Sonntag, 14. Januar 2018

Ein Skandal und alte Probleme

Ich hätte mich wirklich mal wieder gern auf das rein Sportliche konzentriert, was sich zwischen zwei Mannschaften - dem VfL und seinem Gegner - in 90 Minuten abgespielt hat. Doch das gelingt mir auch heute nicht. Denn ich kann zwar erkennen, warum Borussia das erste Spiel der Rückrunde verloren hat. Wenn man die entscheidenden Szenen, vor allem die erschreckend schwach verteidigten Situationen vor den Gegentoren und die erneut schwache Torausbeute trotz bester Einschussmöglichkeiten anschaut, hat man die Hälfte davon schon erzählt.

Ich bin aber nicht bereit, die Derbyniederlage nur an diesen Fehlern festzumachen. Denn der Kölner Erfolg hatte heute vor allem einen Namen: Felix Zwayer. Ein Schiedsrichter, der trotz eines eigentlich recht einfach zu leitenden Spiels Bundesligareife vermissen ließ. 
Das Endergebnis ist aus zwei Gründen der blanke Hohn: Zum einen wegen des in der 86. Minute verweigerten klaren Foulelfmeters an Hofmann, den der Schiedsrichter trotz Zeitlupen und Wiederholungen aus allen Blickrichtungen auch beim Videobeweis nicht erkennen mochte. 
Besonders albern ist das, wenn man sich erinnert, dass in der Hinrunde mehrere Gelbe Karten gegen Borussen verteilt wurden, obwohl sie bei der Grätsche jeweils so deutlich den Ball gespielt hatten wie Hofmann vor Meré am Ball gewesen war. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass Hofmann noch zum Abschluss kam - denn das war kein kontrollierter Schuss, sondern ein durch den Körpereinsatz des Gegners beeinträchtigtes "aufs Tor spitzeln". Ich möchte trotz meiner Wut gar nicht spekulieren, warum ein angeblicher Spitzenschiedsrichter bei diesem Spielstand und bei dieser Spielkonstellation zugunsten eines in der Hinrunde oft benachteiligten Kölner Teams eine solch fragwürdige Entscheidung trifft. Es ist egal - diese Entscheidung ist für mich einfach ein Skandal - der die ganzen Debatten um den Videobeweis und die schönen Versprechungen in der Winterpause gleich wieder ad absurdum führt.

Nicht viel weniger skandalös ist der zweite Grund, der mich mit diesem Spiel so wütend zurücklässt. Denn der Siegtorschütze hätte bei einer halbwegs unparteiischen Spielleitung natürlich nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen, als er zum 2:1 traf. Simon Terodde machte in den 96 Spielminuten vor allem durch mitleiderregende Fallsucht auf sich aufmerksam - und durch zu viele verwarnungswürdige Fouls. Die erste gelbe Karte hätte er in der ersten Halbzeit für seinen Ellbogenschlag gegen Vestergaard (es war aus meiner Sicht eine aktive Bewegung) sehen müssen. Schon dunkelgelb war sein Nachtreten in der zweiten Halbzeit. Beide Szenen für sich waren aus meiner Sicht zwingend mit Verwarnungen zu ahnden und sie spielten sich auch jeweils bei guter Sicht des Schiedsrichters ab. Aber erst für das dritte gelbwürdige Foul bekam der *ölner Neuzugang dann in der 69. Minute auch die verdiente Karte. 

Wenn solche Dinge in einer Saison einmal passieren würden, würde ich das schlucken. Doch die ungleiche Behandlung bei der Verhängung von Gelben Karten ist für Borussia inzwischen schon eher Alltag. Und auch bei Zwayer ist es leider kein Einzelfall. Vor einem Jahr, beim 1:2 gegen Leipzig im Februar 2017, schrieb ich ganz ähnliches über diesen Referee. Damals durfte Keita nach Belieben ungestraft um sich treten und das Verhältnis der gelben Karten war absolut unangemessen. 
Und heute? Da lautete das Verhältnis der gelben Karten 3:2 aus Sicht von Borussia. Die drei Karten für Kramer, Zakaria und Ginter waren auch in Ordnung. Doch auf Seiten der Gastgeber nur zwei (gleichfalls berechtigte) zu ziehen, zeigt ein seltsames Verständnis von Gleichbehandlung in der Zweikampfbewertung. Heintz etwa fiel mehrfach durch harte Fouls von hinten auf (Grätsche von hinten gegen Hazard in der ersten Halbzeit, Umtreten von Stindl in der zweiten Hälfte). Wer kurz vor der Pause - als Herrmann die Konterchance hatte - zuvor Kramer übel umgetreten hatte, konnte ich leider nicht erkennen, Sky ging dann ohne Wiederholung der Szene in die Halbzeitpause. Eine Karte war jedenfalls auch für dieses Foul angemessen. Aber wieder einmal kam sie nicht, weil Borussias Angriff dank Vorteilsregel erst noch weitergelaufen war. 

Soviel zur Leistung des heutigen Kölner Spielmachers Felix Zwayer. Dessen ungeachtet weiß ich natürlich, dass er das Spiel nicht alleine entschieden hat. Ja, die Hecking-Elf hat einige, aber insgesamt wenige Schwächen gezeigt, die sich heute im Ergebnis negativ ausgewirkt haben. Das hätte nicht sein dürfen. Denn insgesamt habe ich eine sehr reife und clevere Spielanlage von Kramer und Co. gesehen, auch wenn das nicht immer sehr attraktiv anmutete.
Aber: Gladbach hat über gut 80 Minuten das Spiel sicher im Griff gehabt, die Zweikämpfe sehr überzeugend geführt und nach dem 0:1-Rückstand aus meiner Sicht auch sehr klug das Spieltempo wieder beruhigt, um dem Gegner nicht die Möglichkeit zu geben, Gladbach in einen offenen Derbyschlagabtausch zu verwickeln, bei dem schnell auch mal das 0:2 fallen kann. Das war ja in der Hinrunde bisweilen das Problem: dass sich das Team zu vehement in die Aufgabe "Ausgleich erzielen" gestürzt hatte und es stattdessen hinten einschlug.

Negativ fielen daher in der Defensive erneut die Probleme auf, wenn es darum geht, ruhende Bälle zu verteidigen (viel mehr hatte der Gegner heute eigentlich auch nicht zu bieten). Hier hatte heute zweimal Vestergaard das Nachsehen. Die Gegentore gehen deshalb natürlich auch auf sein Konto. Doch beim 0:1 hätte schon der Freistoß durch bessere Zweikampfführung im Mittelfeld vermieden werden können. Und das zweite Tor - da gibt es keine zwei Meinungen - darf niemals fallen. Ausgehend von einer Gladbacher Chance im Strafraum und Hazards blinder Hackenvorlage ins Leere kommt da Köln Sekunden vor Schluss nochmal in eine völlig unnötige Angriffssituation. Und dann fliegt der Ball mit einer einfachen Verlagerung auf den linken Flügel zum völlig ungedeckten Rausch, der als Flankengeber ja nicht ganz unbekannt ist. Wie Terodde das dann macht, ist große Klasse, aber auch begünstigt durch Vestergaards Unachtsamkeit.
 
Vorne wiederum gab es genug hervorragende Einschussmöglichkeiten (Hazard, Herrmann, Stindl, Kramer, Hofmann hatten allein sechs bis sieben), um das Spiel sicher nach Hause zu bringen. Doch wieder steht am Ende nur ein Tor. Und auch dafür brauchte die Offensivabteilung erst drei nervenzehrende Anläufe, bis der verdammte Ball dann endlich im Netz zappelte. Das war schon in der Hinrunde das Manko und es ist auch jetzt zu wenig. 
Die Negativ-Strähne von Patrick Herrmann vor dem Tor scheint schon chronisch zu werden und auch bei Hazard war es heute einfach zu wenig, was er aus seinen guten Ansätzen und seinem Potenzial macht: viel Einsatz, aber auch viele falsche Entscheidungen. Und ein schon fast erbarmungswürdiger Kopfball drei Meter vor dem Tor, der parallel zur Torlinie entlangflog. 
Raffaels tolles Füßchen beim 1:1 und einigen anderen Szenen täuscht aber ebenfalls nicht darüber hinweg, dass er sich heute einige sehr schlampige Bälle leistete, vor allem in den ersten Minuten nach der Einwechslung. Insgesamt waren heute alle Spieler bis in die Haarspitzen motiviert. Keinem kann man vorwerfen, dass er nicht alles gegeben hätte. Aber nicht jeder war in der Form, in der man den Erfolg in einem Bundesligaspiel auch mal erzwingen kann. Das galt aus meiner Sicht leider heute in erster Linie auch für die Einwechselspieler, die in einem solchen Spiel dann auch mal den Unterschied ausmachen können sollten. Neben Raffael brachten zwar auch Cuisance und Hofmann mehr Bewegung ins Borussia-Spiel. Aber ingesamt doch zu wenig Zwingendes - und ein paar gefährliche Ballverluste, die ins Auge hätten gehen können.

Man kann es hin- und herwenden, wie man will: Unter dem Strich steht eine große Enttäuschung, die nicht hätte sein dürfen. Und die es nicht gegeben hätte - wenn ein überdurchschnittliches Spiel des VfL entweder hinten nicht durch zwei grobe Patzer versaut oder wahlweise durch besser genutzte Top-Chancen gedreht worden wäre. Und die drittens durch ein fragwürdiges Verhalten der Instanz begünstigt wurde, der letztlich auf dem Platz beide Mannschaften auf Gedeih und Verderb ausgesetzt sind: dem, der auf dem Platz unparteiisch zu sein hat. Und der dieser Aufgabe heute leider nicht gerecht wurde.


 Bundesliga, Saison 2017/18, 18. Spieltag: 1. FC K*** - Borussia Mönchengladbach - Hamburger SV 2:1 (Tor für Borussia: 1:1 Raffael)

Montag, 8. Januar 2018

Wintergerüchte

Winterzeit ist auch immer Spekulationszeit. Wer könnte Borussia in Zukunft gut zu Gesicht stehen? Wer könnte nicht zu halten sein? In der kurzen Winterpause dieser Saison ist es in dieser Beziehung um Borussia noch eher ruhig gewesen.
Da ist das Gerücht um eine Verpflichtung des jungen Dänen Andreas Poulsen, dessen Realisierung durchaus Sinn ergeben würde. Schließlich ist Oscar Wendt 32, und wenn es eine Position gegeben hat, die in dieser Saison nach dem immer noch schmerzhaften Abgang von Nico Schulz nicht adäquat doppelt besetzt war, dann war das die Linksverteidigerposition. Angesichts der teilweise schwachen Leistungen Wendts war das schon eine Hypothek für Borussias Spiel. Zuletzt stabilisierte sich der Schwede, das lässt für die Rückrunde hoffen. Aber ein Juniorennationalspieler mit Erstligaerfahrung wäre ein guter Backup, zumal ihn Otto Addo sicher aus seiner Zeit in Dänemark gut kennt.

Mit dem ebenfalls mit Gladbach in Verbindung gebrachten Mark Uth rechne ich nicht. Immer wenn Schalke mit im Spiel war – Goretzka, Schöpf, Embolo zum Beispiel - haben die Knappen am Ende den Zuschlag bekommen. Und da liegt es dann einfach an den Gehältern, vermute ich. Denn sportlich trennt die beiden Vereine wenig. Eine Verstärkung wäre der Hoffenheimer Stürmer auf jeden Fall, auch weil er im Gegensatz zu unseren Stürmern einer ist, der auch aus der Distanz einen hervorragenden und präzisen Schuss hat. So fantastisch ich zum Beispiel Lars Stindls Fähigkeiten finde: Schussversuche von der Strafraumgrenze sind bei ihm leider oft nur harmlose Roller oder unplatzierte Schüsschen. Aber egal. Das wird Mark Uth nicht überzeugen, zu uns zu wechseln. Aber es erhöht, wenn es so kommt, nochmals meine Abneigung gegen den blau-weißen Gasklub.

Gerüchte ranken sich auch fast jedes Jahr um Thorgan Hazard, der für mich der Spieler der Hinrunde beim VfL war. Diesmal, aufgrund der tollen Leistungen, zu deren Krönung einfach nur ein paar mehr Tore gefehlt haben, sind diese Gerüchte ernstzunehmen. Der Vertrag läuft bis 2019, dem Vernehmen nach mit einer Option auf ein weiteres Jahr. Welche Zugriffsrechte Chelsea im Ernstfall hätte, ist zwar nicht klar, aber man kann sicher davon ausgehen, dass die Engländer den Spieler bekämen, wenn sie ihn denn wollen. Und das würde Sinn ergeben, wenn sie etwa Thorgans Bruder Eden in Richtung Spanien abgeben sollten. Aber auch sonst dürften viele Topklubs den Belgier auf dem Zettel haben, inklusive der Bayern. Bei dieser Gesamtlage sehe ich die Gefahr, dass wir Hazard im Sommer verlieren, als außerordentlich hoch an. Denn er mag sich in Gladbach sehr wohl fühlen – doch wenn er die ganz große internationale Karriere schaffen will, muss er wohl in Kürze dem Beispiel von ter Stegen und Xhaka folgen und zu einem der Big Player wechseln.

Weniger dramatisch sehe ich die Gerüchte um einen Abgang von Jannik Vestergaard. Bei ihm habe ich das Gefühl, dass er es nicht von Anfang an darauf angelegt hat, mal in der Premier League spielen zu müssen, woraus Xhaka, Christensen oder Hazard ja nie einen Hehl gemacht haben. Ich denke, der dänische Leuchtturm funkt noch eine Weile weiter in unserer Abwehr. Auch für Borussia wäre es ja ein schlechter Deal, ihn zu verkaufen, jetzt, wo die Innenverteidigung zunehmend besser harmoniert.

Und was passiert mit Reece Oxford? Das Tauziehen scheint anzudauern, zumindest hört man seit einigen Tagen nichts mehr Neues. Wäre die Verpflichtung gescheitert, hätte das Max Eberl sicher mitgeteilt, in dieser Beziehung ist er eigentlich sehr deutlich. Würde West Ham wirklich auf Oxford bauen, hätten sie ihn in den vergangenen Spielen zumindest mal auf die Bank setzen müssen. Es scheint also wirklich nur eine Sache des Geldes zu sein. Oxford selbst hat ja schon einen Hinweis gegeben, dass er gern am Niederrhein bleiben würde.
Einen Kommentar darüber, wie erbärmlich West Ham hier mit einem Talent aus der eigenen Jugend, das auch noch zu den talentiertesten zählt, umgeht, spare ich mir. In diesem Fall scheint der Kaufwahn in England tatsächlich eine Chance für Vereine wie Borussia zu sein. Denn in der Premier League sind Klubbesitzern und Fans offenbar nur noch namhafte Transfers ab 20 Millionen Euro zu vermitteln. Die anderen fallen durchs Raster, und wer wie Gladbach gut Perspektiven bieten kann, kann durchaus von diesem Irrsinn profitieren. Bei steigenden Preisen - und natürlich mit der Einschränkung, dass man die gereiften Spieler später wieder an die ganz großen Fische verliert. Ich bin gespannt, wie die Entwicklung weitergeht.