Montag, 19. Februar 2018

28:7 gleich 0:1

Oh mein Gott! 28:7 = 0:1. Ich konnte mit Mathematik ja noch nie viel anfangen. Aber im Fußball gibt es mitunter noch grausamere Gleichungen, die dann auch noch aufgehen. 
Na gut, ich kann mich auch an ein sehr glücklich gewonnes Spiel der wahren Borussia gegen Dortmund vor einigen Jahren erinnern. Dieser schmeichelhafte Sieg damals war mir auch schon fast peinlich. Dieses Spiel war allerdings kein Vergleich zu dem unverdienten Sieg der Schwarz-Gelben heute. Ich glaube, auch nächste Woche wissen die noch nicht, wieso sie dieses Spiel gewonnen haben. Und das ist ein Problem. Leider unser Problem.

Denn die Leistung von Christoph Kramer und Co. heute war vielleicht die beste der Saison, ganz sicher die beste seit Monaten. Zweikampfstark, mutig, zielstrebig und risikobereit nach vorn, aber auch hoch aufmerksam und bissig nach hinten. So hätte ich mir das Team in der Rückrunde immer gewünscht. Denn dann wären die verlorenen Punkte heute nicht so sehr ins Gewicht gefallen, weil der VfL sicher schon sechs bis neun Punkte mehr auf dem Konto gehabt hätte.
Dass Borussia gegen einen mitspielenden Gegner zu mehr Raum kommen würde als zum Beispiel gegen die Stuttgarter oder Frankfurter Maurergesellen, das konnte man dabei ja durchaus erwarten. Aber dass es ein solches Spiel auf ein Tor werden würde, mit einer solchen Häufung von Großchancen, das sicher nicht. 

Das einzige was fehlte, ich mag es nicht mehr schreiben, waren die Tore - wie in den Wochen zuvor  verschenkten Stindl und seine Mannen die besten Chancen. 28:7 Torschüsse gegen eine (tabellarische) Spitzenmannschaft sind hervorragend. Aber neben einem Dutzend "Muss"-Torchancen waren eben auf Seiten der Hecking-Elf auch viele harmlose Abschlüsse dabei, die Roman Bürki im BVB-Tor zu leicht und völlig unnötig zum Mann des Spiels machten.

Die Abschlussschwäche von Stindl, Hazard, Elvedi und Bobadilla zeigt, dass sich die Erfolglosigkeit schon tief ins Selbstvertrauen gefressen hat. Sie wollen alle, aber sie stellen sich unglücklich und mitunter dämlich an. 
Wobei man Bobadilla aufgrund seiner verkorksten Anfangszeit bei Borussia in dieser Saison da wohl noch die geringsten Vorwürfe machen sollte. Er zeigte wie die gesamte Mannschaft eine wahnsinnig engagierte und feurige Leistung. Er war in vorderster Reihe genau der, der unserem Team zuletzt so gefehlt hat: Einer, der dahin geht, wo es weh tut, der Bälle sichert, abschirmt, weiterleitet, Gegenspieler auf sich zieht - ein richtiger Stürmer eben. Aber es fehlte in vielen Szenen bei Boba eben auch noch ein Tick Schnelligkeit und wohl auch Spielpraxis, um dann auch zum Erfolg zu kommen. Als er dann ausgepumpt raus musste, konnte Josip Drmic seine Läufe und Zweikampfhärte nicht annähernd ersetzen.

Schade ist, dass ich heute wieder mal etwas zum Thema Schiedsrichter und seinen Komplizen sagen muss. Schon in der ersten Hälfte pfiff Bastian Dankert ein wenig einseitig (etwa Gelbe Karte für Boba), er ließ sich auch von Meckerlieschen wie Mario Götze viel zu viel zutexten, ohne mal eine klare Ansage zu machen. Und die Nachspielzeit setzte er bei schon fast skandalösen drei Minuten an, obwohl durch Bürkis Verletzung, sein auffälliges Zeitspiel und den Videobeweis beim (zurecht zurückgepfiffenen) vermeintlichen 1:1 sechs Minuten mehr als angemessen gewesen wären. Auch die vier Minuten Nachspielzeit am Ende war zu kurz bemessen, zumal allein in der Nachspielzeit von Dortmund nochmal knapp zwei Minuten vertrödelt wurden. 
Das alles aber wäre ja noch zu verschmerzen, wenn da nicht kurz vor Schluss der glasklare Foulelfmeter gegen Vestergaard gewesen wäre, bei dem wieder einmal das Videoschiedsrichtersystem auf ganzer Linie versagt hat. Es ist blöd, darauf zu schimpfen, weil der VfL vorher ja nun wirklich genug Chancen liegengelassen hatte. 
Aber es ist auch nicht mehr akzeptabel, dass Borussia in dieser Hinsicht seit November so oft und so krass benachteiligt worden ist. Es kann nicht sein, dass beim Abseitstor von außen eingegriffen wird und bei einer so klaren Szene im Strafraum nicht. Es ist nicht zu verstehen (oder arrogant), warum der Schiedsrichter dann nicht selbst auf Nummer sicher geht und die Szene nochmal nachprüft. Wir wissen ja bis jetzt nicht mal, ob Wolfgang Stark im Kölner Keller dazu einen Hinweis gegeben hat oder ob er, wie Hecking mutmaßte, schon "eingeschlafen war". 
Ich weiß, das bringt uns im Nachhinein genausowenig Punkte wie das Lamentieren über die Harmlosigkeit vor dem Tor. Aber ist ist einfach zu viel, was in dieser Saison in dieser Hinsicht gegen Gladbach läuft.

An einem immerhin hat es heute nicht gelegen, obwohl einem auch als Fan sein jämmerlicher Zustand wirklich peinlich sein konnte: der schlimme Rasenflickenteppich, auf dem gespielt wurde. Sky-Dampfplauderer Fuss kannte zwar eine gute halbe Stunde lang kein anderes Thema, doch danach spielte das Grün-Braun im Borussia Park interessanterweise auch in seiner manchmal verqueren Welt keine Rolle mehr. Die Spieler fanden sich nach anfänglichen Ausrutschern ganz vernünftig zurecht und keiner wurde entscheidend am Fußballspielen gehindert.

Fazit: Ein Spiel, das bei einem normalen Saisonverlauf nicht unbedingt zu den "Muss"-Siegen gehört hätte, musste aufgrund der drei Pleiten zuvor eigentlich schon gewonnen werden, um den Kontakt nach oben noch nicht ganz abreißen zu lassen. Fast alle Konkurrenten taten dem VfL auch noch den Gefallen, Punkte liegenzulassen. 
Dann wurde trotz erneuter personeller Engpässe ein Spiel daraus, in dem man den Favoriten locker hätte aus dem Stadion schießen können und müssen. Und am Ende stehen wir im Niemandsland der Tabelle, mit der vierten Zu-Null-Niederlage in Folge. Da soll man nicht verzweifelt werden?

Immerhin: Das Gute ist, dass 0:1 (Stuttgart) nicht gleich 0:1 (Dortmund) ist. Wenn die Spieler heute verstanden haben, wie sie den Mut und die Entschlossenheit auf den Platz bringen können, dann war das Spiel heute ein großer Schritt nach vorn. Wichtig war es auf jeden Fall für den Verein, weil dadurch hoffentlich die unselige Trainerdebatte gleich wieder im Keim erstickt wird. Und weil die Mannschaft sich heute - trotz der quälenden Fehlschüsse vor dem Tor - mit ihrem Auftritt die bedingungslose Unterstützung der Fans zurückverdient hat. 
Denn das ist wichtig, soll es in dieser Saison noch einmal in Richtung obere Tabellenhälfte gehen: Ruhe im Verein sowie Mannschaft und Fans als verschworene Einheit. Die richtigen Schlüsse aus der Saison kann man zwar zum großen Teil jetzt schon ziehen (das hebe ich mir für einen späteren Text auf). Es nützt aber nicht viel, weil man derzeit an den entscheidenden Schrauben - dem Kader - nicht wesentlich drehen kann. Und in dieser Phase den Trainer zu wechseln, könnte nur eine echte Verzweiflungstat rechtfertigen. Und dazu besteht angesichts des Auftretens der Mannschaft nun wirklich kein Grund.



Bundesliga, Saison 2017/18, 23. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund 0:1

Sonntag, 11. Februar 2018

Angezählt


Vor drei Wochen ging es um die Champions League, ab heute gegen den Abstieg. Natürlich ist das sehr zugespitzt. Aber der Ausflug nach Stuttgart hat gezeigt, dass Stindl und Co. derzeit die Voraussetzungen für einen erfolgversprechenden "Europa"-Anwärter nicht erfüllen - vor allem die mentale Stärke fehlt dazu. 31 Punkte stehen auf dem Konto, doch das reicht nicht für den Klassenerhalt. Sollte der VfL so weiterspielen, wie er sich heute präsentiert hat, holt er in dieser Liga keinen Punkt mehr. So sieht es leider aus. Das bedeutet: Es muss sich schnellstens etwas tun.

Denn: Der Gegner heute war der schwächste seit langem - mit Ausnahme von Insua und Pavard sogar fußballerisch von einiger Erbärmlichkeit. Aber der VfB hatte verstanden, dass er sich gegen eine Niederlage wehren kann. Und das reichte, um diese drei Punkte einzusammeln.
Borussia hingegen klammert sich noch immer krampfhaft an das Können ihrer Einzelspieler, hofft auf die feine Klinge, selbst wenn nicht viel zusammenläuft wie heute. Mit der feinen Klinge schnitt man zwar auch heute einige Male durch die gegnerische Abwehr, aber nur, um im Anschluss - wieder einmal - den Ball vor dem Tor auf die eine oder andere Weise zu verstolpern.
Während in den Spielen vorher der Spielausgang immer noch als unglücklich oder unverdient zu bezeichnen war, blieb heute nur noch Kopfschütteln. Das Gezeigte kann sicher nicht Gladbacher Anspruch sein.

Was stellt man sich vor, wenn man bei einem abstiegsgefährdeten Club antritt, der gerade seinen Trainer gewechselt hat? Wie geht man in ein solches Spiel? Zaghaft, mit einem neuen Vereinsrekord in unerzwungenen Rückpässen in der Anfangsphase? Phlegmatisch, behäbig, kompliziert, mit heiklen Anspielen, die eigene Ballverluste geradezu herausfordern? Möglichst langsam im Spielaufbau, um den angeschlagenen Gegner einzuladen, selber die Initiative zu übernehmen? 
Nein, natürlich nicht. In ein solches Spiel, bei dem es auch für uns schließlich um einiges ging, muss man aggressiv und entschlossen gehen, dem Gegner von Beginn an zeigen, dass er keine ruhige Sekunde auf dem Platz haben wird. Das Frappierende ist, dass der VfL vor drei Wochen gegen Augsburg genau das sehr gut auf die Reihe bekam und damit auch das Spiel gewann. Und heute? Nichts davon.

Gegen Stuttgart war Borussia über weite Strecken des Spiels genau das Gegenteil. Die Hecking-Elf spielte feige, zitterig und mit teilweise gruseligen Stockfehlern. Viel Ballbesitz, optische Überlegenheit, aber kaum gewonnene zweite Bälle, wenige Balleroberungen, die in vernünftige Gegenangriffe verwandelt werden konnten. Einfach zu wenig von allem, was man für einen Sieg gebraucht hätte. 
Und es spricht für sich, dass der VfB trotzdem bis auf drei vernünftige Angriffe kein nennenswertes Angriffsspiel auf die Reihe bekam.

Woran liegt es, dass das Spiel des VfL zunehmend im Niemandsland des Spielfelds feststeckt? Und der Verein im Niemandsland der Tabelle? Unter anderem, daran, dass die Aufstellung und die taktischen Ideen, die Dieter Hecking seinem Team offenbar vorgibt, nicht aufgehen. Die Idee, mit Hofmann (statt Herrmann) und Grifo auf den Außen für mehr Variabilität im Spiel sorgen zu können, war nicht schlecht. Sie scheiterte aber daran, dass kaum einer in der Mannschaft heute Normalform erreichte, schon gar nicht die beiden genannten. 
Die defensive Außenvariante mit Elvedi links und Jantschke rechts musste nach 30 unterirdischen Minuten durch den Flügeltausch der beiden beendet werden. Mit der Folge, dass wenigstens der Schweizer fortan etwas mehr zum Spiel beitragen konnte. Tony Jantschke aber, so leid es mir für ihn tut, erfüllt im Moment nicht das Aufgabenprofil, das dieses System von ihm verlangt. Er ist keiner, der über die Flügel stürmt und auch keiner, der zu einer guten Flanke in der Lage wäre. Er ist auch keiner, mit dem man sich im Kurzpassspiel gut aus einer engen Situation lösen kann (so wie Elvedi es kann). Kurzum: Tony ist in der Hälfte des Gegners ein Totalausfall. Das aber kann man sich im heutigen Fußball nicht mehr leisten, vor allem in dieser taktischen Aufstellung. Denn damit leidet zugleich der offensivere Flügelpartner, was heute an Hofmann, Grifo und in der zweiten Halbzeit auch an Thorgan Hazard gut zu sehen war. 
Dass Jantschke dann trotzdem in dieser taktischen Variante auf dieser Position spielt, wirft Fragen auf. Die nach dem fehlenden Backup für Oscar Wendt ist schon oft gestellt worden, ohne befriedigende Antwort geblieben und auch für den Rest der Saison nicht mehr zu reparieren. Das Spiel heute hat aber gezeigt, dass hier eine der Lehren aus der Saison gezogen werden muss.
Die zweite Frage ist, warum Jantschke dann nicht innen spielt und zum Beispiel Ginter auf die rechte Seite gezogen wird. Oder warum Reece Oxford nicht den Vorzug bekommt. Oder gegen zwei Brecherstürmer wie Gomez und Ginczek vielleicht doch eine kompromisslose Dreierkette eine Alternative wäre. Hinterher kann man natürlich immer schlauer sein. Aber das ist nicht das einzige, was heute aus meiner Sicht taktisch nicht gestimmt hat.

Die beste Phase hatte Borussia heute nach der Pause. Das hatte Gründe. Zum einen stand die Mannschaft ein ganzes Stück höher und merkte, dass sie damit Stuttgart noch besser im Griff haben konnte als vorher - mit dem Ballquergeschiebe in der eigenen Hälfte. Dazu kam mit Raffael ein ballsicherer Spieler, der zum Teil fast an gleicher Stelle die Verteilerrolle Zakarias übernahm, aber doch auch sehr vorsichtig agierte, als ob er harte Zweikämpfe möglichst vermeiden wollte. Hazard, der in der zentralen Stürmerrolle in Halbzeit eins nicht zum ersten Mal ein Totalausfall gewesen war, rückte nach außen und fand dort - vorübergehend - seine Dynamik wieder. Alles war bereitet für einen spielerischen Kurzpasswirbel, mit dem man die doch sehr schnell zu verunsichernde VfB-Abwehr gut hätte aushebeln können: Raffael, Stindl, Hofmann, Hazard, Elvedi hätten das Zeug dazu gehabt. Und die beste Phase der Borussia schien Hecking recht zu geben, sein Gegenüber verdichtete auch aus diesem Grund mit Badstuber und Mangala merklich die Defensive.
Doch als der Ausgleich nicht fiel, wechselte Hecking nacheinander zwei Mittelstürmer ein, die die vom VfB schon stark verdichteten Räume vorne noch enger machten. 
Nominell war Drmic zwar auf der rechten Außenbahn aufgestellt. Doch anders als Herrmann konnte er dort weder mit Schnelligkeit noch mit Flanken noch mit bissigen Zweikämpfen punkten. Er hing in der Luft, und von Bobadilla ging überhaupt kein Effekt aus. Sinn hätte die Mittelstürmerparade ja noch gemacht, wenn sich der VfL mehr Standardsituationen erspielt hätte. Oder damit Gefahr heraufbeschworen hätte. Aber auch dazu war man kaum in der Lage. Und den deutlichen Eckenvorteil (8:1) wusste man auch nicht zu nutzen: Von der vielgerühmten Gefährlichkeit bei offensiven Standards ist nichts mehr geblieben. 
68 Prozent Ballbesitz waren am Ende umsonst, weil beim Gegner ein gescheiter Angriff mit viel Rennen und Grätschen bis zum Schlusspfiff verteidigt werden konnte. Und das jetzt auch nicht so mühevoll, wie es Borussia ihnen hätte machen können. Denn wenn man ehrlich ist, war außer dem knappen Fehlschuss von Drmic in den letzten 20 Minuten kaum noch etwas zwingendes dabei. 

Die Leistung von heute weist auf tiefergehende Probleme hin, die vielleicht jeder von uns schon seit dem Köln-Spiel befürchtet hat. Die Spieler sind angeknockt, die Erfolglosigkeit vor dem Tor und die Negativerlebnisse der vergangenen Wochen nagen erheblich am Selbstvertrauen und damit am Leistungsvermögen. Das ist gefährlich, weil es in einen Abwärtsstrudel führen kann, aus dem man selbst vielleicht nicht mehr heraus findet.
Und das kann schneller als erwartet auch den Trainer gefährden. Heute hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass auch Dieter Hecking und sein Trainerstab etwas ratlos waren. Wenn man lange verletzte und noch lange nicht in Form befindliche Spieler wie Drmic und Bobadilla in ein solches Spiel schickt, um die drohende Niederlage abzuwenden, dann müsste man damit schon einen besonderen Plan verfolgen - etwa, dass man damit den Gegner irgendwie beeindrucken kann. Es sah für mich heute aber eher wie Verzweiflung aus, nach dem Motto: Sollen die es halt mal probieren, denn Herrmann und Cuisance treffen ja auch nix. Aber wie wir aus leidiger Erfahrung wissen, werden Stürmer mit Ladehemmung ja ausschließlich von unserer Borussia aufgebaut: ein gewisser Herr Terodde hat seit seinem Erfolgerlebnis gegen uns in Köln bekanntlich fünf Tore erzielt - Borussia kommt seitdem insgesamt auf drei.

Ausgerechnet jetzt kommt Marco Reus mit dem wiedererstarkenden BVB vorbei. Es wird also wohl eine unruhige Woche. Und es kommt mehr denn je auf den Trainerstab und jeden einzelnen Spieler an, aus dem vielbeschworenen guten Mannschaftsgefüge auch wieder eine Mannschaft zu formen, die darauf eingestellt ist, am nächsten Sonntag um jeden Ball zu fighten. Der kein Weg zu weit ist und kein Zweikampf zuviel. 
Und noch etwas wünsche ich mir: bitte keine Versprechungen und markige Ankündigungen von Spielern, jetzt alles besser machen zu wollen. Mund halten, eine Woche arbeiten, abliefern. Dann können sie von mir aus wieder was bei Facebook, Twitter oder Instagram posten oder über die Vereinskanäle schicken. Vorher nicht. Lasst die Beine sprechen, kämpft, rackert. Spielt einfach, schnell und zielstrebig, ohne Angst und bügelt eure Fehler wieder aus. Glaubt an eure Stärken, aber übertreibt nicht. Schießt Tore, holt Punkte. Der Rest kommt dann von allein.



Bundesliga, Saison 2017/18, 22. Spieltag: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 1:0

Samstag, 3. Februar 2018

Keine Tore, keine Argumente

Es ist, wie es ist: Man kann wenig dagegen sagen, dass der Brauseclub heute gewonnen hat. Umgekehrt gab es keinen Grund, warum nicht der VfL am Ende als verdienter Sieger vom Platz hätte gehen sollen.
Denn das heute war eine ziemlich enge Kiste, vielleicht sogar das knappste Duell von den vier Anläufen, die es bis jetzt gegen die Leipziger Reißbrett-Fußballmannschaft gegeben hat. 
Aber wieder ging es nicht zugunsten der Borussia aus. Und es wurde auch keine Punkteteilung, was dem Spiel wohl am ehesten gerecht geworden wäre. Nein, Gladbach stand nach Abpfiff wieder mit leeren Händen da. Und einmal mehr durch ein vermeidbares Gegentor, dank einer kollektiv schwachen Verteidigungshaltung in jener Szene kurz vor Schluss.

Lamentieren muss man darüber nicht, weder der (recht gute) Schiedsrichter Stieler noch pennende Videoassistenten noch die üppige Verletztenliste noch der anfängliche Stimmungsboykott (wird langsam langweilig) haben das Spiel entscheidend beeinflusst. 

Die "Rumpftruppe" des VfL war immer noch gut besetzt, und sie löste ihre Aufgaben unter dem Strich auch ziemlich ordentlich. Sie bot kollektiv eine sehr konzentrierte Defensivleistung, ließ Leipzigs Stärken nur ab und an aufblitzen, meldete deren wohl stärkste Kräfte - Werner, Bruma und Keita - bis auf wenige Ausnahmen ab und hätte damit ein "zu Null" wirklich verdient gehabt. Das gilt für den hervorragenden Tobi Sippel natürlich umso mehr. Er war für mich neben dem bärenstarken Nico Elvedi auf der ungewohnten linken Abwehrseite der beste Spieler. Dennoch kam RB vor allem nach dem Wiederbeginn natürlich auch zu einigen wirklich hochkarätigen Chancen, die zum Glück vergeben oder von Sippel entschärft wurden.  

Die abwartendere Spielanlage des VfL und das verstärkte Lauern auf Konter im eigenen Stadion funktionierte aus meiner Sicht auch ganz gut, wenngleich nicht mit dem erhofften Ergebnis. 
Denn an dieser Stelle zeigte sich das alte Manko: Wenn man fünfmal freie Schussbahn vor dem Torwart hat, dann hat man einfach keine Argumente mehr, sich zu beschweren, wenn man 0:1 verloren hat. Heute vergaben Hazard (2), Herrmann, Stindl und Cuisance die 100prozentigen Chancen. Das verzeiht die Bundesliga nicht, auch nicht, wenn alle Teams hinter den Bayern so unzuverlässig punkten sind wie in dieser Saison.
Dazu kam, dass die vielen erarbeiteten Standardsituationen - sicher auch ein bewusst gewähltes Mittel, mit dem man die Gäste unter Druck setzen wollte - nahezu wirkungslos verpufften. Und das, obwohl mit Vincenzo Grifo ein ausgewiesener Spezialist über 90 Minuten auf dem Platz stand. 

Es ist einfach zum Verzweifeln: Woche für Woche hat Borussia die Möglichkeit, sich auf einen Champions-League-Platz zu schießen und dort zu bleiben. Wären nur zwei der drei unglücklich verlorenen Spiele seit Rückrundenbeginn gewonnen worden, stünde die Hecking-Elf mit zwei Punkten Vorsprung auf Platz zwei. 
So aber ist das Team an einem gefährlichen Scheideweg angekommen. Der Blick nach hinten in der Tabelle wird langsam wichtiger als der nach vorn. Und dass sie nicht in der Lage sind, die "Big Points" zu machen, nagt, so scheint es, nicht nur sichtlich an Spielern wie Herrmann, Stindl und Hazard, sondern an der ganzen Mannschaft.

Doch es hilft nichts: Die Bilanz gegen die Teams vor Borussia gibt einen Hinweis, warum es in dieser Saison wohl höchstens noch um das Erreichen der Euro League gehen wird: 0 von 3 Punkten gegen Leverkusen, 1 von 6 gegen Leipzig, 0 von 3 gegen den BVB, 1 von 3 gegen Schalke und 0 von 6 gegen Frankfurt. Dem steht nur die volle Punktzahl (3 von 3) ausgerechnet gegen den kommenden Meister FC Bayern gegenüber. Ob sich an dieser Ausbeute in den ausstehenden Spielen in dieser Gegner-Gruppe (München, Leverkusen, Dortmund und Schalke) noch viel ändern wird, lässt sich angesichts der Torflaute im Jahr 2018 nur leise hoffen, aber sicher nicht erwarten.

Was bleibt nach diesem Spiel? Die Hoffnung, dass nächste Woche bei dem einen oder anderen der Knoten beim Toreschießen endlich platzt. Die Angst, dass eine erneute Niederlage in Stuttgart eine Negativspirale in Gang setzen könnte. Und die Frage, ob Dieter Hecking heute durch mehr als nur eine Einwechslung (Cuisance) nicht einfach noch mehr hätte riskieren sollen. Natürlich, auch Bobadilla, Hofmann oder Drmic sind derzeit keine Torgaranten. Aber vielleicht wäre einem von ihnen gerade heute in der Schlussphase der Lucky Punch gelungen. Auf Seiten der Gegner gelingt das ja irgendwie auch regelmäßig, wie heute wieder zähneknirschend mitzuerleben war.


 Bundesliga, Saison 2017/18, 21. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - RB Leipzig 0:1