Sonntag, 19. März 2017

Versöhnlicher Mutmacher

Na also. Das war eine gute Reaktion von Wendt und Co. auf das bittere Aus in der Euro League.
Die Art und Weise, wie der VfL heute aufgetreten ist - engagiert, unermüdlich kämpfend, laufstark und tapfer - das hat mich mit der sieglosen Scheiß-Woche versöhnt, auch wenn das Prestige-Spiel gegen die Münchner Alleskönner verloren ging. Die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet die ausgepowerte Verlegenheitself die Bayern hätte in die Schranken weisen können war ohnehin nur gering. 
Unter diesen Vorzeichen hat Borussia eine hervorragende Partie abgeliefert, die trotz der erwartbaren Überlegenheit der Gäste bis zur letzten Sekunde offen war. Und dafür muss man neben den üblichen Leistungsträgern Sommer, Vestergaard, Christensen, Wendt, Jantschke auch denen Lob zollen, die in den vergangenen Wochen eher schlecht weggekommen sind oder oft außen vor waren. Josip Drmic hat heute in der kurzen Einwechselzeit ausschließlich gute Aktionen gehabt, der junge Benes zeigte in wenigen Minuten schon, warum man so große Hoffnung auf ihn setzen kann. Elvedi verteidigte bravourös gegen Ribery und wer sonst da noch über seine Seite kommen wollte. Strobl agierte sicherer als in seinen ersten Einsätzen unter Hecking. Und Thorgan Hazard unterstrich eindrucksvoll, was unserem Team ohne ihn fehlt.
 
Und André Hahn? Der rackerte sich auf der ungewohnten Position als defensiver Außenstürmer gegen Robben und Lahm hoffentlich heute aus seinem unerklärlichen Tief. Viele gelungene Zweikämpfe nach hinten, toller läuferischer Einsatz, ein paar sehr gute Ansätze nach vorne: Das war für ihn heute ein Spiel, um durch die Basics des Fußballs wieder Selbstvertrauen zu tanken und die schwachen Einsätze zuletzt aus dem Kopf zu bekommen.

Dazu die Erkenntnis, dass die Verlegenheits-Doppelsechs mit Strobl und Jantschke auch dem Übermittelfeld der Bayern ganz gut Paroli bieten konnte. Die Abwehr ist ohnehin von Woche zu Woche stärker geworden. Wer dem Offensivquartett Robben, Lewandowski, Ribery und Müller weitgehend den Zahn zieht, so wie das heute in den meisten Szenen gelang, der hat etwas geleistet. Und wenn man das Spiel heute mit dem der Hinrunde vergleicht, dann liegen Welten dazwischen - auch wenn es im Ergebnis nur ein Tor Unterschied macht. In der Hinrunde war Borussia ein Spielball der Bayern, kam selten in die Zweikämpfe und noch seltener an den Ball. Nur der Schludrigkeit der Münchner war es damals zu verdanken, dass es nur ein 0:2 wurde und kein Debakel.
Das macht Mut. 

Bliebe als einziger "Verlierer" des heutigen Spiels Jonas Hofmann, der zwar wieder immens fleißig war, aber stets zielsicher die falsche Option wählte, wenn es nach vorne hätte gefährlich werden können. Er war eigentlich an jedem Konter beteiligt, doch es fehlte dann immer das effektive Zuspiel oder auch der Pass zum richtigen Zeitpunkt. Verdammen muss man ihn deshalb nicht. Denn er bekam nach langer Zeit als Verletzter bzw. Reservist zuletzt ungewohnt viel Spielzeit. Das merkte man ihm heute in Form der fehlenden mentalen Frische leider etwas an. Sei's drum, Hofmann ist eine positive Erscheinung im gebeutelten Gladbacher Kader, was auch zeigt, dass sich Geduld mit Spielern meist auszahlt. Hoffen wir, dass auch bei Josip Drmic demnächst der Knoten so richtig platzt. Verdient hätte er es.

Die knappe Niederlage, die vor allem in den letzten zehn Spielminuten nochmal ziemlich auf der Kippe zum 1:1 stand, war dennoch das Ergebnis, mit dem wir nach dem dummen 1:2 beim HSV und dem noch ärgerlichen 2:2 gegen Schalke am besten leben können. Die Abstände nach oben sind trotz zweier siegloser Bundesliga-Wochenenden nicht unüberbrückbar groß geworden, die nach hinten (zumindest auf Platz 16) nicht zu knapp geworden. 
Nach der Länderspielpause warten auf hoffentlich gut erholte Borussen dann die wohl für den Ausgang der Saison entscheidenden Spiele gegen die direkten Konkurrenten vor dem VfL - Frankfurt, Hertha und diese Mannschaft mit dem K im Namen. Wäre schön, wenn wir die nicht auch wieder unter erschwerten Bedingungen, sprich in Personalnot, angehen müssten. In Normalbesetzung sollten die Hecking-Schützlinge sich in diesen drei Spielen zumindest gegenüber der unteren Tabellenhälfte endgültig absichern können. Und das muss nach wie vor das erste Saisonziel sein.

Bundesliga 2016/17, 25. Spieltag (19.3.17): Borussia Mönchengladbach - Bayern München 0:1

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