Freitag, 10. März 2017

Verdient glücklich

Kurz gesagt: Alles im Lot! Das Hinspielergebnis gegen Schalke ist in Ordnung - es lässt Borussia alle Chancen und bewahrt auch vor Leichtsinn. Das Rückspiel im Unterbewusstsein auf die leichte Schulter zu nehmen, wäre ja bei einem zweiten Sieg innerhalb weniger Tage nicht ganz abwegig gewesen. So aber bleibt die Konzentration ganz sicher hoch.

Eins ist klar: Über die gesamte Spielzeit gesehen war das Unentschieden für Gladbach nicht unverdient, aber doch glücklich. Vor allem der "Fels in der Brandung", Yann Sommer, garantierte dafür, indem er sein Team mehrfach hervorragend im Spiel hielt. Jonas Hofmann krönte seine steigende Bedeutung für die Mannschaft endlich mit seinem ersten Tor - und schmälerte den guten Eindruck anschließend durch eine weitere verpasste Riesenchance und zwei leichtfertig verdaddelte Alleingänge. 
Die gesamte Mannschaft belohnte sich letztlich für eine engagierte Abwehrschlacht, in der sie in der letzten halben Stunde kaum noch zum Luftholen kam. Das ist schlecht, weil die Spielkontrolle teils völlig verloren ging, aber es stärkt auch das Selbstvertrauen, wenn man solche Phasen unbeschadet übersteht. 
Man muss heute aber auch die Rahmenbedingungen berücksichtigen. Die natürliche Müdigkeit nach vielen kraftraubenden Spielen und die personellen Schwächungen wogen schwerer als gedacht. Kolo ist noch lange kein Ersatz für Christensen, auch wenn er sich mit fortschreitender Spielzeit von seinem gruseligen Auftakt heute und am Samstag nach der Einwechslung etwas freispielen konnte. 
Dazu kam, dass Vestergaard auf der rechten Innenverteidigerposition nicht ganz so effektiv war wie links. Ihm fehlte sichtlich der gewohnte dänische Abwehr-Partner. Tobias Strobl ersetzte Kramer solide, half viel hinten aus, doch ein Kramer in Galaform wie zuletzt hätte dem VfL heute vielleicht noch etwas besser zu Gesicht gestanden. 
Hinzu kam, dass die Wechsel im Spiel nicht so fruchteten wie zuletzt. Hahn konnte den agilen Johnson in keiner Weise ersetzen und der für letzteren nach links rückende Jonas Hofmann fand auf der anderen Seite keine Bindung mehr zum Spiel. Die zuletzt gut harmonierenden Pärchen Wendt/Johnson und Jantschke/Herrmann bzw. Hofmann waren just in der Phase auseinandergerissen, als Gladbach ein paar Entlastungsangriffe und vielleicht einen erfolgreichen Konter gebraucht hätte. 
Da auch Raffael vielleicht angesichts der ausbleibenden Foulpfiffe in einigen Szenen zunehmend gefrustet wirkte, blieb vorne nur noch der Dauerrenner Stindl übrig - das war natürlich zu wenig, um wirksame Akzente gegen den Schalker Dauerdruck in den letzten 20 Minuten zu setzen. 

Und dann gab es ja auch noch einen Gegner. Es war schon abzusehen, dass sich ein mindestens ebensogut besetzter Bundesligakonkurrent nicht innerhalb von wenigen Tagen zweimal vom VfL so abkochen lassen würde wie am vergangenen Samstag. Schalke zeigte eine gute Reaktion auf das klare 2:4, wenn auch so richtig erst in der zweiten Halbzeit und begünstigt dadurch, dass Borussia mit dem 1:1 zur Pause doch schon ein kleines bisschen zufrieden schien und den Gegner über bissige Zweikämpfe mehr und mehr ins Spiel finden ließ. Bis dahin lief das Spiel eigentlich wie gemalt für die Gäste, die deutlich reifer und zielstrebiger agierten als die Königsblauen.

Zu den Unwägbarkeiten des Spiels gehörte heute leider der ziemlich unberechenbar pfeifende Schiedsrichter Kuipers. Erst warf er mit gelben Karten um sich, verwarnte Strobl in der dritten Minute für ein Allerweltsfoul. Als er nach drei Verwarnungen in kurzer Zeit merkte, dass mit dieser Linie in der Konsequenz nicht allzuviele Spieler den Schlusspfiff auf dem Platz erleben würden, ließ er die Karten trotz harter Fouls häufiger stecken. Im Laufe des Spiels wurde seine Zweikampfinterpretation immer beliebiger, was beide Teams  auszunutzen versuchten, am Ende eher mit Vorteil für Schalke.
Zweimal griff der Referee allerdings auch entscheidend in das Spiel ein, beide Male zuungunsten der Borussia. Das Ausgleichstor für Schalke fiel nach zwei klaren, aber ungeahndeten Fouls an Raffael. 
Und in der zweiten Hälfte hätte Johnson einen Elfmeter bekommen müssen, als er von Kehrer (der auch heute wieder in kaum einem Zweikampf ohne Foul auskam) abgeräumt wurde, ohne dass der eine Chance auf den Ball gehabt hätte. Es wäre dann auch die gelb-rote Karte für Kehrer gewesen, aber sei's drum. Für einen Schiedsrichter mit solcher internationaler Erfahrung war das jedenfalls eine unterirdische Leistung, die zum Glück keine schlimmeren Konsequenzen hatte.

Euro League, Achtelfinale, Hinspiel (9.3.17): FC Schalke 04 - Borussia Mönchengladbach 1:1 (Tor für Borussia: 0:1 Hofmann)

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