Samstag, 28. Oktober 2017

Nervenstark und raffiniert

Es war nicht alles Gold, was heute glänzte. Aber es war ein Spiel, das in die richtige Richtung weist für diese noch so unschlüssige erste Saisondrittel des VfL. Und wenn ich die bisherigen neun Spiele so rekapituliere, war der Sieg in Sinsheim heute vielleicht die beste Leistung, die Borussia in der Bundesliga in dieser Spielzeit gezeigt hat. Denn bisher waren es immer nur Teile von Spielen, die begeistern konnten. Über die komplette Spielzeit gelang das sonst nur gegen äußerst schwache Bremer. 
Auch heute gab es ein paar Minuten, in denen Sommer und Co. das Spiel hätten verlieren können, weil sie den Hoffenheimern Türen öffneten, die man besser geschlossen hält. Aber es gab diesmal keine Phase, in der die Mannschaft überfordert war oder Gefahr lief, auseinanderzubrechen, wie es ihr gerade vor einer Woche gegen Leverkusen passiert war.
Das Spiel heute war aus Gladbacher Sicht nicht so dominant geführt wie andere. Der Gegner hatte schließlich auch einiges zu bieten. Aber es war ein Spiel, in dem die Mannschaft ihr Spiel weitgehend durchbringen konnte, weil sie die Konzentration meist hoch und die Ordnung be-hielt.
  Die wichtigste Lektion, auch nach Gegentoren geduldig zu bleiben und nicht unüberlegt nach vorne zu rennen, hat die Hecking-Elf heute gleich vorbildhaft umgesetzt. Es war eindrucksvoll, wie sie dem Spiel in der zweiten Halbzeit von Minute zu Minute mehr ihren Stempel aufdrücken konnte und sich dann auch endlich mit Toren belohnte. Gerade nach der zweiten Halbzeit gegen Leverkusen war von manchen Fans ja schon wieder die Einstellung der Spieler in Frage gestellt worden. Darauf hat das Team, glaube ich, heute eine eindrucksvolle Antwort gegeben. Die Mannschaft ist intakt, sie ist auch nervenstark. Aber sie ist auch noch in Teilen recht jung und von gewissen Spielverläufen oder taktischen Änderungen des Gegners zu beeindrucken. Heute immerhin machte es den Eindruck, dass die Hecking-Schützlinge um ein Erfahrungs-Level nach oben geklettert sind.
 
Aber auch darüber hinaus hat die Partie einige aufschlussreiche Erkenntnisse gebracht. Die Außenverteidigerpositionen sind noch immer die Sorgenkinder im Mannschaftsgefüge. Wendt steigerte sich mit dem Team erst in der zweiten Halbzeit, Tony Jantschke biss sich in seine Aufgabe rein, er bringt auch etwas mehr Stabilität ins Gefüge, braucht aber natürlich noch Spielpraxis. Umso erfreulicher, dass die Versetzung von Jantschkes Vorgänger auf rechts - Nico Elvedi - in die Innenverteidigung erfreulich reibungslos funktioniert hat. Egal ob neben Ginter (wie in Düsseldorf) oder neben Vestergaard - diese Woche hat gezeigt, dass der Schweizer jetzt auch reif für diese Position ist. Sandro Wagner und Mark Uth sahen gegen Elvedi/Vestergaard kaum Land, gefährlich waren heute fast ausschließlich andere Hoffenheimer.
Dass die vermeintliche Stammelf des Saisonanfangs durchaus auch eine innermannschaftliche Rotation verträgt, bewies genauso Matthias Ginter, der heute vor der Abwehr eine richtig gute Rolle spielte. Ballsicher, fast ohne Leichtsinnigkeiten, und im Spiel nach vorne mit einigen guten Aktionen (ganz abgesehen natürlich von seinem Tor), zeigte der Ex-Dortmunder, warum er auf mehreren Positionen zu einem Führungsspieler der Mannschaft werden kann.


Einer, der das unumstritten bereits ist, ist Lars Stindl - auch wenn er dies nicht durch lautstarke Kommandos oder Gesten auf dem Platz deutlich macht, sondern durch seine giftige und unspektakulär-effektive Spielweise, die oft gar nicht so auffällt. Aber wer sich mal genauer anschaut, wo die gefährlichen Angriffe des VfL ihren Ausgangspunkt haben, wird sehr häufig auf einen Ballgewinn Stindls im Zweilkampf oder auf ein geschicktes Anlaufen durch den Kapitän stoßen, das zur Balleroberung führt. Damit war er heute ein enorm wertvoller Spieler auf dem Platz, auch wenn andere heute eher im Rampenlicht standen. Auf einen Raffael zu verzichten, das geht immer mal wieder, das hat auch das heutige Spiel gezeigt. Ohne Stindl dagegen fehlt Borussia das Herzstück - selbst wenn er nicht als Vollstrecker glänzt wie im Moment.

Der Auffälligste war gleichwohl heute Vincenzo Grifo, der sein Startelfdebüt mit einer richtig guten Partie, zwei bärenstarken Torvorlagen und einem Pfostenschuss zum Zunge schnalzen rechtfertigte und auch defensiv emsig ackerte. Der Deutsch-Italiener brachte heute die Raffinesse ins Gladbacher Spiel, die man von Johnson und Herrmann nicht erwartet. Wobei sich auch diese beiden heute steigern konnten, vor allem Herrmann, der durch Hofmanns Verletzung ungeplant schnell reinkam und zunächst völlig neben sich zu stehen schien, dann aber immer besser in Fahrt kam. Schade, dass ihm das dringend nötige Erfolgserlebnis - ein strammer Schuss aus spitzem Winkel unter die Latte - durch den Abseitspfiff genommen wurde.
Es deutet also wieder einiges darauf hin, dass der VfL heute einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht hat. Aber wie eingangs gesagt: Es ist noch lange nicht alles gut. Selbst wenn ein Sieg gegen Hoppelheim (und mehr noch: im Hoppelheimer Stadion) für uns Fans in der Bundesligageschichte immer noch etwas ganz besonderes, weil Seltenes, ist.

Das interessiert den nächsten Gegner Mainz wahrscheinlch aber nicht die Bohne. Woran ist also als nächstes zu arbeiten? Zum Beispiel an der Abstimmung in der Defensive. Unter Favre war einkalkuliert, dass der Gegner auch ohne große Gegenwehr von außen flanken konnte, weil im Zentrum sehr stark verteidigt wurde. Obwohl Borussia in dieser Zeit sehr viele Flanken zuließ, fielen kaum Gegentore aus solchen Situationen. Spieler wie Jantschke und Oscar "Ich-hampele-ein-bisschen-vor-dem-Gegner-herum-verhindere-aber-die-Flanke-nicht" Wendt sind noch ein bisschen so geprägt. Doch das Spiel hat sich weiterentwickelt und es ist noch kompliziert und wendiger geworden. Heute reicht es nicht mehr, das entweder-oder (flanken lassen oder Flanken blocken) zu beherrschen, weil die meisten Mannschaften ihr Gewicht im Spiel blitzschnell verlagern können - auf den schnellen Doppelpass im Zentrum oder auch wieder zurück auf die Flügel, mit folgender langer Flanke oder dem flachen Pass in den Rücken der Abwehr.

Und so gibt es immer wieder Situationen im Gladbacher Defensivspiel, bei denen man das Unheil von außen bereits heranziehen sieht, bevor es geschieht. Die Kopfballchance von Wagner war heute so ein Fall. Auch die Probleme, die Tony Jantschke auf dem Flügel anfangs mit dem Ex-Gladbacher Nico Schulz hatte und die letztlich zum Gegentor führten, gehörten dazu. 
Der VfL hat inzwischen 18 Gegentore geschluckt, und längst nicht alle waren Kontertore. Viele aber wären zu verhindern gewesen, wenn die Balance zwischen Außen- und Innenverteidigern sowie ihren Vordermännern besser gewesen wäre. So wie heute, als die Schulz-Flanke von Elvedi zu kurz geklärt wurde - zumindest zu kurz, um die eigenen Mitspieler in die Lage zu versetzen, den Ball zu sichern. Ergebnis war, dass Demirbay am Strafraum nahezu unbedrängt, wenn auch etwas glücklich, zum 1:0 einschießen konnte. 

Wenn Borussia sich stabilisieren und im oberen Tabellendrittel mitmischen will, sollte die Mannschaft vorne noch zählbar effektiver werden. Vor allem muss sie aber solche einfachen Gegentore verhindern. Denn dass die Mannschaft einen Rückstand drehen kann, hat sie schon oft gezeigt, nicht erst heute. Es gibt nur keine Garantie darauf, dass das immer klappt, wenn man es braucht.      


Bundesliga, Saison 2017/18, 10. Spieltag: TSG Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach 1:3 (Tore für Borussia: 1:1 Hazard, 1:2 Ginter, 1:3 Vestergaard)

Dienstag, 24. Oktober 2017

Sauber erarbeitet

Das war wichtig! Borussia hat die unbequeme Hürde Düsseldorf genommen, wenn auch nicht mit Bravour, sondern eher durch viel, viel Arbeit. Dass wir trotzdem wieder bis zur letzten Sekunde zittern mussten und die Mannschaft vor allem beim Elfmeter der Fortunen einen gehörigen Schluck aus der Glücks-Pulle gebraucht hat, das ist mir jetzt mal gerade egal. Hauptsache in der nächsten Runde!

Heute hat sich die personell erstmals deutlich veränderte Elf von Dieter Hecking gut durchgebissen, hat das Spiel gegen einen erstligatauglichen Zweitligisten weitgehend im Griff gehabt, ohne jedoch die Souveränität oder die Durchschlagskraft zu entwickeln wie in der ersten Halbzeit gegen Leverkusen. Das lag sicher auch daran, dass Spieler wie Traoré, Raffael und Wendt weiterhin noch von ihrer Bestform entfernt sind. Auch heute war wieder Thorgan Hazard die herausragende kreative Kraft im Offensivspiel, während Stindl und Raffael eher als Verbindungsspieler glänzten, die sich teilweise sehr tief fallen lassen. Das macht viele Kombinationen von hinten heraus geschmeidig anzusehen. Doch in der gefährlichen Zone am und im Strafraum des Gegners fehlt dann dafür oft die richtige Anspielstation oder der Stürmer, der auch gefährlich zum Abschluss kommt und nicht geblockt wird. Das goldene Tor heute fiel denn auch wieder nach einer schönen Einzelaktion - und mit der freundlichen Mithilfe des Gegners.

Doch wie zerbrechlich das über viel Ballbesitz und gute Angriffe aufgeladene Selbstvertrauen der Borussen noch ist, zeigt sich eigentlich in jedem Spiel - dann, wenn der Gegner das Tempo erhöht oder in den offenen Schlagabtausch-Modus schaltet. Wenn dann auch noch - wie heute - ein Schiedsrichter Foulspiele ständig als zulässige Härte durchwinkt, ist die Gefahr für Gegentore nach Ballverlusten natürlich groß. Die Angst davor merkte man den VfL-Akteuren nach dem Desaster am Samstag bisweilen auch heute an. Selbst der freche Mickael Cuisance war merklich beeindruckt. Heute spielte er äußerst schwach und hätte auch schon zur Halbzeit ausgewechselt werden können. Doch da sein Handeln keine negativen Auswirkungen hatte, kann man ihm diese Lerneinheit auch als gute Erfahrung für seine weitere Entwicklung gönnen. Dieter Hecking muss nur aufpassen, dass er den Jungen nicht überfordert. Im Vergleich mit Denis Zakaria merkte man heute schon den Unterschied an spielerischer Reife und der größeren Erfahrung im Profibereich bei den beiden Youngstern. Und das, was Jonas Hofmann auf der Position zeigt, ist kaum weniger wertvoll.

Gut gefallen hat mir heute, dass die umgestellte Abwehrkette mit Elvedi und Ginter innen sicher gestanden hat. Gut, die Offensive der Düsseldorfer war jetzt auch kein Orkan, aber Elvedi als Alternative für innen zu wissen, ist beruhigend; genauso wie der abgeklärte Auftritt von Tony Jantschke der Mannschaft heute gutgetan hat. Dass Jannik Vestergaard mal eine Pause bekommen hat, fand ich auch logisch. Nicht, weil er zuletzt ein paar Schwächen offenbart hatte, sondern weil er in den vergangenen Monaten mit am meisten auf dem Feld stand. Ein solche Auszeit bräuchte nun aus meiner Sicht aber auch der gute Oscar Wendt mal. Auch heute war er in der Rückwärtsbewegung mehrmals die leicht überspielbare Achillesferse der Borussia.

Aber egal. Mit dem Sieg im Gepäck lässt sich nun mal kurz durchschnaufen. Und vielleicht lässt sich ja mit diesem Rückenwind auch bei der TSG Hoppelheim was machen. 

DFB-Pokal 2017/18, 2. Runde: Fortuna Düsseldorf - Borussia Mönchengladbach 0:1 (Tor für Borussia: 0:1 Hazard)

Sonntag, 22. Oktober 2017

Unverlierbares verloren

Was soll man dazu sagen? Der VfL hat ein Spiel verloren, das eigentlich nicht zu verlieren war. Aber nicht nur das. Aus einem hoch überlegen geführten Spiel ließ sich die Hecking-Elf von einer keineswegs herausragenden Leverkusener Mannschaft binnen Minuten in einen Alptraum stoßen, der in der jüngeren Vergangenheit seinesgleichen sucht. Und keiner von uns weiß, in welche Richtung die Reise in dieser Saison geht.

Bis auf die jämmerliche Torausbeute - es hätte nach 45 Minuten mindestens ein Drei-Tore-Vorsprung auf der Anzeigetafel stehen müssen - machte das Team in Halbzeit eins nahezu alles richtig. Der Gegner wurde in den Zweikämpfen beherrscht, er kam selten in Strafraumnähe (zweimal aber gefährlich) - und die Angriffsmaschine lief mit feinen Pass-Stafetten (nicht nur beim 1:0) auf Hochtouren. Das Spiel verlief wie gemalt. Und genauso schien es nach Wiederanpfiff weiterzugehen. 
Doch nach der nächsten großen Chance vor dem Leverkusener Tor kippte das Spiel völlig. Weil Borussia nicht mehr so aufmerksam verteidigte, sich mit der Wirkung der Leverkusener Taktikänderung (Einwechslung von Brandt) zu lax auseinandersetzte, ein wenig Pech in den 50:50-Zweikämpfen hatte und sich durch zwei ganz gute Angriffe der Gäste - wieder einmal - mannschaftsweit verunsichern ließ. Die Folge waren das blöde Ausgleichstor und kurz darauf die Entscheidung per Doppelschlag. Lasche Verteidigung wieder einmal von Wendt beim 1:2 und schon in der Entstehung durch Lars Stindl, der den Angriff an der Mittellinie nicht notfalls durch ein Foul unterband, weil er das Unheil nicht heraufziehen sah. Dann der durchaus foulverdächtige Zweikampf im Mittelfeld, bei dem Cuisance den Kürzeren zog und die aufgerückte Gladbacher Hintermannschaft zum 1:3 anschließend kalt erwischt wurde. Die anderen beiden Tore schenke ich mir, an beiden standen eklatante individuelle Fehler am Anfang der Fehlerkette, und leider kann man auch von einem Yann Sommer nicht an jedem Tag verlangen, dass er alle Eins-gegen-eins-Duelle für sich entscheidet.

Das Schlimme daran ist, dass trotz dieser fünf Nackenschläge das Spiel nicht hätte verloren gehen müssen. Auch in der zweiten Halbzeit gab es genügend gute Einschussmöglichkeiten, das Spiel hätte also durchaus eine andere Wendung nehmen können. 
Soweit das Offensichtliche. Doch damit ist es nach so einem Spiel nicht getan. Borussia 2017 ist eine Wundertüte, das haben wir schon zur Genüge erfahren. Doch nach der 1:6-Klatsche in Dortmund war dieses Spiel schon das zweite in dieser Saison, in dem die Mannschaft phasenweise defensiv völlig überfordert schien, wenn auch bei sehr unterschiedlichen Spielverläufen.
Das hat natürlich auch damit zu tun, dass in Elvedi, Zakaria, Cuisance drei sehr junge Spieler auf Schlüsselpositionen eingesetzt waren. Die spielten in den ersten 45 Minuten mutig und famos auf, um danach schmerzhaft die Flügel gestutzt zu bekommen. Aber auch wenn diese Jungen Lehrgeld zahlen und Fehler machen, etwa indem sie nach Rückständen zu ungestüm agieren oder in Zweikämpfen zu viel riskieren - es standen in Dortmund und auch gegen die Pillen acht gestandene Bundesligaprofis neben ihnen, von denen man erwarten können muss, dass sie kühlen Kopf bewahren. Aber wie schon in der vergangenen Saison fehlt offenbar jemand, der auf dem Feld in der entscheidenden Situation die richtigen Ansagen macht und das Spiel vielleicht auch mal beruhigt. In anderen Partien gelang dies deutlich besser, aber gerade gegen offensivere Gegner scheint die Verlockung zu groß zu sein, in kritischen Phasen den offenen Schlagabtausch anzunehmen, mit dem Risiko, unterzugehen.
Das Spiel am Samstag wurde zwischen der 50. und 62. Minute verloren, und da lief der VfL für jeden Zuschauer sichtbar ins offene Messer, wenn auch mit den besten Absichten, nämlich die Tore zu machen, die man vorher sträflich liegengelassen hatte. 
Die wichtige Frage ist: Was machen diese beiden hohen Niederlagen mit der Mannschaft? Und die doch (mit ausnahme des Bremen-Spiels) immer wiederkehrende Abschlussschwäche? Sind Stindl und Co. gefestigt genug, das wegzustecken? Oder verkrampft die Mannschaft mehr und mehr, wenn die Chancen nicht genutzt werden - weil sie weiß, dass das gegen bessere Teams bitter bestraft werden kann? Ich weiß es nicht. Aber für mich gab es am Samstag schon nach der ersten guten Viertelstunde einen ersten Bruch im Spiel, nachdem Thorgan Hazard den Ball aus 3 Metern nicht an Bernd Leno vorbeigebracht hatte. In  den folgenden Minuten wirkte der VfL fahrig und ermöglichte den Gästen die ersten Gelegenheiten quasi aus dem Nichts. Zwar fing sich die Mannschaft danach wieder und kam wieder gut ins Rollen. Doch nach der Halbzeit schien es genauso. Gleich eine verpasste gute Gelegenheit zu Beginn, dann fingen die Nerven an zu flattern und das Unheil nahm seinen Lauf.
Nun ist Dieter Hecking gefordert wie vielleicht noch nie zuvor in seiner Amtszeit. Die jungen Wilden vom Feld zu nehmen, wäre falsch und auch nicht gerechtfertigt. Aber er muss Stindl, Johnson, Wendt, Raffael, Hazard, Vestergaard und Ginter in die Pflicht nehmen, damit nicht zu viel Verantwortung auf den Schultern von Zakaria und Cuisance lastet. Dass diese Mannschaft zusammenarbeiten kann, hat sich nicht zuletzt auch am Samstag in den ersten 50 Minuten gezeigt. Da wurden Ballverluste schnell wieder wettgemacht, weil der Nebenmann im Zweifel aufgepasst hatte und den Ball zurückholte. Das gelang in der zweiten Halbzeit nicht mehr. Und das muss allen eine Lehre sein.


Bundesliga, Saison 2017/18, 9. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 1:5 (Tor für Borussia: 1:0 Johnson)

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Einen schwachen Gegner stark beherrscht

Es gibt Tage, da geht alles auf, was du dir vorgenommen hast. Und es gibt Tage, da funktioniert nichts. Das Spiel in Dortmund gehört zur zweiten Kategorie, das in Bremen zum erstgenannten. Da zwischen diesen beiden Auftritten nicht allzuviel Zeit liegt, lässt sich aus meiner Sicht im Moment vorsichtig nur eins konstatieren: Der VfL ist auf einem guten Weg, aber längst noch nicht so stabil, wie es der jüngste Auftritt im Weserstadion vermuten lassen könnte.

Fraglos hat die Mannschaft in Bremen eins der souveränsten Auswärtsspiele der vergangenen Jahre gezeigt, und - das ist in diesem Zusammenhang nicht selbstverständlich - es auch noch sicher und zu Null gewonnen. Die Chancenverwertung war im Vergleich zu den Spielen zuvor annehmbar - in der ersten Halbzeit sogar vorzüglich, weil die Tore von Stindl (Weltklasse!!!) und Vestergaard (wunderschön) gegen einen ohnehin verunsicherten Gegner frühzeitig die Weichen auf Sieg stellten. Das phasenweise eher unattraktive quer- und zurücklastige Kombinationsspiel war ebenfalls wieder da. Es erfüllte diesmal aber seinen Zweck. Die Hecking-Elf spielte den Gegner effektiv wund - Borussia fand immer wieder mit einem überraschenden Tempowechsel oder dem Pass in die Spitze Wege, die Bremer Defensive in Schwierigkeiten zu bringen.

Das große Aber in der Bewertung dieses Sieges ist für mich allerdings der Gegner. Bremen war schwach - schwächer als zu erwarten war. Der Versuch, mit Pressing Druck auf die Gladbacher Abwehrspieler auszuüben, wurde nur halbherzig umgesetzt, sodass Vestergaard und Co nicht, wie in den anderen Spielen zuvor, regelmäßig in die Bredouille gerieten. Dazu kamen bei den Norddeutschen viele individuelle Schwächen, die Borussia gute Chancen und ein relativ entspanntes Spiel ermöglichten. Gegenspieler Belfodil ließ zum Beispiel beim 2:0 Vestergaard allein hochspringen, Thorgan Hazard war an diesem Tag von keinem Bremer in den Griff zu bekommen. Wäre der Werder-Keeper nicht so gut in Form gewesen, hätte es wohl ein Debakel für Bremen gegeben.
Andererseits waren die Bremer auch nicht in der Lage, ihre eigenen Chancen konsequent zu nutzen. Wäre der Fußballgott an diesem Tag ein wenig ungerechter gewesen, hätte er dem SVW durchaus einen Punkt bescheren können.

Was also nimmt man aus diesem Spiel mit? Selbstvertrauen, sicher. Den Eindruck, dass sich auch die zuletzt eher schwächelnden Spieler wie Raffael und besonders Oscar Wendt verbessert zeigten. Die begründete Hoffnung, dass Thorgan Hazard, in diesem Spiel klar der beste Gladbacher, auf dem Weg zu alter Stärke ist. Ihm fehlt vielleicht nur noch, dass mal einer dieser Bälle reingeht, die er sich super erarbeitet und mit denen er am Sonntag immer nur zentimeterweit am Torerfolg vorbeischrammte.

Am nächsten Samstag gegen die im Vergleich mit Bremen und Hannover deutlich stärker einzuschätzenden Leverkusener wird sich zeigen, ob der glatte Sieg an der Weser eher am eigenen dominanten Auftritt oder an der Schwäche des Gegners lag. Darauf bin ich sehr gespannt. Denn natürlich möchte ich gern glauben, dass die Mannschaft nun ihren Rhythmus und ihre Balance gefunden hat. Aber das leistungsmäßige Auf und Ab im Jahr 2017 lässt mich doch eher mit Vorsicht an diese Hoffnung herangehen. 
Immerhin hat die Mannschaft jetzt mit Grifo, Traoré, Cuisance und (hoffentlich) Hofmann und Bobadilla auch wieder Alternativen auf der Bank, die einem festgefahrenen Spiel noch eine andere Wendung geben können. Leider scheint darüber Patrick Herrmann derzeit ein wenig abgehängt zu sein. Es würde mich freuen, wenn auch er zu alter Stärke zurückfinden würde - und zwar bei uns, nicht bei einem anderen Verein. Dass die Situation für ihn im Moment alles andere als befriedigend ist, kann sich jeder ausmalen.

Bundesliga, Saison 2017/18, 8. Spieltag: Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 0:2 (Tore für Borussia: 0:1 Stindl, 0:2 Vestergaard)