Sonntag, 12. März 2017

Umgerannt

Es gibt Tage, da kann man sich über Niederlagen schwarz ärgern. Und es gibt Tage, da muss man sie hinnehmen. Heute war ein Tag für letzteres, selbst wenn Sommer und Co. damit heute die große Chance auf einen Sprung nach vorn auf einen Euro-League-Platz ungenutzt ließen.
Der Hamburger SV hat sich das 2:1 heute verdient, daran gibt es keinen Zweifel. Wie die Mannschaft von Markus Gisdol die Borussen über 90 Minuten an- und totgelaufen hat, das war schon eindrucksvoll. Schon im Pokalspiel hatte sich angedeutet, dass Neuzugang Kyriakos "das Tier" Papadopoulos mit seinem brachialen Spiel den Hamburgern eine Kampfkraft einimpfen kann, der man sich nur schwer erwehren kann. 
Klar, auch heute wurden wieder viele Situationen an oder schon über der Grenze des Erlaubten geführt. Der HSV scheute diese Zweikämpfe nicht, hatte im Zweifel den Schiedsrichter auf seiner Seite (was nicht heißen soll, dass der am Spielausgang schuld wäre) und gewann so am Ende einen reinen Abnutzungskampf gegen sich tapfer dagegen stemmende Borussen, die aber kein Mittel gegen dieses enge Pressing fanden.  

Jetzt kann man lamentieren, dass doch in der ersten Hälfte alles für die Gäste lief: die Führung, weitere klare Chancen zum Erhöhen. Aber wenn man das gesamte Spiel anschaut, brachte die Hecking-Elf gerade mal eine handvoll vernünftige Angriffe in die Hamburger Hälfte. Vieles war Stückwerk, viele lange Bälle nach vorne und vor allem viele, viele verlorene zweite Bälle, weil der Gegner wacher und schneller schien.  Ein Bild, wie es schon am Donnerstag in der zweiten Hälfte auf Schalke zu beobachten war. Die Mannschaft stößt offenbar derzeit kräfte- und konzentrationsmäßig an Grenzen.

Also kritteln wir nicht an Josip Drmic herum, weil er das eigentlich sichere 2:0 nicht gemacht hat, sondern berücksichtigen wir, dass auch unter Hecking nicht alles klappt, was man sich erhofft. Zumal ein paar Dinge nach wie vor gegen Borussia laufen.
Das Verletzungspech ist nicht so dramatisch wie in der Hinrunde, aber irgendwie genauso wirksam: Ohne Stindl, Raffael, Hazard und Traoré fehlt offensiv nicht nur fußballerische Klasse, sondern nach den vielen Spielen in wenigen Wochen auch die Möglichkeit, den verbliebenen Spielern mehr Pausen zu geben. Dass ein fitter Spieler wie André Hahn von der Bank kommt und kämpferisch wie fußballerisch jegliche Bundesligaform vermissen lässt, ist dann in einem Spiel wie heute einfach auch mal zu viel der Last.

Kleiner Exkurs zum Thema Gerechtigkeit und Schiri-Entscheidungen: Wo an diesem Spieltag Bayern-Star Mats Hummels gegen Frankfurt für eine "Monstergrätsche" (mit offener Sohle von hinten) vor dem einschussbereiten Branimir Hrgota gefeiert wurde, bekamen heute gleich zwei Gladbacher (Strobl und Herrmann) für vergleichbare Szenen im Mittelfeld Gelb, obwohl sie jeweils klar den Ball gespielt hatten.

Was bleibt? Den Humor zu behalten - fällt leichter, wenn man nochmal an den unvergleichlichen Fritz von T. und T. denkt, der zwar nach wie vor Schwierigkeiten mit den Fußballregeln hat (Wann ist abseits, was ist foul?) uns aber heute wenigstens Gladbachs Neuzugang "Kolo-Skisack" näherbrachte. 
Und dann gilt es möglichst schnell wieder Kraft zu tanken. Zu hoffen, dass Raffael und Stindl am Donnerstag wieder zur Verfügung stehen. Dass Christensen und Vestergaard auf dem Niveau von heute weiterverteidigen und Yann Sommer so ruhig bleibt und zupackt wie in den vergangenen Spielen. 
Denn auch im dritten Spiel der Schalke-Serie wird dem VfL nichts geschenkt. Die Schalker werden genau beobachtet haben, wie wenig der HSV Borussia heute gestattet hat. Und sie werden es genauso machen wollen. Das bedeutet, dass die Spieler und wir Fans unter Umständen wieder so leiden werden wie heute. Umso wichtiger, dass von den Jungs die Löcher in der Knappen-Abwehr einmal mehr gefunden und auch ausgenutzt werden. 

Erst danach denke ich wieder an die Liga, an das Duell mit den übermächtigen Bayern und den etwas unangenehmen Fakt, dass der Abstand zu Platz 16 binnen kurzem von zwölf auf nur noch sechs Punkte geschrumpft ist. Der Blick nach oben ist nicht falsch, aber der nach hinten muss auch noch sein. Aber erst nach einer hoffentlich wieder magischen Europapokal-Nacht. Ich will am Donnerstag im Stadion meinen Teil dazu beitragen.

Bundesliga 2016/17, 24. Spieltag (12.3.17): Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach 2:1 (Tor für Borussia: 0:1 Christensen)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Kolo-Skisack" ... ich kann nicht mehr :-) :-) :-) Danke dafür !

Adi hat gesagt…

Ja, Hamburg wollte/konnte an dem Tag mehr und wir sind eben nicht die Bayern. Dies nicht nur bei den "glücklichen" SR-Entscheidungen oder Nachspielzeiten, sodnern auch was das "Entlastungspotintial" von der Bank angeht. Andre ist leider von der Rolle und ich wünsche uns, dass er sie schnell wiederfindet. Sein immernoch vorbildlicher Einsatzwille braucht einfach mehr Fortüne ...
Wir sehen am Donnerstag! Auf gehts Borussia!