sätze habe ich gestern relativ kurz nach Spielende geschrieben. Heute, mit etwas Abstand, nach ein paar Stunden schlechtem Schlaf und einem langen Morgenspaziergang, will ich mich nicht mehr so sehr mit den Widrigkeiten des Spiels aufhalten, die vielleicht am Ende den Ausschlag gegeben haben, dass es auch dieses Jahr nichts wird mit dem Finale in Berlin.

Heute möchte ich lieber einen Dank an den Anfang stellen. Den Dank an die besten Fans der Welt. Denn was trotz der schrecklichen ersten Hälfte im Stadion abging und was der Borussia Park bis zum Schluss abgerissen hat, das hat es lange nicht mehr gegeben. Der Support bei Heimspielen in dieser Saison ist (auch von mir) schon viel kritisiert worden. Mir ist auch der Konflikt im Fanlager und mit Teilen des Vereins  bewusst, der kurz vor dem Spiel durch die zerstörte Choreo nochmal so richtig aufgebrochen ist. Und ich hoffe, dass dieser Riss möglichst schnell wieder zu kitten sein wird. 
Aber gerade vor diesem Hintergrund war die Unterstützung im Stadion - normalerweise bei einem solchen sportlichen Anlass ja eine Selbstverständlichkeit - bemerkenswert und herausragend. Ich konnte zwar nur vor dem Fernseher mitzittern, aber auch da war die Power, die von den Rängen kam, ganz deutlich zu spüren. Darauf bin ich stolz.

Dank gilt der Mannschaft und dem Trainer- und Betreuerteam für einen tollen Pokalwettbewerb, der bis ins Halbfinale geführt hat. Das ist, man vergisst es ja leicht in der Enttäuschung, nicht selbstverständlich. Im Spiel gestern hat sich der VfL gestern untadelig und erstklassig präsentiert, das gelang der Mannschaft in den Vorjahren in vergleichbaren Situationen nicht immer, wenn man an das dämliche Ausscheiden gegen Bremen oder Bielefeld denkt, wo die Vorzeichen auf einen Finaleinzug eigentlich noch besser standen. Dass wir gegen den vermeintlich leichtesten Gegner im Halbfinale gescheitert sind, mag sein. Aber darüber zu jammern, hat auch keinen Zweck. Seien wir stolz auf die Art und Weise, wie Hahn und Co gestern Borussia vertreten haben - zumindest 80 Spielminuten und sechs Elfmeter lang.


Ich habe es schon mal geschrieben, Gladbach ist gebucht auf das Ausscheiden als tragischer Held, es war irgendwie schon immer so und es nimmt auch kein Ende. Gestern hat das Team sicher - auch vom Gegner erzwungen - nicht den Fußball gespielt, der es normalerweise auszeichnet; zumal wenn die ganzen Verletzten an Bord gewesen wären. Gut, das trifft auch auf Frankfurt zu, die auch vor und in diesem Spiel von (teilweise durch den eigenen rustikalen Einsatz mitverursachten) Verletzungen gebeutelt wurden.

Dennoch ist die Leistung von Hahn, Elvedi, Vestergaard und all den anderen über jede Kritik erhaben. Die Mannschaft hat mit 40 Minuten Verspätung den Abnutzungskampf mit der Eintracht angenommen und dabei alle Tugenden gezeigt, die eine große Mannschaft auszeichnen: Willen, Zähigkeit, unbändige Kraft, unbegrenzte Laufbereitschaft und eine unglaubliche Moral. All das, in Verbindung mit der "Begleitmusik" von den Tribünen, war eines Pokalhalbfinales mehr als würdig.

Aber: Borussia ist in Berlin dennoch nicht dabei, trotz sechs eiskalt verwandelter Elfmeter und einer klaren Überlegenheit in allen Spieldaten. Es macht mürbe und lässt einen verzweifeln, wenn man immer wieder den gleichen Spielausgang in K.o.-Spielen erlebt: Stets bemüht, immer ganz nah dran, aber nie belohnt. Aber es liegt offenbar in den Genen des Vereins.

Ja, Frankfurt hat eine sehr gute erste Halbzeit gegen kopflose und mutlose Gladbacher gespielt und jedes weitere Wort über das Auftreten der VfL-Elf in den ersten 40 Minuten ist überflüssig. Es war einfach schlecht. Doch nach dem überraschenden und unverdienten Ausgleich durch Hofmann zur Pause, dem guten Start des VfL in die zweite Halbzeit und dem immer dominanteren Auftreten der Hausherren konnte die Eintracht letztlich nur noch versuchen, sich mauernd mit allen Mitteln in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen zu retten. Ab der 46. Minute war Borussia so klar Herr im Hause wie selten in den vergangenen Monaten. 
Aber einmal mehr fiel das notwendige und längst verdiente Tor nicht, das der Mannschaft die Sache hätte leichter machen können. Der ganze Aufwand aus 120 knochenharten Minuten blieb ohne Ertrag. Und am Ende schießt uns ausgerechnet Branimir Hrgota aus dem Wettbewerb, den die VfL-Defensive nach den ersten unsicheren Minuten immer besser an sich abprallen ließ, so wie alle anderen Entlastungsversuche der Gäste ab der 46. Minute. Es ist zum Haare raufen.

Jammern hilft nicht. Ich versuche, aus solchen Niederlagen das Positive herauszuziehen. Und das war nicht so wenig gestern. Die 120 Minuten haben wieder bewiesen: Die Mannschaft ist zusammengewachsen, sie ist intakt, sie hat Moral und sie kann inzwischen auch mit der zweiten oder dritten Kadergarde bestehen - wenn auch nicht so elegant wie mit Raffa und Co. in der Startelf. 
Ich möchte jedenfalls nie wieder Gemaule über Spieler hören, die angeblich für Gladbach nicht gut genug sind. Was ist nicht alles über André Hahn, Jonas Hofmann oder Nico Schulz abgelästert worden - zwei Spieler, die als Fehleinkäufe abgestempelt wurden, ohne dass sie viel Zeit bekommen hatten, auf dem Rasen das Gegenteil zu beweisen und einer, der leistungsmäßig immer mal wieder in einem Wellental unterwegs ist. Der spielerisch limitiert ist, aber nicht im Kämpferherz. Eins konnte und kann man André Hahn nie absprechen: dass er für sein Team und diesen Verein brennt und dafür ohne Rücksicht auf Verluste alles raushaut. Nach dem Auftritt in Glasgow war gestern das zweite Spiel, mit dem er sich spätestens einen Platz in den Herzen der VfL-Fans gesichert haben müsste.
Natürlich ist es ungerecht, aus dieser eingeschworenen Einheit, die gestern auf dem Platz stand, einzelne Spieler herauszuheben. Aber dass man diese drei extra lobend erwähnt, ist meiner Meinung nach angemessen. Natürlich, auch sie haben das goldene Tor nicht herausgespielt. Aber sie haben - wie ihre Teamkollegen - weit mehr geleistet als man mit simplen Spieldaten erfassen kann. Das aber unter anderen Voraussetzungen als ein im Team gesetzter Stammspieler wie Christensen oder Stindl.

Es heißt ja immer, dass Niederlagen einen stärker machen. Gladbach ist kontinuierlich stärker geworden in den vergangenen Jahren. Auch durch Rückschläge, die wir kassiert haben. Das heißt aber nicht automatisch, dass man solche Spiele wie gestern ab jetzt gefälligst zu gewinnen hat, auch wenn der direkte Vergleich der Teamkader einen vielleicht zu dieser Meinung verleiten könnten. Die Gewissheit, am Ende der Sieger zu sein gibt es nie, schließlich mischen vom Gegner bis hin zum Schiedsrichtergespann immer auch noch andere Kräfte mit.

Ich bin aber zuversichtlich, dass die Mannschaft dieses Schicksal einmal mehr annimmt, sich schüttelt und "Jetzt erst recht!" sagt, zumal mit Blick auf die neuen Verletzungen (Wendt und Drmic). 
So gefestigt wie ich sie mental sehe, können Heckings Schützlinge aus dieser Enttäuschung die nötige Kraft ziehen, um den Saisonendspurt doch noch in unsere Richtung umzubiegen. Es gibt kein besseres Balsam für die Wunden, als aus einer solchen Niederlage die Wut und Entschlossenheit für den nächsten Sieg zu ziehen. Was illustriert das besser als die entscheidende Zeile aus der Vereinshymne: "Stolzer Blick zurück, volle Kraft nach vorn..."

Ich wünsche mir, dass sich für dieses letzte Ziel in der Saison auch alle Fans möglichst schnell wieder hinter dem Team versammeln - "für den Namen, den die Welt so glorreich kennt". Die Jungs haben es verdient.


DFB-Pokal 2016/17, Halbfinale (25.4.17): Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 7:8 n.E. (Tore für Borussia: 1:1 Hofmann, Elfmeterschießen: Stindl, Herrmann, Hahn, Strobl, Benes, Vestergaard, verschossen: Christensen, Sow)