Dienstag, 27. Februar 2018

Lehren aus einer unvollendeten Saison II: Kaderplanung

Ein paar Spiele sind es noch, dann wissen wir, ob der VfL seinen Kader für die kommende Saison auf europäische Herausforderungen aufrüsten kann oder ob personell ein erneutes Aufbau- oder gar Umbruchjahr bevorsteht.

Auch wenn manches in der Kaderzusammenstellung des vergangenen Sommers im Nachhinein im Verlauf der Saison als schwierig herausgestellt hat, insbesondere durch die kurzfristige Abgabe von Nico Schulz und "Kolo", bin ich weit davon entfernt, die Vereinsführung und das Management um Max Eberl für Dinge zu kritisieren, die man so nicht vorhersehen kann.
Im ersten Teil meiner kleinen Serie bin ich ja schon auf die Verletzungsmisere eingegangen. Warum auch immer so viele Spieler immer wieder ausfielen: Niemand konnte wissen, dass auch immer wieder überdurchschnittlich viele Akteure für die gleichen Positionen ausfallen würden. So war es in der Hinrunde mit den Flügelspielern, zeitweise mit den Sechsern und zuletzt mit den Außenverteidigern. Das das Team die Ausfälle mit äußerst variablen Spielern wie Nico Elvedi oder Ginter immer wieder kompensieren konnte, ist ein großes Qualitätsplus bei Gladbach. Aber es ist eben auch zu sehen, dass bei der Leistungsfähigkeit eines Elvedi über links doch einige Prozentpunkte fehlen im Vergleich zu seiner Schokoladenseite rechts.
Borussia kann Ausfälle kompensieren, auch extreme, aber eben nicht ohne Qualitätsverluste. Gerne hätte man sicher einem Zakaria in seiner ersten Saison mal eine Verschnaufpause gegönnt oder einen Cuisance langsamer herangeführt. Aber es ging eben oft nicht anders. Gleiches gilt für einen Spieler wie Raffael, dessen Wadenprobleme sicher auch damit zu tun haben, dass er nach Verletzungen zu schnell wieder in den Kampf geschmissen werden musste.

Mit Blick auf die neue Saison muss man daraus natürlich lernen. Was ist zu tun?

- Setzt man auf einen größeren Kader, mit der Gefahr, dass man bei wenig Verletzten lauter unzufriedene Spieler auf der Tribüne sitzen hat? Bei Eintracht Frankfurt scheint das in diesem Jahr gut zu funktionieren. Aber dass Branimir Hrgota mit seiner Rolle dort so richtig zufrieden ist, kann ich mir auch nicht vorstellen.

- Setzt man auf weniger verletzungsanfällige Spieler, zumal der Kader in den vergangenen Jahren ja auch - für uns Fans fast unmerklich - gealtert ist? Für mich sind die Eigengewächse Herrmann, Jantschke oder Spieler wie Traoré, Johnson und Sommer immer noch gefühlte Anfang-Zwanziger. Doch schaut man genau hin, gibt es vier Ü30-Spieler (Raffael, Wendt, Johnson, Bobadilla) und vier, die dieses Jahr die 30 knacken (Traoré, Stindl, Sommer, Sippel). Jantschke, Kramer, Strobl und Herrmann sind immerhin schon 27. Um nicht falsch verstanden zu werden: Das ist für Fußballer alles andere als ein Greisenalter. Die stehen voll im Saft. Doch die Gefahr, häufiger mal verletzt auszufallen, steigt mit dem Alter natürlich schon - siehe Raffael. Der Blick muss sich also schon langsam darauf richten, wer die älteren Spieler nach und nach ersetzen kann.

- Setzt man auf noch vielseitiger verwendbare Spieler, um allen Eventualitäten begegnen zu können? Das geht ja kaum noch. Sicher wird dies bei künftigen Spielerverpflichtungen weiter ein  wichtiges Kriterium sein. Aber man kann den Anspruch des Allrounders ja auch nicht immer weiter steigern.

- Und: Wie soll der VfL künftig spielen? Es ist in dieser Spielzeit überdeutlich geworden, dass Borussias Spiel der vergangenen Jahre längst entschlüsselt, kopiert und mit wirksamen Gegenmitteln bekämpft wurde. Da nicht davon auszugehen ist, dass all die Laufmaschinen-und-Klopper-Truppen, mit denen Stindl und Co. merklich Probleme hatten, plötzlich die gepflegte Spielkultur entdecken, muss Dieter Hecking mit seinem Team eine neue Spielidee entwickeln - oder zumindest Pläne B und C, mit denen man reagieren kann, wenn es über Plan A nicht geht. Ich weiß, es gibt viele, die Hecking dies nicht zutrauen. Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht, aber ich erwarte einfach spielerischen Fortschritt, vor allem nach den Erfahrungen dieser Saison.

Dass die Chancen eines Systemwechsels im Sommer so gut stehen wie seit 2011 nicht mehr, liegt auch an den zu erwartenden Änderungen beim Personal. Max Eberl hat ja gerade angekündigt, dass langsam die Zeit nach Raffael eingeläutet werden soll. Je nach Ausgang der Saison sind aber die Mittel begrenzt, die man einsetzen kann, um einen potenziellen Nachfolger für den Brasilianer und noch etwas mehr Durchschlagskraft im Sturm zu verpflichten.

Dass Max Eberl jetzt sagt, man könne vor allem dann entsprechend handeln, wenn man Transfereinnahmen über 30 Millionen Euro hätte, ist aus meiner Sicht ein deutlicher Hinweis. Ich habe es ja schon mehrfach hier geschrieben: Ich gehe davon aus, dass uns Thorgan Hazard im Sommer verlässt. Er würde in diesem Jahr noch in etwa diese Summe einspielen. Außerdem ist das Interesse verschiedener Topclubs verbrieft, und bei Borussia gibt es auch in den nächsten Jahren keine Garantie auf Champions-League-Fußball. Und wir sollten auch ehrlich zu uns selbst sein: Ein Spieler seiner Qualität muss einfach irgendwann den nächsten Schritt in seiner Karriere wagen, wie es auch Xhaka, ter Stegen oder Reus zuvor getan haben. Nicht immer erfüllen sich diese Träume, aber das ist kein Grund, den richtigen Zeitpunkt am Ende zu verpassen.

Für uns ist allerdings wichtiger, wie sich der VfL unter diesen Voraussetzungen insgesamt für die Saison 18/19 aufstellen könnte. Was die Spielidee angeht, verschiebe ich diesen Punkt auf den nächsten Teil der Serie. Beginnen will ich mit ein paar Personalspekulationen. Denn natürlich weiß ich auch dieser Tage nicht, an wem Gladbach dran ist, wen man möglicherweise abgeben will und wie es mit den Chancen und der Bereitschaft steht, Spieler zu verpflichten, die ich hier (beispielhaft) anspreche.

Bei den Torleuten sehe ich keinen Wechselbedarf. Yann Sommer ist ein sicherer Rückhalt, auch wenn seine Saison bisher nicht herausragend war. Tobi Sippel ist ohne Fehl und Tadel, ich habe mir in keinem Spiel Sorgen um diese Position gemacht, als Yann ausfiel. Moritz Nicolas ist immer noch in der Lauerposition, müsste aber Stück für Stück auch mal auf höherem Niveau zum Einsatz kommen.

In der Abwehr hängt einiges von der Personalie Reece Oxford ab. Dass er genau der Typ Spieler ist, der bei uns zum Topspieler heranreifen könnte, hat er bereits gezeigt. Aber schon im Winter war offensichtlich, dass West Ham mit ihm vor allem Geld machen möchte. Bei den irrsinnigen Summen, die da aufgerufen wurden, wird Max Eberl vor einer sehr schwierigen Entscheidung stehen.
7 bis 10 Millionen muss man heute offensichtlich für so einen Spieler schon ausgeben. Das ist auch noch ein überschaubares Risiko für Borussia. Aber da die Forderungen eher Richtung 15 bis 20 Millionen gehen werden und andere Vereine keine Skrupel haben, dies auch zu zahlen, sehe ich eher schwarz für eine Weiterverpflichtung.
Wenn man zum Beispiel stattdessen einen Marc-Oliver Kempf aus Freiburg ablösefrei bekommen könnte, wäre es auch fahrlässig, nicht lieber dort zuzuschlagen. Ich denke, dass Spieler wie Kempf weiterhin eher Borussias Kragenweite sind als überteuerte England-Transfer. Deshalb taucht Oxford hier in meinen Überlegungen auch vorsichtshalber nicht mehr auf.
Daneben kämen zum Beispiel der fast schon im Winter verpflichtete Pole Robert Gumny oder Kristian Pedersen von Union Berlin (der auch schon mal in Gladbach vorgespielt hatte) als Backup auf der Wendt-Position in Frage, um die Abwehr zu komplettieren. Denn so sehr ich es ihm wünsche, ob Mamadou Doucouré eine feste Größe wird, muss sich nach zwei Jahren als Dauerpatient erst erweisen (was sich durch die neuerliche Verletzung auf bittere Weise zu bestätigen scheint).
Oscar Wendt wird seinen Vertrag erfüllen und noch ein Jahr bleiben, dahinter braucht es aber einen jungen Konkurrenten, der ihm Dampf macht.
Innen stehen mit Vestergaard, Ginter, Elvedi und zur Not wohl auch Jantschke und Strobl genug Alternativen zur Verfügung, bei denen sich aber ein Spieler wie Kempf gut einfügen könnte. Rechts gibt es neben Elvedi noch Bedarf für einen offensivstarken Mann. Das könnte durchaus Gumny sein, der ja beide Seiten bespielen kann und eigentlich eher rechts zuhause ist.

Im zentralen Mittelfeld ist der Umbruch längst eingeleitet. Zakaria und Kramer, Cuisance und der wieder fitte Laszlo Benes sollten Borussia gut antreiben können. Dazu käme Strobl als Abräumer und Ginter als weitere Option. Und vielleicht schafft es ja auch endlich mal wieder ein Jugendspieler, sich in die Mannschaft zu spielen. Dieser Wunsch gilt natürlich für die anderen Mannschaftsteile genauso.

Die Flügelspieler sind mehr oder weniger auch durch Verletzungen bedingt in dieser Saison hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Hazard nehme ich aus. Seine Chancenverwertung hielt mit seiner sonstigen Wertigkeit für die Mannschaft nicht stand, dennoch ist er unzweifelhaft ein herausragender Spieler auf dieser Position. Zentral eingesetzt konnte er mich dagegen bislang nicht überzeugen.  

Stimmt meine These und Thorgan verlässt uns, dann muss man seine Dynamik, sein Eins-gegen-Eins-Spiel, sein Kombinationsspiel auch auf engstem Raum (und die Elfmeter-Kaltschnäuzigkeit) irgendwie adäquat ersetzen - sofort! Das wird teuer, ohne dass man sich sicher sein kann, dass ein Ersatz sofort genauso gut einschlägt wie der Belgier heute bereits spielt.
Einer, der in Frage käme und bezahlbar wäre, könnte Nadiem Amiri von Hoffenheim sein. Der Österreicher Michael Gregoritsch wäre auch eine Option. Er hat noch einen langfristigen Vertrag in Augsburg, aber sicher nicht ohne Ausstiegsklausel. Der Ex-Gladbacher Amin Younes (Ajax) könnte Tempo und Spielwitz über links ebenfalls mitbringen, aber durch sein Transfertheater mit Neapel wird er keine Option sein. Justin Kluivert (ebenfalls Ajax Amsterdam) ist mit 18 noch kein vollwertiger Hazard-Ersatz, aber schon sehr begehrt und bietet natürlich großes Potenzial. Denkbar wäre aus meiner Sicht auch ein trickreicher Linksaußen wie der schwedische Nationalspieler Sam Larsson (24) von Feyenoord.

Wenden wir uns den anderen Flügelspielern zu. Traoré und Grifo, Herrmann und Hofmann bilden vier sehr verschiedene Spielertypen ab. Das ist eigentlich perfekt, doch keiner von ihnen konnte seine Qualitäten über die ganze Saison zeigen. Herrmann und Hofmann kommen aus mehreren Verletzungsphasen und kommen erst jetzt besser auf Touren - Killer vor dem Tor sind beide nicht. Grifo ist hochveranlagt, kann sich im Training aber offenbar nicht so aufdrängen, dass er sich in der ersten Elf festspielt. Außerdem spielt er in Borussias Ensemble längst nicht so eine Sonderrolle mit spielerischen Freiheiten, wie er sie in Freiburg hatte.
Bei Traoré ist nach langer Verletzungszeit auch nicht klar, wie und wann er zurückkommt. Auf jeden Fall ist er ein Spieler, der durch seine Unberechenbarkeit den Unterschied machen kann. Und einer der wenigen, dessen Schüsse eigentlich immer gefährlich sind.   
Dennoch sehe ich hier die größten Unwägbarkeiten.

Zu den genannten vier Spielern sollte (unabhängig von der Personalie Hazard) auf jeden Fall noch ein Fünfter dazu kommen, das hat diese Saison gezeigt. Der könnte durchaus wieder ein Perspektivspieler vom Kaliber eines Cuisance sein. Genausogut kann es aber auch sein, dass Herrmann und/oder Hofmann am Ende der Saison eine neue Herausforderung suchen und einen Platz im Kader frei machen. Aus Verbundenheit täte mir das sehr leid, aber auch das kommt natürlich darauf an, wie sie in diesem Fall ersetzt würden. Eine Qualitätssteigerung würde ich auch auf diesen Positionen natürlich nicht ablehnen. Und wenn man ehrlich ist, stagnierte es bei beiden - sicher auch verletzungsbedingt - seit einer Weile doch etwas.

So, kommen wir zur brennendsten Frage, dem Dauerbrennerthema: Wer könnte der neue Torgarant werden? Der so lange und vehement geforderte Mittelstürmer, der in diesem Jahrtausend bei Borussia entweder nicht vorhanden war oder nicht zur Zufriedenheit funktionierte? Eins ist klar: Einen Lewandowski gibt es nicht fertig von der Stange, schon gar nicht für Max Eberls Geldbeutel.
Setzt man also auf einen, der schon unter Beweis gestellt hat, dass er knipsen kann? Gibt viel, viel Geld aus, mit dem Risiko, dass es trotzdem nicht funktioniert? Mark Uth ist vom Markt. Frankfurts Haller hat einen langfristigen Vertrag und beim derzeitigen Tabellenstand der Eintracht müsste er auch nicht zwingend wechseln. Dass Hoffenheim auch noch Andrej Kramarić ziehen lassen würde, nachdem ihnen schon Wagner und Uth abhanden kommen, wie es der Express spekuliert hat, ist auch eher unwahrscheinlich. Spieler aus Leipzig (Poulsen) oder vom Gazprom-Spielzeug aus Gelsenkirchen (Embolo, di Santo) wären eine Option, aber auch ein teures Risiko ohne Garantie. Bei Schalke herrscht aber auf jeden Fall in der neuen Saison Stürmerüberschuss, also könnte sich der eine oder andere dort umorientieren wollen.

Bas Dost wäre einer, dem man es zutrauen könnte, sofort den Unterschied zu machen. Ein großer Stürmer, der mitspielen und vollstrecken kann. Aber hat er Grund, aus Lissabon wegzugehen, wo er diese Saison 20 Tore geschossen hat und sicher international spielt - ganz abgesehen vom Wetter dort? Und falls Raffael und Stindl fit sind, jede Woche als Joker auf der Bank zu sitzen? Ich glaube kaum.

Eine ganz große Lösung wäre Barcelonas Eigengewächs Munir El Haddadi (22). Ein glänzender Techniker, schnell und mit einem guten Torabschluss, der derzeit an Alaves ausgeliehen ist. Dort überzeugt ebenso wie bei der vorherigen Leihe in Sevilla. Im Sommer hätte er noch eine Vertragsrestlaufzeit von einem Jahr. Bei Barca plant man nicht mit ihm, würde aber den Vertrag gern verlängern, um mehr Geld herauszuschlagen. Eigentlich eine gute Ausgangsposition für Gladbach. Schließlich konnte man einst auch Dominguez und Kolo von großen spanischen Clubs nach Deutschland locken. Sicher vom Gehalt her eine Nummer, aber auch einer, der Hazard sofort und Raffael auf Sicht 1:1 ersetzen könnte. Falls ihr ihn nicht kennt, schaut euch mal Videos von ihm an und urteilt selbst.

Wünschen könnte man sich auch einen wie Kasper Dolberg (Ajax), der nach einem sensationellen letzten Jahr mit der gesamten Mannschaft etwas durchhängt. Er wäre auf jeden Fall in Sachen Talent und Wiederverkaufswert eine hervorragende Option. Aber auch da ist die Konkurrenz erheblich.

Ein Beispiel für einen machbaren Transfer aus Frankreich wäre der Kameruner Nationalspieler Karl Toko Ekambi (25), der beim abstiegsbedrohten SCO Angers in der Ligue1 spielt. Wuchtig, wendig, guter Torabschluss und bezahlbar. Und gerade die findigen Freiburger haben ja aus Frankreich immer wieder Spieler geholt, die in der Bundesliga in kurzer Zeit überzeugt haben und denen der SCF dann schnell zu klein wurde.

Die möglichen Abstiegskandidaten in der Bundesliga bieten dagegen aus meiner Sicht in diesem Jahr nicht viel Lohnendes aus der "Konkursmasse". Terodde würde wohl mit den Ziegen mit nach unten gehen. Beim HSV hätte Gladbach bei Jungstar Jann-Fiete Arp wohl keine Chance. Der einzige, der bei diesem Verein im Moment ohnehin so etwas wie Überlebenswillen zeigt, ist André Hahn. Eine Rückkehr würde ich aber ausschließen, weil auch er kein richtiger Mittelstürmer ist und auf den Außen die Konkurrenz nicht kleiner geworden ist.

Bei Bremen wäre natürlich Kruse grundsätzlich ein Thema. Doch passt er ins Konzept? Der klassische Stürmer ist er nicht. Und ginge er zu dem Trainer zurück, unter dem er in Wolfsburg nicht vom Fleck kam? Eher unwahrscheinlich. Daneben käme noch Aron Johannsson in Frage, doch auch der muss seine Bundesligatauglichkeit erst noch über einen längeren Zeitraum beweisen. Das gleiche gilt für den Mainzer Emil Berggreen. Als Rechtsaußen könnte man hier im Fall des Abstiegs noch an den Seeler-Enkel Levin Öztunali denken, der Potenzial hat.

Eine Nummer kleiner wäre jemand wie Niclas Füllkrug von Hannover. Bisher nicht so in Erscheinung getreten, aber bei den 96ern in dieser Saison mit bereits 10 Toren erheblich erfolgreicher als unser bester Schütze. Vom Typ her könnte er passen, bezahlbar wäre er wohl auch. Und sein Lob am Samstag über Gladbachs Spiel bei seinem Interview bei Sky war schon fast so etwas wie ein Bewerbungsschreiben.
Noch eine Nummer kleiner wären Zweitliga-Torjäger wie Marvin Duksch (Kiel, 23) und Sebastian Polter (Union Berlin, 26). Entwicklungspotential sehe ich vor allem bei Duksch. Nach allen, was ich gesehen habe, eine ziemlich coole Socke vor dem Tor. Aber das Risiko, dass er im Oberhaus nicht gleich einschlägt, besteht natürlich. Ähnlich sieht es mit Tim Kleindienst (Freiburg, 22) aus, der mir bei dem Gladbacher Grottenkick im Breisgau in der Hinrunde zumindest positiv aufgefallen ist.

Spekulation betrieb der "Express" heute mit Isaac Thelin (25/Waasland-Beveren) und die Young Boys Roger Assale und Jean-Pierre Nsame. Auch hier gilt: Kann funktionieren, jemanden aus einer schwächeren Liga wie Belgien oder der Schweiz zu holen, kann aber auch scheitern.

 Man darf natürlich auch nicht vergessen, dass in Julio Villalba auch noch ein eigener junger Mittelstürmer darauf wartet, endlich mal zu zeigen, was die Gladbacher Scoutingabteilung in ihm gesehen hat, als man ihn verpflichtete. Genauso wie für die U19 in der A-Jugend-Bundesliga der Münsteraner Torjäger Justin Steinkötter geholt wurde. Der wird sich natürlich auch eine Chance ausrechnen, sich dort irgendwann für die Profis zu empfehlen. Darauf allein verlassen wird sich aber keiner. Genausowenig wie auf Bobadilla und Drmic als Sturmalternative. Josip braucht noch viel, viel Spielpraxis. Ob er wieder der Alte wird, ist kaum abzusehen. Und Boba ist sicher ein wertvolles Kampfelement, aber kein wirklicher Raffael-Ersatz, weder von der Torquote noch vom Kombinationsspiel. Dass man ihn jetzt schon wieder abgibt, glaube ich allerdings auch nicht.

Es ist natürlich noch vieles offen, was die Planung für die neue Saison und die Schlüsse aus der alten angeht. Und wenn es ums Personal geht, muss natürlich auch vorher klar sein, mit welcher Spielidee Borussia in die neue Saison geht. Darum geht es ausführlicher im nächsten Teil von "Lehren aus einer unvollendeten Saison". Bis dann.

Sonntag, 25. Februar 2018

Lehren aus einer unvollendeten Saison I: Verletzungen

Verkorkst, aber noch zu retten: Zwei Drittel der Saison sind rum, und auch wenn noch nicht klar ist, wohin uns die Reise der Borussia am Ende der Spielzeit geführt haben wird, lässt sich bereits einiges analysieren, was besser werden muss. Und das unabhängig vom Abschneiden nach dem 34. Spieltag.
Es ist vielleicht auch ganz hilfreich, wenn es um die Bewertung der Arbeit von Max Eberl, Dieter Hecking und dem gesamten Trainerstab geht, die ja in der allgemeinen Unzufriedenheit schnell mal allgemein in Frage gestellt wird.
Für mich gibt es mehrere Problemfelder, die einen erfolgreicheren Saisonverlauf bislang verhindert haben: die Verletzungsmisere etwa. Oder die Kaderzusammenstellung bzw. die Lücken, die sich dank der vielen Verletzungen dort gezeigt haben. Und nicht zuletzt die Stimmung bzw. die Erwartungshaltung rund um Mannschaft und Verein. Dort gilt es anzusetzen. Ich werde in loser Folge dazu meine Sichtweise dazu hier darlegen. Anfangen will ich heute mit dem offensichtlichsten Thema.

An allererster Stelle steht nicht erst diese Saison die Verletzungsanfälligkeit im Kader. In der vergangenen Saison konnte man es zum Teil vielleicht noch durch die Dreifachbelastung erklären, diese Saison aber nicht mehr. Der VfL hat in dieser Saison mangels Europa-Verpflichtungen bislang nur 27 Spiele absolviert, 24 in der Bundesliga und drei im DFB-Pokal. So verteilen sich die Einsätze:

27 Spiele: Ginter, Hazard, Stindl, Zakaria
26 Spiele: Vestergaard, Elvedi
23: Wendt, Sommer
21: Raffael, Herrmann
20: Kramer
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17: Cuisance
15: Hofmann, Grifo
11: Johnson, Bobadilla
10: Jantschke
7: Drmic
6: Oxford
5: Traoré, Sippel

1: Benes, Villalba, Benger, Egbo
0: Strobl, Doucouré, Yeboah, Hoffmanns, Mayer, Nicolas, Heimeroth

Ohne dass man auf die Wertigkeit der einzelnen Spieler eingehen muss, lässt sich daran einiges ablesen. Gut die Hälfte der ersten Elf (sechs Spieler) stand demnach bisher immer zur Verfügung bzw. hat nur ein Spiel verpasst. Zählt man von den meisten Einsätzen her die erste Elf zusammen, dann hat die Nummer 11 (Chris Kramer) schon 7 Spiele verpasst, das ist mehr als ein Viertel der bisherigen Saison. Spielt man dieses Spiel noch weiter und besetzt auch die Ersatzbank allein nach der Zahl der Einsätze, wird noch deutlicher, wo es hakt. Schon ab dem zweiten "Auswechselspieler", Jonas Hofmann, betrug die Saisonerfahrung weniger als die Hälfte der Spiele.
Bei vielen Spielern kommt dazu, dass die Anzahl der Spiele noch nichts über die wirkliche Spielzeit aussagt. So kommt zum Beispiel Chris Kramer bei 20 Spielen auf eine Durchschnittsspielzeit von 78 Minuten, genauso wie Raffael in 21 Partien. Cuisance verzeichnet bei 17 Einsätzen aber schon nur noch 50 Minuten pro Spiel, Herrmann (21 Spiele) und Grifo (13 kommen im Schnitt gerade mal auf eine Halbzeit pro Spiel. Das geht so weiter: Hofmann hat 32 Minuten pro Spiel, Bobadilla 26 und Drimic 12.

Der offizielle Kader der ersten Mannschaft umfasst inklusive vier Torhütern 27 Spieler. Von diesen standen am Samstag in Hannover zehn nicht zur Verfügung. Bleiben also 17 Spieler, von denen die beiden "überzähligen" Torleute Nicolas und Heimeroth für den Kader nicht in Frage kommen. Übrig sind also 15 Spieler - zwei zu wenig, um eine komplette Ersatzbank mit den Profis zu bestücken. Es muss also jemand ohne Bundesligaerfahrung aufrücken. Diesmal waren es in Egbo, Mayer und Herzog gleich drei. Und so geht es fast von Beginn der Saison an.

Ich kann nichts dazu sagen, warum beim VfL seit zwei bis drei Jahren eine solche Verletzungsmisere herrscht. Man muss aber feststellen, dass die Versuche seitens des Vereins, etwa durch die Umstrukturierung der athletischen und medizinischen Abteilung entgegenzusteuern, sich bislang nicht sichtbar in einem weniger verletzungsanfälligen Kader niedergeschlagen haben. Ich nehme stark an, dass das an verantwortlicher Stelle nach wie vor als die Hauptbaustelle erkannt ist. Man kann nur hoffen, dass in der neuen Saison endlich ein Weg aus dieser Verletzungsmisere gefunden wird. Sonst kann man sich zwar wünschen, oben mitzuspielen. Es wäre aber kaum zu planen.

Das kann natürlich auch zum Teil damit geschehen, dass man den zu erwartenden personellen Umbruch auch dazu nutzt, verletzungsanfällige Spieler abzugeben. Wie sich Borussia personell in den nächsten zwei Jahren erneuern müsste, schreibe ich in einem weiteren Beitrag unter dem Titel "Lehren aus einer unvollendeten Saison". Aber sicher spielt darin auch dieser Punkt eine Rolle. So verdient sich viele der derzeitigen Borussen für den Verein gemacht haben. Es hilft nicht weiter, wenn sie durch Verletzungen große Teile der Saison verpassen und den Rest der Saison auf der Jagd nach ihrer Form sind. Ich gehe fest davon aus, dass so auch auch Max Eberl und Co. analysieren werden. Insofern werden die nächsten Wochen nicht nur aus der sportlichen Sicht sehr spannend. Und jeder Sieg, den der VfL einfährt, verbessert natürlich auch die Chancen, dass Gladbach auch in der kommenden Saison einen konkurrenzfähigen Kader aufstellen kann, mit dem man sich wirklich dauerhaft im Kampf um Europa messen kann.

Samstag, 24. Februar 2018

Chikras Schuss ins Glück

Für besondere Aufgaben braucht es besondere Spieler. Dass Christoph Kramer auf und neben dem Platz ein solcher ist, weiß man zwar in der Borussia-Familie. Doch auch er wächst nicht jeden Tag so über sich hinaus wie heute. Da war er zweifellos der Spieler des Spiels. Defensiv hatte er großen Anteil daran, dass Hannover nur selten in gute Angriffspositionen kam. Offensiv versuchte er immer wieder anzukurbeln, spielte deutlich weniger nach hinten oder quer als in den Spielen vor Dortmund. 
Er spornte seine Mitspieler in der Manier eines echten Leaders an, munterte lautstark auf, wenn einer seiner Vorderleute in schlechter Tradition der bisherigen Rückrunde wieder eine gute Chance versemmelt hatte. Und am Ende konnte es keinen wundern, dass er die Sache mit dem Toreschießen dann auch noch selbst in die Hand bzw. den Fuß nehmen würde. Wo doch oft von der fehlenden Führungsfigur gesprochen im Team wird - heute war sie da.

Chris Kramer war als defensiver Mittelfeldspieler heute zugleich der gefährlichste Angreifer. Weil er das Heft in die Hand nahm, als er merkte, dass seine Mitspieler angesichts der erneut verpassten Chancen, in Führung zu gehen, zunehmend verkrampften. Ab da wurde Kramer in der Gefahrenzone des Gegners agil wie selten.
Erst sein tolles Solo im Strafraum, bei dem nur noch ein wenig Frechheit zum erfolgreichen Abschluss gefehlt hätte. 
Dann der selbst vorgelegte, wunderschöne "Sonntagsschuss" ins Glück, den ich vor dem Fernseher mit einem ohrenbetäubenden "Jaaaaaaaaaaaaah" ins Netz der Norddeutschen begleitete. 
Und schließlich noch ein scharfer Schuss von der Strafraumgrenze, der leider geblockt wurde. Damit war "Chikra23" (Kramers Name bei Instagram) eindeutig der "Unterschiedsspieler" in Hannover. Und das, obwohl Borussia heute in fast allen Werten unterlegen war. Fast fünf Kilometer weniger gelaufen, weniger Torschüsse, weniger Ballbesitz und gewonnene Zweikämpfe - doch am Ende stand da eben dieses eine entscheidende Tor mehr auf der Anzeigetafel. Statistiken sind eben nicht immer verlässlich bei der Bewertung von Erfolg im Fußball.

Dass es aber überhaupt ein solches "Aufraffen" unseres Weltmeisters Kramer brauchte, hatte viel damit zu tun, dass der VfL sich weitgehend im Fahrwasser der vorhergehenden Wochen bewegte. Bessere Spielanlage, gute Aktionen, viele Topchancen, kein Ertrag. Und die stete Gefahr, dafür hinten einen reingemurmelt zu bekommen. 
Genauere Beschreibungen des heutigen Spiels erspare ich mir - mit dem Hinweis auf meine Texte der vergangenen Spiele (Wiederholungsgefahr!).
Auffällig war dennoch das eine oder andere. Raul Bobadilla machte für mich heute wieder ein sehr gutes Spiel, rieb sich in den Zweikämpfen auf, sicherte Bälle und leitete sie gut weiter. Das Spiel war schon etwas besser auf ihn zugeschnitten als letzte Woche, aber oft war er doch auch Einzelkämpfer in der Spitze. Selbst kam Boba nur zu einem Schuss, der zwar keine richtige Gefahr für Tschauners Tor bedeutete, von dem sich Kapitän Lars Stindl in Sachen Wucht und Entschlossenheit aber durchaus noch etwas abschauen könnte. Dessen Serie, in bester Position die falsche Ecke des Tores anzuvisieren, setzte sich leider auch heute wieder fort - genauso wie Jonas Hofmanns Vorliebe für den Klang von Bällen, die von Aluminium abprallen. 
Nico Elvedi machte heute eins seiner schwächsten Spieler, möglicherweise ja auch, weil er durch die kaum verheilte Verletzung noch gehandicapt war. Oder weil er auf der ungewohnten linken Abwehrseite mit einem agilen Ex-Borussen Juli Korb jede Menge zu tun hatte. Auch Vestergaard hatte in einigen Szenen heute Glück, war nicht so souverän wie gewohnt.

Andererseits gibt es aber heute keinen Grund, zu viel negativ zu bekritteln. Die Mannschaft spielte eine souveräne erste Hälfte, ließ in der zweiten Halbzeit nach, verteidigte aber mit einer kämpferisch überzeugenden Leistung geschickt und mit etwas Glück das "Zu-Null" gegen die aufkommenden Hannoveraner. In der Hinrunde hatte der VfL einen späten, eher unverdienten Sieg eingefahren, diesmal gab es über den verdienten Sieger keine Diskussionen. 

Und auch wenn es natürlich nervt: Die personelle Situation muss das eine oder andere einfach auch mal entschuldigen. Zehn potenzielle Stammspieler fehlten heute, dafür saßen drei junge Spieler ohne jegliche Bundesligaerfahrung auf der Bank (Egbo, Herzog, Mayer). Nico Elvedi musste offensichtlich auf die Zähne beißen, damit nicht Manni Egbo gleich von Beginn an ins kalte Wasser geworfen werden musste. Das war sicher keine so schlechte Maßnahme, denn der junge Engländer war nach seiner Einwechslung in den ersten Minuten doch noch sichtlich nervös.
Aber es ging gut, endlich mal wieder. Und das zählt.

Das Spiel heute war sicher kein Durchbruch, kein Freispielen aus der Torkrise. Aber es war etwas, das wieder etwas Ruhe ins Umfeld bringt und auf das man aufbauen kann. Jetzt gilt es, das gute Favre-Motto wieder herauszukramen und nur noch "von Spiel zu Spiel" zu denken. Auf die Tabelle zu schauen und über Chancen nach oben oder Gefahren von unten zu spekulieren, bringt ohnehin wenig. Dazu ist die Liga erstens zu unberechenbar, wie man etwa an der Siegesserie der Nichtfußballer aus Stuttgart sieht. Und zum anderen spielen jetzt Woche für Woche so viele direkte Konkurrenten gegeneinander, dass man die Auswirkungen auf die Tabelle kaum vorhersagen kann. Bremen ist also alles, was bis nächsten Freitag im Kopf unserer Borussen sein sollte. Und dann sehen wir weiter. In dieser Woche auf jeden Fall mit einem besseren Gefühl als zuletzt.



Bundesliga, Saison 2017/18, 24. Spieltag: Hannover 96 - Borussia Mönchengladbach 0:1 (Tor für Borussia: 0:1 Kramer)

Montag, 19. Februar 2018

28:7 gleich 0:1

Oh mein Gott! 28:7 = 0:1. Ich konnte mit Mathematik ja noch nie viel anfangen. Aber im Fußball gibt es mitunter noch grausamere Gleichungen, die dann auch noch aufgehen. 
Na gut, ich kann mich auch an ein sehr glücklich gewonnes Spiel der wahren Borussia gegen Dortmund vor einigen Jahren erinnern. Dieser schmeichelhafte Sieg damals war mir auch schon fast peinlich. Dieses Spiel war allerdings kein Vergleich zu dem unverdienten Sieg der Schwarz-Gelben heute. Ich glaube, auch nächste Woche wissen die noch nicht, wieso sie dieses Spiel gewonnen haben. Und das ist ein Problem. Leider unser Problem.

Denn die Leistung von Christoph Kramer und Co. heute war vielleicht die beste der Saison, ganz sicher die beste seit Monaten. Zweikampfstark, mutig, zielstrebig und risikobereit nach vorn, aber auch hoch aufmerksam und bissig nach hinten. So hätte ich mir das Team in der Rückrunde immer gewünscht. Denn dann wären die verlorenen Punkte heute nicht so sehr ins Gewicht gefallen, weil der VfL sicher schon sechs bis neun Punkte mehr auf dem Konto gehabt hätte.
Dass Borussia gegen einen mitspielenden Gegner zu mehr Raum kommen würde als zum Beispiel gegen die Stuttgarter oder Frankfurter Maurergesellen, das konnte man dabei ja durchaus erwarten. Aber dass es ein solches Spiel auf ein Tor werden würde, mit einer solchen Häufung von Großchancen, das sicher nicht. 

Das einzige was fehlte, ich mag es nicht mehr schreiben, waren die Tore - wie in den Wochen zuvor  verschenkten Stindl und seine Mannen die besten Chancen. 28:7 Torschüsse gegen eine (tabellarische) Spitzenmannschaft sind hervorragend. Aber neben einem Dutzend "Muss"-Torchancen waren eben auf Seiten der Hecking-Elf auch viele harmlose Abschlüsse dabei, die Roman Bürki im BVB-Tor zu leicht und völlig unnötig zum Mann des Spiels machten.

Die Abschlussschwäche von Stindl, Hazard, Elvedi und Bobadilla zeigt, dass sich die Erfolglosigkeit schon tief ins Selbstvertrauen gefressen hat. Sie wollen alle, aber sie stellen sich unglücklich und mitunter dämlich an. 
Wobei man Bobadilla aufgrund seiner verkorksten Anfangszeit bei Borussia in dieser Saison da wohl noch die geringsten Vorwürfe machen sollte. Er zeigte wie die gesamte Mannschaft eine wahnsinnig engagierte und feurige Leistung. Er war in vorderster Reihe genau der, der unserem Team zuletzt so gefehlt hat: Einer, der dahin geht, wo es weh tut, der Bälle sichert, abschirmt, weiterleitet, Gegenspieler auf sich zieht - ein richtiger Stürmer eben. Aber es fehlte in vielen Szenen bei Boba eben auch noch ein Tick Schnelligkeit und wohl auch Spielpraxis, um dann auch zum Erfolg zu kommen. Als er dann ausgepumpt raus musste, konnte Josip Drmic seine Läufe und Zweikampfhärte nicht annähernd ersetzen.

Schade ist, dass ich heute wieder mal etwas zum Thema Schiedsrichter und seinen Komplizen sagen muss. Schon in der ersten Hälfte pfiff Bastian Dankert ein wenig einseitig (etwa Gelbe Karte für Boba), er ließ sich auch von Meckerlieschen wie Mario Götze viel zu viel zutexten, ohne mal eine klare Ansage zu machen. Und die Nachspielzeit setzte er bei schon fast skandalösen drei Minuten an, obwohl durch Bürkis Verletzung, sein auffälliges Zeitspiel und den Videobeweis beim (zurecht zurückgepfiffenen) vermeintlichen 1:1 sechs Minuten mehr als angemessen gewesen wären. Auch die vier Minuten Nachspielzeit am Ende war zu kurz bemessen, zumal allein in der Nachspielzeit von Dortmund nochmal knapp zwei Minuten vertrödelt wurden. 
Das alles aber wäre ja noch zu verschmerzen, wenn da nicht kurz vor Schluss der glasklare Foulelfmeter gegen Vestergaard gewesen wäre, bei dem wieder einmal das Videoschiedsrichtersystem auf ganzer Linie versagt hat. Es ist blöd, darauf zu schimpfen, weil der VfL vorher ja nun wirklich genug Chancen liegengelassen hatte. 
Aber es ist auch nicht mehr akzeptabel, dass Borussia in dieser Hinsicht seit November so oft und so krass benachteiligt worden ist. Es kann nicht sein, dass beim Abseitstor von außen eingegriffen wird und bei einer so klaren Szene im Strafraum nicht. Es ist nicht zu verstehen (oder arrogant), warum der Schiedsrichter dann nicht selbst auf Nummer sicher geht und die Szene nochmal nachprüft. Wir wissen ja bis jetzt nicht mal, ob Wolfgang Stark im Kölner Keller dazu einen Hinweis gegeben hat oder ob er, wie Hecking mutmaßte, schon "eingeschlafen war". 
Ich weiß, das bringt uns im Nachhinein genausowenig Punkte wie das Lamentieren über die Harmlosigkeit vor dem Tor. Aber ist ist einfach zu viel, was in dieser Saison in dieser Hinsicht gegen Gladbach läuft.

An einem immerhin hat es heute nicht gelegen, obwohl einem auch als Fan sein jämmerlicher Zustand wirklich peinlich sein konnte: der schlimme Rasenflickenteppich, auf dem gespielt wurde. Sky-Dampfplauderer Fuss kannte zwar eine gute halbe Stunde lang kein anderes Thema, doch danach spielte das Grün-Braun im Borussia Park interessanterweise auch in seiner manchmal verqueren Welt keine Rolle mehr. Die Spieler fanden sich nach anfänglichen Ausrutschern ganz vernünftig zurecht und keiner wurde entscheidend am Fußballspielen gehindert.

Fazit: Ein Spiel, das bei einem normalen Saisonverlauf nicht unbedingt zu den "Muss"-Siegen gehört hätte, musste aufgrund der drei Pleiten zuvor eigentlich schon gewonnen werden, um den Kontakt nach oben noch nicht ganz abreißen zu lassen. Fast alle Konkurrenten taten dem VfL auch noch den Gefallen, Punkte liegenzulassen. 
Dann wurde trotz erneuter personeller Engpässe ein Spiel daraus, in dem man den Favoriten locker hätte aus dem Stadion schießen können und müssen. Und am Ende stehen wir im Niemandsland der Tabelle, mit der vierten Zu-Null-Niederlage in Folge. Da soll man nicht verzweifelt werden?

Immerhin: Das Gute ist, dass 0:1 (Stuttgart) nicht gleich 0:1 (Dortmund) ist. Wenn die Spieler heute verstanden haben, wie sie den Mut und die Entschlossenheit auf den Platz bringen können, dann war das Spiel heute ein großer Schritt nach vorn. Wichtig war es auf jeden Fall für den Verein, weil dadurch hoffentlich die unselige Trainerdebatte gleich wieder im Keim erstickt wird. Und weil die Mannschaft sich heute - trotz der quälenden Fehlschüsse vor dem Tor - mit ihrem Auftritt die bedingungslose Unterstützung der Fans zurückverdient hat. 
Denn das ist wichtig, soll es in dieser Saison noch einmal in Richtung obere Tabellenhälfte gehen: Ruhe im Verein sowie Mannschaft und Fans als verschworene Einheit. Die richtigen Schlüsse aus der Saison kann man zwar zum großen Teil jetzt schon ziehen (das hebe ich mir für einen späteren Text auf). Es nützt aber nicht viel, weil man derzeit an den entscheidenden Schrauben - dem Kader - nicht wesentlich drehen kann. Und in dieser Phase den Trainer zu wechseln, könnte nur eine echte Verzweiflungstat rechtfertigen. Und dazu besteht angesichts des Auftretens der Mannschaft nun wirklich kein Grund.



Bundesliga, Saison 2017/18, 23. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund 0:1

Sonntag, 11. Februar 2018

Angezählt


Vor drei Wochen ging es um die Champions League, ab heute gegen den Abstieg. Natürlich ist das sehr zugespitzt. Aber der Ausflug nach Stuttgart hat gezeigt, dass Stindl und Co. derzeit die Voraussetzungen für einen erfolgversprechenden "Europa"-Anwärter nicht erfüllen - vor allem die mentale Stärke fehlt dazu. 31 Punkte stehen auf dem Konto, doch das reicht nicht für den Klassenerhalt. Sollte der VfL so weiterspielen, wie er sich heute präsentiert hat, holt er in dieser Liga keinen Punkt mehr. So sieht es leider aus. Das bedeutet: Es muss sich schnellstens etwas tun.

Denn: Der Gegner heute war der schwächste seit langem - mit Ausnahme von Insua und Pavard sogar fußballerisch von einiger Erbärmlichkeit. Aber der VfB hatte verstanden, dass er sich gegen eine Niederlage wehren kann. Und das reichte, um diese drei Punkte einzusammeln.
Borussia hingegen klammert sich noch immer krampfhaft an das Können ihrer Einzelspieler, hofft auf die feine Klinge, selbst wenn nicht viel zusammenläuft wie heute. Mit der feinen Klinge schnitt man zwar auch heute einige Male durch die gegnerische Abwehr, aber nur, um im Anschluss - wieder einmal - den Ball vor dem Tor auf die eine oder andere Weise zu verstolpern.
Während in den Spielen vorher der Spielausgang immer noch als unglücklich oder unverdient zu bezeichnen war, blieb heute nur noch Kopfschütteln. Das Gezeigte kann sicher nicht Gladbacher Anspruch sein.

Was stellt man sich vor, wenn man bei einem abstiegsgefährdeten Club antritt, der gerade seinen Trainer gewechselt hat? Wie geht man in ein solches Spiel? Zaghaft, mit einem neuen Vereinsrekord in unerzwungenen Rückpässen in der Anfangsphase? Phlegmatisch, behäbig, kompliziert, mit heiklen Anspielen, die eigene Ballverluste geradezu herausfordern? Möglichst langsam im Spielaufbau, um den angeschlagenen Gegner einzuladen, selber die Initiative zu übernehmen? 
Nein, natürlich nicht. In ein solches Spiel, bei dem es auch für uns schließlich um einiges ging, muss man aggressiv und entschlossen gehen, dem Gegner von Beginn an zeigen, dass er keine ruhige Sekunde auf dem Platz haben wird. Das Frappierende ist, dass der VfL vor drei Wochen gegen Augsburg genau das sehr gut auf die Reihe bekam und damit auch das Spiel gewann. Und heute? Nichts davon.

Gegen Stuttgart war Borussia über weite Strecken des Spiels genau das Gegenteil. Die Hecking-Elf spielte feige, zitterig und mit teilweise gruseligen Stockfehlern. Viel Ballbesitz, optische Überlegenheit, aber kaum gewonnene zweite Bälle, wenige Balleroberungen, die in vernünftige Gegenangriffe verwandelt werden konnten. Einfach zu wenig von allem, was man für einen Sieg gebraucht hätte. 
Und es spricht für sich, dass der VfB trotzdem bis auf drei vernünftige Angriffe kein nennenswertes Angriffsspiel auf die Reihe bekam.

Woran liegt es, dass das Spiel des VfL zunehmend im Niemandsland des Spielfelds feststeckt? Und der Verein im Niemandsland der Tabelle? Unter anderem, daran, dass die Aufstellung und die taktischen Ideen, die Dieter Hecking seinem Team offenbar vorgibt, nicht aufgehen. Die Idee, mit Hofmann (statt Herrmann) und Grifo auf den Außen für mehr Variabilität im Spiel sorgen zu können, war nicht schlecht. Sie scheiterte aber daran, dass kaum einer in der Mannschaft heute Normalform erreichte, schon gar nicht die beiden genannten. 
Die defensive Außenvariante mit Elvedi links und Jantschke rechts musste nach 30 unterirdischen Minuten durch den Flügeltausch der beiden beendet werden. Mit der Folge, dass wenigstens der Schweizer fortan etwas mehr zum Spiel beitragen konnte. Tony Jantschke aber, so leid es mir für ihn tut, erfüllt im Moment nicht das Aufgabenprofil, das dieses System von ihm verlangt. Er ist keiner, der über die Flügel stürmt und auch keiner, der zu einer guten Flanke in der Lage wäre. Er ist auch keiner, mit dem man sich im Kurzpassspiel gut aus einer engen Situation lösen kann (so wie Elvedi es kann). Kurzum: Tony ist in der Hälfte des Gegners ein Totalausfall. Das aber kann man sich im heutigen Fußball nicht mehr leisten, vor allem in dieser taktischen Aufstellung. Denn damit leidet zugleich der offensivere Flügelpartner, was heute an Hofmann, Grifo und in der zweiten Halbzeit auch an Thorgan Hazard gut zu sehen war. 
Dass Jantschke dann trotzdem in dieser taktischen Variante auf dieser Position spielt, wirft Fragen auf. Die nach dem fehlenden Backup für Oscar Wendt ist schon oft gestellt worden, ohne befriedigende Antwort geblieben und auch für den Rest der Saison nicht mehr zu reparieren. Das Spiel heute hat aber gezeigt, dass hier eine der Lehren aus der Saison gezogen werden muss.
Die zweite Frage ist, warum Jantschke dann nicht innen spielt und zum Beispiel Ginter auf die rechte Seite gezogen wird. Oder warum Reece Oxford nicht den Vorzug bekommt. Oder gegen zwei Brecherstürmer wie Gomez und Ginczek vielleicht doch eine kompromisslose Dreierkette eine Alternative wäre. Hinterher kann man natürlich immer schlauer sein. Aber das ist nicht das einzige, was heute aus meiner Sicht taktisch nicht gestimmt hat.

Die beste Phase hatte Borussia heute nach der Pause. Das hatte Gründe. Zum einen stand die Mannschaft ein ganzes Stück höher und merkte, dass sie damit Stuttgart noch besser im Griff haben konnte als vorher - mit dem Ballquergeschiebe in der eigenen Hälfte. Dazu kam mit Raffael ein ballsicherer Spieler, der zum Teil fast an gleicher Stelle die Verteilerrolle Zakarias übernahm, aber doch auch sehr vorsichtig agierte, als ob er harte Zweikämpfe möglichst vermeiden wollte. Hazard, der in der zentralen Stürmerrolle in Halbzeit eins nicht zum ersten Mal ein Totalausfall gewesen war, rückte nach außen und fand dort - vorübergehend - seine Dynamik wieder. Alles war bereitet für einen spielerischen Kurzpasswirbel, mit dem man die doch sehr schnell zu verunsichernde VfB-Abwehr gut hätte aushebeln können: Raffael, Stindl, Hofmann, Hazard, Elvedi hätten das Zeug dazu gehabt. Und die beste Phase der Borussia schien Hecking recht zu geben, sein Gegenüber verdichtete auch aus diesem Grund mit Badstuber und Mangala merklich die Defensive.
Doch als der Ausgleich nicht fiel, wechselte Hecking nacheinander zwei Mittelstürmer ein, die die vom VfB schon stark verdichteten Räume vorne noch enger machten. 
Nominell war Drmic zwar auf der rechten Außenbahn aufgestellt. Doch anders als Herrmann konnte er dort weder mit Schnelligkeit noch mit Flanken noch mit bissigen Zweikämpfen punkten. Er hing in der Luft, und von Bobadilla ging überhaupt kein Effekt aus. Sinn hätte die Mittelstürmerparade ja noch gemacht, wenn sich der VfL mehr Standardsituationen erspielt hätte. Oder damit Gefahr heraufbeschworen hätte. Aber auch dazu war man kaum in der Lage. Und den deutlichen Eckenvorteil (8:1) wusste man auch nicht zu nutzen: Von der vielgerühmten Gefährlichkeit bei offensiven Standards ist nichts mehr geblieben. 
68 Prozent Ballbesitz waren am Ende umsonst, weil beim Gegner ein gescheiter Angriff mit viel Rennen und Grätschen bis zum Schlusspfiff verteidigt werden konnte. Und das jetzt auch nicht so mühevoll, wie es Borussia ihnen hätte machen können. Denn wenn man ehrlich ist, war außer dem knappen Fehlschuss von Drmic in den letzten 20 Minuten kaum noch etwas zwingendes dabei. 

Die Leistung von heute weist auf tiefergehende Probleme hin, die vielleicht jeder von uns schon seit dem Köln-Spiel befürchtet hat. Die Spieler sind angeknockt, die Erfolglosigkeit vor dem Tor und die Negativerlebnisse der vergangenen Wochen nagen erheblich am Selbstvertrauen und damit am Leistungsvermögen. Das ist gefährlich, weil es in einen Abwärtsstrudel führen kann, aus dem man selbst vielleicht nicht mehr heraus findet.
Und das kann schneller als erwartet auch den Trainer gefährden. Heute hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass auch Dieter Hecking und sein Trainerstab etwas ratlos waren. Wenn man lange verletzte und noch lange nicht in Form befindliche Spieler wie Drmic und Bobadilla in ein solches Spiel schickt, um die drohende Niederlage abzuwenden, dann müsste man damit schon einen besonderen Plan verfolgen - etwa, dass man damit den Gegner irgendwie beeindrucken kann. Es sah für mich heute aber eher wie Verzweiflung aus, nach dem Motto: Sollen die es halt mal probieren, denn Herrmann und Cuisance treffen ja auch nix. Aber wie wir aus leidiger Erfahrung wissen, werden Stürmer mit Ladehemmung ja ausschließlich von unserer Borussia aufgebaut: ein gewisser Herr Terodde hat seit seinem Erfolgerlebnis gegen uns in Köln bekanntlich fünf Tore erzielt - Borussia kommt seitdem insgesamt auf drei.

Ausgerechnet jetzt kommt Marco Reus mit dem wiedererstarkenden BVB vorbei. Es wird also wohl eine unruhige Woche. Und es kommt mehr denn je auf den Trainerstab und jeden einzelnen Spieler an, aus dem vielbeschworenen guten Mannschaftsgefüge auch wieder eine Mannschaft zu formen, die darauf eingestellt ist, am nächsten Sonntag um jeden Ball zu fighten. Der kein Weg zu weit ist und kein Zweikampf zuviel. 
Und noch etwas wünsche ich mir: bitte keine Versprechungen und markige Ankündigungen von Spielern, jetzt alles besser machen zu wollen. Mund halten, eine Woche arbeiten, abliefern. Dann können sie von mir aus wieder was bei Facebook, Twitter oder Instagram posten oder über die Vereinskanäle schicken. Vorher nicht. Lasst die Beine sprechen, kämpft, rackert. Spielt einfach, schnell und zielstrebig, ohne Angst und bügelt eure Fehler wieder aus. Glaubt an eure Stärken, aber übertreibt nicht. Schießt Tore, holt Punkte. Der Rest kommt dann von allein.



Bundesliga, Saison 2017/18, 22. Spieltag: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 1:0

Samstag, 3. Februar 2018

Keine Tore, keine Argumente

Es ist, wie es ist: Man kann wenig dagegen sagen, dass der Brauseclub heute gewonnen hat. Umgekehrt gab es keinen Grund, warum nicht der VfL am Ende als verdienter Sieger vom Platz hätte gehen sollen.
Denn das heute war eine ziemlich enge Kiste, vielleicht sogar das knappste Duell von den vier Anläufen, die es bis jetzt gegen die Leipziger Reißbrett-Fußballmannschaft gegeben hat. 
Aber wieder ging es nicht zugunsten der Borussia aus. Und es wurde auch keine Punkteteilung, was dem Spiel wohl am ehesten gerecht geworden wäre. Nein, Gladbach stand nach Abpfiff wieder mit leeren Händen da. Und einmal mehr durch ein vermeidbares Gegentor, dank einer kollektiv schwachen Verteidigungshaltung in jener Szene kurz vor Schluss.

Lamentieren muss man darüber nicht, weder der (recht gute) Schiedsrichter Stieler noch pennende Videoassistenten noch die üppige Verletztenliste noch der anfängliche Stimmungsboykott (wird langsam langweilig) haben das Spiel entscheidend beeinflusst. 

Die "Rumpftruppe" des VfL war immer noch gut besetzt, und sie löste ihre Aufgaben unter dem Strich auch ziemlich ordentlich. Sie bot kollektiv eine sehr konzentrierte Defensivleistung, ließ Leipzigs Stärken nur ab und an aufblitzen, meldete deren wohl stärkste Kräfte - Werner, Bruma und Keita - bis auf wenige Ausnahmen ab und hätte damit ein "zu Null" wirklich verdient gehabt. Das gilt für den hervorragenden Tobi Sippel natürlich umso mehr. Er war für mich neben dem bärenstarken Nico Elvedi auf der ungewohnten linken Abwehrseite der beste Spieler. Dennoch kam RB vor allem nach dem Wiederbeginn natürlich auch zu einigen wirklich hochkarätigen Chancen, die zum Glück vergeben oder von Sippel entschärft wurden.  

Die abwartendere Spielanlage des VfL und das verstärkte Lauern auf Konter im eigenen Stadion funktionierte aus meiner Sicht auch ganz gut, wenngleich nicht mit dem erhofften Ergebnis. 
Denn an dieser Stelle zeigte sich das alte Manko: Wenn man fünfmal freie Schussbahn vor dem Torwart hat, dann hat man einfach keine Argumente mehr, sich zu beschweren, wenn man 0:1 verloren hat. Heute vergaben Hazard (2), Herrmann, Stindl und Cuisance die 100prozentigen Chancen. Das verzeiht die Bundesliga nicht, auch nicht, wenn alle Teams hinter den Bayern so unzuverlässig punkten sind wie in dieser Saison.
Dazu kam, dass die vielen erarbeiteten Standardsituationen - sicher auch ein bewusst gewähltes Mittel, mit dem man die Gäste unter Druck setzen wollte - nahezu wirkungslos verpufften. Und das, obwohl mit Vincenzo Grifo ein ausgewiesener Spezialist über 90 Minuten auf dem Platz stand. 

Es ist einfach zum Verzweifeln: Woche für Woche hat Borussia die Möglichkeit, sich auf einen Champions-League-Platz zu schießen und dort zu bleiben. Wären nur zwei der drei unglücklich verlorenen Spiele seit Rückrundenbeginn gewonnen worden, stünde die Hecking-Elf mit zwei Punkten Vorsprung auf Platz zwei. 
So aber ist das Team an einem gefährlichen Scheideweg angekommen. Der Blick nach hinten in der Tabelle wird langsam wichtiger als der nach vorn. Und dass sie nicht in der Lage sind, die "Big Points" zu machen, nagt, so scheint es, nicht nur sichtlich an Spielern wie Herrmann, Stindl und Hazard, sondern an der ganzen Mannschaft.

Doch es hilft nichts: Die Bilanz gegen die Teams vor Borussia gibt einen Hinweis, warum es in dieser Saison wohl höchstens noch um das Erreichen der Euro League gehen wird: 0 von 3 Punkten gegen Leverkusen, 1 von 6 gegen Leipzig, 0 von 3 gegen den BVB, 1 von 3 gegen Schalke und 0 von 6 gegen Frankfurt. Dem steht nur die volle Punktzahl (3 von 3) ausgerechnet gegen den kommenden Meister FC Bayern gegenüber. Ob sich an dieser Ausbeute in den ausstehenden Spielen in dieser Gegner-Gruppe (München, Leverkusen, Dortmund und Schalke) noch viel ändern wird, lässt sich angesichts der Torflaute im Jahr 2018 nur leise hoffen, aber sicher nicht erwarten.

Was bleibt nach diesem Spiel? Die Hoffnung, dass nächste Woche bei dem einen oder anderen der Knoten beim Toreschießen endlich platzt. Die Angst, dass eine erneute Niederlage in Stuttgart eine Negativspirale in Gang setzen könnte. Und die Frage, ob Dieter Hecking heute durch mehr als nur eine Einwechslung (Cuisance) nicht einfach noch mehr hätte riskieren sollen. Natürlich, auch Bobadilla, Hofmann oder Drmic sind derzeit keine Torgaranten. Aber vielleicht wäre einem von ihnen gerade heute in der Schlussphase der Lucky Punch gelungen. Auf Seiten der Gegner gelingt das ja irgendwie auch regelmäßig, wie heute wieder zähneknirschend mitzuerleben war.


 Bundesliga, Saison 2017/18, 21. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - RB Leipzig 0:1