Samstag, 30. September 2017

Balsam für die Seele

Es wäre vermessen, wenn ich heute die Leistung der Borussen über das gesamte Spiel hinweg bewerten würde. Denn ich habe - das erste Mal seit einer sehr langen Zeit - nicht das ganze Spiel gesehen, sondern nur die letzten 25 Minuten. 
Nach allem, was ich bis jetzt an zusätzlichen Infos dazu bekommen habe, habe ich aber nichts Wesentliches verpasst und sogar vielleicht ein paar Nerven geschont, die ich zum Spielende hin gut gebrauchen konnte. 
Die Mannschaft tat sich heute - erneut gegen einen sehr massiert in der eigenen Hälfte stehenden Gegner, genauso schwer wie in den Wochen zuvor. Immerhin ließ man nicht so viele hochkarätige Chancen des Gegners zu - es waren aber immer noch genug, um das Spiel auch verlieren zu können. 
Dass das nicht geschah, war das Befreiendste heute. Ein weiterer hart erkämpfter Dreier, der auch eine gehörige Portion Glück vorne benötigte (nicht nur beim späten Elfmeterpfiff) - genauso wie Pech beziehungsweise Unvermögen des Gegners vor Yann Sommers Tor. Natürlich hätte Harnik drei Minuten vor Schluss statt der Latte das leere Tor treffen müssen, was wohl der Todesstoß für die Hecking-Elf in dieser Partie gewesen wäre. Und Glück war es auch, dass der Ball nach Juli Korbs Flanke Minuten zuvor so passgenau zwischen Fabian Johnsons Körper und der Armbeuge durchflutschte, dass man eben nicht auf Handelfmeter gegen den VfL entscheiden musste.

Der am Ende glückliche, aber aufgrund des deutlich stärkeren Bemühens der Gastgeber verdiente Sieg war vor einer erneuten Saisonstörung namens Länderspielpause immens wichtig: für die vom BVB durchgeschüttelte Mannschaft und für die Fans, die auch etwas Balsam auf die geschundene Seele verdient haben. Ein spät erzwungener Sieg wie der gegen die bis dahin ungeschlagenen 96er stärkt den Glauben an die eigene Stärken. Das kann nie schaden. Und mit 11 Punkten ist der VfL wieder im Soll, die Krise, auf die manches Boulevardblatt schon leise zuschreiben wollte, ist vertagt.
Dennoch gibt es nichts zu beschönigen. Es fehlt Stindl und Co. bis auf wenige Phasen an Mitteln, den Defensivkünstlern unter den Gegnern ihre Ordnung mal gehörig durcheinanderzubringen. Auch in der Schlussphase heute ging meist ein Pass im Mittelfeld nach vorne und dann wieder zwei zurück oder quer. Das änderte sich in der Zeit, die ich live gesehen habe, erst, als Zakaria und Grifo im Spiel waren, die etwas unkonventioneller zu Werke gingen. Ja klar, auch der junge Cuisance zeigt das schon ganz eindrucksvoll. Hut ab auch für seinen feinen Freistoß vor dem 1:0. Aber Spielern wie Raffael und zum Teil auch den emsigen Christoph Kramer und Thorgan Hazard geht diese Raffinesse derzeit etwas ab. Die Scheu vor Risiko, die da mitunter durchscheint, macht Spiele aber schnell auch zäh und das Publikum ungeduldig.
Es fehlt dem VfL außerdem an probaten Mitteln, sich druckvollem Angriffssspiel spielstarker Gegner zu erwehren. Das fällt zugegebenermaßen gegen eher passive Gegner wie Hannover oder Stuttgart nicht ganz so auf. Aber außer Dortmund können auch noch eine Reihe anderer Teams richtig fies dominant spielen. Und die kommen alle erst noch.

Randbemerkungen: Froh bin ich, dass mit Grifo und Jantschke endlich wieder zwei gestandene Alternativen mehr zur Verfügung stehen. Schade fand ich, dass Tobias Sippel nach seinem Alptraumabend in Dortmund heute nicht noch eine Chance auf eine Rehabilitation bekommen hat. Denn auch wenn Yann Sommer wieder fit war: Es hätte dem verlässlichen Ersatzmann sicher gut getan, wenn er nicht mit sechs Gegentoren im Rucksack, für die er noch nicht einmal etwas konnte, auf seinen nächsten Einsatz hätte warten müssen. Sehr schön war, dass auch Julian Korb heute nochmal die Möglichkeit hatte, sich von den Fans zu verabschieden. Ich habe ihn immer für eine Bereicherung unseres Kaders gehalten, er war loyal und hat immer ehrliche Arbeit abgeliefert. Deshalb freut es mich für ihn auch, dass er in Hannover auf Anhieb Stammspieler geworden ist. Alles Gute, Juli!


Bundesliga, Saison 2017/18, 7. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Hannover 96 2:1 (Tore für Borussia: 1:0 Ginter, 2:1 Hazard FEM)

Samstag, 23. September 2017

Gute Besserung

Um zu wissen, dass es längst noch nicht klar ist, wohin die Reise des VfL in dieser Saison gehen wird, hätte es die Abreibung heute in Dortmund nicht gebraucht. 
Wer die bisherigen Spiele verfolgt hat, konnte dort schon sehen, dass unsere Borussia Probleme im Spielaufbau bekommt, wenn ein Gegner aggressives Pressing praktiziert. Dass daraus resultierende Passfehler schnell in guten Torschussmöglichkeiten des Gegners enden. Dass der VfL Schwierigkeiten bekommt, wenn er einem dominanten Gegner hinterherläuft, Gegner im Zweikampf nicht stellen und sich aus der Abwehr nicht befreien kann. Die bisherige Saison hat auch gezeigt, dass die Offensive vielfach vor dem Tor nicht kaltschnäuzig genug ist. Was Stindl und Hazard heute vor Bürkis Tor vertändelt haben, müsste normalerweise zu einem Auswärtssieg reichen. Dass das heute wohl dennoch nicht gereicht hätte, ist natürlich auch klar.
Denn heute traf die Hecking-Elf auf einen Gegner, der diese Defizite alle komprimiert auf 90 Minuten aufgedeckt hat. Im übrigen nicht zum ersten Mal in den vergangenen Jahren. Das muss man akzeptieren und daraus lernen. Denn natürlich war es hervorragend, wie der BVB bei den Toren und einigen weiteren Chancen unsere Defensive aufgerissen hat. Am Anfang vieler Tore standen aber eigene individuelle Fehler: Vestergaard und Ginter jeweils mit Fehlpässen etwa oder der zu kurze Befreiungsschlag vor dem letzten Tor, dem als Tiefpunkt des Abends der Sonntagsschuss von Weigl folgte. Das sind Dinge, die man schnell abstellen muss, weil sie besonders ärgerlich sind. 

Was tiefer liegt, ist die taktische Problematik. Gegen spielstarke Gegner wie Dortmund oder Leipzig gelingt es Borussia nicht, den gewünschten Ballbesitzfußball zu spielen. Man gerät im Gegenteil über weite Strecken des Spiels erheblich unter Druck und in die Defensive. Und diese Rolle unter Dauerfeuer kann das Team nicht so effektiv verteidigen wie es früher unter Lucien Favre mal möglich war. Heute ging es knapp 25 Minuten gut, und dann war Gladbach innerhalb von Minuten waidwund geschossen.
Zieht sich der Gegner hingegen freiwillig zurück und rührt Beton an, wie es Augsburg, Frankfurt oder Stuttgart taten, fehlen Borussia oft die Mittel und die Schnelligkeit im Spiel, um diese Abwehrriegel zu knacken. 

Von außen ist kaum zu bewerten, ob hier nur Nuancen verändert werden müssten, um in die Spur zu kommen oder ob es sich um ein tiefergreifendes Problem handelt, mit dem sich der Verein durch die gesamte Saison schleppen wird. Ein wichtiger Punkt, aber nicht die Ausrede für alles, ist sicher die personelle Situation. Traoré, Grifo, Strobl, Benes, Drmic sind alles Spieler, die eine andere Qualität in so ein Spiel bringen könnten. Dass ein angeknockter Chris Kramer heute nicht voll auf der Höhe war und die beiden Youngster Zakaria und Cuisance letztlich vor der Kulisse im Westfalenstadion zu viel Verantwortung auf den Schultern trugen, spielt auch eine Rolle. Denn bezeichnend war, wie die vermeintlichen Stützen der Mannschaft heute mit untergingen. Kein Wendt, kein Raffael, kein Johnson, kein Vestergaard, kein Stindl und kein Ginter waren in der Lage, ordnend einzugreifen. Die einzige Ausnahme in einer kollektiv schwachen Mannschaft war der bedauernswerte Tobi Sippel im Tor. Immerhin auf dieser Position hat der VfL derzeit keine Probleme, trotz des Ausfalls von Yann Sommer.

Was die Feldspieler angeht, muss sich Dieter Hecking fragen lassen, wohin er den VfL entwickeln will. Für Ballbesitzfußball, wie ihn die Spitzenteams Dortmund, Bayern, aber auch Leipzig oder Hoffenheim spielen, fehlt der Mannschaft im Moment wohl die Klasse, auf jeden Fall aber die Tiefe im Kader, um Formschwächen abzufedern. Für Konterfußball aus einer massierten Deckung heraus fehlt es hinten wie vorne an Effizienz. Kriegt das Trainerteam diese Unwuchten nicht schnell in den Griff, könnte dies für die Saison ein ständiges Auf und Ab bedeuten. Schon allein deshalb hoffe ich auf schnelle und gute Besserung.


Bundesliga, Saison 2017/18, 6. Spieltag: Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 6:1 (Tor für Borussia: 5:1 Stindl)

Mittwoch, 20. September 2017

Debütant weist den Weg

Mit dem hart erarbeiteten Sieg gegen den Aufsteiger Stuttgart hat sich der VfL eine gute Ausgangsposition vor dem Borussenduell am Samstag verschafft. 
Viel zu sagen gibt es über das Spiel eigentlich nicht, denn es war fast eine Kopie des jüngst verlorenen Heimspiels gegen Frankfurt. Mit einigen entscheidenden Unterschieden, denn Borussia ließ sich nicht mit einem frühen Gegentor unter Druck setzen und kam über das in Halbzeit eins oft wieder zu träge quer- bzw. rückwärtsgewandte, aber geduldige Passspiel in der zweiten Halbzeit zum verdienten Erfolg. 
Was machte das möglich? Zum einen ein weitgehend harmloser Gegner, der längst nicht so aggressiv presste wie Frankfurt oder auch Augsburg. Die Schwaben kamen über weite Strecken eher als "VfB Stubenfliege" daher und machten es Stindl und Co. damit leichter als notwendig. Erst als sie zurücklagen, machten die Gäste mehr Druck und stellten mit drei, vier zielstrebigen Angriffen die Gladbacher Abwehr auch mal vor Probleme. 
Ein weiterer Unterschied: Die Hecking-Truppe nutzte diesmal ihre wenigen Chancen. Und bekam schon zum zweiten Mal in dieser Woche einen Foulelfmeter zugesprochen - nicht selbstverständlich bei Borussia. 

Besonderen Anteil am Sieg hatte einer, der erst durch Christoph Kramers erneuten Knockout zu seinem Debüt kam. Mickael Cuisance fügte sich sofort gut ins Team ein und brachte mit seinem Mut zum risikoreichen Pass in die Spitze deutlich mehr Zug in die Gladbacher Angriffe. Er wies gewissermaßen den Weg zum Sieg. Und so hatte er auch gleich an beiden Toren seinen Anteil. Vor dem 1:0 setzte er Raffael gut ins Szene, der anschließend Doppelpass mit Elvedi spielte und abschloss. Von Cuisance kam auch der Freistoß, der zum Elfmeter an Hazard führte. Daneben leistete sich der kecke junge Franzose allerdings auch ein paar leichtsinnige Aktionen, an denen man sah, dass er noch Erfahrung auf Bundesliga-Niveau braucht. Nichtsdestotrotz war es ein bemerkenswerter Einstand. 
Ob das blutjunge Duo Zakaria/Cuisance allerdings schon reif genug ist, um es in der Mittelfeldzentrale mit der geballten Dortmunder Spielfreude aufnehmen zu können, ist eher fraglich. Auch wenn ich den frischen Wind durch die beiden sehr genossen habe - gegen den BVB wäre mir ein Einsatz von Kramer noch deutlich lieber.

Bundesliga, Saison 2017/18, 5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfB Stuttgart 2:0 (Tore für Borussia: 1:0 Raffael, 2:0 Raffael, FEM)

Samstag, 16. September 2017

Der richtige Biss verleiht Flügel

Das war ein eindrucksvolles Comeback, Borussia!
Ein hochverdienter Punkt in Leipzig, und das nach einer schwierigen ersten Halbzeit, in der die Hecking-Schützlinge zwar insgesamt vielleicht sogar die besseren Chancen hatten, in der sie aber dennoch überwiegend hinterherliefen. Die Zweikampfbilanz eher schwach, wenn man denn überhaupt mal in die Nähe der Gegner kam, um diese zu stellen. Andererseits hielt die Defensive gegen zeitweise im Mittelfeld furios aufspielende Leipziger doch über die meiste Zeit das Geschehen vom Tor von Yann Sommer weg.
Die beiden Gegentore wurden den Brauselümmeln allerdings viel zu leicht gemacht. 
Auf dem Weg nach vorn zeigte sich Gladbach hingegen zielstrebiger und schneller als zuletzt - natürlich auch gegen einen deutlich offensiver ausgerichteten Gegner als es Frankfurt und Augsburg waren. Dennoch war unter dem Strich zur Halbzeit noch das Beste, dass Borussia nur ein Tor zurück lag.

Dieser Umstand beflügelte das Team in den zweiten 45 Minuten ganz offensichtlich. 
Bissig, eng am Gegner, ballsicher, dominant und schnell und direkt in Richtung Tor der Leipziger - dass es am Ende nicht zum Sieg reichte, war angesichts der Leistungssteigerung ein verschmerzbarer Wermutstropfen. Denn auf dieser Halbzeit und einer geschlossenen Mannschaftsleistung lässt sich aufbauen.
Dennoch gab es Spieler, die diesem Spiel ihren Stempel aufdrückten - allen voran Denis Zakaria und Christoph Kramer. Zakaria leitete nicht nur beide Tore sehenswert ein (Pass auf Hofmann vor dem Elfer sowie tolle Balleroberung und Pass auf Stindl zum 2:2). Er spielte auch nahezu fehlerlos. In der ersten Halbzeit noch stark auf der Suche nach Kontakt zum Spiel und Gegner, zeigte er sich mit zunehmender Spielzeit immer abgezockter in den Zweikämpfen und mit vielen guten Aktionen nach vorne. Wie ich schon einmal schrieb: Er lernt äußerst schnell. Heute durfte er über 90 Minuten ran und hielt bravorös durch. Etwas glücklich kam er in einem Luftkampf mit Ellenbogeneinsatz ohne Verwarnung weg. Insgesamt eine ganz hervorragende Leistung.

Letzteres gilt auch für seinen immer wieder mal von Fans gescholtenen Nebenmann. Zu Beginn des Spiels noch meist vergeblich dabei, die ordnende Hand der Gäste zu sein, biss er sich in der zweiten Hälfte rein. Er gewann gefühlt jeden Zweikampf, zog Fouls und trieb die Mannschaft zusammen mit Zakaria, Stindl und dem eingewechselten Herrmann immer wieder nach vorne. Zum Glück blieb der Horrortritt von Keita für ihn ohne ernste Folgen.
Gleiches hoffe ich auch für Jonas Hofmann, der irgendwie jedes Mal, wenn er sich in die Stammelf gespielt hat, von Verletzungen ausgebremst zu werden scheint. Hoffentlich ist es diesmal nichts langwieriges. Denn auch wenn sich Patrick Herrmann heute super präsentierte: Hofmann war in der ersten Halbzeit noch einer der besten beim VfL. Natürlich hätte er in der 2. Minute das 1:0 machen müssen. Doch durch sein variables Spiel zeigte er mehrfach, wie wetvoll er für das Spiel der Borussia sein kann. Auch die Elferszene zeigte das, als er sich gedankenschnell auf den Weg in den Strafraum gemacht hatte.
Und weil es gerade um diese Szene geht: Ausgangspunkt war dafür der schnelle und präzise Einwurf von Oscar Wendt in den Lauf von Hofmann. Auch wenn Wendt in der ersten halben Stunde wieder mit einigen planlos weggeschlagenen Bällen und mancher verschnarchten Aktion auffiel - das heute war eine klare Leistungssteigerung, vorne wie hinten. Weil ich zuletzt viel an ihm rumgemeckert habe, soll das auch nicht unerwähnt bleiben. 

Ach ja: Das Schiedsrichter-Gespann um Marco Fritz lag zu Ungunsten von Borussia mehrfach falsch. Unter anderem wurde zweimal bei guten Chancen der Leipziger eine Abseitsstellung übersehen, einmal ein strafwürdiger Rempler gegen Zakaria, im Anschluss dessen Forsberg fast das 3:1 gemacht hätte. Gelb für Stindl bei einer handelsüblichen Kollision im Mittelfeld war ein Witz. Das Foul von Upamecano an Stindl im Strafraumeck war dann die klarste Fehlentscheidung gegen Borussia. Da hätte es gerade auch für einen Videoschiedsrichter keine Zweifel geben dürfen. 
Allerdings lag Fritz auch beim ersten Elfer, bei zwei Theatereinlagen der Gastgeber im VfL-Strafraum und beim Platzverweis gegen Keita richtig. Letztlich also Licht und Schatten wie bei den beiden Mannschaften. Und zum Glück ohne spielentscheidende Wirkung.


Bundesliga, Saison 2017/18, 4. Spieltag: RB Leipzig - Borussia Mönchengladbach 2:2 (Tore für Borussia: 1:1 Hazard FEM, 2:2 Stindl)

Samstag, 9. September 2017

Unter dem eigenen Anspruch

Nicht viel dazugelernt - auf diesen kurzen Nenner lässt sich das Spiel heute und die erste Saisonniederlage im Heimspiel gegen Frankfurt bringen. Und so, wie das 2:2 von Augsburg in Ordnung ging, ist auch der Sieg der Gäste nicht unverdient. Klar, nach den ersten guten 25 Minuten stellte sich die Eintracht nur noch hinten rein und verlegte sich auf Fußballverhinderung. Doch erstens ist das legitim. Und zweitens muss sich Borussia daran messen lassen, wie man mit solchen Herausforderungen umzugehen weiß, wenn man gern wieder in die Reichweite der Europapokal-Plätze kommen möchte.

Und da muss man leider sagen, kann der VfL im Moment nicht überzeugen. In der Anfangsphase wurde die Mannschaft genauso überrumpelt vom aggressiven Pressing des Gegners wie vor zwei Wochen - sie hatte Glück, dass es dank Boatengs Abseitsaussetzer nicht wieder schon nach wenigen Sekunden 0:1 stand. Und im Laufe des Spiels, als Kramer und Co. dann endlich die Spielkontrolle hatten, war das Spiel in der Hälfte der Eintracht zu wenig zwingend, es gab zu viel Quergespiele und zu wenig Tempo in den Aktionen.

Das Ergebnis waren ganz wenige erstklassige Chancen und das Gefühl, dass der VfL noch weitere 90 Minuten hätte spielen können, ohne Torgefahr auszustrahlen. Auch wenn die Frankfurter heute geschickt und clever verteidigt haben und in der ersten Halbzeit die Schwächen in einer lasch agierenden Gladbacher Defensive offenlegten: Borussia wäre gut beraten, sich an die eigene Nase zu fassen. Denn wie schon für ein paar Minuten gegen Köln und eine Halbzeit in Augsburg blieb die Hecking-Elf auch heute einiges schuldig. Und die Auswechslungen brachten zwar etwas Schwung, aber keine Wende.

Mich hat gewundert, warum Denis Zakaria, in der ersten Halbzeit der beste Mann, auch diesmal wieder frühzeitig duschen gehen musste, obwohl doch gerade seine Passsicherheit und die eine oder andere unkonventionelle Aktion in der Schlussphase des Spiels hätte helfen können. In den ersten beiden Spielen musste er jeweils gelbbelastet vom Feld, das vermied er heute mit deutlich verbessertem Zweikampfverhalten. Warum er durch Hofmann ersetzt wurde und nicht der erneut deutlich unter seinem Leistungsvermögen agierende Oscar Wendt, der durch die Umstellung auf Dreierkette nach der Halbzeit in der Abwehr "überflüssig" wurde, das habe ich nicht verstanden. 

Ein paar Worte will auch mal wieder zum Schiedsrichter verlieren, auch wenn ich das Gespann ausdrücklich nicht mit dem Ausgang des Spiels in Zusammenhang bringen will. Denn verloren hat Borussia heute ganz allein. Sehr positiv fand ich die üppige Nachspielzeit, die endlich einmal angemessen berücksichtigte, wie der Gegner Zeit zu schinden versuchte. Das fing ja schon in der ersten Halbzeit an und fand seinen Höhepunkt in der Einlage von Gacinovic, der kurz vor Schluss im fairen Zweikampf mit einem Gladbacher erst ins Aus rollte und verletzt liegenblieb, um dann zurück aufs Spielfeld zu robben. Die folgende Spielunterbrechung kostete Minuten, die Kampka zum Ärger der Gäste aber konsequent nachspielen ließ.
Weniger gut gefiel mir seine nachlassende Linie in der Schlussviertelstunde. Erst gab er zwar die korrekten Verwarnungen gegen Fernandes (der schon in der ersten Halbzeit hätte Gelb sehen müssen für ein heftiges Einsteigen gegen Raffael) und gegen Vestergaard. Doch dass dann Hazard Gelb sah, ohne gefoult zu haben und Villalba (gutes Debüt!) für den ersten Zweikampf und ein harmloses Aufstützen, das trübte doch den insgesamt guten Eindruck des Referees. 
Dass der Schiri Abrahams Hand auf Bobadillas Schulter nicht ahndete, als der Frankfurter als letzter Mann den Neuzugang des VfL aus dem Konzept brachte, sodass der den vor ihm und Hradecky aufspringenden langen Pass nicht zu verwerten wusste: geschenkt. Das war wohl nicht genug Behinderung. 
Die folgende Szene der beiden im Eintracht-Strafraum war für mich aber eindeutiger. Erst traf Abraham Boba mit dem Knie, dann schubste er ihn mit beiden Händen weg. Dass da auch der Videoschiedsrichter in der Zeitlupe kein regelwidriges Einsteigen sah, ist mir unverständlich. Aber was nützt es? Vielleicht hätte dem VfL ja heute auch nicht mal ein Elfmeter zum Ausgleich verholfen.


Bundesliga, Saison 2017/18, 3. Spieltag: Borussia Mönchengladbach -Eintracht Frankfurt 0:1