Samstag, 12. August 2017

Der richtige Gegner

Tolle Atmosphäre an der Hafenstraße, "Feuer" auf dem Spielfeld, ein typisches Pokal-Nervenspiel und ein gutes Ende für den VfL: Der Auftakt der neuen Saison ist gelungen. Aber der Weg zum ersten Pflichtsieg der Saison war hart. Für Spieler und Fans.

Rot-Weiß Essen war der richtige Gegner zur richtigen Zeit. Denn er simulierte das, womit auch die Gegner in der Bundesliga dem VfL das Leben schwer machen werden. Die meiste Zeit ließ die Elf von Ex-Gladbach-II-Trainer Sven Demandt die Borussen gewähren, ließ sie ihr schier endloses geduldiges Passspiel aufziehen und gegen eine massierte Deckung ihre Spielkünste ausprobieren - einmal mehr mit mäßigem Erfolg. 
Das sah zwar ganz ansehnlich aus, was sich die Gladbacher Edelfüße zuspielten, Chancen schlugen in der ersten Halbzeit dabei kaum zu Buche. Immerhin sah das oft schon viel flüssiger, schneller und auch überraschender aus als in den Testspielen. Allein, die Präzision ließ in der ersten Halbzeit zu wünschen übrig.

Gegner RWE war aber auch in der Lage, die Gäste mal aggressiver anzugehen, gegen zu passive Gladbacher selbst Bälle zu erobern und schnell und schnörkellos nach vorne zu spielen. Damit legten sie die Schwächen der VfL-Defensive schonungslos offen - zumindest wenn diese ihre Gegner so sorglos begleitet wie beim 0:1. 
Dieses Gegentor war eines Bundesligisten unwürdig. Dass Traoré am gegnerischen Strafraum den Ball verliert, ist noch nicht weiter schlimm. Er läuft schließlich auch konsequent mit zurück. Dass aber außen wie innen so lasch verteidigt wird; dass völlig unbedrängt von Wendt und Hazard geflankt werden kann; und dass sechs (!) weitere Borussen im Strafraum so schlecht gestaffelt stehen, dass sie tatenlos zusehen müssen, wie ein Angreifer einläuft und einköpft, ist einfach nur schwach. Der einzige, der überhaupt noch in Reichweite des Torschützen stand, war der zurückgeeilte Traoré - ein insgesamt gruseliges Abwehrverhalten!

Aber gut, mit einer verbesserten Einstellung, viel Kampf und einer guten Einwechslung (Hofmann für den zunehmend fahrig werdenden Zakaria) rissen die Hecking-Schützlinge das Ruder ja noch spät, aber natürlich hochverdient rum. Und das mit zwei wirklich sehenswert herausgespielten Toren - ganz ohne Standards (die heute wieder überwiegend Vor-Bremsersche Minder-Qualität aufwiesen).

Was nehmen wir aus diesem Spiel mit zum ersten Liga-Höhepunkt nächste Woche gegen die Böcke aus K***?
Dass die Mannschaft geduldig genug ist, ihr Spiel auch gegen einen Rückstand durchzuziehen. Wie gegen Malaga setzte sich heute kurz vor Schluss die Qualität der VfL-Offensive durch. 
Gut war, dass die Mannschaft der Atmosphäre standgehalten und sich auch nicht hat provozieren lassen - nicht von Mätzchen der Gegner noch von einigen diskutablen Etnscheidungen des Schiedrichtergespanns. 
Positiv war auch, dass die Mannschaft nach dem einem kollektiven Schwächeanfall im Anschluss an den verweigerten Elfmeter in der zweiten Halbzeit den Schalter fand, um ins Spiel zurückzufinden und den Sieg zu erzwingen. 
Und ermutigend war heute die spielerische Variabilität, die vielen Positionswechsel. Das war letztlich auch ausschlaggebend für den Ausgleich, als der eingewechselte Hofmann, der nominell als zentraler Mittelfeldspieler agierte, pötzlich in Mittelstürmerposition auftauchte.

Bedenklich war dagegen wie schon gesagt zeitweise das Abwehrverhalten. Enttäuscht hat mich da vor allem Oscar Wendt, der bei jeder Gelegenheit betont, dass er sich als erfahrener Spieler auch verantwortlich einbringen will. Bei engen Spielen taucht er dann aber regelmäßig ab und fällt eher noch durch nachlässige Zweikampfführung auf. Das passt nicht zusammen. 
Auffällig war auch, dass Denis Zakaria trotz guter Ansätze und ein paar richtig guter Szenen heute auch Lehrgeld bezahlt hat. Er merkt sicher, dass das Tempo in Deutschland noch ein anderes ist als in der Schweiz - eine Erfahrung, die auch Granit Xhaka einst machen musste. Zakaria muss vor allem an seiner Ballannahme arbeiten, denn wegspringende Bälle sind auf seiner Position gefährlich - für die Mannschaft und für ihn, denn sie zwingen in risikoreiche Zweikämpfe, die Folgen haben können, sei es als Gegenangriff, Foul oder gar eine eigene Verletzung.

Erstaunlich war zudem, dass das Team sich trotz einer sehr souveränen Vorstellung in den ersten knapp 25 Minuten relativ schnell aus dem Konzept bringen lässt. Da war der ausbleibende Elfmeterpfiff und direkt im Anschluss ein klarer Eckball, der nicht gegeben wurde. Ein wenig damit gehadert, und schon wurde die Mannschaft hektisch und lud den Gegner zum Führungstreffer ein, von dem sie sich in der ersten Hälfte nicht mehr so recht erholte und damit zugleich die Rot-Weißen ungewollt von Minute zu Minute aufbaute.

Nun gut, es war das erste Pflichtspiel der Saison und es ist sehr wichtig, mit der doch erheblichen Leistungssteigerung am Ende die erste Aufgabe im DFB-Pokal gelöst zu haben. Borussia ist auf dem Weg. Aber es ist noch einiges zu tun, um in der Bundesliga den erhofften Weg nach oben einschlagen zu können. Eine Hürde liegt immerhin nun hinter uns.

DFB-Pokal 2017/18, 1. Runde: Rot-Weiß Essen - Borussia Mönchengladbach 1:2 (Tore für Borussia: 1:1 Hofmann, 1:2 Raffael)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

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you do not mind. I was interested to find
out how you center yourself and clear your mind before writing.

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thoughts out. I do enjoy writing however it just seems like the first 10 to 15 minutes are wasted
simply just trying to figure out how to begin.
Any suggestions or hints? Cheers!

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Thank you for your question!
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However, it is essential that you don't put pressure on yourself if you get stuck. Otherwise you begin hesitating over your skills or feel uncomfortable with your words. In that case, just write down what comes to your mind in that moment, even if you won't need it for your text later. Or have break and start again later.
I hope, my answer is useful for your. Best wishes, write on!